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Erst Lavendel, dann Braunkohle

João Félix ist das beste Beispiel dafür, wie schädlich eine zu hohe Ablösesumme für einen jungen Spieler sein kann. Schon bevor damals der Transfer und die nackte Zahl von rund 126 Millionen Euro die Runde machten, waren die Lorbeeren bereits faul. Vom neuen Wunderkind bis zu Messis Nachfolger war alles an falschen Superlativen on fire, das einem U20-Jungen die Luft nimmt. Die Auszeichnung zum Golden Boy und ein Dreierpack gegen Eintracht Frankfurt stützten dieses auf Sand gebaute Kartenhaus.

Doch Félix war kein abgewichster, die roten Teppiche und das Rampenlicht liebender Neymar-Verschnitt und der Wechsel zu Atlético kein typischer nächster Schritt. Es war ein Wechsel von Benficas damaliger Torfabrik mit Ajax-Schablone zum räudigsten Defensivfußball des europäischen Spitzenfußballs. Das ist in etwa so, als würdest du deine Ausbildung auf den Lavendelfeldern der Provence machen, um dann im Braunkohlegebiet Garzweiler übernommen zu werden. Es machte alles einfach null Sinn und mit jedem Spiel, in dem der neue Messi nicht mindestens herausragte, wurden die 126 Millionen Euro schwerer und schwerer auf den Schultern. Bis du irgendwann mal auf der Bank landest, weil du nicht dem System eines Zenturios entsprichst und in den Medien als overrated Flop die Runde machst.

Mit 23 Jahren fliegt nun die Leihe João Félix bei seinem Debüt für den FC Chelsea nach einem üblen Tritt vom Platz. Sein Marktwert ist auf 50 Millionen Euro geschrumpft. Das Ganze bei einem Klub, der gerade im Mittelmaß versinkt und dessen Fans Lieder auf Thomas Tuchel anstimmen. Wer auch immer Félix je beraten und mit ihm Kohle verdient hat, kauft wahrscheinlich dieselben Lambos wie Max Meyers Vater. Und das ist am Ende nur eines: traurig.