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Eine Frage des Respekts

Wenn selbst ein gestandener Innenverteidiger das letzte überzeugende Spiel der Nationalmannschaft auf Herbst 2017 datiert, dann sagt das mehr aus, als Spieler-Noten aus drei Vorrunden-Partien zusammen. Dass Mats Hummels dies kurz nach Spielende eines vorangegangenen Offenbarungseides auf sachlich-nüchterne Weise und nicht in leidenschaftlicher Janusz-Gora-Manier vermittelte, zeugte davon, dass soeben keine überraschende Schande passiert, sondern das Ende eines schleichenden Prozesses zu sehen war.

Die Masse an Kritik, die auf das DFB-Team niederprasselte, war aufgrund des kollektiven Versagens in nahezu allen spielerischen wie mentalen Bereichen hingegen weniger überraschend und zudem berechtigt. Die Tonart aber, die von teils bekannten Einzelpersonen, einigen Medien und auf sozialen Plattformen angeschlagen wird, zeigt auf schauerliche Weise den gasförmigen Aggregatzustand keiner zivilen, sondern empathielosen Diskussionskultur. Darauf verwies auch Oliver Kahn, als er nach den schwachen Leistungen der Nationalelf im ZDF klarstellte: „Kritik sollte sich niemals gegen den Menschen richten.“

Genau das aber ist vor und während der WM auf einem Level geschehen, das in der Nachkriegseschichte des deutschen Fußballs seinesgleichen sucht. Dabei gab es genug sportliche Täler in Marianengraben-Tiefe, was im Zeitalter hilfloser Rumpelfüßler ab 1998 seinen Höhepunkt fand. Die damalige Kritik bezog sich jedoch primär auf den neandertalischen Libero-Fußball aus der Stube Erich Ribbecks oder den jahrelangen Winterschlaf in puncto Jugendarbeit. Carsten Ramelow und Co. wurden indes nie auf ihre nationale Identität geprüft, sondern schlimmstenfalls ob ihrer zeitweiligen Kreisklasse belächelt.

Gegen Davor Sûker und später dann Sergio Conceição sah Fußball-Deutschland ein: das eigene Personal hatte schlichtweg nicht mehr drauf. Und unrühmliche Vorfälle wurden zwar scharf kritisiert, führten aber nicht zu öffentlichen Diffamierungen oder gar Bedrohungen. Man stelle sich einmal vor, nicht Lukas Podolski hätte Michael Ballack 2009 während eines Länderspiels geohrfeigt, sondern Ilkay Gündogan. Man stelle sich einmal vor, nicht Stefan Effenberg hätte den eigenen Fans bei der WM in den USA den Mittelfinger gezeigt, sondern Mesut Özil. Ein Land am Rande des Nervenzusammenbruchs wäre das.

Die Verkommenheit, nämlich nicht auf sportliche Leistungen, sondern auf die Würde von Individuen zu zielen, ist längst nicht mehr nur bei hirnverbrannten Sauerkrautlern auszumachen. Umso mehr heißt es gerade jetzt den Mund gegen persönliche Attacken aufzumachen – auf der Arbeit, im Verein, auf der Straße, in Kommentaren, Leserbriefen oder via Flaschenpost darf diese abartige Masche keine Salonfähigkeit erfahren. Warum das so wichtig ist, zeigt eben nicht nur die haarsträubende Debatte um Özil und Gündogan.

Auch Joachim Löw wird nach dem WM-Aus in einer Form angegangen, die maßlos daneben ist. Ralf Mittmann titelt im Südkurier „Jogi Löw lebt im Gestern.“ Werner Kohlhoffs Leitartikel in der Saarbrücker Zeitung weiß via Titelzeile „was Angela Merkel besser gemacht hat als Löw“. Der General-Anzeiger hat Löw auf frischer Tat bei seiner „Flucht in den Urlaub“ ertappt. Was auf Facebook und Co. derweil passiert, bleibt hier aus FSK- und IQ-Gründen unerwähnt. Und als ob die tägliche Bild-Hetze nicht schon genug ist, schießt die FAZ den Vogel komplett ab, spricht Löw direkt mitsamt Kader an und verkündet, Zeuge einer „öffentlichen Leichenschau“ gewesen zu sein. Das meint das Blatt natürlich nicht selbst, sondern übersetzt nur das, was public viewing im amerikanischen Englisch tatsächlich bedeutet. Der totale Wahnsinn.

Joachim Löw wurde auch von unserer Feder in der Vergangenheit wie auch jetzt kritisiert. Jahrelange Platzhirsch-Hierarchie, fehlendes Leistungsprinzip oder verspätete Spielerwechsel standen dabei fortlaufend im Fokus. Der Erfolg gab Löw jedoch über Jahre recht. Der Weltmeister-Titel trug vor allem seine taktische Handschrift, die Bilanz von 108 Siegen in 165 Spielen ist zweifellos eine herausragende und macht ihn zu einen der ganz Großen seiner Gattung. Kritisiert werden darf und sollte trotzdem, so funktioniert Sport im Allgemeinen eben auch, doch macht bekanntlich der Ton die Musik – darin ist Löw übrigens ebenfalls vorbildhaft, indem er durchweg eine gesunde Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lockerheit findet.

Kritik sollte sich niemals gegen den Menschen richten, sagt Kahn. Ein richtiger und wichtiger Satz, der zu Besonnenheit und Respekt aufruft und an erster Stelle stehen sollte.

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Vom Grenzgänger zur Statue

Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon wird 40 Jahre alt

Als 1997 ein junger Lulatsch mit schwarzen, gegelten Haaren plötzlich das Tor der stolzen italienischen Fußballnation hüten sollte, trauten viele Menschen vor den TV-Geräten ihren Augen nicht. Warum nur trug dieser schmächtige Kerl kurze Hose und kurzes Trikot? Abgesehen davon, dass Torwarte seit über hundert Jahren lange Kleider trugen, fand das Spiel obendrein Ende Oktober statt – in Moskau. Auf dem russischen Rübenacker mit einem Hauch von Schneelawine lief die 33. Spielminute, als Italiens etatmäßiger Torwart Gianluca Pagliuca schmerzverzerrt vom Platz hinkte. Für ihn kam: Gianluigi Buffon. Erst zwanzig Jahre später sollte „Gigi“ diesen Platz wieder räumen – als einer der Größten in der Geschichte des Fußballs.

Zwischen Jahrhunderttalent und Tölpel

Dabei hatte Buffon in seinen Anfangsjahren als Profi besonders abseits des Platzes Startschwierigkeiten, was vor allem an den Versuchen einer prolligen Außendarstellung zu beobachten war. Bei „Gigi“ ging dieser Versuch jedoch ordentlich daneben, als er darauf pochte, die Trikotnummer 88 auf seinem Rücken zu tragen. „Weil sie vier Eier hat“, wie er damals meinte. Und die bräuchte man schließlich im Fußball. Dass die 88 als rechtsradikales Schlüsselsymbol gilt und für „Heil Hitler“ steht, wusste er nach eigener Aussage nicht und setzte dem ganzen Skandal noch eine Krone auf: „Das können doch echt nur Nazis wissen!“ 2001 musste Buffon 6300 Euro zahlen, weil er sich in Parma mit einem gefälschten Abiturzeugnis zum Jura-Studium eingeschrieben hatte. So war der junge Gigi, irgendwo zwischen Jahrhunderttalent und Tölpel.

Doch im Gegensatz zu anderen Skandalnudeln der Branche überragte sein sportliches Können alles und Juventus Turin ließ sich diese Qualität im gleichen Jahr 53 Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: Zehn Jahre später überwies Bayern München 30 Millionen Euro für Manuel Neuer an Schalke 04. Bis heute wurde nie wieder eine höhere Summe für einen Torwart bezahlt, als die für Buffon. Nach 220 Spielen für den AC Parma, sollten bis heute 638 für Juventus folgen, die ihm alle nur erdenklichen Gewinne und Preise einbrachten. Fünf Mal wurde er zum Welttorhüter gekürt, vier nationale Pokalsiege und acht italienische Meistertitel reihen sich neben dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2006 ein. Nur den „Henkelpott“ der Champions League konnte er trotz dreimaliger Finalteilnahme nie in seinen Händen halten. Doch es waren nicht bloß Titel, die Buffon zur heutigen Galionsfigur aufstiegen ließen, sondern immer auch seine Gesten des Anstands.

In kurzer Hose auf weißem Marmor

Besonders in Augenblicken des Sieges verkörpert Buffon stets den professionellen Sportsmann par excellence. Immer fair und respektvoll gegenüber dem Gegner, Selbstkritik gepaart mit Optimismus, ehrgeizig und doch realistisch: neben den Erfolgen werden sich Fußballfans weltweit eben an diese Eigenschaften seiner Karriere erinnern. Daran, wie das italienische Publikum beim entscheidenden Qualifikationsspiel während der schwedischen Hymne zum gellenden Pfeifkonzert ausholte und Buffon sich gestikulierend und demonstrativ klatschend dagegenstellte. Daran, wie er Juventus nach dem Manipulationsskandal 2006 die Treue hielt und den schweren Weg des Zwangsabstiegs in Liga zwei mitging. Daran, wie er nach über 170 Länderspielen und verpasster WM-Qualifikation auf dem Spielfeld Wasserfälle weinte wie ein trauriger Junge. Und an den vierfachen Vater, der das Familienleben aus der an Boulevardblättern nicht armen italienischen Presselandschaft heraushielt.

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Mit nun vierzig Jahren neigt sich Buffons sportliche Karriere dem Ende, bei Juventus verfolgt er die Spiele vermehrt von der Ersatzbank aus. Eine Karriere, die als pubertärer Grenzgänger begann und als bedeutende Persönlichkeit des Sports enden wird. Für eine Statue sollte es jedenfalls reichen. Schließlich erblickte Buffon in Carrara, der Stadt des berühmten weißen Marmors, aus dem Michelangelo einst seinen David erschuf, das Licht der Welt. Keine schlechten Voraussetzungen für ewiges Dasein – natürlich in kurzer Hose und kurzem Trikot.

Heiko Rothenpieler

 

Hopppics: Phönix Lübeck vs. TSV Travemünde 6:2

Lasst doch mal den Olaf durch!

Kriegerischer Fußball

Hopppics: Inter Mailand vs. AS Rom 1:3

Theaterstück über „Juller“ Hirsch

Carlo Farsang, 1999

Völlig losgelöst von der Erde

R.I.P. Fußball

Tellerrandpoetik

Tacheles zum x-ten “Weckruf”

Der 2:1-Anschlusstreffer durch Harry Kane war die bezeichnende Szene des Spiels. Eine kurze, schnelle Drehung reichte dem 22-Jährigen, um dann durch einen Beinschuss ins lange Eck zu treffen. Seine beiden Gegenspieler Müller und Özil führten dabei einen Synchrontanz vor, der eher an eine königliche Eskorte erinnerte als an einen Zweikampf. Das ganze zehn Meter vor dem eigenen Tor, wo selbst auf diesem Niveau das Tribünendach nie die schlechteste Lösung ist.

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Doch hatte man sich über dieses Laissez-faire schon während des gesamten Spiels echauffieren müssen, bekam man von Thomas Müller im späteren Interview noch einen Nachtritt, indem er klarstellte: „Wir konnten den Testspielcharakter irgendwie nicht abschütteln. Wir als Mannschaft sind nicht an die 100%, auch vom Einsatz, von der Aggressivität, rangekommen. Das ist leider nichts Neues, dass wir bei Testspielen nicht ganz so gut aussehen.“ Man darf fragen, was es also braucht für die richtige Einstellung. Der größte europäische Klassiker inklusive ausverkauftem Olympiastadion scheint das nötige Adrenalin und die richtige Einstellung nicht hervorrufen zu können. Auch Testspiele waren zwischen diesen beiden Nationen seit jeher von Prestige geprägt und stellten immer weit mehr dar als ein Trainigskick. Englands 5:1-Kantersieg in München inklusive Michael Owens Drei-Tore-Gala ist bis heute ebenso Thema im Pub wie Didi Hammans „Abrissbirne für Wembley“, die vielen Inselbewohnern immer noch den Magen umdreht.

Der Irritation nicht genug. Im Aktuellen Sportstudio spricht Löw das aus, was man als Zuschauer von Minute eins an gesehen und gefühlt hatte: „Wir hatten, selbst als wir 2:0 geführt haben, eigentlich kein gutes, dynamisches Spiel. Wir hatten auch nicht immer in diesem Spiel die Kontrolle.“ Nur fünf Minuten zuvor waren Gomez und Khedira, offensichtlich vom 2:0-Vorsprung geblendet, vom Gegenteil überzeugt. Wusste zunächst Gomez, dass man „bis zum 2:0 und auch die paar Minuten danach ein richtig, richtig gutes Spiel gemacht“ hat, war sich auch Khedira sicher „bis zum 2:0 vieles richtig gemacht“ gemacht zu haben. Offenbar ist es nicht nur ein Problem der Einstellung, sondern auch eines mit dem Realitätsempfinden eines Weltmeisters.

Doch dass Fußball nicht ausschließlich Kopfsache ist, wurde gestern ebenfalls bewiesen. Der 11 Freunde-Ticker brachte das 2:2 von Jamie Vardy auf den Punkt: „Was für eine Bude! Ausrufezeichen! Und Jogi Löw? Bringt Lukas Podolski. Jeder wie er kann.“ Was sich hier so humorvoll anhört ist leider bittere Wahrheit. Die derzeitige Personalsituation im DFB-Team ist mehr als nur bedenklich. Wer das nicht wahrhaben will, dem empfehlen wir auch weiterhin unsere Tugenden, Turniermannschaftsgene und das 7:1 gegen Brasilien zu feiern. Es ist zwei Jahre her, basta. Wachwerden, schlandsche Couch-Potatoes!

Die EM-Qualifikation wurde mit Hängen und Würgen abgeschlossen und in Spielen gegen Polen, Irland und Georgien verwies man immer wieder gerne auf die mentale Schwierigkeit mit dem Umgang „kleinerer Gegner“. Doch England ist ein anderes Kaliber wie beispielsweise Schottland, weshalb auch die „Weckruf“-Phrase gestern so deplatziert wirkte wie André Schürrles Stellungsspiel beim 2:3. Wir gehen noch weiter und posaunen, dass es bei manchen Spielern für nicht mehr reicht.

Dass Jonas Hector ein guter linker Verteidiger ist, aber eben nur ein guter. Einer, der zwar ein solides Repertoire abruft, dass bestenfalls aber gut genug für die Gruppenphase ist, da er immense Probleme mit schnellen, an der Linie klebenden Gegenspielern hat und folglich die Abstände nicht halten kann. Dass Antonio Rüdiger noch Luft nach oben in der Entwicklung hat und diese auch atmen wird. Für die EM allerdings kommt der Auftritt von Beginn an zu früh. Das weiß übrigens auch die italienische Presse, die ihn regelmäßig wegen seinen Sekundenschläfen kritisiert. Dass André Schürrle wegen fehlender Spielpraxis und Spiellaune gerade ebenso wenig hilft wie Lukas Podolski, der bei Galatasaray zwar dauerhaft spielt, aber „Gala“ eben zurzeit auch ein Club ohne Anspruch ist und mit 22 Punkten Rückstand auf Besiktas auf Platz sechs einer Mittelklasse-Liga klebt. Auch will man Sebastian Rudy nichts Böses, aber ja, lassen wir das mit Hinblick auf die Bundesliga-Tabelle.

So weiß man außer bisher schwachen bis durchschnittlichen Auftritten über die deutsche Mannschaft nur zwei Dinge ganz sicher: der jetzige Kader ist einerseits zu schwach für den EM-Titel, andererseits sollten gestandene Spieler wie Thomas Müller ihre „Leichtigkeit des Seins“ besser ganz schnell ablegen und vielleicht auch den ein oder anderen coolen Spruch erst nach getaner Arbeit bringen.

Frohe Ostern!

Und warum, Herr Hoeneß…

Endlich wieder Steffen Simon!

3625790257ENDLICH! HSV gegen Bayern, das ist Lasogga gegen Lewandowski 2016. Das war van der Vaart gegen Demichelis 2006, Ivanauskas gegen Helmer 1996, von Heesen gegen Pflügler 1986, Hidien gegen Rummenigge 1976 und Seeler gegen Müller 1966. Und wer könnte all die Anekdoten jener Klassiker, Gigantenduelle, Titanenkämpfe etc. pp besser erzählen als…? Gestern noch erhoben sich die Fankurven dieses Landes um den Untergang der Subjektivität/ Abgang Marcel Reifs zu feiern wie den Weltmeistertitel auf Crack, heute schon begrüßt sie Steffen Simon („Die Iraner, das sind Südländer, da ist nicht alles perfekt organisiert!“) mit infantiler Fußballgeilheit und dem Phrasenpotpourri aus 21 Jahren ‚Doppelpass‘. An dieser Stelle sind auch all jene zu begrüßen, die uns das „Sky-Abo“ empfehlen. Tzzzzzz. Warum macht man es nicht einfach wie auf der Insel? Warum nicht zwei Moderatoren? Warum stehen Scholl und Obdenhövel unten anstatt oben am Mikrofon zu sitzen? Das alte, klassische Modell: ein Ahnungsloser lässt sich von jemand mit Ahnung die Fußlümmelei erklären. Ein emotionaler Smalltalk, ein Schwätzchen unter Fußballliebhabern, nicht mehr, nicht weniger. Wir würden einfach nur Zeugen eines Fußballspiels sein, Zuschauer ohne Fremdschamattacke und Unterhaltungsaversion. ENDLICH!

Bayern und die ARD

Es ist ja nicht so, dass man die ARD deshalb nicht mögen muss, weil sie sich zum hundertsten Mal für eine Live-Übertragung eines Bayern-Spiels entschieden hat. Das tut zwar weh, ist aber inzwischen Redaktionsroutine und gehört ins feste Repertoire des öffentlich-rechtlichen Irrsinns. Man könnte es gar nachvollziehen, wenn man Bayern gegen Darmstadt einer Partie wie Aue gegen Heidenheim vorzieht. Quote eben. Doch wenn am gleichen Tag ein Pokal-Klassiker zwischen Gladbach und Werder stattfindet und dieser eben nicht gezeigt wird, ist der Biss in die Fernbedienung so normal wie ein Bartels-Kommentar über die „individuelle Klasse“ des Rekordmeisters. Denn wann können Bremer einmal ihre Mannschaft live im Ersten oder Zweiten sehen? Im Achtelfinale am Bökelberg wäre keine so schlechte Chance, sollte man meinen. Aber das ist alles egal inzwischen – und hat ein Verein mit derartiger Pokalhistorie wie Bremen einfach nicht verdient.

Und keine Bange, ARD: um die Quote kümmern sich schon die paar Gladbacher in ganz Deutschland.

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Groundhopping B.A.

Die Furche musste kurz ins Trainingslager, ist aber jetzt wieder für euch da wie Flieges Jürgen. Falls wer Interesse beim Thema Groundhopping verspürt und des Lesens mächtig ist, kann uns gerne eine Mail (schottischefurche@yahoo.de) zukommen lassen. Sobald Trifon und Terry was durchgegeben haben in Sachen Spiel-Note, darf es rein rechtlich auch zu euch in die Kurve. (Sanktion der Fifa) Insgesamt ist es uns nämlich immer “ […] wichtig, in dieser Ausnahmesituation neue Beziehungsgeflechte aufzubauen!“ (Robin Dutt, Küchenpsychologe)

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Sätze der Bedeutungslosigkeit #12 Spezial

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Instrumentalisiert (werden)

Das Transparent Magazin vertritt einen klaren Slogan : „Fußball ist Fußball. Fußball ist Kultur. Fußball ist Politik.“ Ein präziseres Statement gibt es wahrlich nicht. Das Getrenntsein der drei Elemente gab es nie und wird es nie geben, denn die Instrumentalisierung von Sport wird immer auch die Instrumentalisierung von Kultur sein. So war es im NS-Regime, so entstand der hundertstündige „Fußballkrieg“ zwischen El Salvador und Honduras, so posen heute hochrangige Politiker in der ersten Reihe von Siegermannschaften. Dass Fußball mit Politik nichts „zu tun hat“, ist eine verheerende Phrase und wird von jenen posaunt, die das Gegenteil forcieren.

–> http://www.ardmediathek.de/tv/Sport-inside/Im-Namen-des-Diktators-Die-syrische-N/WDR-Fernsehen/Video?documentId=31069280&bcastId=1493328

Sätze der Bedeutungslosigkeit #11

1. „Am Ende bleibt nur Scheiße übrig.“ (Christoph Cramer, Metaphysiker)
2. „Ich würde Kevin empfehlen, sich mal um seine Probleme zu kümmern, da hat er mit Sicherheit genug zu tun.“ (Joachim Watzke, Erziehungsberechtigter wider Willen)
3. „Der VfL ist umgekehrt für die Marke VW mehr wert als die tatsächlich investierte Summe.“ (Klaus Allofs, baldiger Mindestlohnempfänger)
4. „Ich finde ihn klasse, er ist sehr bescheiden. Und er sticht alleine schon deshalb heraus, weil er nicht tätowiert ist.“ (Der Analytiker Frank Mill erklärt, warum Alex Meier Nationalspieler werden soll)
5. „Das System ist das Problem.“ (Franz Beckenbauer, Fifa-Regimegegner)

Aus dem wahren (!) Leben

Erinnern an Dettmar Cramer

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In den letzten Tagen war viel los, doch möchten wir bei all dem Trubel um Bild not welcome, Favre, Verbeek und Sticheleien vor Spitzenspielen an dieser Stelle noch einmal an Dettmar Cramer erinnern. Er gehörte zweifelsfrei zu den großen Pionieren des Fußballs, irgendwo zwischen Lindenhorst, Bayern München und Al Kuwait. Und wahrlich: Pioniergeister gibt es leider immer weniger im Fußball. Unserem Empfinden nach verfasste Ben Redelings den adäquatesten Nachruf dieser Tage, dem wir uns natürlich anschließen: Ruhe in Frieden, „Napoleon“!

–> http://www.n-tv.de/sport/fussball/Dettmar-Cramer-legendaer-und-Weltklasse-article15960381.html

Diego Costa, Fußballschrott!

Das Maß ist voll. Man kann sich vieles schönreden. Man kann sich vieles auf dem Fußballplatz schönreden. Indem man alles in Relation setzt, indem man bei groben Fouls auf große Namen wie Roy Keane oder Gennaro Gattuso verweist, darüber lacht, sich auf die Kreisliga beruft, einen prostet und denkt: „Ach komm, das sind halt Typen. So war es doch schon immer.“ Oder sich gar darauf ausruht, dass die Geschichte des Fußballs nun einmal unmittelbar mit der des Rugbys verknüpft ist. Fußball, wie wir ihn heute kennen, entstammt dem Rugby, richtig. Damals noch ohne Torlatte, ohne Abseits und Kapitäne gab es nur, um auf Foul oder Weiterspielen zu entscheiden. Schiedsrichter wurden erst später eingeführt. Man(n) regelte das eben wie man(n) es eben regeln musste.

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Ok, in der Retroperspektive alles selbsterklärend: die „Fußlümmelei“ als Ausdruck fehlender Grazilität, als grobmotorisches Pendant des Turnsports, politisch wie religiös als Frevel denunziert, eine Krankheit der Bauern und des Pöbels, ein „Problem“ der Straße. Umso schwieriger war daher die Verabschiedung des ersten Fußball-Regelwerks vom 8. Dezember 1863, verfasst von der „Football Association“ (FA), bei der nicht jede der 14 Regeln mit Beifall begrüßt wurde. Protokollauszug eines Redners: „Auch nach dem Gegner zu treten, das ist wahrer Fußball! Die in Cambridge hatten kein Recht, dagegen eine Regel einzuführen! […] Wenn man die Erlaubnis des Tretens beseitigt, braucht man für das Spiel überhaupt kein Mut und keinen Schneid mehr! Dann können wir gleich ein paar Franzosen über den Kanal holen und dabei zusehen, wie die nach nur einwöchiger Spielpraxis eine englische Mannschaft schlagen!“ Zitat Ende. Soviel zur Geburt „englischer Härte“.

Diego Costa weiß von all dem nichts. Vielleicht hat er mal von „englischer Härte“ gehört, von Roy Keane, Barry Ferguson oder Vinnie Jones, vielleicht vom „Butcher“, vielleicht hat er nach Kopfballduellen mit Jaap Stam gegooglet. Man weiß es nicht. Wahrscheinlicher ist aber, dass ihm das alles, und damit ist die sportliche Mischung aus Fairplay und Agon gemeint, einfach scheißegal ist. So banal wie radikal es klingen mag: hinsichtlich der kämpferischen Geschichte des Fußballs, lebte der Sport seit jeher von Austeilen und Einstecken, vom Treten und getreten werden. Ein Einvernehmen, ein imaginärer Schwur untereinander. Was hier aber passiert, konzentriert sich ausschließlich auf Unsportlichkeit und Provokation.

Diego Costa hat demnach im Fußball nicht das Geringste verloren. Einem Gegner nach einem Foul aufhelfen? Ohne Costa. Keine gelben Karten fordern? Ohne Costa. Die gegnerischen Fans nicht provozieren? Ohne Costa. Jede Sekunde für Nickligkeiten und Provokationen ausnutzen, wenn der Schiri nicht hinschaut? Mit Costa. Mit Costa. Mit Costa. Sich dieses Spektakel der Unfairness neunzig Minuten lang anzusehen, obendrein immer und immer wieder, ist wie eine Grätsche gegen die eigene Biographie. Eine Grätsche gegen all das, was am Bolzplatz verboten war, im Verein mit Strafrunden geahndet wurde und gegen das, was Eltern präventiv vorlebten, um asoziales Verhalten des Kindes innerhalb der Gruppe zu vermeiden.

Wer das Spiel am heutigen Tag zwischen Chelsea und Arsenal aufmerksam verfolgt hat, wird dem zustimmen (müssen). Man hat einfach keine Lust mehr, auf die fußballerischen Qualitäten dieses Mannes hinzuweisen. Zu dieser Minute sitzt übrigens Per Mertesacker im aktuellen Sportstudio. Gemeinsam schaut man die Höhepunkte des Spiels an, besser gesagt DEN Höhepunkt des Spiels. Als nämlich Diego Costa gleich mehrmals in das Gesicht seines Gegners (Koscielny) schlägt und einmal mehr keine Ahndung erfährt. Auf die Anmerkung des Moderators, dass englische Fans solche Theatralik doch eigentlich mit Missgunst und Ablehnung kommentieren würden, antwortet Mertesacker: „Ganz im Gegenteil. Er wurde mit standing ovations aus dem Stadion verabschiedet. Da ist Rivalität wichtiger als das, was auf dem Spielfeld passiert!“ Sportlich gesehen weiß er nur eines: „Erstmal muss er vom Platz.“ Unterschreiben wir. Mit großer Sicherheit auch die Seelen der FA-Gründer von 1863.

hrp

Foda – Ficken – Frontzeck

13 Minuten Zettel-Ewald!

Von Kai Diekmann und anderen Hetzern

Hopp done: Goslarer SC 08 vs. BSV SW Rehden 4:1

Liga: Regionalliga Nord, 07.09.2015/ 7. Spieltag
Ground: S-Arena, 420
Stehplatzkarte: 9€ (ermäßigt)
Tore: 1:0 Malenda (12.), 2:0/ 3:0 Schubert (20./ 61.), 3:1 Stutter (65.), Golombel (86.)
Besondere Vorkommnisse: Schnupftabak sorgt bei Fan zu chronischen Niesanfällen

Keine Zeit heute, daher ein Bericht ohne Verben. Tuwörter, genau! Nix also mit aktiv und passiv und so. Goslar, Kaiserstadt. Heinrich II., 50.000 Einwohner, Regen, Wind, Kater. Zu spät am Bahnhof. Falsche Adresse inklusive. Passantenbefragung Nr.1 erfolglos, da alle Touristen. Kaiserstadt eben. Fachwerkhäuser, enge Gassen, alte Leute, Biker ohne Crew, Kaffeegeruch und Partnerlook (Jack Wolfskin). Kein Bares, keine Bank in Sicht. Passantenbefragung Nr.2 erfolglos: „Volksbank? Oh, nee. Hier direkt nicht. Ziemlich sicher. Deutsche Bank vielleicht? Hier vorne.“ Nein, Danke. 4.85€ Gebühren. Konto genug am Limit. Motto „Mit dem Dispo in Disco!“ zu häufig, zu oft letzte Zeit. Nur fünfzig Meter weiter eine Volksbank. Was zur Hölle!? Bares für Klares, Helles. Los! Dreißig Minuten bis Kick Off. Kaum Akku. Smartphone-GPS wie ein Atomkraftwerk. 2,3km. Daumen raus. Lang her solch martialische Masche. Plötzlich Smalltalk, plötzlich Beifahrer. Blauer Renault Kangoo, Kastenwagen. Fahrer weder Touri, noch Fußballfan, nur Stadionnachbar und Maler aus Leidenschaft.

Noch zehn Minuten. Eingang. Neun Euro Eintritt ermäßigt. Neun, verfluchte Hölle! Neun! Ich so: „Ligaspitze!“ Alter Mann und Ordner so: „Dafür steh´n wir unten, haha!“ Ja, haha. Total lustig hier. Absteiger, hahahaha! Anpfiff in zehn Minuten. Bier 2€. In Folge ein paar Klassiker: „Der hat schon gelb!“ (5. Minute), „Kein Fisch, kein Fleisch, das Ding!“ (8. Minute), „SOHLE!!!“ (10. Minute). Dann ein Freistoß der Kategorie Leckerbissen. 1:0 Goslar, Torschütze Malembana. Skapunk aus den Boxen! Stadionsprecher (Michael Buffer): „Toooooooooor für den Goslarer SC […] Dadadadadadaaaaanke!“. Zuschauer: „Bibibibibibiiiiitte!“. Danke auch für die FKK-Werbebande der „Villa Hannover“ (nur 92km). Undankbar für ein Liebespaar (Sie um die 50, Er um die 25), neunzig Minuten Zungenkuss. Echte Gefühle, offensichtlich. Raus für heute, Oberliga Göttingen schon morgen. Goslar? Gerne wieder. Gerne wieder fünf Tore und vielleicht ja ermäßigte Preise. Bahnhof 1,7km. Kein Kangoo weit und breit. Regen.

Der seltsame Fall des Mario Götze

Hopppics: Goslarer SC 08 vs. BSV SW Rehden 4:1

Sätze der Bedeutungslosigkeit #10

Gastbeitrag(1) von: @derseher2018

F1_1812400„Island wird die Oranje-Elf mit einem 0:1-Auswärtssieg ins vorzeitige WM-Aus pusten! In der Partie Türkei gegen Lettland wird es sieben gelbe Karten und einen Platzverweis (Arda Turan) geben! Tschechien wird Kasachstan trotz eines Eigentores von Jiráček 3:1 besiegen! Kevin de Bruyne hat heute Morgen die Fanpost gelesen und wird völlig frustriert einen Hattrick (nicht lupenrein) schießen! Der Himmel wird uns auf den Kopf fallen! Hakan Çalhanoğlu wird einen asiatischen Balljungen via Freistoß im Gesicht treffen und kein Tor erzielen! Marco Reus wird morgen Nachmittag von einem Hinkelstein getroffen und daraufhin spielen können! Ciro Immobile hat früh zu Mittag gegessen (16Uhr), ist ausgeschlafen und wird in der ersten Halbzeit gleich doppelt netzen! Zwischen Aserbaidschan und Kroatien werden vier Tore fallen! Håvard Nordtveit wird sich verletzen, ob Knöchelbruch oder Bänderriss hängt davon ab, ob Bulgarien in der Nachspielzeit trifft! Wales gewinnt! Israel schießt vier reguläre sowie zwei Abseitstore!“

Von Geld in Kapital

Hopppics: TSV Havelse vs. TSV Schilksee 2:1

Draw, Baby!

Sätze der Bedeutungslosigkeit #9