Kategorie: Kritisches

Sport „verpacken und weiterreichen“

Lückenvolle Aufklärung

Auf Seiten der Polizei ist es völlig normal geworden, Details in Pressemitteilungen einfach zu verschweigen, u.a. dass die „Fehlleitung der Fans durch die Polizei zusammen mit dem Schließen der Drehkreuze zu einer potenziell gefährliche Situation geführt“ hat. Sicherer sind da natürlich Pfefferspray und Schlagstock – für Fans, die wegen Fehlleitung fast den Anpfiff verpassten und im Zwinger gehalten wurden.

–>  Bericht Kickerhttp://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/647186/artikel_inakzeptabel_spurs-kritisieren-dortmunder-polizei.html

–> Bericht Guardianhttp://www.theguardian.com/football/2016/mar/11/tottenham-hotspur-police-borussia-dortmund-europa-league

–> Und so wird das ganze dann in der Titelzeile abgerundet: http://www.t-online.de/sport/fussball/europa-league/id_77230928/vor-bvb-spiel-tottenham-fans-attackieren-ordner.html

Wie die Grafik beweist…

Die „Hollywood-Welt“ im Wortlaut

„Von einem ehrgeizigen, geradlinigen und korrekten Trainer erwarte ich, dass er diese Lizenzauflagen auch erfüllt. […] Das ist auch eine Frage ‘wie ordentlich bin ich und wie sehr bin ich bereit mich den Gesetzgebungen in Deutschland zu beugen‘. […] Wenn es mir dann nicht gelingt innerhalb von 1 ¼ Jahr diese Dinge nachzuholen, dann ist das auch ein Trauerspiel. […] Das war mir zunächst einmal recht peinlich, weil ich sowas überhaupt nicht für möglich gehalten habe. […] Ja, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit…hat mich natürlich in meinen Grundfesten erschüttert. […] Und ich kann sowas einfach nicht ignorieren, wenn ich in diesem Job dauerhaft und seriös wirken will und entsprechend gute Jobs mir abholen will – geht nicht! […] Der SC Paderborn, dem ich ja nun seit 18 Jahren vorstehen darf […], dass ich es nicht zulasse, dass diesem Verein ein unseriöser Anstrich verpasst wird, durch Einflüsse einer mir nicht so nahen Welt – einer Hollywood-Welt – die uns Paderbornern nicht so gut zu Gesicht steht. Das lehne ich ab, das möchte ich nicht. Ich möchte, dass der SC Paderborn der Verein bleibt, der er auch vor Herrn Effenberg war. […] Penis-Affäre über Führerschein-Entzug, fehlender Trainerschein. […] Das mussten wir uns einfach zugestehen, dass diese Symbiose „Effenberg-Paderborn“ nicht gelungen ist. Wenn man es als Fehler bezeichnen will…ja, im Nachhinein ein Fehler, weil einfach die Ergebnisse, die wir uns von dieser Zusammenarbeit erwartet haben nicht gekommen sind. […] Und wenn Sie noch ergänzend wissen wollen – mich hat die „Begleitmusik“ aus München (Effes Claudia; Anm. d. R.) auch nicht ständig erfreut.“

Wilfried Finke, 03.03.2016

Kommentar zum 11FREUNDE-Artikel „Was uns wichtig ist“

Ein User verlinkte den veröffentlichten Text mit dem einleitenden Satz: „11Freunde nimmt Stellung zu Hasskommentaren“. Genau darum geht es nicht. Das Magazin muss keine Stellung beziehen. Schon gar nicht zu dem Irrsinn, dass Fußball „nur“ Fußball und eben keine Politik sei.

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Fußball war und ist nämlich genau das: Sport, Kultur und Politik. Wer das nicht wahrhaben will, sollte sich dringend ein Geschichtsbuch zulegen. Unser geliebtes Rundes Leder wurde im Kaiserreich als „undeutsche Engländerei“ diffamiert, im Nationalsozialismus als arische Stärke instrumentalisiert, war im „100-Stunden-Krieg“ Auslöser von Gefechten zwischen Honduras und El Salvador mit 1200 Toten und wird heute als Werbeträger von seinen eigenen Verbänden benutzt und weggeworfen. Immer wieder auf das friedliche Miteinander hinzuweisen gehört deshalb in jede Kurve dieser Welt, in den Mund eines jeden mündigen Fans und erst recht auf die Tastatur von Journalisten.

Wenn ein Fußballmagazin wie 11Freunde wegen eines Posts angefeindet, beschimpft, ja gar bedroht wird, weil es ein „Refugees Welcome“-Banner von Werder Bremen Fans zeigt, sollten bei allen Journalisten, Bloggern und Redakteuren die Alarmglocken läuten. Das Magazin „nimmt keine Stellung“, sondern unterschreibt „Was uns wichtig ist“ im Namen aller MitarbeiterInnen und tut damit etwas, das definitiv „wichtig“ ist: es wehrt sich.

Selbst unser kleiner Blog steht regelmäßig vor der Frage, ob man auf die in Dummheit getränkten Mails oder Kommentare antworten oder diese doch besser direkt blocken, ignorieren oder löschen sollte. Letzterer Vorgang fällt nie leicht und stellt ein Paradoxon dar, steht man schließlich mit jeder veröffentlichen Zeile hinter dem Artikel 5 unseres Grundgesetzes. Mehr noch – man glaubt an ihn. Eine Meinung zu „löschen“ greift deshalb das Gewissen an. Immer. Doch handelt es sich hierbei nicht um Meinung, sondern um Hetze und Diffamierung.

Ein Beispiel: 2015 lief auf ARTE der Dreiteiler „Nordkurve“ an. Wir verlinkten den Trailer und wiesen auf den Sendetermin hin. Neben einem Mord handelt die Serie vor allem von privaten Problemen, die sich äquivalent zu denen in Verein und Fanszene verhalten. Unter anderem thematisiert das Drama, wie ein junger Fan an seiner Homosexualität fast zu Grunde geht. Es dauerte keine zehn Minuten nach Sendeausstrahlung bis zum ersten Kommentar („Was hat diese ganze Schwuchtelscheiße mit Fußball zu tun!?“) und keine zwanzig bis zum nächsten geistfreien Hieb („Wahrscheinlich seid ihr auch schwul, sonst würdet ihr so ein Schwachsinn nicht ankündigen“). Die „persönlichen Nachrichten“ mit den Usern führten in eine Richtung, die man eigentlich vor Gericht hätte weiterführen müssen.

Nun ist unser Blog in etwa so groß wie die Betreffzeile von 11Freunde. Man kann sich also in etwa vorstellen, was ein Magazin wie dieses (80.000er Auflage, 400.000 Abonnenten auf Facebook, 130.000 Follower bei Twitter) an Hasskommentaren und Drohungen aushalten muss. Daher gebührt es dem seit 2000 erscheinenden Blatt Respekt auszusprechen. Denn mit dem Artikel ist man im Hause Köster auch der Gewissheit entgegengetreten dem digitalen Mob eine weitere Breitseite anzubieten. Doch sagte man sich: Sollen sie doch. Sollen sie weiterhin versuchen unsere Zeilen und Bilder an den Pranger/ Galgen zu bringen. Egal.

11Freunde hat Haltung gezeigt und nur das zählt. Die Redaktion ist (endlich) eingesprungen für Fußball, Kultur, Politik – und für Menschen, die an die „universelle Sprache“ dieses Sports glauben.

hrp

P.S.: „NACHTRAG: Um 16:59 Uhr haben wir die Kommentare unter diesem Artikel abgeschaltet, weil es keine Diskussion zum Thema gab, sondern nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Beleidungen, Beschimpfungen und Drohungen. Danke an alle Leser, die versucht haben, dagegen zu halten und uns auch in unserer Meinung bestärkt haben.“ (11Freunde)

Sätze der Bedeutungslosigkeit #14

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1. „Ich hätte Huszti vielleicht nicht aufstellen dürfen, weil er die ganze Zeit krank war und Antibiotika bekommen hat.“ (könnte stimmen, Armin Veh)
2. „Der Vorteil ist, dass wir schon seit Jahren um unser Leben kämpfen.“ (Viktor Skribnik aka. John Connor)
3. „Bei den vielen Sitzungen der vergangenen Monate waren die Fragen zur WM 2006 nur ein Randthema.“ (den Ernst der Lage verstanden: Wolfgang Niersbach)
4. „Es ist der andere Fuß als im Herbst.“ (Bruno Labbadia, Arzt von Albin Ekdal)
5. „Im Unterbewusstsein ist es eine kleine Kopfsache.“ (Lasse Sobiech, Psychoanalytiker)

Die große FIFA-Story

Die sogenannten „Emotionen“

dsas

Es war noch nicht einmal das Schmidt´sche Schauspiel selbst, das einfach nur nervte. Noch viel schlimmer war das Nachtreten auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Viele Trainer scheinen inzwischen eine eigene „emotionale Ebene“ für sich zu beanspruchen, die aus ihrer Sicht „nun einmal passieren kann“. Man will und kann es nicht mehr hören. Erst recht dann nicht, wenn derjenige ein Wiederholungstäter par excellence ist, dem sein Verhalten „natürlich in erster Linie für die Mannschaft“ leid tut. Solche Phrasen scheinen inzwischen so salonfähig zu sein wie die Geldstrafen, die sie bewirken.

Es ist beschämend, dass die Arroganz eines Trainers nur noch von der Selbstüberschätzung gesteigert wird für jede Entscheidung des Schiedsrichters eine Erklärung einzufordern. Dass ein Schiedsrichter über eben jene Entscheidungen auch einmal den Kapitän eines Teams und nicht den Trainer informiert, ist nicht nur legitim, sondern wird in jeder Kreisliga als völlig normal empfunden. Wie sich in diesem Kontext diese Trainer inszenieren, kann ohne Weiteres als „Generation Klopp“ geltend gemacht werden. Intelligent, smart und egal wie tadelnswert man sich auch verhält, es wird als „leidenschaftlich“ und „voller Emotionen“ verkauft und somit – das ist der Wahnwitz – als „nur menschlich“ verteidigt. Man stelle sich einmal Max Mustermann vor, wie er am Montagmorgen durch den Flur seines Büroskomplexes schlendert und aus dem Nichts einen Mülleimer über den Gang drischt: „Ja gut, mir ist gerade ein Kunde abgesprungen. Wenn man sich mit dem Beruf identifiziert, dann passiert das eben mal.“ Hier werden nicht Äpfel mit Birnen verglichen, handelt es sich schließlich in beiden Fällen noch um „echte Typen“, die für ihre Sache „noch leben“.

Trainer wie Schmidt sind inzwischen derart „brutal“  bei der Sache, dass sie natürlich nicht bewusst die Kontrolle verlieren, sondern stets Opfer dieser sind. Dieses Gefühl sehen Fans naturgemäß ein, da sie diese Haltung nur zu gut kennen. Die Schmidts des Fußballs glauben deshalb Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern narrenfrei kommentieren zu dürfen und auch zu müssen. Das Erregen von Aufmerksamkeit und das gleichzeitige Erhaschen von Verständnis, ja gar Mitleid, war schon immer eine Strategie der (schlechten) Verlierer. Bedenklich ist dabei nur, dass es inzwischen als Tugend referiert wird. Genau aus diesem Grund darf man von den Selbstinszenierungen solcher „Normal & Special One-Trainer“ ruhig Abstand nehmen. Sogar  emotionslos.

hrp

Quadratmeter im Angebot!

Red Bull vs. Luckenwalde

Der Freund vom Kaiser

FOCUS, Dienstag, 09. Februar, 00.44 Uhr: „Im Skandal um die Vergabe der WM 2006 gibt es eine neue Entwicklung. Einem Medienbericht zufolge (???, Anm. d. Red.) hat der ehemalige Vizepräsident des WM-Organisationskommitees, Fedor Radmann, eine Zahlungsaufforderung des DFB bekommen. Der Freund von Franz Beckenbauer soll innerhalb von 20 Tagen 6,7 Millionen Euro an den Fußballbund überweisen.“

WIKIPEDIA, Dienstag, 09. Februar, 4:58 Uhr: „Ab 1979 arbeitete Radmann für Adidas in der Konzernabteilung Internationale Beziehungen […] Im Januar 2001 wurde er Vizepräsident des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Nach Kritik wegen eines möglichen Interessenkonflikts löste Radmann 2003 seinen Beratervertrag mit der Kirch-Gruppe auf und ließ den mit Adidas ruhen. Im Juni 2003 trat er dann von seinem Posten als Vizepräsident des Organisationskomitees zurück und wurde Berater des Präsidiums für Kunst und Kultur sowie Marketing und Tourismus. […] Radmann lebt mit Hauptwohnsitz in der Schweiz.“

FURCHE, Dienstag, 09. Februar, 5:01 Uhr: 6,7 Millionen Euro? Adidas? Kultur(veranstaltung)? Organisationskomitee? Schweiz? Ja gut, äh…“

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And Justice For All?

Was kann man sagen über Rainer Koch? Irgendwie so rein gar nichts, außer dass er Jurist ist und Richter war. Vielleicht ist es genau das, was eine Chance bietet, jedoch auch nicht mehr und nicht weniger. Denn so sehr die Augen und Ohren (gerne) offen sind für interne Verfahren, so deutlich dürfen auch seine Verantwortlichkeiten hinterfragt werden. Über zehn Jahre Kontrollausschuss UEFA und zwanzig Jahre DFB sind alles andere als ein Revolutionsnachweis. Denn Haus und Hof kennen ist das Eine, es gewissenlos anzünden das Andere. Doch klar ist auch: ehemalige Fußballer in Führungsfunktionen gab und gibt es beim DFB zuhauf. Vielleicht braucht es einen Paragraphenstreber ohne Ladentheke und Handschlagverträge. Vielleicht kann Koch das bieten. Vielleicht findet er ja zufällig 6,8 Millionen. Oder sogar Sklaven in Katar. Höchste Zeit wird es allemal.

dsda

Handball, Kirschneck, Piqué

Tatort: Doppelpass

WM-Bingo für Russland & Katar

Scherz du Arschloch!

Von nem Umzug (Mindestlohn 8,50€/ Tonne) mit Maurerklase 0,5l auffem Weg nach Hause. Das Smartphone vibriert. Eilmeldung: „Krawalle in Köln. Polizei löst Pegida-Demonstration auf.“ Auf der Couch angekommen, erstmal gucken was da wieder los is am Rhein. Liveticker, Livestream, nee, nix. Wildes Gezappe. Dann doch plötzlich mittendrin statt nur dabei: zwei Gruppen verfeindeter Männergruppen unterschiedlicher Herkunft liefern sich Faustschläge und Beschimpfungen. Der Kommentator erkennt darin den in der Szene bekannten (tippe auf Hells Angels) Matthias Scherz, den stadtbekannten Türsteher Andrij Woronin sowie Kevin Russell, Sänger der Band „Böhse Onkelz“ (hier getarnt als „Jörg Neun“). Die Handlanger Chrissovalantis Anagnostou (bestimmt Grieche!) und „Ali“ Albertz (bestimmt Syrer!) sollen ebenfalls in den Ausschreitungen zu erkennen sein. „Das Volk“ schreit laut und treffsicher: „Scherz du Arschloch! Scherz du Arschloch!“. Das gefällt mir. Vielleicht weil ich dumm bin.

Hier geht´s zum Livestream–>http://video.sport1.de/video/rote-karten-fliegende-faeuste-rheinisches-derby-eskaliert__0_rhbzeyqa#.VpFo6UHHLZM.facebook

 

Vorsatz für 2016?

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‚Traditionalisten aller Länder, vereinigt…‘ sorry nein, das hat der alte Marx nicht verdient. Doch betrachten wir rückblickend das Fußballjahr 2015, so ist das geliebte runde Leder nur noch mit einer Vereinigung aller Fankurven -und kulturen zu retten. Mit einer Revolution, einem Manifest vielleicht, das Mindestgehälter festlegt und ein Verbot von Vermarktung jeder Art ausspricht. Das klingt nach Utopia, mag sein. Doch andererseits gibt es bisher keine kollektive Antwort auf den Ausnahmezustand, in den sich der Fußball im Jahr 2015 hineinmanövriert hat.

Wir echauffieren uns über steigende Ticketpreise und bezahlen sie trotzdem. Wir heulen Flutlichtmast und 15:30 nach, kaufen aber Sky-Abos wie Toilettenpapier. Wir wollen von Gazprom, VW und Red Bull eigentlich nichts wissen, tolerieren sie aber aus Angst vor Wettbewerbsunfähigkeit. Und wenn uns der Protest doch einmal von der Couch holt und laut wird, gibt es ja immer noch Oberwachtmeister Dimpfelmoser aka. Rainer Wendt, der Nackstscanner „absolut richtig und vernünftig“ findet, „Stehplätze abschaffen“ und „Zäune erhöhen“ will und meint, dass man „die sogenannten Fanbetreuer […] von Zeit zu Zeit daran erinnern [sollte], auf welcher Seite sie stehen“, da sie „in zunehmenden Maße als Verharmloser“ auftreten. Wer diesen Themen gegenüber resistent ist, zieht sich eben 35 Minuten die Leiden des Wolfgang Niersbach oder die zukünftigen Fernsehgelder der Premier League rein.

Und selbst das bekommen wir Fußballnarren natürlich nur oberflächlich mit. Was inzwischen hinter den Kulissen abläuft, lässt sich nur erahnen, liest man in und zwischen den Zeilen, die Yves Eigenrauch dem „Kicker“ entgegnete: „Im Fußball war und ist es leider auch so, dass man sich gegenseitig versucht, über den Tisch zu ziehen, und dass sich Spieler und Vorstandsleute profilieren wollen. Der Unterschied zu damals ist nur, dass das mittlerweile mit einer extremen Professionalität betrieben wird.“
In einer E-Mail monierte vor wenigen Tagen ein User, dass der Fußball „immer einen Weg gefunden“ habe und wir zu sehr „typisch traditionalistische Schwarzmalerei“ betreiben würden. Ehrlich gesagt fällt uns zum Komapatient Fußball im Augenblick kein Szenario ein, was schlimmer sein könnte.

In Katar sterben täglich Menschen auf Baustellen, nur damit wir uns wieder Helene Fischer in Autokorsos geben können. FIFA und UEFA kommen der Cosa Nostra gleich und der DFB, selbst einst mit erhobenen Fingern auf andere zeigend, repräsentiert mit seinem Kaiser keinen Verband, sondern die „Farm der Tiere“ nach George Orwell. Und wer es sich nicht hart, sondern eher romantisch besorgen will, kann sich ja Ralf Rangnick im Interview geben. Sprich, wir können gar nicht anders als flächendeckend das Hackebeil zu schwingen und diesem Katastrophenzustand bestenfalls mit Zitaten von Kabarettisten begegnen: „Es kann passieren, dass der Sinn des Fußballs in ein paar Jahren komplett darauf reduziert wird, Gelder aus Asien einzusammeln. Wenn dann die englische Liga um zwei Uhr nachts angepfiffen wird, weil das besser in die Planung des chinesischen Fernsehen passt, dann ist vielleicht der Punkt erreicht, an dem man sich mal für die rumänische Liga interessieren sollte.“* Vielleicht sollte Dieter Nuhr mehr über Fußball reden anstatt über…egal. Dem Fußballgott sei Dank sind jetzt endlich Hallenturniere. Da macht man wenigstens keinen Hehl daraus, dass es eigentlich gar nicht um Fußball geht. Es gibt nichts schön zu reden.

Grätscht gut ins neue Jahr!

Eure Furche

(*Hohenloher Zeitung, 31.12.2015; S. 25)

Sätze der Bedeutungslosigkeit #13

  1. „Das waren super Jungs, mit einem echt tollen Charakter. Da verliert man plötzlich nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde.“ (Moritz Stoppelkamp, Überlebender)
  2. „Immer, wenn ich spiele, schaffe ich es, einige Spiele auf dem Platz zu stehen, doch dann verletze ich mich unglücklicherweise jedes Mal wieder.“ (Medhi Benatia, Analytiker)
  3. „Zu sagen, dies wäre ein guter Tag für die FIFA, ein guter Tag für den Fußball, wäre völlig falsch“. (S. Blatter, inzwischen auf Meth)
  4. „Ich habe noch einen Vertrag bis 2019 und ich bin glücklich hier. Alles andere regeln mein Papa und mein Berater.“ (in einer offenen Beziehung: Granit Xhaka)
  5. „Im September 1972 und im Mai 1976 wurde er Torschütze des Monats. Zudem ist Uli Hoeneß seit 1985 erfolgreicher Wurstwarenunternehmer. Zudem ist es Uli Hoeneß zu verdanken, dass wir 2001 keinen Bundestrainer bekommen hatten (haben; Anm. d. R.), der ein Drogenproblem hatte.“ (Jörn Christoph Ehlers, Verantwortlicher der Petition „Uli Hoeneß soll wieder Präsident beim FC Bayern werden“)

Die ARD-Spottschau!

Es reicht einfach nicht mehr aus, dass die Sportschau die Bayern inzwischen im letzten Beitrag manifestiert hat. Es muss eine Geschichte erzählt werden, eine Geschichte des Übermenschen. Es scheint inzwischen unmöglich, ein 4:0 schlichtweg sportlich zu kommentieren. Herausstechen muss vor allem die „Angst“, die jeder Gegner schon „ab der ersten Sekunde“ hat, weshalb ein Fehlpass in Sekunde drei natürlich „symptomatisch“ erscheint. Zornigers völlig sachliche Einschätzung in der PK vor dem Spiel in München, wird von der Sportschau als letzte Worte zwischen Mut und Angst aufgenommen. Vielleicht sollten sich alle Trainer in Zukunft vorab dafür entschuldigen, wenn sie den Wunsch nach einem Punktgewinn bei den Bayern äußern. Nein, es reicht einfach nicht aus, den Fußball der Bayern als weltklasse zu beurteilen. Das Ganze wirkt eben erst dann stärker und viel unterhaltender, wenn man den Gegner wie einen Kreisligisten darstellt und sich über dessen Hilflosigkeit lustig macht. Lasst es uns wissen, liebe ARD, sollte Steffen Simon irgendwann einmal neutral, d.h. den Unterschied zwischen Ironie und Respektlosigkeit verstehend, ein Spiel kommentieren. Bis dahin ziehen wir Infos und Spielzusammenfassungen besser aus eurem Teletext. Der schreit einen wenigstens nicht wie ein Zirkusdompteur an und der VfB Stuttgart behält sogar seine angemessene Würde.

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Schorsch Aigner deckt auf!

Lt. Frank Drebin, Spezialeinheit!

Unter vier Augen mit der Bild

Das Niersbach-Protokoll

Sportstudio: Alles außer Fußball

1qaq1Bei aller Sachlichkeit: dass das ‚aktuelle Sportstudio‘ inzwischen nicht auf RTL läuft, ist mit gesundem Rezipientenverstand nicht mehr nachzuvollziehen. Man ist sich nicht ganz sicher, ob sich die Moderatoren und Moderatorinnen überhaupt noch ernsthaft auf die Studiogäste vorbereiten. Denn hinterher weiß man genauso viel wie vorher, der Gast hat in einem pseudolockeren Smalltalk achtzig Prozent Fragen beantwortet, zu denen er oder sie eigentlich gar nichts sagen kann, die 3D-Analyse des Abendspiels gleicht einem digitalen Reißbrett alkoholisierter Sportstudenten und die despektierlichen Fragen der rasenden Reporter in den Stadionkatakomben lösen ganze Salven von Fremdschamattacken auf der Wohnzimmercouch aus.

Und wenn man kurz durchatmet, weil Sven Voss trotz George Clooney-Grinsen wirklich, wirklich, wirklich keine News, Gerüchte oder Erdbeben erhaschen konnte, kommt Boris Büchler („Wat woll’n se?!“) um die Ecke gegrätscht und tritt noch einmal in Richter Alexander Hold-Manier nach. Danach geht es zurück ins Studio zu Katrin Müller-Hohenstein und dem Ablesen oberflächlicher und totaaal witziger Twitter-Fragen, bevor dann endlich sinnlos auf die Torwand (wer nicht klatscht, wird erschossen) geballert werden kann. So ging es schlussendlich wieder einmal um alles im „Tatort“ für Fußballgeschädigte – nur nicht um Fußball.

[P.S.: Noch eine abschließende Frage, Herr Gruschwitz: darf man die Trikots (maximal Größe XS – M), die den Zuschauern vor Sendebeginn übergestülpt werden, eigentlich hinterher, quasi als Schadenersatz für blutige Ohren, mit nach Hause nehmen?]

Druck, Drucksen, Draxler

Vorweg gesagt: Druck kann furchtbar sein. Und wenn man nicht mehr weiter kann, hat man ihm nicht Stand gehalten. Das gilt für Fußballprofis ebenso wie für Ingenieure, Kfz-Mechaniker und Bäckergesellen. Druck sollte nicht unterschätzt werden, schon gar nicht, wenn er sich als schwere Last entpuppt und die Gesundheit angreift. Für Mike Wunderlich, Sebastian Deisler, Markus Miller, Martin Amedick oder Ralf Rangnick wurde dies im Geschäft des Fußballs eine ebenso bittere Tatsache wie für Sven Hannawald im Skispringen, Jan Frodeno im Triathlon oder Jennifer Capriati im Tennis. Die traurige wie dumme Phrase, welche versucht das Gehalt von Profisportlern in Relation zu ihren Leistungen zu bringen, taugt nicht einmal als Zwischenruf nach drei Bieren: „Wenn ich so viel verdienen würde wie die…!“. Ja, man verdient aber nicht so viel wie die, kann es folglich null beurteilen und sollte vielmehr jene hinterfragen, welche die Gehälter und Ablösesummen überhaupt erst gestalten und sie wie Despoten dominieren. Frodeno umschrieb das Mensch-Maschine(rie)-Paradoxon vor Jahren einmal hilflos wie unmissverständlich: „Es gibt kein Plan B, deshalb muss Plan A funktionieren!“ Deshalb gelten immer nur hundert Prozent für Profisportler. Deshalb entsteht Druck. Druck auf Dauer. Denn diese hundert Prozent sind es, welche schlussendlich die Gefahr einer Erschöpfung hervorrufen und welche von den Medien nicht selten kolportiert, in jedem Falle aber forciert werden – vielleicht der einzige Aspekt, der nicht auf Ingenieure, Industriemechaniker und Bäckergesellen zutrifft.

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Das Beispiel Julian Draxler zeigt das alles nicht. Seit seinem entscheidenden Tor im DFB-Pokal 2011 gegen den „Club“ aus Nürnberg mit dessen damaligen Trainer Dieter Hecking, kann man Draxler bestenfalls punktuell hundert Prozent attestieren. Eine Konstante bleibt er bis heute Fans und Verein schuldig.

Zugegebenermaßen lag das primär an seinem Alter. Man stelle sich nur einmal vor, man selbst ballere mit 17 Jahren einen großen Bundesligaverein in der 119. Minute nach Lehrbuchübersteiger und 20 Meter-Hammer ins Halbfinale des Pokals. Wie läuft da der nächste Schultag ab? Wie empfindet man die Blicke in der S-Bahn, wie im Supermarkt? Für extreme Vergleiche steht Boris Becker sicherlich gerne zur Verfügung, der Mitte Juli 2015 im aktuellen Sportstudio noch einmal resümierte, dass sein Wimbledon-Sieg menschlich gesehen viel zu früh kam, sehr vieles danach in die falsche Bahn gelenkt wurde und er sich erst Jahre später wieder auf Tennis konzentrieren konnte.

Zugegebenermaßen spielen auch Draxlers Verletzungen keine untergeordnete Rolle. Gerade die Art Fußball, die Draxler abseits seines großen Talents so außergewöhnlich macht, fordert hundertprozentige Fitness. Schnelle Dribblings, abruptes Abstoppen, von außen nach innen ziehen, ein, zwei Übersteiger und nicht selten wartet ein Schienbein des Abwehrspielers – eine extreme, und stets der Perfektion unterworfene Spielweise, die unter hundert Prozent keiner Mannschaft weiterhilft. (siehe: Arjen Robben und Frank Ribéry) Das ständige Ausscheiden und das Vielleicht-Auflaufen tun den Besten ihrer Gattung auf Dauer weh.

Summa summarum jedoch kommt man nicht um die Tatsache herum, dass Draxler ein ad hoc-Genie ist, der es in vier Jahren Schalke zwar immer wieder zu Galaauftritten wie beim 2:0 CL-Erfolg bei Arsenal London oder im Derby 2013 brachte, die Leistung aber bis heute nie länger als über zwei, maximal drei Spieltage halten konnte. Druck entsteht nun einmal durch erbrachte oder eben fehlende Leistung. Es waren nicht die Fans des FC Schalke, die Draxler in die Nationalelf geschrien haben und es war auch nicht der Verein allein, der ihn auf heroischen Werbebanden wie einen Zenturio durchs Ruhrgebiet zog. Zuvor hatten Spieler und Berater in puncto Vertragsverlängerung lange taktiert und nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Glaubwürdigkeit und Vertrauen gepokert.

Es ist doch sehr verwunderlich, dass gerade jetzt, wo Schalke kein Saisonziel vorgibt, der Kader von Platzhirschen wie Jones und Boateng befreit wurde und mit Andre Breitenreiter ein Trainer mit schützender Hand in Gelsenkirchen arbeitet, Julian Draxler von „zu viel Druck“ spricht. Mehr noch. Absurd ist vor allem Draxlers Aussage „bis jetzt zwar keine Narrenfreiheit“ in Schalke genossen zu haben, aber in Wolfsburg „jetzt im Training noch mehr gefordert zu sein“. Ohne große Interpretationen macht ein Spieler also klar, dass er nah dran war, Narrenfeiheit zu genießen, gleichzeitig aber dem Druck und der Erwartungshaltung nicht mehr gewachsen ist. Dazu passt, dass Draxler nie einen Hehl daraus machte, die „Zehnerposition“  für sich zu beanspruchen, obwohl er dort trotz vieler Einsätze nie glänzte und seine besten Spiele immer auf den Außenbahnen absolvierte.

Die Definition von Druck ist hier Farce und Alibi in einem. Der Wechsel ruft abseits von 36 Millionen Euro Ablöse nach Gründen, und Draxler nennt welche, die für jeden Schalke Fan einem Schlag ins Gesicht nahe kommen. Denn Draxler wurde von den Fans stets behütet. Mitspieler, die in grausamen Partien weder besser noch schlechter waren als er, wurden weitaus mehr angegangen als das Schoßkind mit der Nummer 10. Soll er einfach sagen, dass ihn das Gehalt gelockt hat und er enttäuscht war über den geplatzten Juventus Deal, träumt er doch bekanntlich auch jetzt noch vom Ausland. Vielleicht würde dieser Umgang mit Ex-Vereinen und Ex-Fans und weniger Herumdrucksen einigen Profis viel Ärger ersparen. Machen Ingenieure, Kfz-Mechaniker und Bäckergesellen ja auch.

hrp

SPORTsender

Kopfball Hrubesch…

UnbenanntIn einem kampfunbetonten Spiel unterlag die U12 Deutschlands der U21 Portugals mit 0:5. Trotz intensiver Vorbereitung (Bittencourt: „Jetzt ausscheiden, macht keinen Sinn!“) überraschte Trainer Ribbeck mit der Herausnahme von Offensivdauertalent Meyer, damit Hofmann auf der Bank noch mehr einnicken konnte. Warum man sich in einem Halbfinale nach einem Gegner wie Portugal richtet anstatt selbst das Spiel zu machen, kann wohl nur Löws Joachim beantworten, der gegen Italien einst ja ähnliche Gedankenströme zu verzeichnen hatte. Man weiß es nicht. Dabei wusste Flicks Hansi beim Stand von 0:3, dass man „mehr über außen kommen“ müsse. So wie früher. Mit Libero. Und dann bis zur Grundlinie…Flanke Kaltz…Kopfball Hrubesch…Bittencourt Gelb-Rot! „Was jetzt zählt ist Olympia 2016!“ frohlockt Locke Simon. Dann gegen Ibrahimovic. Dann gegen die Welt. Dann kann Ginter nach eigenem Stellungsfehler nochmal den Arm heben und beim Stand von 0:5 auf Hand reklamieren. Rio, wir kommen! 

Manchmal gewinnst du allein

Beim Hinrunden-Auftakt in Hannover legten sich die Schalke-Fans via Choreographie fest: „Du gewinnst nie allein!“ Seit dem Sieg gegen Paderborn am vergangenen Samstag wissen wir: manchmal gewinnst du allein. Sogar in der Bundesliga. Ja, sogar einsam. Platz 5. Europa League. Trotzdem eine Stimmung wie seit Günter Eichberg nicht mehr. Was sich „Auf Schalke“ vor, während und nach dem Spiel gegen den aufopferungsvoll kämpfenden SC Paderborn abspielte, ist als Novum im deutschen Fußball zu betrachten.

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Zu keinem Zeitpunkt nämlich ging es an diesem Tag dem weiten Rund um das von den Verantwortlichen so hoch proklamierte „Hauptsache drei Punkte“-Gerede. Das alles war zweitrangig. Ein 1:0-Heimsieg war zweitrangig, ja sogar die Europa League. Es ging um die legitimierte, laut Satzung so wunderbar klingende Teilhabe der Fans, die Zukunft ihres geliebten Vereins mitzubestimmen. Und somit um ein Thema, was viele Vereine betrifft, in denen der Graben zwischen Vereinsführung und Fans immer größer wird. Das Gelsenkirchener Barock ist nur ein wenig rauer und mit 130.000 Mitgliedern massiver aufgestellt als dass es sich Verschmutzung gefallen ließe.

Es gab da dieses Plakat der Ultras-GE, das als repräsentativ der Schalker Zustände über den Medienäther geblasen wurde: „Der Fisch stinkt vom Kopf!“ Das c und t sind dabei als Initiale des Vereinsbosses Clemens Tönnies rot markiert worden. Man könnte denken, dass es dem Aufstand der Pott-Plebejer also um ein oder zwei Köpfe (Horst Heldt) ginge. Doch bei genauer Betrachtung geht es um die Gesamtstruktur der oberen Etagen und dauert schon sehr viel länger an als eine schlechte Rückrunde. Es ist kein Zufall, dass die Fischkopfmetapher nicht das erste, sondern eines der letzteren Plakate war, welches die Ultras an diesem Tag in Großbuchstaben präsentierten. Auf dem Allerersten war die zweite Zeile des Vereins-Leitbildes zu lesen, die für manche Schlagzeile nur etwas zu lang und vielleicht auch etwas zu langweilig klingen mag: „Er ist und bleibt immer noch ein eingetragener Verein im Sinne des deutschen Vereinsrechts!“. Ein Plakat wie ein demokratischer Dosenöffner. Ein Plakat, das weitaus bedeutender ist als ein „Fischkopf“ namens Tönnies. Ein Plakat, das klarmacht: an uns kommt ihr nicht vorbei!

Wer nach zahlreichen Gazprom-Protesten, epischen Viagogo-Fails und legendären Jahreshauptversammlungen nach diesem Samstag immer noch denkt man könne in Schalke die Rechnung ohne das Mitglied machen, wird sehr tief fallen. So wie der einstige Präsident Günter Eichberg im Zuge eines ominösen Schuldenbergs von 17 Millionen DM. So wie der einstige Präsident Günter Siebert, der 1975 für die Verpflichtung eines Brasilianers die Eintrittspreise erhöhen wollte. Alleingänge der Führungsetage führen in Schalke seit jeher dazu, dass die Kasse hinterher leerer ist als vorher. Sollten Tönnies, Peters und Co. ernsthaft eine Ausgliederung der Fußball-Abteilung anpeilen, stehen die Zeichen auf Sturm. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Nein, nach diesem Samstag müsste auch der letzte Funktionär am eigenen Leibe erfahren haben, dass ein Verein wie Schalke eben keine Firma ist und sich die Angestellten besser nicht vom Chauffeur zum Training fahren lassen sollten (Boateng). Die Stimmung kochte. Und die Proteste gingen nicht allein von den Ultras aus, sondern von einem lautstarken Kollektiv, das nach der Halbzeit zunächst Huub Stevens, kurz darauf Gerald Asamoah und schließlich Ebbe Sand besang. Ja warum nur? Das fragte sich 2013 nach einem Heimspiel aus der Hölle gegen Greuther Fürth auch Jermaine Jones vor laufender Kamera, der die Sympathien für Asamoah nicht verstehen wollte. Wie auch. Selbsterklärend. Auch er geht als eine Personalie in die Schalker Annalen ein, die rückblickend ebenso viel Unruhe und Fragen zur Personalpolitik hinterließ als der Prince höchstpersönlich. Ein Jeder merkte, dass die Gesänge am Samstag kein Scherz oder der Anflug von Resignation waren. Es waren Ausrufe, die ein beinah romantisches Bild einer Fankultur zeichneten und die unterstrichen, dass es den Fans nicht bloß um Meisterschaften, Champions League oder drei Punkte geht.

Völlig unangemessen ist, das derzeitige Verhalten der Fans als unverhältnismäßig zu beurteilen. Seit Saisonbeginn sind Arena und Gästeblöcke ausverkauft und werden mit großartiger Unterstützung unterlegt. Doch geboten bekamen die Fans nicht bloß eine schwache Nullnummer, nein. Es waren fassungslose Auftritte im Derby oder zu Hause gegen Freiburg, bevor es schließlich in Mainz gipfelte, in Köln explodierte und gegen Paderborn eskalierte. Eine Eruption war zu erwarten, nur das Ausmaß war unklar. Zu lange schon steht die Vereinsführung in der Kritik, die abseits der „großen“ Themen immer wieder gut für völlig deplatzierte „Aktionen“ ist.

Vor dem Spiel gegen Paderborn wurde unter den Linsen von Fotografen und Kameraleuten auf dem Spielfeld ein Banner mit den besten Grüßen an Zenit St. Petersburg entrollt. Der russische Club stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft und wird neunzig Jahre alt. Zwischen den Fanlagern gibt es keinerlei Verbindung. Vor allem steht Zenit immer wieder wegen seiner rassistischen und homophoben Fans im Fokus, die nach der Verpflichtung eines schwarzen Spielers kurzerhand ein Dogma mit 12 »Selektions-Regeln« aus dem Ärmel schüttelten, das an fremdenfeindlicher Ideologie schwer zu überbieten ist. Was das alles mit Schalke zu tun hat? Ganz genau – nichts. „Schalke war immer ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Nationalitäten und soll es immer sein. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein.“ So heißt es im Leitbild, nur scheint Gazprom inzwischen mehr als nur einen Fuß in der Tür zu haben. Anders sind solche symptomatischen Griffe ins Klo, obendrein an einem solchen Tag in der Arena, nicht zu erklären.

Am Ende war es nicht überraschend, dass die niedergeschlagenen Gäste stehende Ovationen der Schalker Anhängerschaft empfingen. Dabei taten sie nicht mehr als zu kämpfen, nach Abpfiff den Mitgereisten Beifall zu klatschen und sich geschlossen in einem Kreis zu formieren. Summa summarum also all das, was bei der Heimmannschaft zurzeit völlig undenkbar erscheint und doch eigentlich typische „Kumpel“-Eigenschaften von Kuzorras Erben sein sollten. DIE Mannschaft gibt es in Schalke nicht, nur Kleingruppen unterschiedlichen Alters, die Woche für Woche willkürlich zusammengewürfelt werden.

Drei traurige Beispiele: Leroy Sané (19) macht in Madrid das Spiel seines Lebens, trifft vier Tage später gegen Berlin und muss nach einer schwächeren Leistung gegen Leverkusen wieder 90 Minuten zuschauen. Marvin Friedrich (19) rutscht in Wolfsburg aus dem Nichts in die Startelf, ist mit Fährmann der beste Schalker an diesem Tag und steht danach nie wieder auch nur im Kader. Und Max Meyer (19) weiß inzwischen wahrscheinlich nicht einmal auf welche Tribüne, Ersatzbank oder Position er eigentlich hingehört. Die Liste dieser Beobachtungen ist lang und man kann nur, auch im Sinne deutscher Auswahlmannschaften, sehr hoffen, dass die großartigen jungen Talente der „Knappenschmiede“ bei dieser Tour nicht vor die Hunde gehen.

Bei kaum einem anderen Verein werden solche Beobachtungen kritischer wahrgenommen, was eigentlich kein Fluch sondern ein Segen sein sollte. Wappen küssende Boatengs, „Wir leben dich!“-Mottos und Bergbau-Spielertunnel braucht es in Schalke nicht. Es braucht weder einen Facebook-Höger im Cabrio, noch einen Twitter-Fuchs, der nach beschämenden Spielen die Anstrengung der Flugmeilen moniert. Es braucht Menschen wie Jiri Nemec, der in neun Jahren Schalke kein einziges Interview gab und laut Rudi Assauer nur deshalb keine Tore schoss, weil er Umarmungen hasste – und so gesehen letzten Endes nur eines tat: Malochen. Damit ist man in Gelsenkirchen nie allein.

hrp

RB Leipzig und die Mitgliedschaft

Wir sind große Fans von RB Leipzig. Natürlich. Und wie das so ist bei echten Fans, möchte man irgendwann auch ein echter Teil seines Lieblingsvereins werden: wir beschlossen eine MITGLIEDSCHAFT zu beantragen.

Geil, endlich mittendrin statt nur dabei! Der Antrag dafür beträgt die Länge einer DIN A4-Seite und ist wunderbar einfach auf der Homepage des Clubs zu finden. Als arme Studenten entschieden wir uns für die „BRONZE“-Variante (70€/ Jahr), da die 1000€ für „GOLD“ umgerechnet immerhin 76,923 Kisten gutes Bier bedeuten würden – für einen Studenten also nicht unerheblich, Freunde der Sonne!

Nachdem wir die wenigen Zeilen des Formulars ausgefüllt hatten, weist uns RB Leipzig daraufhin, dass wir mit dem Einsenden ausdrücklich erklären, die SATZUNG und ORDNUNGEN des Vereins zu akzeptieren und sich nach diesen zu richten. Mmh, lästig., denken wir. Aber echte Fans lesen sich das natürlich gerne durch.

Mitgliedschaft RB Leipzig

Das Dumme ist nur: man findet im Internet keine SATZUNG des Vereins. Nirgends. Also riefen wir bei RB Leipzig an und baten um eben diese. Nachdem wir durch das Betätigen der Taste 3 natürlich die Möglichkeit wahrnahmen „Fangesänge zu hinterlassen“, wurden wir von einer jungen Dame begrüßt, die uns alle diesbezüglichen Unterlagen umgehend per Email zukommen lassen wolle. Nur drei Minuten später meldete sich unser Postfach mit einer Nachricht aus Leipzig, die uns darüber in Kenntnis setzte, dass „Die Vereinssatzung sowohl im Registergericht am Amtsgericht Leipzig, als auch in unserer Geschäftsstelle“ einzusehen sei und: „Sollten Sie eine Einsicht in die Satzung wünschen, bitten wir Sie, vorab einen Termin mit uns zu vereinbaren.“ Da wir jedoch mehrere hundert Kilometer entfernt von unserem geliebten RB Leipzig wohnen und dies den sicherlich sehr leckeren Kaffee im Registeramt unmöglich macht, riefen wir noch einmal an….

RBL: „Hallo Herr Stermann!“

Furche: „Ja, hallo! Hier ist noch einmal Lukas. Ich habe eine Frage. Jetzt haben Sie mir ja freundlicherweise die Mail geschickt…

RBL: „Genau.“

Furche: „Jetzt vermisse ich allerdings doch noch die Satzung und die Ordnungen, die ich ja eigentlich lesen wollte.“

RBL: „Ähm, ja. Das steht eigentlich in der Mail drin. Warten Sie, ich schau mal eben.“

Furche: „Genau, richtig. In der Mail steht ja, dass die Vereinssatzung nur vor Ort in der Geschäftsstelle einsehbar ist oder beim Amtsgericht.“

RBL: „Ja, und da müssten Sie einen Termin vereinbaren.“

Furche: „Ja, das ist für mich natürlich relativ schlecht, weil – ich studiere in Hildesheim und ich bin großer RB Fan, aber ich möchte das natürlich vorher irgendwie einsehen und ich kann im Moment gar nicht nach Leipzig fahren.“

RBL: „Ja…“

Furche: „Ist das möglich, dass Sie mir da einfach eine PDF zuschicken? Also ich kenne das nur von…also ein Freund von mir z.B., der ist Schalke-Fan und der hat zu mir gesagt, das wäre öffentlich alles einsehbar.“

RBL: „Mmh…ja.“

Furche: „Also der hat das aus dem Internet heruntergeladen.“

RBL: „Ich kann nicht sagen, ob das möglich ist. Also generell ist die Info eigentlich, dass es…dass es nicht einsehbar ist, ne…und dass dafür dann ein Termin vereinbart werden muss.“

Furche: „Aha. Und wäre das denn dann ok eine Kopie mit nach Hause zu nehmen, wenn ich dort vor Ort wäre oder so? Oder kann ich es nur vor Ort ansehen?“

RBL: „Mmh…ich frag mal eben ne Kollegin.“ […]

— WARTESCHLEIFE

RBL: „Hörst duuu…?!“

Furche: „Jahaaa.“

RBL: „Ähm, ich hab nochmal nachgefragt und es tut mir sehr, sehr leid, aber wir können da leider keine Ausnahme machen. Vielleicht bist du aber doch mal in Leipzig wenn du dir ein Heimspiel bei uns anschauen möchtest und dann könntest du ja dann am Spieltag, oder wenn du ein bisschen länger in Leipzig bist, einen Termin vereinbaren.“

Furche: „Ok, aber….mmh. Ok, da fühl ich mich…“

RBL: „Es geht leider nicht. Es ist genauso wie wenn du – meine Kollegin hat eben den treffenden Vergleich gebracht – wenn man zum Beispiel seine Abinote einsehen möchte oder so, ne, dann würde das ja quasi auch nicht übers Telefon oder per Email oder so gehen. Da muss man dann wirklich en Termin vereinbaren, wenn du das sehen möchtest.“

Furche: „Ja, dann…dann muss ich mir das nochmal überlegen, ne.“

Wir überlegten. Doch diesem Totschlag-Argument konnten wir nichts entgegnen. So unterschrieben wir einfach den Mitgliedsbeitrag, der von uns das Akzeptieren einer Satzung fordert, die wir nicht kennen. Aber gut. Wer von uns hat sich jemals die iTunes-AGB´s durchgelesen – also schnell in die Post damit und bloß nicht nachdenken.

Hochachtungsvoll,

Eure Furche

Danke, Sportschau!

Hier drüben aua!

Der Staat bin ich. (reloaded)

Journalistischer Offenbarungseid

„Sportschau“, du kannst uns mal. Kritik immer wichtig und ok, aber SEID IHR EIGENTLICH NOCH GANZ DICHT?! Eine „Dazwischen-Doku“ im RTL-Style mit „unfassbarem“ V-Mann Material, unterlegt mit Hans Zimmers „Batman“-Soundtrack. Ganz wichtig: dunkle Filter aufs Bild legen, eine XY-ungelöst-Stimme drunter legen und Innenminister Jäger damit „konfrontieren“. Und Gerhard Delling mitten drin im Kuckucksnest. Ein User schreibt: „Wallraff ist vor Neid erblasst wegen dieser journalistischen Meisterleistung!“ Unterschreiben wir. Ein journalistischer Offenbarungseid.

Unbenannt

Jemand will Blatter loswerden. SKANDAL!

One love!