Kategorie: Kritisches

Gegen Rassismus, für Poesie

Es kann kein Zufall sein, dass der „Internationale Tag gegen Rassismus“ und der „Welttag der Poesie“ auf ein Datum fallen.

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(„Niemandsland“ von Ralf Marczinczik wurde von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur zum besten Fußball-Comic des Jahres 2013 augezeichnet.)

Der DFB wie eh und je

Juve und die Mafia

Wimbledon vs. Dons!

Wem die Champions League heute Abend einfach zu Mainstream ist, sollte seinen Kühlschrank schnell mit ein paar Ales füllen und schonmal den Livestream für die dritte englische Liga heraussuchen. Heute um 20:45Uhr kommt es zum Kulturkampf zwischen dem AFC Wimbledon und Milton Keynes Dons. Stellt euch vor, euer Verein geht insolvent, wird aufgekauft, ändert den Namen und zieht an einen 130km entfernten Ort. Und ihr? Ihr bleibt, gründet mit ein paar anderen einen eigenen Verein und steht nach sechs Aufstiegen in vierzehn Jahren plötzlich in der Tabelle vor dem Erzfeind. Im Oktober 2016 war es soweit: http://www.11freunde.de/artikel/der-afc-wimbledon-steht-erstmals-vor-den-mk-dons

Helft dem Jungen!

Kriegerischer Fußball

Sätze der Bedeutungslosigkeit #19

1. „Der Kopf ist auch mit entscheidend.“ (Nicht wirklich, Alexander Nouri?)
2. „Selbst wenn ich gehe, wird Arsenal nicht jedes einzelne Spiel gewinnen.“ (Und wenn sie bleiben, Herr Wenger?)
3. „Die kommen zwar sehr vom Läuferischen her und sind bisher eine der Mannschaften, die am meisten gelaufen ist.“ (Tony ‚Forrest‘ Jantschke über RB)
4. „Barack Obama ist natürlich herzlich willkommen. Er soll früh Bescheid sagen, damit wir Sicherheitsvorkehrungen treffen können.“ (Torsten Frings, Botschafter)
5. „Generell ist es so, dass der Privatjet früher die Regel war– heute sind Privatjets die Ausnahme.“ (…welche ja die Regel bestätigt, liebe Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura)

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Auswärts ist man asozial

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(random Szenebild; extrem dramatisch)

Auswärtsfahrten leicht gemacht! Die Fans des FC Schalke 04 sind in Saloniki absolutely welcome, vor allem nach dem letzten Aufeinandertreffen in Gelsenkirchen 2013. Da reist man gerne, nimmt gerne den Papa und die Mama mit, da freut man sich auf Souvlaki in der Innenstadt, ein wenig Schlendern hier, ein paar Fotos vom Hafen dort. Alles überhaupt kein Problem, nur sollte man „angesichts der speziellen Situation vor Ort“ ein paar klitzkleine Regeln beachten:

– Das Ticketkontingent im Gästebereich ist restlos vergriffen und die Karten wurden personalisiert – es wird vor Ort also keine Chance für Schalker geben, noch an Karten zu kommen.
– Bei Einzelbestellern wurde der Name nicht vom Auswärtskartenteam auf dem Ticket eingetragen, diese müssen dies selbst erledigen, da die Daten bereits nach Griechenland übermittelt wurden.
– Am Spieltag hat die griechische Polizei den „Platz am Weißen Turm“ am Rand der Altstadt als Treffpunkt für Schalke-Fans vorgeschrieben und kann nur dort einen sicheren Aufenthalt garantieren. In der Nachbarschaft des Platzes gibt es einige Verpflegungs-Möglichkeiten, die genutzt werden können. Von dort startet der ebenfalls vorgeschriebene Busshuttle zum Stadion – vom Versuch, auf eigene Faust zum Stadion zu gelangen, wird dringendst abgeraten!
– Der Start des Busshuttles ist für 18.30 Uhr geplant, es sollen immer fünf Busse pro Konvoi zum Stadion fahren – mit Wartezeiten zwischen den einzelnen Konvois ist also zu rechnen.
– Vorm Einstieg in die Busse ist eine Kontrolle durch die Polizei angekündigt, bei der Ausweis und Ticketnummer abgeglichen werden.
– Es dürfen keine Getränke mit in den Bus genommen werden, in den Bussen wird es kein WC geben. Die Fahrtzeit und Routenwahl der Busse ist abhängig von den Regelungen der griechischen Polizei, es können bis zu 45 Minuten Fahrtzeit werden.
– Es ist angekündigt, dass die Busse nach der Ankunft am Stadion einzeln und nacheinander entladen werden und dann zum Weißen Turm zurückfahren.
– Am Eingang erfolgt zunächst eine erneute Kontrolle von Ticket und Ausweis durch Ordner und Polizei, der Zugang erfolgt durch eine kleine Tür und dann vier Drehkreuze.
– Es gibt zwar eine Abgabestelle für Taschen oder Rucksäcke, diese ist aber fragwürdig.
– Im Block werden Polizei und Ordner anwesend sein, die untersten Stufen werden deshalb freigelassen werden müssen. Zaunfahnen sind als einziges Tifo-Material erlaubt und dürfen am Zaun aufgehängt werden. Hiervon wird allerdings abgeraten, da für die Sicherheit der Fahnen nicht garantiert werden kann.
– Die Polizei entscheidet über die Länge der Blocksperre, diese wird mindestens eine Stunde dauern.
– Im Anschluss daran erfolgt der Shuttle zurück zum Weißen Turm, wo man sich nach Möglichkeit Taxen organisieren sollte.
– Grundsätzlich sollten S04-Fans in Thessaloniki defensiv und zurückhaltend auftreten.
– Es empfiehlt sich daher, am besten in der Stadt auf jegliche S04-Fanartikel zu verzichten und nicht als größere Gruppe aufzutreten.
– Für eventuell auftretende Probleme ist deutsche Polizei vor Ort, zudem besteht Kontakt zur deutschen Botschaft und zu Anwälten.

Jetzt (fest) zuschlagen!!1!

Internationale 18Uhr-Spiele sind unter Fans besonders beliebt. So beliebt, dass sich zwischen Mainz 05 und dem französischen Kult-Verein St. Etienne 20.000 Seelen ins Stadion schleppen und der FC Schalke 04 seine Tickets so verhökert wie der VfL Wolfsburg seine „Wölfi-Schals“. Der Moment, in dem die einst so moderne Arena keine Attraktion mehr darstellt, die Fans beim Anstoß noch auf der Arbeit hocken und ein gewieftes Klub-Mitarbeiterlein auf die Idee schlechthin kommt. Das Ende des Fußballs ist nicht bloß, es ist auch noch peinlich.

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Der Untergang

Wir sind Flüchtlinge. Wir flüchten vor dem, was sich anmaßt Fußball zu sein. Wir flüchten vor dem, was jährlich neue Rekordumsätze vermeldet. Wir sind Flüchtlinge, und schon lange fragen wir uns, wie alles angefangen hat, wie es dazu kommen konnte, dass unsere Väter, die uns einst in die Kurve schleppten, nur noch abwinken. Was tun wir jetzt, wo uns die eigenen Vereine hintergehen, sie mit Kalkül unsere Wünsche ignorieren, Umsätze dem Sport vorziehen? Was tun wir jetzt, wo wir uns nun am Samstagmorgen fragen, warum wir uns das noch antun, uns ernsthafte Sinnfragen stellen? Sind Sky und DAZN nicht doch die bessere Variante, weil die Stadien wieder leerer würden und vor lauter Touristen in Stille ersaufen könnten? Wann lacht der letzte Verband über den Slogan „Football without fans is nothing“? Wann gestehen sich endlich alle ein, dass es nicht um Fußball geht, dass alles Fake ist, so wie beim Basket- oder Baseball, wo Familienväter in Werbepausen zu tanzenden Affen mutieren und sich junge Paare in „Kiss-Cams“ durch fettige Donut-Öffnungen lecken? Wir sind Flüchtlinge, und wir sterben, und vielleicht wissen das Groundhopper schon sehr lange, vielleicht sind sie gar keine Sammler oder exotische Einzelgänger, vielleicht wollten sie es nie sein, vielleicht lagen wir immer falsch. Vielleicht haben sie das Ende des Fußballs schon sehr lange kommen sehen und versuchen in Wahrheit nur, die letzten Stadien, die Bastionen letzter Fankultur, vor ihrem arenischen Niedergang zu besuchen, wie Tiere, die den Untergang der Welt in Monden lesen.

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Wir flüchten nach Teneriffa, in zweite, in vierte Ligen, und wir weinen tausend Tränen. Keine Polizisten, keine Security, mit verschlossenem Rucksack gleiten wir an den netten Damen der Kartenkontrolle vorbei, schmuggeln Dosenbiere, trinken sie in letzter Reihe, stehend. Ein Stadion inmitten seiner Stadt, seiner Menschen, nicht irgendwo da draußen in der Nähe von IKEA, nicht weg vom Leben. Ein Stadion wie ein Schrebergarten, zehn Meter bis zum nächsten Nachbar, zum nächsten Kiosk, zum 1,50€-Bier. Tausend Tränen, wir erinnern uns, wie es einmal war, daran, wie Fußball einmal war, irgendwas kommt uns bekannt vor. Ohne Nike, Red Bull und Gazprom, ohne Viagogo und Sky. Erinnern uns plötzlich daran, als wir noch über diesen Typen namens Reinhold Beckmann in Arsch-frisst-Hose-Jeans und Hawaii-Hemd lachten, der uns plötzlich die Bundesliga auf Sat1 präsentierte. Cool fanden wir die Super-Zeitlupe, grandios „ranissimo“ am Sonntag. An diese Zeit, wo die Flucht begann, ohne es zu wissen, in offene Messer, in sporttote Orte. Wir waren Idioten, naive Verliebte, wir hätten es kommen sehen müssen, hätten schon damals wissen müssen, dass man uns verkauft hat. Wir sind Flüchtlinge, und die Boote sind voll uns.

Fußball statt Sissi

Fake News zu Chapecoense

Uli, der Samariter

Völlig losgelöst von der Erde

Werbung. Thon. Werbung.

Werbung. Dann Ansage, dass jetzt die Highlights kommen. Dann sagt Olaf Thon was zum UEFA Cup 1997. Dann Nizza gegen Salzburg in 60 Sekunden. Dann Werbung. Dann Ansage, dass jetzt Mainz und Manchester United kommen. Dann ein Satz von Olaf Thon. Dann Werbung. Dann erste Halbzeit Mainz. Drei Tore, dazu zwölf Zeitlupen aus nochmal so vielen Kameraperspektiven, inklusive Taktik-Grafiken von Photoshop Philipp. Dann Werbung. Dann Ansage, dass gleich die Highlights der zweiten Halbzeit kommen. Fenerbahce gegen Manchester wird sich mit Domian überschneiden. Es ist die Hölle. Wann kommen endlich die ‚Sexy Sport Clips‘?!

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Nachgetreten

Obacht, liebes Publikum, dies ist keine Hetzkampagne. Wiederhole: sie befinden sich in keinem Shitstorm! Wir deuten bloß einen miesen Kinnhaken an, nachdem sich das öffentlich-rechtliche Guckloch bereits am 15. Dezember 2015 für den DFB-Pokal-Klassiker FC Bayern München gegen SV Darmstadt 1898 e.V. (ein völlig überraschendes 2:0) und nicht für das 3:4 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem SV Werder Bremen entschied. Daher #CELBMG lieber via 11 FREUNDE und mit sportlichen Grüßen an ZDF Sport:

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Fußballspieler, Ministrant, Senegalese

Heute Solna, morgen Solna…

Schon mitbekommen was in Solna los war? Und wann war eigentlich der Zeitpunkt, an dem sich Journalismus auf Gleichschaltung einigte? Nahe des Hirntods (eine wichtige Nachricht des BGHs hält uns gerade am Leben) hier die (brand)aktuellen News, News, News von gestern, vorgestern, heute, morgen, übermorgen, überüberübermorgen in der Sportschau und im aktuellen Sportstudio (Jochen Breyer: „Ja, das ist ein Applaus wert!) und am Tag drauf am Warsteiner-Kormbacher-Kia-Hasseröder-Volkswagen-Stammtisch, bevor sich dann am Montag der Bautzener-Stadtschreiber mit dem Titel „Tradition zeigen und bewahren!“ dem Thema widmet und von Kapitän Schwandt (Menschenrechtler und Dreizeilendiktator) öffentlich zerrissen wird.

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1. KICKER- Einlauf-Rentner: Solna tauscht Kids gegen Senioren (http://www.kicker.de/…/video_einlauf-rentner_solna-tauscht-…)
2. ZEIT ONLINE – AIK Solna: Einlaufrentner statt Einlaufkinder (http://blog.zeit.de/…/aik-solna-einlaufrentner-statt-einla…/)
3. SPORT 1- Schweden-Klub mit Einlauf-Rentnern (http://www.sport1.de/…/aik-solna-aelteste-klubmitglieder-er…)
4. RP ONLINE- AIK Solna tauscht Einlaufkinder gegen Senioren (http://www.rp-online.de/…/aik-solna-tauscht-einlaufkinder-g…)
5. ABENDZEITUNG MÜNCHEN – Senioren statt Einlaufkinder: Rührende Aktion in Schweden (http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.aik-solna-if-gef…)
6. HAMBURGER MORGENPOST – Süße Aktion Einlaufkinder durch Omas und Opas ersetzt (http://www.mopo.de/…/suesse-aktion-einlaufkinder-durch-omas…)
7. T-ONLINE – Senioren ersetzen Einlaufkinder (http://www.t-online.de/…/fan-aktion-in-schweden-senioren-er…)
8. RAN- In der ersten schwedischen Liga: Einlauf-Rentner statt Einlaufkinder (http://www.ran.de/…/in-der-ersten-schwedischen-liga-einlauf…)
9. 11 FREUNDE- Senioren statt Einlaufkinder (http://www.11freunde.de/video/schoene-geste-schweden)
10. DIE SCHOTTISCHE FURCHE – Endlich! Rentner statt Kinder! (http://wp.me/p38C4m-1VF)

Top 5 Dynamo-Banner

Brutale, widerliche Maschinen!

EILMELDUNG: Götze für 26 Millionen Euro zurück nach Dortmund! EILMELDUNG: Schürrle für 30 Millionen Euro zum BVB! EILMELDUNG: Sane für 50 Millionen Euro zu Manchester City! Die Saisonplanungen in Utopia laufen auf den Hochtouren des Wahnsinns. Und natürlich ist jeder Neuzugang ein „Transfer-Coup“ oder „Kracher“. Man hat bei allen Clubs das Gefühl, dass wirklich nichts und niemand schieflaufen kann – glaubt man den Phrasen der Beteiligten.

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Inzwischen ist nämlich nicht einfach alles nur gut oder zufriedenstellend, sondern irgendwie ziemlich brutal. Die Moral der Mannschaft ist „brutal“ gut, die Qualität des Kaders ist „brutal“ gut, die Physis des Teams ist „brutal“ gut – und Spieler, die es zu einem doppelten Übersteiger schaffen, sind laut Mannschaftskameraden „krasse Maschinen“. In der Neandertal-Höhle des Fußballuniversums regiert im Gesamten der rhetorische Versuch, Begriffe mit negativen Konnotationen als reißerische Siegesmetaphern auszurufen. Das klingt in der Masse nicht nur dämlich und sprachlich erbärmlich, sondern irgendwann auch ziemlich lasch und abgenutzt.

Und wenn der Trainer eines Bezirksligisten von einer „widerlichen Qualität in der Breite“ seines Teams spricht, so weiß man für einen Moment nicht mehr, ob es gerade um den Kader des FC Bayern München oder um den eines Amateurvereins geht. Solange die Murmel noch nicht rollt, täte dem Fußball ein Tick weniger stupides Gefauche recht gut – weiß man doch, dass am Ende nur der Abstiegskampf „brutal“ ist. Oder Thorsten Legat.

By the way, Hans Sarpei!

Pass in die Gasse #26

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Lieber Spiegel,

Harter Kater

Mit der inneren Wärme einer Pizza Calzone aufgewacht. An die Decke starrend, schelmisch grinsend. Dann ein Scroll-Marathon von Spox bis Kicker, dann die internationalen Pressestimmen inhaliert, den Zaza-Tanz geloopt, die Tränen Barzaglis getrunken und Urs Siegenthaler am schollschen Marterpfahl betanzt. Welch glückliches Leben! Ein paar tausend Effzeh-Klicks von befreundeten Facebook-Befreundeten später schaltet man den Fernseher ein und will sich zu den Höhepunkten auf tagesschau24 befriedigen. Doch plötzlich ZDF-Fernsehgarten. Andrea Kiewel schreit „Halbfinaaaaaale!“. Zu Gast: Henry Maske. Schland dreht durch. Warten auf Island.

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Stiflers Mum und Böhse Onkelz

…oder: unsere Eindrücke als RE:Ticker aus Lille

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10:23Uhr. Wache auf mit Seifenresten im Mund.

10:26Uhr. Schlande die Treppe des Airbnb-Lochs herunter in Richtung Bad. Bissspuren in der Seife. Eine zerstörte Akustik-Gitarre. Das Klose-Trikot ist getränkt in 9 prozentiges Starkbier. Auf der Partymeile vor unserer Tür singen bierbäuchige Altnazis „Mexiko“ von den Böhsen Onkelz in Dauerschleife.

12:30Uhr. Ein kühles Blondes mit der Konterstärke von Leroy Sané. Ob der spielen wird? „Die Nummer 1…die Nummer 1…die Nummer 1 der Weeelt sind wir!“ stimmt Gauland Ecke Rue Amiens im Sportpalast an. Das Thema Startelf ist seit 48 Stunden so omnipräsent wie die Gefahr eines Terroranschlags. Falls wir hier draufgehn, sagt bitte unseren nicht geborenen Kindern, dass wir den Fußball sehr geliebt haben. Die Bardame ist übrigens Stiflers Mum und wir nur kindische Märtyrer der Fußballkultur. Ein Kette rauchender (Reval) Kahn-Verschnitt mit Großkreutz-Trikot sagt seinem Kumpel in Lederhosen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Anschlag laut BILD bei 40 Prozent liegt. Dann singen beide wieder Arm in Arm „Mexiko“ und bestellen bei Stiflers Mum „this beer da“.

14:10Uhr. Die fünf Engländer von gestern grätschen stümperhaft in den Laden. Hugs ohne Ende. Und Gelächter über das Remis gegen Russland. Der geliebte Feind. Fußball verbindet – vor allem am Glas. Laut Lukas habe ich die Seife für weiße Schokolade gehalten und die Gitarre per Dropkick genommen. Verzweiflungsschuss. Gestern um 4:23Uhr aus Versehen Bilder via WhatsApp an Mama gesendet. Keine Antwort erhalten. Und daaaaaaa macht Luka Modric aka Beatrix von Storch das 1:0 für Kroatien.

17:16Uhr. Auf dem Weg zum Stadion kommen wir am Place du Général-de-Gaulle vorbei, wo gerade das Oktoberfest stattfindet. „Steht auuuf, wenn ihr Deutsche seid!“ skandieren die mitgereisten AfD-Wähler.

18:33Uhr. 55€ das Ticket. Drei Kontrollen. Kein Terror. Kein Sané. Nur Fußball und Böhse Onkelz. Mustafiiiiiii jaaaaa!

„Dirty Games“: Appell statt Anklage

Seit dem 02. Juni ist der prämierte Dokumentarfilm „Dirty Games“ von Benjamin Best in den Kinos. Das Werk ist „keine brachiale Anklage, vielmehr ein fast hilfloser Appell an die Sportfans“, heißt es in „ttt“. Es ist wohltuend festzustellen, dass ein Ab- und damit Durchwinken von Korruption im Sport keine Option für die Zivilgesellschaft sein darf – und wenn die hundertste Doku, das tausendste Plakat oder die hunderttausendste Unterschrift noch so vergeblich erscheint. Worum es geht in 6:20min via ‚ttt – titel thesen temperamente‘: http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Dirty-Games-Die-schmutzige-Seite-des/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=35648078

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Unsportlicher Sport

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Es ist ja schon komisch mit der EM. Da steht ein sportliches Highlight vor der Tür und es geht um alles – nur eben nicht um Sport. Einerseits die großen Zweifel hinsichtlich der Sicherheitslage rund um die Spiele, andererseits die Debatten um die Aussage eines AfD-Politikers, der offensichtlich den Verstand verloren hat. Umsäumt wird all das Unsportliche von einer Marketing-Welle, die an Konsum-Perversion nur schwer zu überbieten ist und sich jeder Supermarkt anfühlt wie die Kabine der deutschen Elf.

Und der DFB? Der steht als „gemeinnütziger Verein“ dem ganzen Wahnsinn natürlich vorbildlich gegenüber und schreibt sich in seiner Satzung die „Förderung gesunder Ernährung (…) als gesundheitliche Prävention“ auf die Fahnen. Deshalb entschied man sich in Frankfurt auch guten Gewissens für Verträge mit Ferrero („Steck deine Stars in die Tasche!“) und McDonalds („Sport und McDonald’s gehören einfach zusammen“) und schnürte mit Coca Cola einen „Premium-Partner“-Deal. Während Erwachsene mit Brauspar-Aktionen ein alkoholisches Konto eröffnen, können so besonders Kinder die EM bei Schokolade, Burger und Cola kalorienarm genießen. Gesundheit ist eben alles, besonders in Satzungen.

Ein Supermarkt-Regal weiter kann man den Liter Milch heute übrigens ab 47 Cent erwerben. Und während zig Bauern in ganz Deutschland um ihre Existenz fürchten, entscheiden sich eben doch viele für die 24 Sammeldosen von Coca Cola – natürlich wegen des gesundes Inhaltes und nicht wegen den abgebildeten Mats Hummels oder Manuel Neuer. Die Welt ist verrückt geworden. Darauf ein Prosit, lieber DFB!

Der 24. Mai: „The world’s worst stadium disaster“

Da ist gekommen wieder diese eine Moment!

Es ist doch immer wieder faszinierend, mit welch ausnahmsloser Ahnungslosigkeit dieser Tom Bartels Fußballspiele kommentiert. Allein auf die Idee zu kommen, dass bei dem Duell Schäfer gegen Chandler ein Elfmeter gepfiffen werden müsste, zeugt von solcher Inkompetenz, dass man Bartels selbst am liebsten mit einem langen Ball auf die Außenbahn schicken würde, nur um ihn dann mit Ball über die Bande einfach „wegzumachen“ (wie unser Trainer immer verlangt). Schäfers Tackling – zuerst Ball, dann Mann – ist von Timing und Erfahrung her einfach nur endgeil. Ein Tackling, für das jeder Kreisliga-Holzfuß hinterher eine Kiste geben müsste. Aber genau hier können wir uns beruhigt festlegen: spätestens bei der EM wird Bartels Tom wieder eine andere populäre Haltung einschlagen und monieren, dass Schiedsrichter die Partien zu sehr zerpfeifen würden oder dass solche Tacklings „in England mit Beifall beklatscht werden“. Alles eben so, wie es gerade passt. Wär doch das ganze Jahr Vierschanzentournee!

Good bye, Upton Park!

Heute müssen wir alle, ja wir all jene, die Fußballkultur lieben, ganz tapfer sein. Die ‚Hammers‘ öffnen heute Abend gegen ManU nach 112 Jahren das letzte Mal die Türen ihres heiligen Wohnzimmers. Kaum ein anderes Stadion war derart eng verbunden mit seinem sozialen Umfeld, den Arbeitern, der Armut, den alten Docks des East Ends und den letzten Cockneys. Irgendwo da draußen fern von jedem Tourismus, hier war Fußball alles: Lebensinhalt und Lebensersatz. In tiefer Trauer nehmen wir Abschied – von Kult und Chaos, dem Mythos Green Street ebenso wie von der Statue Bobby Moores.

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Ein adäquater Rundumschlag von Jean Mikhail via DIE WELT : http://www.welt.de/sport/fussball/internationale-ligen/article155183594/Hier-gehen-am-Dienstag-fuer-immer-die-Lichter-aus.html

 

 

Der Tod eines Fußballspielers

– “Herzmassage! Herzmassage!“ will man den Mannschaftsärzten und Sanis zurufen. Aber sie wiederholen ihren Fehler immer wieder. Und Ekeng stirbt immer wieder. – Danach tragen sie ihn in einen Krankenwagen, der entgegen aller Standards keinen Defibrillator hat. „Korruption tötet!“ rufen sie auf dem Platz der Universität in die Kameras. Am vergangenen Freitag starb der Kameruner Fußballer Patrick Ekeng, nachdem er in der 70. Minute auf dem Spielfeld zusammengebrochen war.

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Starkes Ding via ‚Krautreporter‘: https://krautreporter.de/1484–der-tod-eines-fussballspielers

Im totalitären Red Bull-Staat

Der vergessene Tote

Keine Relation

Nicht nur, dass man gegen Werder Bremen so wenig gebacken bekommt und Schwalben die einzige Lösung sind, nein. Man gratuliert sich dafür auch noch und klatscht ab. Doch so erbärmlich das für einen solchen Verein auch erscheint, so ist es ja nichts Neues.
Der wirkliche Unterschied zwischen Mannschaften wie Bayern und Bremen besteht viel mehr darin, dass ein Arturo Vidal solch ein Ding ohne Konsequenzen durchziehen kann und wird, während Spieler, die freiwillig und ehrlich zugeben sich absichtlich die 5. Gelbe Karte geholt zu haben, mit 20000€ Strafe versehen werden. Und jetzt alle: „Super Bayern, super Bayern, hey hey…!“

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