Kategorie: Kritisches

Pass in die Gasse #133

Der DFB bietet seiner Basis nun eine App an. So kann schon jetzt gefiltert und vermieden werden, dass den Scouts vielleicht ein guter Fisch durch das Online-Netz geht. Weiß natürlich nur: die Furchen-Kolumne „Pass in die Gasse“ via Westfalenpost Wittgenstein.

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Sätze der Bedeutungslosigkeit #20

Urlaub vorbei, Furche wieder dabei. Nach WM, Tour de France, Wimbledon, Leichtathletik-EM, gebrochenen Füßen und Punk Rock Holiday kehrt dann doch wieder Alltag ein: am Betze brodelt es weiter, FC und HSV im Irgendwo, ManCity und Bayern schon jetzt zu stark, Wechselgerüchte um Draxler. Alles beim Alten also. Um den Rest kümmern wir uns. Zum Aufschlag daher ein paar SÄTZE DER BEDEUTUNGSLOSIGKEIT.

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1. „Wir sind noch früh in der Saison.“ (Dominick Drexler, Wahrsager)
2. „Haben in die Zukunft investiert, nicht in die Breite.“ (Fredi Bobic, Bauaufsicht)
3. „Man weiß nie, was passiert (…) Aber zurzeit gehe ich davon aus, dass sich die Wege trennen.“ (Szenen einer Ehe: Christian Titz und Filip Kostic)
4. „Bestechung, Veruntreuung und Manipulation von Fußballspielen oder Wettbewerben dürfen nach Ablauf von zehn Jahren nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.“ (Die neue Nr.1 der Fifa-Charts)
5. „Wir waren klar die bessere Mannschaft. Wir hatten mehr Ballbesitz und einige gute Möglichkeiten. Wir konnten dies aber nicht ausnutzen, um zum Erfolg zu kommen.“ (Full of Classics: Moritz Stoppelkamp)

WM 2018: Stagnation des Kreativen

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„Wie man in Frankreich so sagt – eine Renaissance“ frohlockte Béla Réthy. Das war die WM wahrlich nicht. Aus fußballerischer Sicht hat das Turnier die Stagnation des Kreativen bestätigt, die schon bei der EM 2016 nur schwer zu ertragen war. Werbung für das „Spiel“ Fußball fand nur selten statt, Partien zwischen Belgien und Japan blieben die Ausnahme, Dramaturgie und Spannung fingen viel auf, was eigentlich die Off-Taste verdient gehabt hätte.

Das Finale hat dann noch einmal jenen Fußball bestätigt, der von Beginn an aufstieß und von chronischer Theatralik begleitet wurde. Schauspielerei und Arroganz mag man an Neymar festgemacht haben, wurden aber ebenso bei vielen anderen Darstellern mehr zu Tugend als Mittel zum Zweck. Das nervt nicht bloß in einer Spielsituation, sondern holt auch jene Zuschauer aus ihren Löchern, die sich den Fußball „von früher“ herbeisehnen. Schwalben wie die von Griezmann führen dann leider dazu, dass die Glückwünsche an diese großartige Fußballnation Frankreich eher bescheiden ausfallen.

„So ist Fußball“ heißt es dann gerne. „Die waren halt cleverer“ wird gerne hinzugefügt. Was zu diesen Mätzchen eigentlich gesagt werden sollte, fasste Béla Réthy in einem seiner wenigen Glücksmomente zusammen, als er Matuidis Gänsemarsch bei dessen Auswechslung als „peinlich“ kommentierte. Mit welcher Art Fußball ein Team Weltmeister wird, steht natürlich nicht zur Debatte. Was Rehhagels Griechen 2004 in Portugal bis zu ihrem Titel in Sachen Fußball anboten, tat den Augen auch nicht gerade gut. Fairplay musste deshalb trotzdem nicht an vierter oder fünfter Stelle stehen.

Der Videobeweis hat neue Freunde gefunden, aber auch Kritiker bestätigt. Mitverantwortlich ist dafür die weiterhin katastrophale Auslegung von Handspielen. Urs Meier manifestierte: „Entscheidend ist zuallererst, ob die Hand zum Ball geht oder der Ball zur Hand.“ Wie es nach dieser Auslegung bei Perišić‘ Handspiel zu einer „klaren Entscheidung“ kommen kann, ist rätselhaft und vor allem – entscheidend. Warum Pogbas mögliche Abseitsposition beim 1:0 nicht hinterfragt wird, obwohl er in die Situation aktiv eingreift und Mandžukić von hinten schiebt, ist ebenfalls nicht nachvollziehen. Die Liste positiver wie negativer Videobeweis-Auslegungen bleibt konstant lang. Fest steht nur, dass die Verantwortlichen der Bundesliga ihre Kladde nun voll mit Notizen haben müssten, was im Ligabetrieb besser laufen sollte. Und überhaupt deutscher Fußball: ach, egal.

Kommt alle gut raus aus der WM. Wir müssen Montag schließlich alle arbeiten.

Sampaoli raus!1!11!!!

HOLA, PERROS CACHONDOS!

Wenn Argentinien gleich achtkantig aus der Vorrunde fliegt, lege ich mir, der große Fernando Furche, der nicht-nominierte Stürmerstar aus Córdoba, ein zweites Kilo Angus auf den Grill und lasse es mir gut geh’n. Leid tut mir nur mein Kumpel Paulo Dybala, einer der geilsten Kicker überhaupt und überragender Mann bei Juventus, der jetzt plötzlich die Kohlen aus dem Feuer holen soll. Ja Leute, der Gute schoss in 33 Ligaspielen 22 Tore und hat trotzdem bei diesem tätowierten Pseudo-Mini-me nie die Chance auf einen Stammplatz erhalten. Weil er anscheinend nicht ins System passt! „Es wird für Dybala schwierig sein, sich an unseren Stil zu gewöhnen“, hatte Sampaoli vor seiner endgültigen Nominierung für die WM posaunt. Welchen Stil meint dieser hilflose Seitenlinienkokser? Messi anspielen und sonst niemand? Freistöße für Messi rausschinden? Pff! Hätte Sampaoli das zu mir, dem großen Fernando Furche gesagt, wäre ich in Russland jeden Abend auf Partymeilen verschwunden und zwar so richtig. Mein Stil!

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Und überhaupt: dass ich schon nicht mit nach Russland durfte ist sicher ein Skandal, aber hey – Mauro Icardi? Meine Frau fragte mich jetzt, ob Sampaoli überhaupt einen Fernseher hat. Jedes Kind saß hier letzte Saison vor der Glotze, wenn Inter spielte. Inter! Da macht einer 29 Buden, holt sich die Torjägerkanone und darf nicht einmal mit zur WM fahren! Sampaoli, der ist ja wahnsinnig, komm schaff‘ den weg! Neulich noch mit meinem alten Buddy Hernan Crespo geplaudert. Der meinte: „Auf mich wirkt das so, dass Icardi keiner von Messis Freunden ist. Die Albiceleste besteht aus einem magischen Zirkel. Und da Icardi nicht zu diesem elitären Zirkel gehört, wird er auch nicht mit zur WM fahren.“

Leute, Leute, ich werd‘ nicht mehr. Wie kann ich den nur zu Hause lassen?! Man kann doch gar nicht zu viele Stürmer haben! Schaut euch zum Beispiel Deutschland an. Die würden sich über Icardi gerade mehr freuen als damals über Sean Dundee! Notfalls läuft man halt wie früher im 2-3-5-System auf, auch Schottische Furche genannt: Agüero – Higuain – Pavon – Icardi – Dybala. Bei dem Sturm würde sogar ich mich, der große Fernando Furche, brav und ohne Knurren auf die Bank fläzen. Sampaoli raus!1!11!!!

Saludos aus Córdoba,

Euer Fernando

Buffon im Tor, Duce im Wohnzimmer

Kramer gegen Kramer

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„Also Müller erstmal raus, also nicht, weil er schlecht gespielt hat.“ 

Es ist doch recht schleierhaft, warum ein noch aktiver Bundesligaspieler als WM-Experte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftritt. Allein dieser aktive Status führt unweigerlich dazu, dass eigentlich notwendige Kritik zu Taktik oder Leistung nicht ausgesprochen wird, ja gar nicht werden kann. Denn so platt es klingt: dafür sind Experten da. Es geht darum, per Analyse offensichtliche wie weniger offensichtliche Probleme und Stärken sichtbar zu machen. In welcher Qualität dies geschieht oder nicht, ist sicher ein anderes Thema.

Christoph Kramer war bis vor Kurzem noch im Kader der Nationalelf. Mit 27 Jahren kann sich das mit einer guten Saison bei Borussia Mönchengladbach durchaus wiederholen. Da ist es nur logisch, dass Kramer nach dem Abpfiff des ersten Gruppenspiels weniger die katastrophale deutsche Leistung, sondern vielmehr die starke mexikanische in den Vordergrund stellte. An Kritik im Detail ist folglich erst recht nicht zu denken.
Natürlich geht es nicht um die Person Christoph Kramer, wenn auch das Stillschweigen von Seiten Borussia Mönchengladbachs zu dieser TV-Rolle doch sehr überrascht. Es geht um die Frage, warum das ZDF so eine Lösung präferiert – und damit um die Qualität kritischer Berichterstattung. Geht es möglicherweise eben darum, sich gar nicht allzu kritisch äußern zu wollen? Es gibt ausreichend personelle Alternativen, die nicht mehr im „Geschäft“ sind und diesen Posten sachlich wie kritisch besetzen könnten – und nicht Mario Basler heißen. Dann käme es auch mit Oliver Kahn zu einem Dialog auf Augenhöhe und somit zu einer Konstellation, die im englischen Fernsehen zum Beispiel seit Jahren Gang und Gäbe ist, wo Lineker, Shearer, Ferdinand, Carragher und Co. eine Art Debattierclub halten. Eine adäquate Form der Diskussion also, die bei dieser WM im deutschen Fernsehen nicht stattfindet.

Kommentare gelöscht, weil…

Kommentare zu löschen gehört sicher nicht zu unseren liebsten Hobbys. Doch kommt es bei bestimmten Debatten (wie der um Baslers „toten Frosch“) zu Ausrufen, denen wir dann doch das Licht „ausknipsen“ (Marek Mintál). Natürlich können wir nicht so derart transparent daherkommen wie der DFB, doch möchten wir versuchen die Zensur von Kommentaren so zu handhaben, dass Artikel 5 des GG hier weiterhin und uneingeschränkt gilt.

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Unsere Begründungen zum Löschen von Kommentar

a) Das Osmanische Reich existierte nur bis 1922, lieber Steven Hübner. Wahrscheinlich (hoffentlich) ist auch Ihnen schon einmal beim Aufschlagen des Diercke Weltatlas in der Grundschule aufgefallen, dass die Metropole am Bosporus nicht mehr Konstantinopel, sondern inzwischen Istanbul heißt. Wenn Sie also der Meinung sind, dass wir Bock auf einen herrschenden Sultan haben, müssen wir Sie aus Aktualitätsgründen leider enttäuschen. Vielmehr dünkt uns, dass Sie dem Begriff „Reich“ vielleicht näherstehen als wir. Bei diesem Vorhaben wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Mit sportlichen Grüßen, Die Schottische Furche

b) Lieber Daniel Herbers, die Liebe zum Fußball fällt uns seither nicht mehr schwer, als wir das erste Mal Harry Koch am Elfmeterpunkt bestaunen durften. Da war der Drops sozusagen gelutscht. Solche Momente sollten Sie als Fan des SV Meppen ja bestens kennen, sodass Sie den Vorwurf der nicht vorhandenen Liebe zum Fußball doch sicher auch als persönliche Beleidigung empfinden würden. Zum Abschluss noch eine Frage unter „Deutschen Jungs“, wie es auf Ihrem Profilbild in altdeutscher Schrift zu lesen ist: Meinen Sie mit Ihrem anderen Schriftzug „Kategorie C“ jetzt die Naziband oder die Nazigruppe, der Sie angehören?

Über eine Antwort in Kommentar-Form würden wir uns sehr freuen, Die Schottische Furche

c) Lieber Tom Grieser, der Anilingus stellt eine orale Sexualpraktik dar, bei welcher der Anus, meist inklusive Dammregion, mit Lippen und Zunge stimuliert wird, und kann sowohl oberflächlich als auch durch Penetration des Anus mit der Zunge erfolgen. Die Analregion ist mit zahlreichen Nervenenden besetzt und gehört zu den erogenen Zonen vieler Menschen. Noch nie probiert? Da tun Sie uns leid. Ist der Wahnsinn!

Beste Grüße, die Sexperten der Schottischen Furche

Unsäglich und unerträglich

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Wir haben beschlossen die WM selbst nicht weiter zu kommentieren, da von unserer Seite aus über einen langen Zeitraum zu den Turnieren in Russland und Katar ausreichend Meinung geäußert wurde.
Womit wir aber kaum rechnen konnten ist, dass sich die wirkliche Grausamkeit dieser Weltmeisterschaft weniger in politischen Feldern, sondern in der Berichterstattung deutscher Medien ausdrückt. Allein das Thema Özil wird in einer derart ekelhaften wie inkompetenten Weise geführt, die man vor vier Jahren noch für unmöglich gehalten hätte. Die Tatsache, dass man einem Mann wie Mario Basler für seine unsäglichen Kommentare immer wieder das Mikrofon hinhält, offenbart die Erbärmlichkeit und die Gier nach Dreizeilern deutscher Medien im Allgemeinen.
Dass so ein Mann, von dessen dreißig Länderspielen nur eines Pflichtspielcharakter besaß (30 Minuten bei der WM 1994 gegen Bolivien), einem Weltmeister und 91-fachen Nationalspieler (23 Tore, 40 Torvorlagen) die Körperhaltung eines „toten Frosches“ bescheinigt und obendrein vorwirft in Brasilien „nichts zum WM-Titel beigetragen“ zu haben, ist schlichtweg ein Skandal. Wenn eines Deutschland gerade nicht braucht, dann sind das Stammtisch-Proleten wie Mario Basler. Es ist unerträglich zu sehen, wie solche (nämlich unverdienten) Ex-Nationalspieler den Mob gegen das eigene Team ohne auch nur einen Hauch von Respekt aufwiegeln. Wer sich auf solchen Mist auch noch alkoholgeschwängert zuprostet, hat weder Fußball, noch die WM verdient.

Populistische Doppelmoralisten

Der Aufschrei ist groß: Ilkay Gündogan und Mesut Özil posieren an der Seite von Recep Erdogan. Das ist für manch selbsternannten Demokratieverfechter zu viel. Die Pfeile deutscher Parteien ließen nicht lange auf sich warten und prasseln dabei mit einer populistischen Homogenität auf Özil und Gündogan ein, die nicht bloß beschämend ist, sondern auch viel über den peinlichen Zustand politischer Diskussionskultur in Deutschland aussagt.
AfD-Vize Alice Weidel hetzt, dass Özil und Gündoğan „am besten gleich ihr Glück in der türkischen Nationalmannschaft suchen“ sollten – eine Partei, die im Fall Deniz Yücel noch mit Erdogan paktierte, ist also plötzlich schwer empört. FDP-Politiker Oliver Luksic verlangt gar den Rücktritt beider Spieler, während Wolfgang Bosbach von der CDU beide daran erinnert, dass nicht Erdogan, sondern Steinmeier ihr Präsident sei. Den Adler aber schießt DFB-Präsident Reinhard Grindel ab, der harsch kritisierte, dass der DFB für Werte stünde, die „von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden“. Jener DFB, der in Chinas U20 gegen deutsche Regionalligisten „eine prima Sache“ sah und sich beim Thema Menschenrechte in Katar und Russland in Hinterzimmern versteckt, statt Alarm zu schlagen.
Erdoğans Wahlkampfmethoden sind zu Recht zu kritisieren, doch darf dabei nicht die Meinungsfreiheit eigener Staatsbürger attackiert werden. Das sollte auch für Spieler der Nationalelf gelten – auch und vor allem dann, wenn sie einmal nicht in Imagevideos des DFB auftreten.

Betreff: Fortuna-Fahne in der Euro League

Wir möchten uns an dieser Stelle kurz zu einem Beitrag äußern, den wir während des Champions-League-Spiels Arsenal gegen Atlético auf Facebook veröffentlichten und nach Spielschluss wieder löschten. Dieser Beitrag zeigte ein Bild, auf dem im Fanblock der Colchoneros eine Fahne von Fortuna Düsseldorf zu sehen war. Kurz nach Spielende bekamen wir einige Nachrichten von euch, welche uns sehr sachlich auf die Zusammenhänge diverser Fan-Gruppierungen beider Clubs aufmerksam machten. Vordergründig betraf dies das freundschaftliche Verhältnis zwischen den „Bushwhackers“ aus Düsseldorf und „Frente Atlético“ – beide bekannt für ihre neonazistische Haltung. Vor allem Letztere rückten 2014 in die Öffentlichkeit, als Frente-Mitglieder wegen der Ermordung eines linken Ultra-Fans von Deportivo La Coruña verurteilt wurden. Die Solidarisierung der „Bushwhackers“ ließ damals nicht lange auf sich warten: Im Fortuna-Block hingen sie eine Banner auf, welches die Freilassung ihrer madrilenischen „Kameraden“ forderte – nur eine von zahlreichen Aktionen.

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Wir möchten an dieser Stelle vor allem denjenigen danken, die aufmerksam solche Strömungen wahrnehmen und uns diese dann auch mitteilen. Auch wir können nur auf unser inneres Archiv zurückgreifen, wo in der hintersten Ecke vielleicht der Name des nordkoreanischen Spielers wartet, der bei der WM 1966 den Siegtreffer gegen Italien erzielte. Oder was sich genau im Fußballkrieg zwischen zwischen Honduras und El Salvador im Jahr 1969 abspielte. Ja, das wissen wir. Doch alles können wir nicht wissen – zum Beispiel sämtliche Koexistenzen rechter Volldeppen weltweit. Daher – uns eingeschlossen – nicht alle Bilder auf der Couch mit 0,5 Liter durchwinken, sondern sie weitsichtig wie besonnen hinterfragen. Nazis raus aus den Stadien – so und nicht anders.

Eure Furche

 

„Leute, wie kaputt kann man eigentlich sein?“

Rekordausländer, der

Zielscheibe von Ultras

Was, nur ein Prozent?!

Neulich im Bus, zwei Typen, dem Fußball offenbar sehr zugeneigt. A: „Das muss man sich mal geben. Da spendet der Hummels ein Prozent seines Gehalts und lässt sich dafür auch noch feiern. Für ein Prozent! Lächerlich.“ B:“ Hauptsache Image polieren und das Gewissen besänftigen!“ Ich musste daran denken, wie Michael Schumacher einst zehn Millionen Dollar für die Tsunami-Opfer in Südostasien spendete und dafür mit derselben Art von Typen zu kämpfen hatte. Franz Müntefering schoss dabei den Vogel ab und vermischte Regierungspolitik mit fehlender Empathie gegenüber den Opfern: „Ich mag das nicht, dass einer 7,5 Millionen Euro gibt, der zwischendurch dann keine Steuern zahlt.“

Weil ein Prozent einfach zu wenig klingt, weil zehn Millionen Dollar in Relation gesetzt werden. Fakt ist doch, dass es sich bei „Common Goal“ um ein erstrebenswertes und möglicherweise zukunfstweisendes Projekt handelt, an dem noch viel zu wenig Fußballprofis teilnehmen. Wer das negativ beäugt, kann sich gerne einmal daran versuchen Geld zu akquirieren, was 1% von Chiellinis Gehalt entspricht. Für die gute Sache natürlich.

Zur Meldung –> http://t1p.de/qhlk

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Den Knall nicht gehört

Auch Verlieren will gelernt sein

Evolution des Fußballs

Videobeweis für alle!

Arm und Reich gehen auch im Fußball immer weiter auseinander. Während im Profifußball mit Hilfe des Videobeweises gekonnt falsche Spieler vom Platz gestellt werden, müssen Kreisliga-Kicker ihre Torlinien noch von Hand ziehen. Das muss aufhören!
Mit unserer neuen Rubrik bieten wir dem DFB an, sich nicht noch weiter von der Basis zu entfernen und für eine digitale Komplettausstattung für jeden Verein zu sorgen! Mit Hilfe dieser Überwachung könnten zudem Spiele der Kreisliga direkt ins Internet übertragen werden. (Jahres-Abo 89,99€) Ohne den Videobeweis kann schließlich kein Fußballspiel mehr fair über die Bühne gehen! Dieser Ungerechtigkeit muss Einhalt geboten werden.
Wie schlecht es dem Fußball abseits des Grindelismus geht, wollen wir hiermit dokumentieren. Deshalb: Schickt uns aussagekräftige Bilder, warum euer Verein und euer Team dringend den Videobeweis benötigen. (gilt auch für Vereinsheime, Kabinenpartys etc. pp.)

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(Bild: Der SC Ingelfingen kurz vor dem alles entscheidenden Gegentor. Abstieg!) #VideobeweisFürAlle

Ich, Fußballgott, gehe in ein hundertjähriges Sabbatical!

Ich, Fußballgott, sage mich los vom Sündenfall, zum Teufel mit den Verbandsunholden und Schreibtischtätern! Dem Herr Gott sei Dank weiß ich, Fußballgott, von der Alien-Saga und den weißen Hyperschlafkapseln in meinem Raumschiff. Wenn das nicht funktioniert, rufe ich, Fußballgott, halt den alten H.G. Wells im Jenseits an und frage ihn nach seiner verdammten Zeitmaschine. Hauptsache weg! Vielleicht lande ich, der Fußballgott, ja auf einem Planeten mit nicht-feindseligen Organismen. An einem Ort, wo der Homo ludens, nicht der Homo faber regiert. Vielleicht ja auf dem Planet der Affen, wo sie Fußball wahrscheinlich noch auf selbstgebaute Holztore und ohne Videobeweis spielen, in der Halbzeit werden Bananen statt Red Bull gereicht. Ich, Fußballgott, habe es über den Grindel gesagt wie es schon einer eurer letzten Geistigen, Erich Kästner, wusste: „Alles, was gigantische Formen annimmt, kann imponieren – auch die Dummheit.“ Ich, Fußballgott, gab euch die Kurven, und was machtet ihr? Ihr machtet Geraden draus! Ich, Fußballgott, gab euch das Feuer, und was machtet ihr draus? Stadionverbote! Ich, Fußballgott, gab euch den aufrechten Gang, und was machtet ihr draus? Sitzplätze! Ihr seid ja wahnsinnig, euch muss man einsperren, da lag der Kinski damals richtig. Ich, Fußballgott, sage Ade von meinem runden, unschuldigen Kindlein, was man da tritt und streichelt zugleich, damit es rollt, im Netze einschlägt und Spiegel der Gesellschaft ist. Arme Gesellschaft! Mir, Fußballgott, ergeht es in diesen Stunden wie einst dem guten Laios, der seinem Ödipus das Leben schenkte und als Dank dafür vom eigenen Sohn gerichtet wurde. Ich, Fußballgott, bin wieder Absoluter Beginner und draußen wie Mutter Natur, peace!

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Pistorius, kein Fußballgott!

„Ich frage mich, woher der teilweise verbreitete Irrglaube stammt, dass Pyrotechnik zum Fußball gehört. […] Es gibt nur eine Antwort: lebenslange Stadionverbote“, sagte der CDU, Pardon, SPD-Politiker. Man müsse einen Weg „maximaler Abschreckung“ gehen und „auch über personalisierte Tickets nachdenken oder über Stadien ohne Stehplätze“. Insider ließen durchsickern, dass Pistorius auch einen totalen Krieg als mögliche Endlösung in Betracht ziehe.

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Foto: Boris Pistorius in seiner größten Rolle als Inspektor Luigi „Lutschi“ Mackeroni im Film „Kondom des Grauens“.

Nur noch so eine Doku

Hey Arte, bisher habt ihr uns mit eurem ARTE Re:-Format wirklich entzückt. Wir sahen hilflose Fischer in Grimsby, leidenschaftliche SchäferInnen mitten in Paris und großartige Studenten-Rentner-WGs im niederländischen Deventer. Doch jetzt präsentiert ihr uns nicht nur einen Spielbericht à la Brisant vom Kick zwischen SV Babelsberg 03 und FC Energie Cottbus, sondern auch den „authentischen“ Ultra Rene und die infantile Linda („Ja, die Hitlergrüße waren auch zur Provokation gegen die Rufe, die wir bekommen haben.) Das tut doch sehr weh und ist so gar nicht Art. Einzig amüsiert uns die endgültige Bestätigung, dass den Verein aus dem „Stadion der Freundschaft“ Deeskalation wirklich so sehr interessiert, dass er noch nicht einmal „der Einladung zur Vorbesprechung“ bezüglich Sicherheit nachkommt.

–> http://sites.arte.tv/re/de/video/re-fussball-radikal

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Hoeneß, du Schlingel!

1860: kein Tag für Häme

Peter Cassalette, Hasanb Ismaik, Ian Ayre, Vitor Pereira – es gibt viele Gründe für eine Verunglimpfung der verantwortlichen Riege. Es gibt jedoch keinen Grund, sich hämisch gegenüber dem Verein 1860 München zu zeigen. Sicher, dafür muss viel Geschehenes in den letzten Jahren ausgeblendet werden, man erinnere sich nur einmal an das Aussperren von Journalisten. Doch es wäre kurzsichtig, den Verein nicht auch als solchen zu sehen und dies in erster Linie mit all seinen zahlreichen Fans und der jahrzehntelangen guten Jugendarbeit. Denn das Schicksal, was den Fans der „Löwen“ widerfahren ist, hätte Fans vieler anderer Clubs ebenso ereilen können. Irgendein Investor kommt, versenkt den Karren, der eh schon in den Dreck gefahren wurde, endgültig und ist durch die autokratischen Strukturen gleichzeitig die letzte Instanz, um die nötigen Lizenzen für anderen Ligen zu sichern. Das alles ist so traurig, weil es nicht „nur“ um den einen Verein namens TSV 1860 München geht. Es schildert auf verstörende Weise den apokalyptischen Status Quo des Fußballs im Allgemeinen. Die Ausbrüche von einigen „so genannten Sechzigern“ (Tom Bartels) gipfelten heute nicht bloß aufgrund des sportlichen Abstiegs, sondern sind auch als Rebellion gegenüber jenem System zu bewerten, was sich da modern und kapitalistisch schimpft. Für Schadenfreude gegenüber 1860 war diese Saison genügend Raum, heute aber verschwindet ein weiteres Stück Bundesligageschichte von der Bildfläche. Ein „Das-haben-die-jetzt-davon-Denken“ ist daher völlig deplatziert – und das unabhängig jedweder Fanzugehörigkeit.

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Fall „Helene“: eine neue Dimension der Gewalt!

Vergeltungsakt des DFB für alle Kritiker des FC Bayern und der armen Anastacia: Helene Fischer singt in der Halbzeitpause des Pokalfinales! Abgesehen davon, dass wir uns natürlich viel lieber Gotthilf Fischer in die Venen gedrückt hätten, darf man schon sagen, dass dies eine neue Dimension der Gewalt ist! Das kann nur von „sogenannten Fans“ des Fußballs organisiert worden sein, die das Stadion missbrauchen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ihr habt den Fußball nie geliebt!

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(Foto: Aufgenommen in die Kartei „Triebtäter Sport“ – der Deutsche Michel)

Ihr Hurensöhne! Dann machen wir Bambule!

Von Körpern und Kuchen

Wenn Cristiano Ronaldo zum Torjubel ansetzt, sind wir nicht Zeugen willkürlicher Performance. Ronaldo schießt nämlich sehr oft Tore, ein Umstand, der systematische Selbstinszenierung erst ermöglicht. Mit Ronaldo begann Fußball eine Bühne für Narzissten zu werden, für Muskeln, Schmuck, Piercings, weiße Unterwäsche und noch weißere Zähne. Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz meint: „Körperkult spielt im Narzissmus eine große Rolle. Viele verlagern ihr inneres Problem auf Äußerlichkeiten. Sie betonen ihren Körper durch Training, Diäten, Kleidung oder Kosmetik“. Fans bejubeln daher nicht nur das Tor von Ronaldo, sondern in diesem Moment auch dessen Körper(kult). Der Code ist simple: Nach dem Tor läuft er zu den Fans und zeigt mit beiden Zeigefingern (nur) auf sich und seine Brust. Seht her: Dieser Körper kann das.
Zeitwechsel. Am heutigen 12. April würde der englische Kult-Keeper William Henry Foulke 143 Jahre alt. Foulke, genannt „Fatty“, steht mit 165 Kilogramm als schwergewichtigster Fußballer im Guinness-Buch der Rekorde. Als ihn gegnerische Fans einmal mit „Who ate all the pies?“ („Wer hat den ganzen Kuchen aufgegessen?“) höhnisch besangen, antwortete „Fatty“ mit Humor: „Mir egal, wie sie mich rufen. Hauptsache, sie rufen mich nicht zu spät zum Lunch!“
Selbst in Deutschlands Amateurkabinen werden Kilos belächelt. Nur metallische Körper schießen eben Tore wie Ronaldo, Pfunde helfen nicht, also sind sie unerwünscht. Da ist es kein Wunder, dass sich insbesondere jüngere Kicker neuerdings gerne als „Maschinen“ bezeichnen, was sich im Fußballjargon seit einigen Jahren als Unwort testosterongesteuerter Halbstarker etabliert hat. Ein Mann wie Foulke wäre im gegenwärtigen Ronaldo-Zeitalter voll McFit’scher Hirntodgymnastik wohl maximal Zeugwart geworden. Damals aber war „Fatty“ englischer Nationalspieler – und kein Narzisst. Der Kuchen steht bereit. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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11mm bis Jerusalem

Das Hooligan-Konkordat

„Bei den Eingängen zu den Fansektoren sollen Gesichtsaufnahmen der Fans gemacht werden, um fehlbare Zuschauer besser identifizieren zu können. Es geht dabei nicht um Portrait-Aufnahmen, sondern um Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln.“ Als die Anzahl anreisender Hooligans zur EM 2008 in der Schweiz nicht einzuschätzen war, führte man ad hoc das sogenannte „Hooligan-Konkordat“ ein, das wegen seiner Verfassungswidrigkeit nur bis 2009 gelten durfte. Eigentlich. Wegen „zunehmender Gewalt“ ohne wissenschaftlichen Beleg wurde das Konkordat plötzlich „überarbeit“, 23 von 26 Kantone nickten ab. Unsere Leseempfehlung geht raus an die Kollegen des Transparent Magazins und ihrer aktuellen, 20. Ausgabe.

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Gegen Rassismus, für Poesie

Der DFB wie eh und je

Juve und die Mafia

Wimbledon vs. Dons!

Wem die Champions League heute Abend einfach zu Mainstream ist, sollte seinen Kühlschrank schnell mit ein paar Ales füllen und schonmal den Livestream für die dritte englische Liga heraussuchen. Heute um 20:45Uhr kommt es zum Kulturkampf zwischen dem AFC Wimbledon und Milton Keynes Dons. Stellt euch vor, euer Verein geht insolvent, wird aufgekauft, ändert den Namen und zieht an einen 130km entfernten Ort. Und ihr? Ihr bleibt, gründet mit ein paar anderen einen eigenen Verein und steht nach sechs Aufstiegen in vierzehn Jahren plötzlich in der Tabelle vor dem Erzfeind. Im Oktober 2016 war es soweit: http://www.11freunde.de/artikel/der-afc-wimbledon-steht-erstmals-vor-den-mk-dons

Helft dem Jungen!

Kriegerischer Fußball

Sätze der Bedeutungslosigkeit #19

1. „Der Kopf ist auch mit entscheidend.“ (Nicht wirklich, Alexander Nouri?)
2. „Selbst wenn ich gehe, wird Arsenal nicht jedes einzelne Spiel gewinnen.“ (Und wenn sie bleiben, Herr Wenger?)
3. „Die kommen zwar sehr vom Läuferischen her und sind bisher eine der Mannschaften, die am meisten gelaufen ist.“ (Tony ‚Forrest‘ Jantschke über RB)
4. „Barack Obama ist natürlich herzlich willkommen. Er soll früh Bescheid sagen, damit wir Sicherheitsvorkehrungen treffen können.“ (Torsten Frings, Botschafter)
5. „Generell ist es so, dass der Privatjet früher die Regel war– heute sind Privatjets die Ausnahme.“ (…welche ja die Regel bestätigt, liebe Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura)

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