Kategorie: Kritisches

Videobeweis für alle!

Arm und Reich gehen auch im Fußball immer weiter auseinander. Während im Profifußball mit Hilfe des Videobeweises gekonnt falsche Spieler vom Platz gestellt werden, müssen Kreisliga-Kicker ihre Torlinien noch von Hand ziehen. Das muss aufhören!
Mit unserer neuen Rubrik bieten wir dem DFB an, sich nicht noch weiter von der Basis zu entfernen und für eine digitale Komplettausstattung für jeden Verein zu sorgen! Mit Hilfe dieser Überwachung könnten zudem Spiele der Kreisliga direkt ins Internet übertragen werden. (Jahres-Abo 89,99€) Ohne den Videobeweis kann schließlich kein Fußballspiel mehr fair über die Bühne gehen! Dieser Ungerechtigkeit muss Einhalt geboten werden.
Wie schlecht es dem Fußball abseits des Grindelismus geht, wollen wir hiermit dokumentieren. Deshalb: Schickt uns aussagekräftige Bilder, warum euer Verein und euer Team dringend den Videobeweis benötigen. (gilt auch für Vereinsheime, Kabinenpartys etc. pp.)

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(Bild: Der SC Ingelfingen kurz vor dem alles entscheidenden Gegentor. Abstieg!) #VideobeweisFürAlle

Ich, Fußballgott, gehe in ein hundertjähriges Sabbatical!

Ich, Fußballgott, sage mich los vom Sündenfall, zum Teufel mit den Verbandsunholden und Schreibtischtätern! Dem Herr Gott sei Dank weiß ich, Fußballgott, von der Alien-Saga und den weißen Hyperschlafkapseln in meinem Raumschiff. Wenn das nicht funktioniert, rufe ich, Fußballgott, halt den alten H.G. Wells im Jenseits an und frage ihn nach seiner verdammten Zeitmaschine. Hauptsache weg! Vielleicht lande ich, der Fußballgott, ja auf einem Planeten mit nicht-feindseligen Organismen. An einem Ort, wo der Homo ludens, nicht der Homo faber regiert. Vielleicht ja auf dem Planet der Affen, wo sie Fußball wahrscheinlich noch auf selbstgebaute Holztore und ohne Videobeweis spielen, in der Halbzeit werden Bananen statt Red Bull gereicht. Ich, Fußballgott, habe es über den Grindel gesagt wie es schon einer eurer letzten Geistigen, Erich Kästner, wusste: „Alles, was gigantische Formen annimmt, kann imponieren – auch die Dummheit.“ Ich, Fußballgott, gab euch die Kurven, und was machtet ihr? Ihr machtet Geraden draus! Ich, Fußballgott, gab euch das Feuer, und was machtet ihr draus? Stadionverbote! Ich, Fußballgott, gab euch den aufrechten Gang, und was machtet ihr draus? Sitzplätze! Ihr seid ja wahnsinnig, euch muss man einsperren, da lag der Kinski damals richtig. Ich, Fußballgott, sage Ade von meinem runden, unschuldigen Kindlein, was man da tritt und streichelt zugleich, damit es rollt, im Netze einschlägt und Spiegel der Gesellschaft ist. Arme Gesellschaft! Mir, Fußballgott, ergeht es in diesen Stunden wie einst dem guten Laios, der seinem Ödipus das Leben schenkte und als Dank dafür vom eigenen Sohn gerichtet wurde. Ich, Fußballgott, bin wieder Absoluter Beginner und draußen wie Mutter Natur, peace!

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Pistorius, kein Fußballgott!

„Ich frage mich, woher der teilweise verbreitete Irrglaube stammt, dass Pyrotechnik zum Fußball gehört. […] Es gibt nur eine Antwort: lebenslange Stadionverbote“, sagte der CDU, Pardon, SPD-Politiker. Man müsse einen Weg „maximaler Abschreckung“ gehen und „auch über personalisierte Tickets nachdenken oder über Stadien ohne Stehplätze“. Insider ließen durchsickern, dass Pistorius auch einen totalen Krieg als mögliche Endlösung in Betracht ziehe.

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Foto: Boris Pistorius in seiner größten Rolle als Inspektor Luigi „Lutschi“ Mackeroni im Film „Kondom des Grauens“.

Nur noch so eine Doku

Hey Arte, bisher habt ihr uns mit eurem ARTE Re:-Format wirklich entzückt. Wir sahen hilflose Fischer in Grimsby, leidenschaftliche SchäferInnen mitten in Paris und großartige Studenten-Rentner-WGs im niederländischen Deventer. Doch jetzt präsentiert ihr uns nicht nur einen Spielbericht à la Brisant vom Kick zwischen SV Babelsberg 03 und FC Energie Cottbus, sondern auch den „authentischen“ Ultra Rene und die infantile Linda („Ja, die Hitlergrüße waren auch zur Provokation gegen die Rufe, die wir bekommen haben.) Das tut doch sehr weh und ist so gar nicht Art. Einzig amüsiert uns die endgültige Bestätigung, dass den Verein aus dem „Stadion der Freundschaft“ Deeskalation wirklich so sehr interessiert, dass er noch nicht einmal „der Einladung zur Vorbesprechung“ bezüglich Sicherheit nachkommt.

–> http://sites.arte.tv/re/de/video/re-fussball-radikal

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1860: kein Tag für Häme

Peter Cassalette, Hasanb Ismaik, Ian Ayre, Vitor Pereira – es gibt viele Gründe für eine Verunglimpfung der verantwortlichen Riege. Es gibt jedoch keinen Grund, sich hämisch gegenüber dem Verein 1860 München zu zeigen. Sicher, dafür muss viel Geschehenes in den letzten Jahren ausgeblendet werden, man erinnere sich nur einmal an das Aussperren von Journalisten. Doch es wäre kurzsichtig, den Verein nicht auch als solchen zu sehen und dies in erster Linie mit all seinen zahlreichen Fans und der jahrzehntelangen guten Jugendarbeit. Denn das Schicksal, was den Fans der „Löwen“ widerfahren ist, hätte Fans vieler anderer Clubs ebenso ereilen können. Irgendein Investor kommt, versenkt den Karren, der eh schon in den Dreck gefahren wurde, endgültig und ist durch die autokratischen Strukturen gleichzeitig die letzte Instanz, um die nötigen Lizenzen für anderen Ligen zu sichern. Das alles ist so traurig, weil es nicht „nur“ um den einen Verein namens TSV 1860 München geht. Es schildert auf verstörende Weise den apokalyptischen Status Quo des Fußballs im Allgemeinen. Die Ausbrüche von einigen „so genannten Sechzigern“ (Tom Bartels) gipfelten heute nicht bloß aufgrund des sportlichen Abstiegs, sondern sind auch als Rebellion gegenüber jenem System zu bewerten, was sich da modern und kapitalistisch schimpft. Für Schadenfreude gegenüber 1860 war diese Saison genügend Raum, heute aber verschwindet ein weiteres Stück Bundesligageschichte von der Bildfläche. Ein „Das-haben-die-jetzt-davon-Denken“ ist daher völlig deplatziert – und das unabhängig jedweder Fanzugehörigkeit.

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Fall „Helene“: eine neue Dimension der Gewalt!

Vergeltungsakt des DFB für alle Kritiker des FC Bayern und der armen Anastacia: Helene Fischer singt in der Halbzeitpause des Pokalfinales! Abgesehen davon, dass wir uns natürlich viel lieber Gotthilf Fischer in die Venen gedrückt hätten, darf man schon sagen, dass dies eine neue Dimension der Gewalt ist! Das kann nur von „sogenannten Fans“ des Fußballs organisiert worden sein, die das Stadion missbrauchen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ihr habt den Fußball nie geliebt!

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(Foto: Aufgenommen in die Kartei „Triebtäter Sport“ – der Deutsche Michel)

Von Körpern und Kuchen

Wenn Cristiano Ronaldo zum Torjubel ansetzt, sind wir nicht Zeugen willkürlicher Performance. Ronaldo schießt nämlich sehr oft Tore, ein Umstand, der systematische Selbstinszenierung erst ermöglicht. Mit Ronaldo begann Fußball eine Bühne für Narzissten zu werden, für Muskeln, Schmuck, Piercings, weiße Unterwäsche und noch weißere Zähne. Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz meint: „Körperkult spielt im Narzissmus eine große Rolle. Viele verlagern ihr inneres Problem auf Äußerlichkeiten. Sie betonen ihren Körper durch Training, Diäten, Kleidung oder Kosmetik“. Fans bejubeln daher nicht nur das Tor von Ronaldo, sondern in diesem Moment auch dessen Körper(kult). Der Code ist simple: Nach dem Tor läuft er zu den Fans und zeigt mit beiden Zeigefingern (nur) auf sich und seine Brust. Seht her: Dieser Körper kann das.
Zeitwechsel. Am heutigen 12. April würde der englische Kult-Keeper William Henry Foulke 143 Jahre alt. Foulke, genannt „Fatty“, steht mit 165 Kilogramm als schwergewichtigster Fußballer im Guinness-Buch der Rekorde. Als ihn gegnerische Fans einmal mit „Who ate all the pies?“ („Wer hat den ganzen Kuchen aufgegessen?“) höhnisch besangen, antwortete „Fatty“ mit Humor: „Mir egal, wie sie mich rufen. Hauptsache, sie rufen mich nicht zu spät zum Lunch!“
Selbst in Deutschlands Amateurkabinen werden Kilos belächelt. Nur metallische Körper schießen eben Tore wie Ronaldo, Pfunde helfen nicht, also sind sie unerwünscht. Da ist es kein Wunder, dass sich insbesondere jüngere Kicker neuerdings gerne als „Maschinen“ bezeichnen, was sich im Fußballjargon seit einigen Jahren als Unwort testosterongesteuerter Halbstarker etabliert hat. Ein Mann wie Foulke wäre im gegenwärtigen Ronaldo-Zeitalter voll McFit’scher Hirntodgymnastik wohl maximal Zeugwart geworden. Damals aber war „Fatty“ englischer Nationalspieler – und kein Narzisst. Der Kuchen steht bereit. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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11mm bis Jerusalem

Zwischen dem 30. März und 03. April findet in Berlin wieder das 11mm – Fussballfilmfestival statt. Den wichtigsten dokumentarischen Beitrag leistet der Film „Forever Pure“ von Maya Zinshtein über Beitar Jerusalem. Ein jüdischer Traditionsverein, dessen Ultras „La Familia“ Banner mit „Tod den Arabern“ hochhalten. Was dann passiert, als das erste Mal in der Clubgeschichte zwei Muslime verpflichtet werden, zeigt schon der Teaser in mächtigen Bildern.

Aufführung: Samstag, 01.04.17, 17:45Uhr

Trailer 11mm 2017: https://vimeo.com/208485613

Das Hooligan-Konkordat

„Bei den Eingängen zu den Fansektoren sollen Gesichtsaufnahmen der Fans gemacht werden, um fehlbare Zuschauer besser identifizieren zu können. Es geht dabei nicht um Portrait-Aufnahmen, sondern um Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln.“ Als die Anzahl anreisender Hooligans zur EM 2008 in der Schweiz nicht einzuschätzen war, führte man ad hoc das sogenannte „Hooligan-Konkordat“ ein, das wegen seiner Verfassungswidrigkeit nur bis 2009 gelten durfte. Eigentlich. Wegen „zunehmender Gewalt“ ohne wissenschaftlichen Beleg wurde das Konkordat plötzlich „überarbeit“, 23 von 26 Kantone nickten ab. Unsere Leseempfehlung geht raus an die Kollegen des Transparent Magazins und ihrer aktuellen, 20. Ausgabe.

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Gegen Rassismus, für Poesie

Es kann kein Zufall sein, dass der „Internationale Tag gegen Rassismus“ und der „Welttag der Poesie“ auf ein Datum fallen.

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(„Niemandsland“ von Ralf Marczinczik wurde von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur zum besten Fußball-Comic des Jahres 2013 augezeichnet.)

Der DFB wie eh und je

Interviewanfrage verweigert, die geschilderten Sachverhalte kennt man nicht, Nachfragen unerwünscht: Der DFB zeigt sich vor dem Spiel gegen Aserbaidschan mal wieder von seiner transparentesten Seite. Mitten in die Bewerbungsphase der EM 2024 passen solche Themen Grindel und Co. so rein gar nicht.

Via WDR inside: http://bit.ly/2mIojlh

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Juve und die Mafia

„Den Brief an die Staatsanwaltschaft musste Agnelli schreiben, weil der direkte Ansprechpartner des Mafiosi bei Juve sein Jugendfreund war: Alessandro d’Angelo. Der wuchs als Sohn des Chauffeurs von Agnelli im Industriellenhaushalt auf und ist jetzt Sicherheitsbeauftragter von Juventus.“ Unsere heutige Leseempfehlung geht raus an Tom Mustroph, der sich mit vielen Namen, Verstrickungen und alten Geschichten befasst, welche die Gegenwart berühren. Kurz: Juve und die Mafia Part zwei: http://wck.me/119u

Wimbledon vs. Dons!

Wem die Champions League heute Abend einfach zu Mainstream ist, sollte seinen Kühlschrank schnell mit ein paar Ales füllen und schonmal den Livestream für die dritte englische Liga heraussuchen. Heute um 20:45Uhr kommt es zum Kulturkampf zwischen dem AFC Wimbledon und Milton Keynes Dons. Stellt euch vor, euer Verein geht insolvent, wird aufgekauft, ändert den Namen und zieht an einen 130km entfernten Ort. Und ihr? Ihr bleibt, gründet mit ein paar anderen einen eigenen Verein und steht nach sechs Aufstiegen in vierzehn Jahren plötzlich in der Tabelle vor dem Erzfeind. Im Oktober 2016 war es soweit: http://www.11freunde.de/artikel/der-afc-wimbledon-steht-erstmals-vor-den-mk-dons

Sätze der Bedeutungslosigkeit #19

1. „Der Kopf ist auch mit entscheidend.“ (Nicht wirklich, Alexander Nouri?)
2. „Selbst wenn ich gehe, wird Arsenal nicht jedes einzelne Spiel gewinnen.“ (Und wenn sie bleiben, Herr Wenger?)
3. „Die kommen zwar sehr vom Läuferischen her und sind bisher eine der Mannschaften, die am meisten gelaufen ist.“ (Tony ‚Forrest‘ Jantschke über RB)
4. „Barack Obama ist natürlich herzlich willkommen. Er soll früh Bescheid sagen, damit wir Sicherheitsvorkehrungen treffen können.“ (Torsten Frings, Botschafter)
5. „Generell ist es so, dass der Privatjet früher die Regel war– heute sind Privatjets die Ausnahme.“ (…welche ja die Regel bestätigt, liebe Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura)

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Auswärts ist man asozial

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(random Szenebild; extrem dramatisch)

Auswärtsfahrten leicht gemacht! Die Fans des FC Schalke 04 sind in Saloniki absolutely welcome, vor allem nach dem letzten Aufeinandertreffen in Gelsenkirchen 2013. Da reist man gerne, nimmt gerne den Papa und die Mama mit, da freut man sich auf Souvlaki in der Innenstadt, ein wenig Schlendern hier, ein paar Fotos vom Hafen dort. Alles überhaupt kein Problem, nur sollte man „angesichts der speziellen Situation vor Ort“ ein paar klitzkleine Regeln beachten:

– Das Ticketkontingent im Gästebereich ist restlos vergriffen und die Karten wurden personalisiert – es wird vor Ort also keine Chance für Schalker geben, noch an Karten zu kommen.
– Bei Einzelbestellern wurde der Name nicht vom Auswärtskartenteam auf dem Ticket eingetragen, diese müssen dies selbst erledigen, da die Daten bereits nach Griechenland übermittelt wurden.
– Am Spieltag hat die griechische Polizei den „Platz am Weißen Turm“ am Rand der Altstadt als Treffpunkt für Schalke-Fans vorgeschrieben und kann nur dort einen sicheren Aufenthalt garantieren. In der Nachbarschaft des Platzes gibt es einige Verpflegungs-Möglichkeiten, die genutzt werden können. Von dort startet der ebenfalls vorgeschriebene Busshuttle zum Stadion – vom Versuch, auf eigene Faust zum Stadion zu gelangen, wird dringendst abgeraten!
– Der Start des Busshuttles ist für 18.30 Uhr geplant, es sollen immer fünf Busse pro Konvoi zum Stadion fahren – mit Wartezeiten zwischen den einzelnen Konvois ist also zu rechnen.
– Vorm Einstieg in die Busse ist eine Kontrolle durch die Polizei angekündigt, bei der Ausweis und Ticketnummer abgeglichen werden.
– Es dürfen keine Getränke mit in den Bus genommen werden, in den Bussen wird es kein WC geben. Die Fahrtzeit und Routenwahl der Busse ist abhängig von den Regelungen der griechischen Polizei, es können bis zu 45 Minuten Fahrtzeit werden.
– Es ist angekündigt, dass die Busse nach der Ankunft am Stadion einzeln und nacheinander entladen werden und dann zum Weißen Turm zurückfahren.
– Am Eingang erfolgt zunächst eine erneute Kontrolle von Ticket und Ausweis durch Ordner und Polizei, der Zugang erfolgt durch eine kleine Tür und dann vier Drehkreuze.
– Es gibt zwar eine Abgabestelle für Taschen oder Rucksäcke, diese ist aber fragwürdig.
– Im Block werden Polizei und Ordner anwesend sein, die untersten Stufen werden deshalb freigelassen werden müssen. Zaunfahnen sind als einziges Tifo-Material erlaubt und dürfen am Zaun aufgehängt werden. Hiervon wird allerdings abgeraten, da für die Sicherheit der Fahnen nicht garantiert werden kann.
– Die Polizei entscheidet über die Länge der Blocksperre, diese wird mindestens eine Stunde dauern.
– Im Anschluss daran erfolgt der Shuttle zurück zum Weißen Turm, wo man sich nach Möglichkeit Taxen organisieren sollte.
– Grundsätzlich sollten S04-Fans in Thessaloniki defensiv und zurückhaltend auftreten.
– Es empfiehlt sich daher, am besten in der Stadt auf jegliche S04-Fanartikel zu verzichten und nicht als größere Gruppe aufzutreten.
– Für eventuell auftretende Probleme ist deutsche Polizei vor Ort, zudem besteht Kontakt zur deutschen Botschaft und zu Anwälten.

Jetzt (fest) zuschlagen!!1!

Internationale 18Uhr-Spiele sind unter Fans besonders beliebt. So beliebt, dass sich zwischen Mainz 05 und dem französischen Kult-Verein St. Etienne 20.000 Seelen ins Stadion schleppen und der FC Schalke 04 seine Tickets so verhökert wie der VfL Wolfsburg seine „Wölfi-Schals“. Der Moment, in dem die einst so moderne Arena keine Attraktion mehr darstellt, die Fans beim Anstoß noch auf der Arbeit hocken und ein gewieftes Klub-Mitarbeiterlein auf die Idee schlechthin kommt. Das Ende des Fußballs ist nicht bloß, es ist auch noch peinlich.

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Der Untergang

Wir sind Flüchtlinge. Wir flüchten vor dem, was sich anmaßt Fußball zu sein. Wir flüchten vor dem, was jährlich neue Rekordumsätze vermeldet. Wir sind Flüchtlinge, und schon lange fragen wir uns, wie alles angefangen hat, wie es dazu kommen konnte, dass unsere Väter, die uns einst in die Kurve schleppten, nur noch abwinken. Was tun wir jetzt, wo uns die eigenen Vereine hintergehen, sie mit Kalkül unsere Wünsche ignorieren, Umsätze dem Sport vorziehen? Was tun wir jetzt, wo wir uns nun am Samstagmorgen fragen, warum wir uns das noch antun, uns ernsthafte Sinnfragen stellen? Sind Sky und DAZN nicht doch die bessere Variante, weil die Stadien wieder leerer würden und vor lauter Touristen in Stille ersaufen könnten? Wann lacht der letzte Verband über den Slogan „Football without fans is nothing“? Wann gestehen sich endlich alle ein, dass es nicht um Fußball geht, dass alles Fake ist, so wie beim Basket- oder Baseball, wo Familienväter in Werbepausen zu tanzenden Affen mutieren und sich junge Paare in „Kiss-Cams“ durch fettige Donut-Öffnungen lecken? Wir sind Flüchtlinge, und wir sterben, und vielleicht wissen das Groundhopper schon sehr lange, vielleicht sind sie gar keine Sammler oder exotische Einzelgänger, vielleicht wollten sie es nie sein, vielleicht lagen wir immer falsch. Vielleicht haben sie das Ende des Fußballs schon sehr lange kommen sehen und versuchen in Wahrheit nur, die letzten Stadien, die Bastionen letzter Fankultur, vor ihrem arenischen Niedergang zu besuchen, wie Tiere, die den Untergang der Welt in Monden lesen.

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Wir flüchten nach Teneriffa, in zweite, in vierte Ligen, und wir weinen tausend Tränen. Keine Polizisten, keine Security, mit verschlossenem Rucksack gleiten wir an den netten Damen der Kartenkontrolle vorbei, schmuggeln Dosenbiere, trinken sie in letzter Reihe, stehend. Ein Stadion inmitten seiner Stadt, seiner Menschen, nicht irgendwo da draußen in der Nähe von IKEA, nicht weg vom Leben. Ein Stadion wie ein Schrebergarten, zehn Meter bis zum nächsten Nachbar, zum nächsten Kiosk, zum 1,50€-Bier. Tausend Tränen, wir erinnern uns, wie es einmal war, daran, wie Fußball einmal war, irgendwas kommt uns bekannt vor. Ohne Nike, Red Bull und Gazprom, ohne Viagogo und Sky. Erinnern uns plötzlich daran, als wir noch über diesen Typen namens Reinhold Beckmann in Arsch-frisst-Hose-Jeans und Hawaii-Hemd lachten, der uns plötzlich die Bundesliga auf Sat1 präsentierte. Cool fanden wir die Super-Zeitlupe, grandios „ranissimo“ am Sonntag. An diese Zeit, wo die Flucht begann, ohne es zu wissen, in offene Messer, in sporttote Orte. Wir waren Idioten, naive Verliebte, wir hätten es kommen sehen müssen, hätten schon damals wissen müssen, dass man uns verkauft hat. Wir sind Flüchtlinge, und die Boote sind voll uns.

Fake News zu Chapecoense

Drei Millionen Euro von Ronaldo, 40 Millionen Euro von Paris St. Germain: Schwachsinnigen Seiten wie „The SPORT Bible“ oder „BenchWarmers“ gefällt das besonders. Sogar wenn es Gerüchte von 15-jährigen Internet-Kids aus Bolton sind. Null Recherche, nur Klicks, die alte Leier. Doch geht es diesmal nicht um irgendeinen möglichen Messi-Transfer.

Zum Artikel –> http://backpagefootball.com/fake-news-football-tragedies-profit-first-fact-check-late/112688/

Völlig losgelöst von der Erde

»Der DFB wirkt wie ein Raumschiff«
Zwischen Traumwelt und Realität: die Kluft zwischen DFB und den Amateurvereinen wird immer größer. Der FC Internationale Berlin schickt deshalb 11+1 Wünsche an DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Via 11 Freunde: http://www.11freunde.de/interview/wunschzettel-den-dfb

Werbung. Thon. Werbung.

Werbung. Dann Ansage, dass jetzt die Highlights kommen. Dann sagt Olaf Thon was zum UEFA Cup 1997. Dann Nizza gegen Salzburg in 60 Sekunden. Dann Werbung. Dann Ansage, dass jetzt Mainz und Manchester United kommen. Dann ein Satz von Olaf Thon. Dann Werbung. Dann erste Halbzeit Mainz. Drei Tore, dazu zwölf Zeitlupen aus nochmal so vielen Kameraperspektiven, inklusive Taktik-Grafiken von Photoshop Philipp. Dann Werbung. Dann Ansage, dass gleich die Highlights der zweiten Halbzeit kommen. Fenerbahce gegen Manchester wird sich mit Domian überschneiden. Es ist die Hölle. Wann kommen endlich die ‚Sexy Sport Clips‘?!

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Nachgetreten

Obacht, liebes Publikum, dies ist keine Hetzkampagne. Wiederhole: sie befinden sich in keinem Shitstorm! Wir deuten bloß einen miesen Kinnhaken an, nachdem sich das öffentlich-rechtliche Guckloch bereits am 15. Dezember 2015 für den DFB-Pokal-Klassiker FC Bayern München gegen SV Darmstadt 1898 e.V. (ein völlig überraschendes 2:0) und nicht für das 3:4 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem SV Werder Bremen entschied. Daher #CELBMG lieber via 11 FREUNDE und mit sportlichen Grüßen an ZDF Sport:

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Heute Solna, morgen Solna…

Schon mitbekommen was in Solna los war? Und wann war eigentlich der Zeitpunkt, an dem sich Journalismus auf Gleichschaltung einigte? Nahe des Hirntods (eine wichtige Nachricht des BGHs hält uns gerade am Leben) hier die (brand)aktuellen News, News, News von gestern, vorgestern, heute, morgen, übermorgen, überüberübermorgen in der Sportschau und im aktuellen Sportstudio (Jochen Breyer: „Ja, das ist ein Applaus wert!) und am Tag drauf am Warsteiner-Kormbacher-Kia-Hasseröder-Volkswagen-Stammtisch, bevor sich dann am Montag der Bautzener-Stadtschreiber mit dem Titel „Tradition zeigen und bewahren!“ dem Thema widmet und von Kapitän Schwandt (Menschenrechtler und Dreizeilendiktator) öffentlich zerrissen wird.

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1. KICKER- Einlauf-Rentner: Solna tauscht Kids gegen Senioren (http://www.kicker.de/…/video_einlauf-rentner_solna-tauscht-…)
2. ZEIT ONLINE – AIK Solna: Einlaufrentner statt Einlaufkinder (http://blog.zeit.de/…/aik-solna-einlaufrentner-statt-einla…/)
3. SPORT 1- Schweden-Klub mit Einlauf-Rentnern (http://www.sport1.de/…/aik-solna-aelteste-klubmitglieder-er…)
4. RP ONLINE- AIK Solna tauscht Einlaufkinder gegen Senioren (http://www.rp-online.de/…/aik-solna-tauscht-einlaufkinder-g…)
5. ABENDZEITUNG MÜNCHEN – Senioren statt Einlaufkinder: Rührende Aktion in Schweden (http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.aik-solna-if-gef…)
6. HAMBURGER MORGENPOST – Süße Aktion Einlaufkinder durch Omas und Opas ersetzt (http://www.mopo.de/…/suesse-aktion-einlaufkinder-durch-omas…)
7. T-ONLINE – Senioren ersetzen Einlaufkinder (http://www.t-online.de/…/fan-aktion-in-schweden-senioren-er…)
8. RAN- In der ersten schwedischen Liga: Einlauf-Rentner statt Einlaufkinder (http://www.ran.de/…/in-der-ersten-schwedischen-liga-einlauf…)
9. 11 FREUNDE- Senioren statt Einlaufkinder (http://www.11freunde.de/video/schoene-geste-schweden)
10. DIE SCHOTTISCHE FURCHE – Endlich! Rentner statt Kinder! (http://wp.me/p38C4m-1VF)

Brutale, widerliche Maschinen!

EILMELDUNG: Götze für 26 Millionen Euro zurück nach Dortmund! EILMELDUNG: Schürrle für 30 Millionen Euro zum BVB! EILMELDUNG: Sane für 50 Millionen Euro zu Manchester City! Die Saisonplanungen in Utopia laufen auf den Hochtouren des Wahnsinns. Und natürlich ist jeder Neuzugang ein „Transfer-Coup“ oder „Kracher“. Man hat bei allen Clubs das Gefühl, dass wirklich nichts und niemand schieflaufen kann – glaubt man den Phrasen der Beteiligten.

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Inzwischen ist nämlich nicht einfach alles nur gut oder zufriedenstellend, sondern irgendwie ziemlich brutal. Die Moral der Mannschaft ist „brutal“ gut, die Qualität des Kaders ist „brutal“ gut, die Physis des Teams ist „brutal“ gut – und Spieler, die es zu einem doppelten Übersteiger schaffen, sind laut Mannschaftskameraden „krasse Maschinen“. In der Neandertal-Höhle des Fußballuniversums regiert im Gesamten der rhetorische Versuch, Begriffe mit negativen Konnotationen als reißerische Siegesmetaphern auszurufen. Das klingt in der Masse nicht nur dämlich und sprachlich erbärmlich, sondern irgendwann auch ziemlich lasch und abgenutzt.

Und wenn der Trainer eines Bezirksligisten von einer „widerlichen Qualität in der Breite“ seines Teams spricht, so weiß man für einen Moment nicht mehr, ob es gerade um den Kader des FC Bayern München oder um den eines Amateurvereins geht. Solange die Murmel noch nicht rollt, täte dem Fußball ein Tick weniger stupides Gefauche recht gut – weiß man doch, dass am Ende nur der Abstiegskampf „brutal“ ist. Oder Thorsten Legat.

By the way, Hans Sarpei!

Hans Sarpei hat den Fußball immer geliebt. Der afrikanische Chuck Norris wandelt nicht nur frisch auf Außen (wie einst in Mailand) zwischen Amateur und -Profisport, sondern grätscht auch gekonnt die plakativen Rassismus-Kampagnen der Fifa ab. So kann man ihm nur wünschen, dass seine Kolumnen nicht daherkommen wie die eines Sky-Experten. Das L steht schließlich für Gefahr!

(Weiß auch: die Juli-Ausgabe des Titanic-Magazin)

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Vom 14. bis 17. Juli öffnet die phänomenale Millerntor Gallery wieder ihre Pforten in Hamburg. Für einen Text zum Thema „Persönlicher Raum im Stadion“ musste man uns nicht zweimal fragen, sodass die Furche nun Teil des dazugehörigen Katalogs ist. Stolz wie Bolle gibt´s hier den Text vorab, und natürlich sehen wir uns vor Ort:

MILLERNTOR GALLERY #6
14. Juli – 17. Juli
Von 14. Juli um 18:00 bis 17. Juli um 20:00
Heiligengeistfeld 1, 20359 Hamburg

Kommt rum!

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Lieber Spiegel,

es ist doch überaus faszinierend, wie man so unfassbar wenig Ahnung von Fußball haben kann. Nein wirklich, wir sollten unsere Spielweise der isländischen und walisischen anpassen. Allein schon wegen der gleichen Personaldecke. Denkt gerade wahrscheinlich auch Erich Ribbeck. Aber das ist ja das Schöne an EM und WM – dass nicht nur plötzliche Turnierfans von Packing reden, sondern auch so manch „Ressortleiter Sport“ seine fußballfachliche Inkompetenz zur Schau stellt. Weiter, immer weiter, Christian Gödecke.

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(Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/em-2016-mehmet-scholl-attackiert-stab-von-joachim-loew-a-1101042.html)