Die Macht der Big Six

Kommentar

„We are the cake“ ist ein Satz, der uns von einem Port-Vale-Fan bis heute in Erinnerung geblieben ist und der bereits zehn Jahre auf dem Buckel hat. Es ging um die Machtlosigkeit englischer Vereine abseits der zweiten Liga, um TV-Gelder wie Kirchenkollekte. Darum, dass man nicht an das berühmte Stück vom Kuchen rankommt, weil man selbst der Kuchen ist.
Liverpool und Co., also die „Big Six“ mit Chelsea, Tottenham, Arsenal und den Manchester-Clubs, wissen um ihre Vorherrschaft und nutzen sie explizit aus. Die Schere zwischen ihnen und dem Rest ist inzwischen so gewaltig, dass es für unterklassige Teams nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder ich beuge mich meinem Dasein, versuche das Thema TV-Gelder nicht mit meiner Existenz in Verbindung zu bringen und krebse leise als Ausbildungsverein vor mich hin. Oder ich bin offen für andere Geschäftsmodelle, weil ich in möglichst kurzer Zeit eine Gabel für den Kuchen bekommen möchte. Letzteres ist ein Modell, dass in England inzwischen fast Tradition hat: Verein X träumt oder hat Probleme, Investor Y aus der Hölle kommt und verspricht Scheinwerferlicht, Verein geht vor die Hunde, Ende.
Es sind aber nicht nur die zwielichtigen Typen, die für regelmäßige Kollapse sorgen. Für 08/15-Clubs ist ein Mitmischen schlichtweg auch deshalb unmöglich, weil es die Big Six mit Druckgebärden auf den Verband verhindern. Sie essen den Kuchen, weil er ihnen längst gehört. Und wer bei Liverpool und Manchester United an bloße Fußballromantik, an Anfield oder George Best denkt, täuscht sich gewaltig. Die Big Six tragen eine Mitschuld am Schicksal von Bury FC, tragen eine Mitschuld am Werdegang des FC Portsmouth und öffneten dubiosen Gruppen in Newcastle die Tür zum System.
Der Begriff „Reformen“ ist bei all dem ein zentraler und hinterhältiger. So wunderbar positiv konnotiert, so ertragreich wird er im wahrsten Sinne benutzt. Ganz weich verspricht man mit einer Reform einen Aufbruch, einen Schritt in die richtige Richtung. Doch was die Big Six eigentlich machen: Sie sorgen für Gesetze, die nicht erhalten oder erneuern, sondern ausgrenzen und unterdrücken.

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