Ein Deal mit fatalen Zeichen

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Als Atlético Madrid 1951 Fritz Walter in seine Reihen holen wollte, erhielt der frisch gebackene Deutsche Meister aus Kaiserslautern ein Angebot über zwei Jahre. Schon damals beinhaltetet die Offerte mehr als die kardinalen Pfeiler Ablösesumme und Jahresgehalt. Hinzu wären für Walter diverse Prämien, ein Auto – und mietfreies Wohnen gekommen. Doch Walter blieb mit den legendären Worten am Betzenberg: „Dehäm is dehäm.“

Seitdem ist viel passiert in der schwer überschaubaren Welt der Deals. Auflauf- und Torprämien bekommt inzwischen jeder Oberliga-Kicker, bei den Profis handeln Spielerberater Verträge so dick wie Bibeln aus, Klauseln sind so durchtrieben wie die AGBs deutscher Mobilfunkanbieter. Da kann man den Kopf schütteln, darüber lachen oder es einfach als freie Marktwirtschaft akzeptieren – das Spiel selbst betraf es bislang kaum bis gar nicht. Deals waren eben Deals hinter den Kulissen, das Spiel dauerte weiterhin 90 Minuten und das Runde musste immer noch ins Eckige.

Seit dem Transfer von Vincenzo Grifo von Hoffenheim zurück zum SC Freiburg, gilt das nicht mehr. Für rund sieben Millionen Euro wechselt der Mittelfeldspieler fest ins Dreisamstadion. Der Clou: der Vertrag sieht vor, dass Grifo im kommenden Spiel gegen die TSG nicht auflaufen darf. Es ist also passiert: Spieler A darf nur zu Verein B wechseln, wenn er gegen diesen nicht spielt. Das sind keine rein finanziellen Deals mehr hinter den Kulissen, es geht nicht mehr um mietfreies Wohnen oder einen Sponsorenvertrag, sondern um aggressive Eingriffe in den Spielbetrieb.

Schreiten die Verbände bei solchen Vorstößen nicht ein und lassen den Transfermarkt seines freien Amtes walten, werden Deals wie von Grifo salonfähig. Andernfalls verliert der sportliche Wettbewerb auch noch das so wunderbar naive Elf gegen Elf, an dem sich der gemeine Fan trotz Ausbrüchen des modernen Fußballs immer noch festhalten konnte. Zuschauende könnten sich bei dem Kauf ihrer Eintrittskarte fortan nicht darauf verlassen, dass die besten Spieler ihres Teams auflaufen, sondern bloß die, die dürfen. Der Grifo-Deal setzt nicht nur ein klares Zeichen gegen die auf den Tribünen Stehenden und vor den Fernsehern Sitzenden. Er ist auch schlichtweg Wettbewerbsverzerrung.

(Für die Furche kommentiert: Heiko Rothenpieler)

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