Ein Pfiff, ein Tor, Lebensgefahr

3:41 Uhr. Während in der ARD mit „Deutschlandbilder“ bereits das Nachtprogramm für Untote läuft, geht es in 10000 Kilometer Entfernung um nichts geringeres, als den Einzug ins Finale der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Pendant zur europäischen Champions League.

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Grêmio Porto Alegre empfängt die argentinischen Gäste von River Plate. Gut, dass es in Strömen regnet. So können einige der 60000 Gemüter am Rande der Kernschmelze abgekühlt werden. Was Sie hier sehen, meine Damen und Herren, ist das Spielende in Minute 103. – ohne Verlängerung. River Plate drehte das Spiel nach 0:1-Rückstand binnen zehn Minuten in ein 2:1. Wer man jetzt sein möchte: Gonzalo Martínez, Siegtorschütze. Wer man jetzt nicht sein möchte: Andrés Cunha, Schiedsrichter. ‚Meld dich freiwillig, haben sie gesagt. Schiri ist ein guter Job, haben sie gesagt‘ – spätestens, wenn du kurz vor Ladenschluss einen (berechtigten) Handelfmeter gegen das Heimteam gibst, bist du dir nicht mehr ganz sicher mit all dem, was sich da Karriere nennt. Südamerikanische Seelen sind in solchen Situationen bekanntlich etwas weniger reflektiert und nicht gerade bekannt für diplomatische Kühle.

Bressan, Verursacher des Elfers, bekam sich überhaupt nicht mehr ein und balgte sich minutenlang mit einem der Linienrichter. Popcorn-Kino vom Allerfeinsten. Die Bundesliga-Buddys Pedro Geromel (Grêmios Kapitän) und Frankens Fußballgott Javier Pinola unterhielten sich derweil mit all ihrer Erfahrung über die ganz großen Abstiegskampfpartien zwischen FC und FCN. Der Rest flog völlig frei über das Kuckucksnest und pochte auf die Ausgrabung des Kriegsbeils. Kurz gesagt: ein Pfiff, ein Tor, Lebensgefahr. Offizielle informieren Schiedsrichter Cunha noch vor Beginn der 13 Minuten Nachspielzeit darüber, dass zu seinem Schutze bereits das Militär im Anmarsch ist. ‚Cool! Danke!‘, wird sich Cunha wahrscheinlich gedacht haben. Oder einfach nur ‚Fuuuuuck!‘.

Wir haben null Ahnung, wer dieser Andrés Cunha ist. Hoffentlich kommt er gut nach Hause (das hoffentlich noch steht). Typen wie ihm gehört unsere volle Hochachtung. Jetzt erstmal „Deutschlandbilder“ von oben und ein Hagebuttentee. Puh, war das alles aufregend.

hrp

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