WM 2018: Stagnation des Kreativen

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„Wie man in Frankreich so sagt – eine Renaissance“ frohlockte Béla Réthy. Das war die WM wahrlich nicht. Aus fußballerischer Sicht hat das Turnier die Stagnation des Kreativen bestätigt, die schon bei der EM 2016 nur schwer zu ertragen war. Werbung für das „Spiel“ Fußball fand nur selten statt, Partien zwischen Belgien und Japan blieben die Ausnahme, Dramaturgie und Spannung fingen viel auf, was eigentlich die Off-Taste verdient gehabt hätte.

Das Finale hat dann noch einmal jenen Fußball bestätigt, der von Beginn an aufstieß und von chronischer Theatralik begleitet wurde. Schauspielerei und Arroganz mag man an Neymar festgemacht haben, wurden aber ebenso bei vielen anderen Darstellern mehr zu Tugend als Mittel zum Zweck. Das nervt nicht bloß in einer Spielsituation, sondern holt auch jene Zuschauer aus ihren Löchern, die sich den Fußball „von früher“ herbeisehnen. Schwalben wie die von Griezmann führen dann leider dazu, dass die Glückwünsche an diese großartige Fußballnation Frankreich eher bescheiden ausfallen.

„So ist Fußball“ heißt es dann gerne. „Die waren halt cleverer“ wird gerne hinzugefügt. Was zu diesen Mätzchen eigentlich gesagt werden sollte, fasste Béla Réthy in einem seiner wenigen Glücksmomente zusammen, als er Matuidis Gänsemarsch bei dessen Auswechslung als „peinlich“ kommentierte. Mit welcher Art Fußball ein Team Weltmeister wird, steht natürlich nicht zur Debatte. Was Rehhagels Griechen 2004 in Portugal bis zu ihrem Titel in Sachen Fußball anboten, tat den Augen auch nicht gerade gut. Fairplay musste deshalb trotzdem nicht an vierter oder fünfter Stelle stehen.

Der Videobeweis hat neue Freunde gefunden, aber auch Kritiker bestätigt. Mitverantwortlich ist dafür die weiterhin katastrophale Auslegung von Handspielen. Urs Meier manifestierte: „Entscheidend ist zuallererst, ob die Hand zum Ball geht oder der Ball zur Hand.“ Wie es nach dieser Auslegung bei Perišić‘ Handspiel zu einer „klaren Entscheidung“ kommen kann, ist rätselhaft und vor allem – entscheidend. Warum Pogbas mögliche Abseitsposition beim 1:0 nicht hinterfragt wird, obwohl er in die Situation aktiv eingreift und Mandžukić von hinten schiebt, ist ebenfalls nicht nachvollziehen. Die Liste positiver wie negativer Videobeweis-Auslegungen bleibt konstant lang. Fest steht nur, dass die Verantwortlichen der Bundesliga ihre Kladde nun voll mit Notizen haben müssten, was im Ligabetrieb besser laufen sollte. Und überhaupt deutscher Fußball: ach, egal.

Kommt alle gut raus aus der WM. Wir müssen Montag schließlich alle arbeiten.

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