Hopp done: VfV 06 Hildesheim vs. VfB Lübeck 1:3

Liga: Regionalliga Nord, 23.08.2015/ 5. Spieltag
Ground: Friedrich Ebert Stadion, 1310 Zuschauer
Stehplatzkarte: 7€ (ermäßigt)
Tore: 0:1 Senger (21.), 1:1 Plaschke (25.), 1:2 Marheineke (40., FE), 1:3 S. Richter (53.)
Besondere Vorkommnisse: Wespe ertrinkt in Bierbecher

100.000 Einwohner. Oder doch weniger? Mittelstadt oder eben doch Großstadt? Die Geister streiten sich da oft und gerne. Hildesheim? Ja, ganz genau. Domstadt. Unter Hannover, über Göttingen, rechts von Hameln und links von Jägermeister. Drei Hochschulen, zwei Weltkulturerbe, eine Diane Kruger (hing als Teenager nicht in Troja ab). Manche vermuten hier die Varusschlacht, andere die billigsten Wohnungen Niedersachsens. Schön isses hier nicht immer und dann auch nicht überall. Mirko Slomka versteckt sich in einer schicken, ruhigen Wohngegend auf der Marienburger Höhe, an der Domäne gibt´s den besten Kuchen, freie Hühner und en paar Kulturwissenschaftler, in der Tonkuhle ist Nacktbaden jetzt endgültig verboten, dafür aber ist der Hohnsensee so gut gelegen, dass man mit nur einem Paddelschlag auf der Tribüne des Friedrich Ebert Stadions steht.

Mit 7€ Eintritt ermäßigt legt der Verein ein ordentliches Pfund vor. Dafür gibt es mit dem „VfV06-Kurier“ eine absolut ligataugliche Stadionzeitschrift für lau, die von den Standardwerken der unteren Ligen abweicht, gibt es neben Bildern, Werbung, Bildern, Werbung dann doch ein paar Textzeilen. Drei Gratiskugeln Eis und fünfzig Meter später erblickt man ein altes, romantisches Stadion mit achtzig Prozent Stehplätzen, einer feinen Tribüne alter Schule und eine Mini-Anzeigetafel außer Betrieb. Einziger „Dorn im Auge“ ist ein verwirrend deplatzierter Glaskarton mit Namen „Cafe Engelke-Lounge“,der allem Anschein nach wohl eine Art VIP-Bereich sein soll, sich aber bei genauem Hinsehen als Quarantäne-Terrarium für Fußballhasser entpuppt.

Dann doch lieber zu einer der wunderbaren Getränke- und Futterbuden à la Weihnachtsmarkt. Die Bratwurst besitzt eine wunderbare Größe und kostet nur zwei Tacken. Leider fehlt ihr aber das nicht zu unterschätzende Knacken, und mit trockenem Billigtoast statt Brötchen (die viertel Miete!), dafür mit Hela Curry-Ketchup vom allerfeinsten, ergattert das Kulinarische des VfV sechs von zehn Punkten. Die gleiche Punktzahl bekommt das Bier: 0,4l Einbecker Pils gibt´s für 3€ aus pfandfreien Plastikbechern. Die richtige Temperatur wird leider relativiert, da nicht alles aus dem Zapfhahn, sondern auch von anderen halbvollen Bechern zugeschüttet wird. Daher wird das eh schon mittelmäßige Bierchen aus Einbeck bei zu viel Schaum zu schnell schal. Nur die ca. zehntausend Wespen waren da offensichtlich anderer Meinung und vergaben 10/10 Punkte.

Bei 30 Grad wurde es ein recht zähes Gekicke mit vielen Abspielfehlern. Der Auswärtssieg geht jedoch absolut in Ordnung – Lübeck war über neunzig Minuten das physisch bessere Team mit dem intelligenteren Spielaufbau. Für Hildesheim hingegen wird es das erwartet schwierige Jahr als Aufsteiger. Der Verein, der nach Kriegsende immerhin sechs Jahre lang in der ersten Liga kickte, wird um jeden Punkt hart fighten müssen. Bei so vielen Zuschauern (unter den Top5 der Liga) ist es der Stadt und dem alten Ground jedenfalls absolut zu wünschen! Daran ändern auch acht erbärmliche Neonazis mit HoGeSa-Tattoos nichts, die strunzhagelvoll unter den Augen zahlreicher Polizisten durchgehend den Gästeblock provozierten. Hausordnung? Den Ordnern war es (mal wieder) egal. Uns und vielen anderen nicht. Und das ist auch gut so.

hrp

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