Boleynsche Tränen

Es geht um Liebe. Und Schmerz. Eine lange Beziehung geht in ihre letzte Runde. Sehnsucht jetzt, Trauer schon gestern. Heute Abend fühle ich mich wie bei meinem ersten Besuch. Es sind keine drei Minuten vorbei, als ich das erste Mal tief Luft holen muss. Der Kommentator erzählt, dass die folgende Saison für die Fans eine sehr emotionale werden würde. Dass man als Fan von jetzt an sehr stark sein müsse und jede Minute genießen sollte. Der Kommentator erzählt von den Menschen dieses Viertels. Seit jeher Multikulti, Arbeitervolk, Familie – erzählt davon, wie die Menschen dieses Viertels nach dem zweiten Weltkrieg zuallererst ihr Stadion wieder aufbauten. 111 Jahre Liebe gehen nach dieser Saison zu Ende. Die Liebe zu einem Stadion, das nie große Erfolge feierte und doch jeder kennt. Halbzeit. AC/DC volle Lautstärke. Stiernacken, Tattoos, Cockney Rejects. Im Hintergrund Reihenhäuser. Weit weg von Piccadilly Circus und Buckingham. Erinnere mich daran, wie ich nach einem Spiel gegen Wolverhampton in der Stadt kein Bier wegen meines Schals bekam. („No, it´s too dangerous, I´m very sorry!“) Eines der beeindruckendsten und zugleich kontroversesten Stadien beginnt seine Abschiedstournee. Danach ist Schluss. Kein Museum, nichts. Stattdessen Parkplätze und Wohnkomplexe. Ich weine schon wieder. Ich sagte ja: Es geht um Liebe. Ich bin so unendlich traurig.

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