Der traurige Torero

von Benjamin Quaderer

Still liegt der Gardasee an den Ufern, blau leuchtend, flankiert von den Alpen. Die Sonne legt ihre Strahlen auf die Dächer des verschlafenen Örtchens Riva del Garda. Katzen streifen gemächlich durch leere Gassen, aus den Wohnungen hört man Besteck auf Porzellan aufkommen. Die Glocke des Kirchturms schlägt zwölf. Die Glocke des Kirchturms schlägt für Mario Gómez.

gallery1_bGerade hat Halbspanier Gómez sein letztes Interview im Trikot des FC Bayern München gegeben. Im Trainingslager. Vor Palmen. Mit nostalgischem Blick. Die Locken des Interviewers haben im Sonnenlicht golden geleuchtet. Mario ist stark geblieben. Er hat mit fester Stimme gesprochen. Nur selten ist sie brüchig geworden. Nur ein einziges Mal. „Es ist immer schwierig, den besten Verein der Welt zu verlassen.“ Immer? Hat er das auch gesagt, als er den SV Unlingen verlassen hat, bei seinem Abschied vom FV Bad Saulgau? Waren das die Worte, die er benutze, als er dem SSV Ulm oder dem VfB Stuttgart den Rücken kehrte?

Jetzt steht Gómez, den seine Fans liebevoll „Torero“ nennen, im dritten Stock des 5-Sterne Hotels Lido Palace und blickt auf den Gardasee. Der FC Bayern hat es komplett gemietet. Der offene Koffer liegt auf dem Bett der Junior Suite. Was erwartet ihn in Florenz? Ebenfalls Kingsize Bett und 42 Zoll Satellitenfernseher? Sanitäranlagen aus Corian, tiefe europäische Badewannen? „Ich liebe den Fußball an sich. Ich wollte einfach mehr spielen“, gibt sich Gomez bescheiden. Tränen sind Stierkämpfern fremd. Es ist die Melancholie, die ihnen gehört.

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