Gästehoppblock: Preston North End vs. Ipswich Town 3:2

Kick off: 14.01.2014, 19.45 Uhr
Pokal: FA-Cup 3rd round Replay
Ground: Deepdale, Preston
Zuschauer: 6.088

Text und Bilder: Marian Thiel

1779100_803872739629505_1966019510_nWiederholungsspiel im Deepdale. Nachdem die The Lilywhites aus Preston im Hinspiel der dritten Runde des FA-Cups den Pferdeliebhabern aus Ipswich ein 1:1 ab(t)rotzten, kam es nun zum Wiederholungskick im Deepdale. Standesgemäß machte ich mich mit meinen Mitwbewohnern „The Big Country Fist“-McGreevy und „Turdbird“-Simmonds zu Fuß auf den Weg in die 20 Minuten entfernte Geburtsstätte guten Fußballs. 1889 war Preston nämlich der erste englische Fußballmeister. Standesgemäß war auch der Regen, der uns dabei um die Ohren flog. Studententickets gab’s für nen 10er, läuft. Dann ging’s auf die Tribüne. In freudiger Erwartung auf das Spiel gegen die höherklassigen Gäste aus Ipswich hatte sich ein stattliches Rudel von über 6.000 Besuchern zusammengefunden. Der ganz harte Kern. Um diese eingeschworene Truppe in Schwung zu bringen wurde auf ungewöhnliche pre-match Musik zurückgegriffen. Mit dabei: „Sweet Caroline, Oh Oh Oh“ und „Falling in love with you“. Nice, bei mir hats gewirkt.

Dann ging’s auch schon los. Vor allem abseits des Platzes. Was ist denn hier los?! Mit dem Einlaufen der Spieler brandete eine fantastische Stimmung auf. Nach dem enttäuschenden Besuch im Celtic Park zuvor, war ich schon nach wenigen Minuten vertröstet. Die nicht abebbenden Gesänge waren schon Highlight genug, doch plötzlich wurden sie auch noch von Trommel und Trompete (Nein, zur Attacke wurde nicht geblasen) unterstützt. Wow! Herzrasen. Den Tränen nahe. Das Gesangsrepertoire war durchaus stattlich, und beinhaltete einige Ohrwürmer. Das Allzeit-Stimmungslied war in seiner Einfachheit nicht zu unterbieten: „We’re the one and only North End. We’re the one and only North End.” Aber Recht haben sie nun mal. Neben anderen Mitsingklassikern, gabs jedoch auch anspruchsvolleres Material. Wie Burnley zuvor, hat auch Preston einen Hauptrivalen, der gerne auch mal trotz Abwesenheit besungen wird. In diesem Fall handelt es sich um den Blackpool FC aus der gleichnamigen Küstenstadt mit zweifelhaftem Ruf für Junggesellenabschiede und Geschlechtskrankheiten. Mein Favorit des Abends: „When I was just a little boy, I asked my mother, what should I be? Should I be Blackpool or PNE? Here’s what she said to me: Wash your mouth my son! Go get your fathers gun! Shoot some Blackpool scum, shoot some Blackpool scum! Was in Deutschland undenkbar, gehört hier sowas zum guten Ton.

1902749_803872746296171_1951715366_nNun aber mal zum Spielgeschehen. Schon früh wurde klar, dass Preston sich nicht versteckt, vor allem nicht vor Südengländern. Eine frühe Verletzungspause eines Ipswich-Spielers wurde direkt mit „Soft southern bastard!“-Rufen gewürdigt. Das Spiel in der ersten Hälfte blieb jedoch leider ohne Treffer, war jedoch dank des munteren Auftretens beider Mannschaften recht ansehnlich. Die Highlights wurden jedoch für Hälfte zwei aufgehoben. Mitten in einer Druckphase von PNE kam Ipswich zum glücklichen Führungstreffer in der 58. Minute. Trotz der Action auf der anderen Seite des Feldes konnte ich als Experte den Schuldigen ausmachen. Torwartfehler, keine Frage. Sind ja schließlich in England. Weiß der liebe Gott, warum Thorsten Stuckmann, ehemals Preußen Münster, Eintracht Braunschweig, Alemannia Aachen und Niedersachsens „Fußballer des Jahres 2006“, nur auf der Bank Platz nahm.

Als Reaktion brachten die „Invincibles“ Joe Garner, der nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung ausglich und wiederum nur eine Minute später spektakulär zur 2:1 Führung traf. Das Deepdale bebte. Ipswich erzielte jedoch leicht glücklich den Ausgleich in der 78. Minute. Alle stellten sich auf eine Verlängerung ein. Doch Joe Garner hatte wohl andere Pläne für den Abend und erzielte zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit die erneute Führung. Der nackte Wahnsinn. Auch sieben Minuten Nachspielzeit und ein planloses Pferde-Anrennen der Gäste konnten an dem Ergebnis nichts mehr ändern. Die nächste Runde war erreicht. Ein herrlicher Fußballabend ging zu Ende, doch es blieb ein bitterer Nachgeschmack, und das im wörtlichen Sinn. Mein traditioneller Pie vorm Spiel war ein Desaster. So trocken, dass er nur mit einer PET-Flasche Fosters runter ging. Letzter Platz, Preston. Aber nun gut, das änderte auch nichts mehr daran, dass heute meine Leidenschaft für diesen Club geweckt wurde. Ach, das Leben ist schön.

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