shortcut_13_05_2013

Bundesliga

„90 Minuten Hardcore …echte Gefühle!“ – was im Ruhrpott-Epos „Bang Boom Bang“ so leidenschaftlich ausgesprochen wird, führte gestern in einem südlichen Gebiet Deutschlands zum Orgasmus. „Das war Teamwork mit einer herausragenden Trainerleistung!“ frohlockt sogar Altmeister Volker Finke. Champions League im Breisgau. Eine Vorstellung so verrückt wie Spaceballs. Zu Schalke fehlen einem schier die Worte. Final Countdown Dreisamstadion. Final Destination hingegen an der Weser. Da darf man gratulieren. Vor allem den tausenden von Fans, die den Bus am eigenen Stadion begrüßten. Echte Gefühle! „Tradition schlägt jeden Trend!“ heißt es in Hoffenheim. Und zwar deutlich. Das Banner kann direkt weiter nach Dortmund geschickt werden. Kann es? DARF es?

In Wolfsburg fallen sechs Tore für den überhöhten Eintrittspreis. In Leverkusen dominiert Hegeler das Trainingsspiel. In Mainz zeigt Branimir Hrgota, warum er in 39 Spielen für Jönköpings Södra IF 28mal das Netz küsste. Teile des Mainzer Publikums lachten übrigens hämisch über die eigene Mannschaft. Gelten Realitätsverschiebungen in der Neuropsychologie eigentlich als bösartig? Egal. Bösartig war in dieser Saison nur der Münchener Orkan, der den Gegnern 94mal die Pforten einriss. Bei der Meisterfeier tanzen Sammy Kuffour, Hasan Salihamidžić, Paolo Sergio und Roy Makaay neben Lothar Matthäus. Spaceballs, wir sagten es. Bayern Münchens Basketballer schmeißen derweil Alba Berlin im Halbfinal raus. Hoeneß gastiert und rastet förmlich aus. Vorerst.

2. & 3. Liga

Relegation am Betzenberg! Was gibt es Lauteres? (Lauteres = Lauterer, verstehste hoho haha) Die Bastion Betze mit diesen Fans zurück in der Bundesliga ist jedenfalls ein guter Gedanke. Denn irgendwie gehört der FCK dazu. Irgendwie schon immer. Nicht erst seit 1954. Irgendwie auch Köln. Nur haben die ihren Turbo zunächst zu spät eingelegt um dann wieder in Schrittgeschwindigkeit einzurosten. Der römische Philosoph Seneca dazu: „Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ (römisch = Dom, verstehste hoho haha). Auf der Reeperbahn drehen die Braunen am Rad. Klassenerhalt durch ein 5:1 über Braunschweig! Ebbers Abschiedstor wird mit tausenden von Kuscheltieren gewürdigt. Affengeil! (Ist „affengeil“ eigentlich auch braun bzw. verboten?) Paderborn und Ingolstadt retten sich.

Duisburg und Bochum verlieren beide und schaffen das Gleiche. Duden: neururern. Wortart: starkes Verb. Bedeutung: elektrifizieren. Aue und Dynamo nun am letzten Spieltag im Schwertkampf mit den Absteigern Sandhausen und Regensburg. Für diese beiden kommt jedoch mehr als nur Ersatz. Der KSC und Bielefeld sind wieder zweitklassig! Vor insgesamt 52.665 Zuschauen feiern Alm und Wildpark eine Sause der Extraklasse. Erster Gesprächspartner war für den WDR natürlich Ansgar Brinkmann. („Ich hab heute Abend schon 800 DM ausgeben und noch zwei Millionen auf dem Konto. Was willst du?!“) In Münster und Osnabrück läuft ab heute „Tage des Donners“ im Kino an – mit Claus-Dieter Wollitz als Tom Cruise. Der Film bekam übrigens eine Oscar-Nominierung für die besten Toneffekte. Mehr aber auch nicht.

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Regionalligen & Sonstige

Was für nervenzerreißende Wochen in den fünf Ligen! Beginnen wir im Norden, wo die Kerker überfüllt sind mit Kandidaten fürs Schafott. Einzig Meppen ist nach dem 2:2 in Oberneuland wohl dem Tagslicht am Nächsten. Für fünf weitere Mannschaften geht es in zwei verbleibenden Spielen um des Henkers Güte. Der absolute Megagigahit steigt am Samstag beim Wagenrennen zwischen Spitzenreiter Kiel (67 Punkte) und Verfolger Havelse (64 Punkte). Tordifferenz in etwa gleich. Donnerkuppel für Forstgeschrittene. Im Nordosten scheinen die Dinge geklärt zu sein. RB Leipzig wird die Quali für die 3. Liga wohl gegen den Ersten ausm Westen, Sportfreunde Lotte bestreiten. Geld schießt eben doch…ach leck mich. Auch unten pressen sich nun schon fünf Punkte zwischen Auerbach und dem jetzigen Absteiger Cottbus II. Im Westen geht es auch für die Düsseldorfer Reserve (zurzeit Relegationsplatz) beim Nachholspiel in Siegen am Mittwoch um alles. Nicht auszudenken, dass beide Mannschaften eines solchen Clubs runter müssten. „Is halt en dreckiges Geschäft!“ ruft der Erzfeind aus Köln, dessen Reserve noch tiefer unten drin steckt. (Dirk Lottner entlassen; wir berichteten)

Im Südwesten kann Hessen Kassel in der englischen Woche die erste von noch drei ausbleibenden Duftkerzen im Bad verteilen. Verfolger Elversberg muss zudem zu Eintrachts Reserve, die selbst ums nackte Über(g)eben kämpft. Last but not cast: Bayern. Dort steht die Löwen-Reserve seit letzter Woche als Meister fest. Die Sechsziger verweisen damit den Stadtrivalen und Nürnbergs Zwote auf die Plätze. Unten drin hingegen das reinste Chaos. Drei Mannschaften haben fünf Punkte Rückstand auf das wegfahrende Rettungsboot aus Bamberg. Dennoch bleibt ein Platz im ausgeworfenen Rettungsring übrig. Wir tippen einfach mal, dass es das Torverhältnis entscheiden wird. Was ein grausamer Sport. Schnell in die Kreisliga C Remscheid. VfL 07 Lennep II vs.TuRa Remscheid-Süd 80/09 endet 37:4. Laut fussball.de spielten die Gäste nur mit sieben Feldspielern (darf man eigentlich gar nicht). Mann des Tages war Maurizio Romanelli, der einen humorlosen 20er-Pack schnürte. Allein dieser Name! Eine Kreuzung aus Maurizio Gaudino und Fabrizio Ravanelli. Dass der Mann keine dreißig Stück gemacht hat, verstehe wer will.

International

Ja, wo kann man nur beginnen. Bei Sir Alex vielleicht. Doch dieser Mann hat im Shortcut nichts verloren. Er gehört in städtische Annalen oder Glaubensbücher. Da in der Premier League nichts entschieden wurde, lassen wir diese  für eine Woche ruhen. Schalten wir nach Wembley. Schalten wir nach Wigan. Schalten wir in die 90. Spielminute. The Latics holen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die älteste Pokaltrophäe der Welt. Ausgerechnet gegen die Scheichs von City. Ausgerechnet in einem Jahr, wo man vielleicht absteigt. Ein Europa League-Teilnehmer aus einer zweiten Spielklasse? Einfach nur irre, dieser Gedanke. Doch dies alles ist im dramaturgischen Vergleich zum Spiel in Watford bestenfalls „Forsthaus Falkenau“. Was sich dort in den Playoffs der zweiten Liga abspielte, kennt keine Umschreibung. Beim Spielstand von 2:1 (0:1 Hinspiel) verschießt Leicester in der 94. Minute den Elfmeter in Richtung Aufstiegsendspiel Wembley. Den direkten Gegenzug, bereits die 97. Minute, vollendet Troy Deeney mit dem 3:1 für Watford. So etwas ist seit Bayern vs. ManU nicht mehr passiert. MUSS man gesehen haben. In Spanien ist Barca nun offiziell Meister. Soso. In Italien bewahrt sich Kloses Lazio die letzte Europa League-Chance mit einem 2:0 über Samptoria Genua. Palermo hingegen steht nun nach Siena und Pescara als dritter Absteiger fest.

Paris St. Germain feiert nach dem 1:0-Sieg in Lyon seinen ersten Meistertitel nach 1994. Da dürfte man sich als neutraler Betrachter eigentlich freuen. Eigentlich. Schade, dass Paris nicht gegen Wigan antreten wird. In Dänemark machts wieder der FC Kopenhagen in gewohnter Missionarsstellung. Gewohnt solide eben. In Österreich ist Austria Wien so wie durch. In der Schweiz verliert Grashopper das Stadthassderby gegen den FC Zürich mit 0:1 und schmeißt alle Meisterträume über Board. Erinnert irgendwie an BVB vs. Schalke nach Metzelders Flankenlauf. Basel nun sechs Punkt vorne bei noch drei ausbleibenden Kicks. Sind wir ehrlich…der Drops ist blablabla. Schwenken wir nach Portugal, wo generell nie viel passiert. Außer, ja außer Porto gewinnt in der 90. Minute gegen Benfica und schmeißt die Adler einen Spieltag vor Ladenschluss vom Thron. Im Estádio do Dragão eine Stimmung wie seit Rehhagel nicht mehr. Wir könnten dieses Zahlengemetzel in jener Phase der Saison endlos weiterführen. Doch wir sind nicht der Gott des Gemetzels. Daher schwingen wir nun das Hackebeil ein letztes Mal: In Kasachstan trennen sich Tobol Qostanai und Irtysch Pawlodar 0:0. Warum wir das erzählen? Weil es vollkommen bedeutungslos ist.

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