Von Händen und Füßen

Wir lockern die fußballpolitischen Gemüter mit ein paar fußballbiographischen Fallrückziehern und freuen uns auf heute abend…naja, wie ein kleines Kind eben:

„Bälle aller Art mit den Händen zu berühren war strengstens verboten. Das Kind konnte erst ein paar Monate auf eigenen Beinen stehen. Immer wenn es seine Arme nach einem Ball streckte um dessen faszinierende Form zu ertasten, schritt sein Bruder hervor und schoss den Ball so lange weg bis das Kind zu weinen begann. Da der Bruder für die vielen Tränen von Seiten des Vaters keiner Schuld bezichtigt, ja geradezu geadelt wurde, heulte das Kind nicht selten. Eher oft. Denn Bälle besaß das Haus viele. Und Kinder wollen Bälle besitzen. Immer. Das Kind war ich. Und ich weinte sehr oft. Doch ist ein Ball ein Suchtgegenstand, dem ein Kind nicht entsagen kann. Irgendwann wurden aus Tränen Wutausbrüche und ich trat nach dem Ball. Ich war klein, ja. Doch glaube ich mich zu erinnern, in diesem Augenblick das erste Grinsen meines Bruders wahrgenommen zu haben. Ab diesem Zeitpunkt entschieden meine Instinkte, nie mehr einen Ball mit den Händen anzufassen. Ich trat den verdammten Ball von morgens bis abends mit den Füßen. Ohne Tränen, ohne Wut. Kurz darauf wurde Deutschland zum dritten Male Weltmeister und ohne es zu merken, hatte mich das Uhrwerk Fußball längst überrollt.“

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