Furche-Kurzkommentar zur…

…medialen Fehldarstellung bezüglich Ewald Lienens Entlassung beim griechischen Club AEK Athen

Der Kanon der Medien lautet, die Beurlaubung des 59-jährigen sei eine logische Konsequenz gewesen. Auf N-TV ist von einem „absehbaren Schritt“ die Rede, auf den Lienen „empört und völlig verständnislos“ reagiert habe. FOCUS, KICKER und TAGESSPIEGEL fügen hinzu, dass die Trennung „seit Tagen erwartet“ worden sei, da „AEK nach der jüngsten Auswärtsniederlage (0:2 gegen Ioannina) schwer in Abstiegsgefahr geraten war.“ Titel und Inhalte der Meldungen lassen Lienen in einem naiven Licht erscheinen. Auf der einen Seite stets der „akut abstiegsgefährdete Traditionsverein“, der zwei Spieltage vor Schluss einen Punkt vor den Abstiegsrängen steht. Auf der anderen Seite der „überraschte“ Deutsche inkl. Empörung und seinem hilflos wirkenden Aufhänger, dass dies alles „absurdes Theater“ sei.

Keine Information darüber, dass AEK bereits die ganze Saison über die „Rote Laterne“ mittrug und schon wesentlich bedrohlicher dastand. Kein Wort darüber, dass AEK in den letzten 10 Matches 4 mal siegte, 2 mal Remis spielte und 4 mal verlor – für ein „Kellerkind“ keine wirklich schlechte Bilanz, zumal die Niederlagen gegen Ioannina (Platz 5), die als Überraschungsmannschaft dieser Saison gilt, sowie gegen Spitzenreiter Olympiakos Piräus (1 Niederlage in 28 Spielen), wohl kaum als sechs sichere Punkte einkalkuliert waren. Dass nach „Absurdes Theater!“ noch einige Sätze von Lienens Lippen folgten, scheint manche Redaktionen nicht zu interessieren. Auch dass die „heftigen Streitigkeiten“ (SPORTSCHAU) mit Spielern nach Aussage Lienens eher „Wortgefechte“ waren und für die Situation einer Halbzeitpause völlig normal seien, wird gezielt aus den Anfangszeilen entfernt.

Rückhalt und Dank wären hingegen angebracht. Denn wie der Verein dastand, als Lienen das Amt übernahm, steht in keiner Relation zu seiner Entlassung. Daher vervollständigen wir Lienens Aussage, die wenigstens im SPIEGEL ausführlich zu lesen war: „Das ist absurdes Theater. Wir haben noch zwei Spiele, wir sind voll im Rennen. Ich habe den Club von 2 auf 30 Punkte geführt, ohne Geld, ohne Spieler, ohne Gehälter. Ich habe Spieler, die wissen vor dem Spiel nicht, wie sie danach ihre Familie ernähren sollen. Wie kann man da den Trainer entlassen?“ […] „Die meisten Leute, die da über mich entschieden haben, kenne ich noch nicht einmal. Die kommen hier vorgefahren, entlassen mich und steigen wieder in ihre Autos.“

Vom Bild eines realitätsfernen Exil-Trainers, der seine Beurlaubung nicht einsehen will, kann hier keine Rede sein. Die Statistiken sprechen für sich. Ewald Lienen hat dort gute Arbeit geleistet. Dies erscheint einigen Medien offenbar zu langweilig. Uns irgendwie nicht.

Lienen

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