„Fussball ist Kampf um den Ball, nicht Kampf zwischen den Fans“ – Gedenken an Adrian Maleika

„Jahrhundertspiel in Reading! Arsenal dreht unglaubliches Spiel und macht aus einem 0-4 ein 7-5!“, „Allofs-Wechsel nach Wolfsburg perfekt!“, „Ibracadabra zerlegt England im Alleingang!“

Uns allen sind diese Schlagzeilen der letzten Wochen bestimmt eindringlich ins Gedächtnis getreten und waren schlichtweg DIE Ereignisse im fußballerischen Tagesgeschehen – vom „Tresenklamauk“ bis in die Führungsetagen von Clubs und Verbänden. Das Ereignis, welches sich vor dreißig Jahren am 17. Oktober 1972 ereignete, vermag da schnell einmal in den Schatten dieser Gesprächs-„Schmankerl“ zu geraten. Doch an jenem Tag wurde eines der schrecklichsten und brutalsten Kapitel deutscher Fußballgeschichte geschrieben. Bereits vor einem Monat erinnerten Blogosphäre, Presse und Vereine an Adrian Maleika. Die Schottische Furche schließt sich diesem heute an – gerade aufgrund der zeitlosen Thematik.

Adrian Maleika wurde zum Opfer einer der ersten bekannt gewordenen rechtsradikalen Attacken im deutschen Profifußball. Er verstarb einen Tag nach dem DFB-Pokalspiel zwischen dem Hamburger SV und SV Werder Bremen im Allgemeinen Krankenhaus Altona an den Folgen eines Schädelbasisbruches.
„Der 16-jährige Bremer Glaserlehrling aus einer oberschlesischen Aussiedlerfamilie war mit anderen Werder-Fans auf dem Weg zum DFB-Pokalspiel des SV Werder beim Hamburger SV, als er von Mitgliedern der für ihre Aggressivität berüchtigten Hamburger Fan-Gruppierung Die Löwen unweit des Volksparkstadions angegriffen wurde. Die Gruppe war von Rechtsradikalen unterwandert. Er war nicht am S-Bahnhof Stellingen, der dem Stadion am nächsten liegt und von Polizisten überwacht wurde, ausgestiegen, sondern eine Station weiter (S-Bahnhof Eidelstedt) gefahren. Auf dem Weg zum Stadion, durch ein Gewerbegebiet und anschließend durch ein Gehölz auf dem Areal des Altonaer Volksparks, kam es zu einem Überfall durch Mitglieder jener HSV-Fangruppierung auf die Gruppe Werder-Fans, in der sich auch Maleika bewegte. Dabei wurden unter anderem Gaspistolen, Leuchtspurmunition, CS-Gas, Knüppel und Mauersteine eingesetzt. Maleika wurde von einem Stein am Kopf getroffen. Obwohl er bereits am Boden lag, traten Mitglieder der Löwen noch auf den 16-Jährigen ein.“
(Der tragische Tod eines Fans – und die Folgen. NDR – Sport – Legenden – Sportmomente; Werner Skrentny/Jens Reimer Prüß: Die Raute im Herzen – Die große Geschichte des HSV, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2008, S. 422)

Die Geschichte erfuhr zu dieser Zeit ein überwältigendes Medieninteresse und sollte es auch 30 Jahre später erneut finden. Denn im Fall Maleika geht es weniger um das omnipresente und diffus diskutierte Thema über Fanverhalten in Stadien. Es geht auch nicht um eine frühe Ausprägung des Hooliganismus, wie es fälschlicher Weise verallgemeinert aufgesagt und nach gesprochen wird. Hierbei handelt es sich schlicht und einfach um rechte Gewalt, die einem jungen Menschen im Rahmen einer Sportveranstaltung das Leben kostete.
Walcott, Allofs und Ibrahimovic müssen verzeihen – es gibt manchmal Wichtigeres als zwölf Tore in einem Spiel, zweitklassigen Personalzirkus oder in der Luft liegende Schweden.

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Ein Kommentar

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