Neue Rubrik: “Gästehoppblock”

Match: FC Isla Cristina vs. AD Almonte Balompie 4:2 (1:1)

Text und Fotos: Sven Rp, Feudingen

Liga: Primera Andaluza G 1 (4. Liga)
Datum: 06.10.2012
Ground: Estadio Municipal de Isla Cristina
Zuschauer: 202 (inkl. 2 Deutsche)

Tore: 1-0 Javi Faneca 20′, 1-1 Sebas 39′ (FE), 2-1 Gui 51′, 3-1 Nico 70′, 4-1 Dani 86′, 4-2 Felix 90`
Bes. Vorkommnisse: Rote Karten wegen Meckerns für Bañez (78.) und Barto (89.), beide Almonte
Feste Nahrung: keine, denn es war deutlich zu warm (30°C)
Bier: 1 €, Pappbecher 0,25l (erstaunlich gut)
Sitz-/Stehplatz: 5€

Eigentlich nur Flitterwochen

Nach zwölf Jahren gemeinsamen Lebens war es dann für mich und meine Freundin dieses Jahr soweit – wir haben geheiratet. Dem Klischee folgend standen auch die sogenannten Flitterwochen auf dem Programm. „Ok, kein Thema“, dachte ich, aber großartig darum kümmern wo es genau hingeht, das machte ich erst einen Tag vor dem Abflug. Meine Eingabe im Internet lautete: Isla Cristina. Das Ergebnis war die spanische Atlantikküste, Provinz Huelva. „Sehr schön“, dachte ich und klickte aus reiner Routine noch schnell auf die Karte. Man will ja schließlich wissen, was die Umgebung des Hotels zu bieten hat. Eigentlich gab es dort nichts Besonderes. Natur, viel Strand und ein kleines Städtchen mit noch kleineren Gässchen. Doch was war das?! War es wirklich das, wofür ich es hielt?! Sollte das Ovale wirklich ein Stadion direkt neben unserer Unterkunft sein?! Wahnsinn! „Hochzeitsreise“ und ein „Hotel in Stadionnähe“ – mit diesen zwei Eckpfeilern und ohne jegliche Weiterplanung ging es am nächsten Tag los in Richtung Andalusien.

Auf dem Weg ins Hotel sagte ich im Bus dann zu meiner Frau: „In 2-3 Minuten sind wir da.“ Ungläubig guckte sie mich an und fragte: „Woher willst du das denn wissen, du warst doch noch nie hier?!“ Mit einem Lächeln im Gesicht antwortete ich: „Da, siehst du die Flutlichtmasten hinter den Dächern hervorblitzen? Direkt daneben ist unser Hotel.“ Und ich sollte Recht behalten. Genau gegenüber unserer Bleibe war ein kleines Stadion mit Tribüne. Mir war direkt klar, dass ich mich nach dem Check-In sofort erkundigen musste, wer gegen wen dort wann spielt. Der Internetzugang in der Lobby sollte mir dann die frohe Kunde bringen. Ausgerechnet am Samstag dieser Woche war ein Heimspiel des FC Isla Cristina. Gegner des Tabellenzehnten der Primera Andaluza G1 war das Schlusslicht Almonte BP.

Fußballhut mit Schießscharte

Meine Frau, mittlerweile viel Kummer und Sorgen wegen des runden Leders gewohnt, wollte zu meiner Freude auch mit ins Stadion. Früher als sonst ging es raus aus dem Liegestuhl, denn ich hatte schließlich Besseres zu tun als die Sonne zu genießen. Bevor es jedoch losging, war zunächst einmal mein eigener Verein via russischem Livestream an der Reihe. Am Stadion angekommen, gingen wir zum erst besten Eingang hinein. Zu unserer Verwunderung standen wir plötzlich auf der Laufbahn vor der Tribüne. Dass uns keiner daran hinderte lag vielleicht am frühen Erscheinen, denn der „Deutsche“ geht schließlich früh ins Stadion. Kaum eine Zuschauerseele war mit uns anwesend. Als wir dann auf der Tribüne Platz nahmen, sahen wir den Haupteingang. Pflichtbewusst also wieder raus aus dem Stadion um draußen Tickets zu kaufen. Wir fragten uns, ob das ein Spanier bei uns auch gemacht hätte?! Egal, das Kassenhäuschen war ein Betonklotz mit Fußballhut und Schießscharte, aus der lediglich zwei Hände heraus ragten, die uns die Karten überreichten. Der Preis von 5 Euro war nirgends zu lesen. Keine Ahnung ob wir die einzigen waren, die überhaupt bzw. diesen Preis bezahlten. Nach und nach füllte sich dann die Tribüne mit etwa 200 Zuschauern. Überwiegend Männer und heranwachsende Jugendliche. Frauen waren die Ausnahme.

Fallsucht, rote Karten und sechs Tore

Bevor das Spiel begann, wurde uns die Leitung des Spieles vorgestellt: eine Schiedsrichterfrau. „Spanische Mentalität und eine Frau als Spielleitung, das wird was geben.“ dachte ich ein wenig besorgt. In der ersten Hälfe war es eine ausgeglichene Partie mit der frühen Führung für die Gastgeber. Kurzpassspiel war angesagt, auch wenn der holprige Naturrasen dies nicht immer zuließ. Aufgrund der nahezu chronischen Fallsucht gab es die eine oder andere Unterbrechung. So auch in der 39. Minute. Aus mir bis heute völlig unerklärlichen Gründen und ohne Einwirkung des Gegners kam ein Gästespieler im Strafraum zu Fall. Die Schiedsrichterfrau pfiff, was die gute, alte Rudelbildung zu Folge hatte. Auch die Tribüne wurde etwas unruhig. Das Dach trug zur Lautstärke bei und erweckte den Eindruck, es wären weit mehr als 200 Zuschauer anwesend. Der anschließende Elfer führte zum 1-1 Pausenstand.
Im zweiten Abschnitt erspielte sich Isla Cristina immer größere Vorteile und war klar überlegen. Das 2-1 und das sehr schön herausgespielte 3-1 entschieden das Spiel frühzeitig. Die Niederlage vor Augen, Schauspieleinlagen und das Publikum gegen sich, hatte nicht jeder Gästeakteur seine Emotionen im Griff. Zwei rote Karten wurden verteilt. Am Ende hieß es nach nervenaufreibenden 90 Minuten 4-2.

„Respect“ mit schönem Abschluss

Hut ab vor dem Durchsetzungsvermögen der spanischen Schiedsrichterfrau. War zwar nicht jeder Pfiff glücklich und richtig, brachte sie die Partie konsequent über die Bühne. Dies sind jene Momente, in denen man merkt, dass der Fußball überall gleich ist, sei es hier bei uns, in Spanien oder sonst wo. Durch das unnötige Exaltieren über Entscheidungen des Unparteiischen hat schließlich noch keine Mannschaft gewonnen. Lieber einmal auf die eigene, nämlich indiskutable Leistung gucken. Isla Cristina gewann verdient und konnte sich im Mittelfeld der Tabelle festsetzen.
Ein sehr schönes und von neuen Erfahrungen geprägtes „Auswärtsspiel“. Das Niveau der Begegnung vergleiche ich mit unserer Landes-/Oberliga. Die Spielweise war die des Ballhaltens und des Kurzpasses. Der für mich weitaus größte Unterschied zum heimischen Amateurfußball waren die schauspielerischen Einlagen auf beiden Seiten. Es hat sich mehr als gelohnt, auch wenn es nicht die größte Bühne des Fußballs war. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und deshalb gab es abends noch das „Aktuelle Sportstudio“ mit heimischer Bundesliga…einfach rundum schöne Flitterwochen.

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