Hopp done: Bundesliga

Match: VFL Wolfsburg vs. Bayer 04 Leverkusen 3:1

Datum: 11.11.2012
Ground: Volkswagen Arena
Zuschauer: 24825
Bratwurst: 2.50€, ausreichend+ (Geschmack befriedigend, zu klein, nicht knackig, aufgetautes Brötchen so groß wie ein Ei)
Bier: 2.50€ Krombacher (sehr gut)
Stehplatz: 9€ (ermäßigt)
Tore: 1:0 Diego (4.), 2:0 Diego (16.), 3:0 Dost (33.), 3:1 Kießling (91.)
Bes. Vorkommnisse: Kostümierte L´kusen-Fans, Neuwagenausstellung rund ums Stadion

Temperaturlos

Es wird ja immer gerne und viel Negatives über die sogenannten „Werk-Clubs“ an den Theken dieses Landes geredet. Wir dachten uns an einem kalten Niedersachsen-Sonntag, diese Antipathie einmal via Feldstudie zu überprüfen: Wir fuhren hin. Dass dieser Besuch kein Stadionleckerbissen wie Craven Cottage werden würde, war natürlich klar. Doch welcher Verein kann dies im Zeitalter der Arenen noch vorweisen. Im Nachhinein wissen wir eines mehr: es war nicht kalt der Temperatur wegen oder aufgrund des kalten Nordwindes, der durch die von hinten offene Architektur in die Blöcke schoss. Es war die Atmosphäre. Das Gefühl eines Ausfluges, das Empfinden, es geht eben nicht nur, sondern auch um Fußball. Kein Prestige, keine wirkliche Abstiegsangst trotz acht Punkten. Wenn „Scheiß DFB!“ die lautesten, weil gemeinsamen Fangesänge sind, ist zumindest zu erahnen, warum die ein oder andere Fußballseele mit keinem der beiden Mannschaften in Beziehung treten möchte.

„Irgendwie“ Fußballkultur

Der Begriff der „Tradition“ ist und muss weit zu dehnen sein. Denn was ist eigentlich Tradition? Wenn es nur nach Alter und“ Entstehungsjahr gehen würde, müsste Hoffenheim ja an die 100.000 Mitglieder haben. Es sind der Charakter, die Geschichte und die damit verbundenen Täler, die Peripherie, die sozialen Strukturen, das gesellschaftliche Umfeld, die Nähe und Identifikation zur Stadt und der Glaube, dass es immer irgendwie weiter gehen wird, weil es muss, muss, muss. Das „Irgendwie“ ist bei einem Verein wie Wolfsburg auch der Knackpunkt. An allen Ecken und Enden der „Volkswagen Arena“ spürt man, wie der Verein „irgendwie“ versucht, Fankultur zu entwickeln. Nur funktioniert dies nicht mit Freikarten für Schüler, einer „Wölfi“-Kurve oder einer zehn Meter langen „Fanwand“ unter einer Fußgängerbrücke, die allein von der Aufmachung her seines Gleichen sucht: „Hier ist Platz für deine Botschaft!“. So viel pädagogische Ansätze findet man sonst nur in Selbsthilfegruppen und siehe her, welch Wunder – ein mit Edding gezogenes „Bayer“-Wappen ist die einzige Botschaft, die sich finden lässt. Ein kleines Beispiel mit großer Symptomatik.

Käfighaltung

Sportlich gesehen bekamen die „Wölfe“ einen Gast, der sich gnadenlos ergab. Es ist uns auch jetzt noch ein Rätsel, wie die Herrn Lewandowski & Hyypiä es schafften, 90 Minuten lang in einer Haltung zu verharren ohne zu erfrieren. Keine Emotionen. Keine Aufreger. Keine Ausbrüche. Schürrle lief sich die Hacken wund. Unterstützung Fehlanzeige. So entwickelt sich ein Nationalspieler nur in eine Richtung und es ist keine fördernde. Doch störte es auch im Leverkusen-Block niemanden wirklich, dass man sich in 30 Minuten drei Hütten fing. Keine Pfiffe. War ja schließlich Karnevalsbeginn. Alles gut. Irgendwie hatte man das Gefühl, der Mitarbeiter des Monats steht intern fest und alle wissen es schon. Bei so viel „Bundesliga-Flair“ hätte man fast die Überwachungskameras übersehen, die separat und dezent ala Minority Report die Sicht versperrten. Nur gut, dass man eh schon durch meterhohe Zäune gucken muss, egal wo man steht. Selbst im Sitzplatzblock saßen gewaltbereite Familien, die sogar in Reihe zwanzig nicht genau wussten, ob es sich bei der optischen Täuschung nun um Tornetz, Zaun oder Schutznetz oder alles drei zusammen handelte. Ein Risikospiel, ganz klar.

Tellerandspringen

Respekt an jene Fans, die dort jedes zweite Wochenende ihren Verein unterstützen und es in Kauf nehmen, nicht Teil des populärsten Club Deutschlands zu sein. Denn sind wir bei dem einfachen „Fan“, dann geht es nicht um Schalke, Dortmund, Hamburg, Gladbach vs. Hoffenheim, Wolfsburg, Leverkusen. Dann hat sogar VW mit ihren Großbuchstaben Recht: „Fußball ist alles!“ Hoffen wir, dass dies ein Großkonzern nicht grenzenlos ausnutzt.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s