Hopp done: Oberliga Niedersachsen

Match: Tus Celle FC vs. VFL Bückeburg 3:2
Datum: 20.10.2012
Ground: Günther-Volker-Stadion
Zuschauer: 251
Bratwurst: 2€, sehr gut (knackig und geschmackvoll, Stadionwurst²)
Bier: 2.50€ Celler Pils, gut- (süffig, gut gezapft, etwas fade im Abgang)
Stehplatz: 5€
Tore: 0:1 Engin Kiy (6.), 0:2 Engin Kiy (9.), 1:2 Witteveen (84.), 3:0 Marvin Stieler (75., FE), 3:1 Burak Buruk (82.), 3:2 Bastian Könemann (90.)
Bes. Vorkommnisse: Rudelbildung(en) in Reinform

11 Engel im Fegefeuer?

Wenn in der Fairnesstabelle der Erste beim Letzten zu Gast ist und ein altehrwürdiges Stadion eine Symbiose aus Fluchtlicht und feuchtem Rasen gebärt, kann es nur großen Sport geben…oder großen Kampf. Warum auch nicht. Celle holte in 11 Spielen besorgniserregende 3 Punkte und steht am Ende der Oberliga Niedersachsen. Und was kann man am besten, wenn die Gegner einfach nur noch nerven? Genau…: 11 Spiele, 43x gelb, 5x gelb-rot und 3x rot. Gerüchten zu Folge ist Vinnie Jones als Trainer im Gespräch. Die Axt ist bereits gekauft.

Stadionsex mit viel Romantik

Doch genug der Statistiken. Es war sicher eines der imposantesten Hopps, welche die Furche in ihren letzten Jahren absolvierte. Da die Fahrt nach Celle eher spontan stattfand, gab es so gut wie keine Spielvorbereitung, keine Insidernews oder vereinsgeschichtliches Studieren. Und genau damit wird jeder sofort konfrontiert, der dieses Stadion betritt. Das 1928 erbaute Günther-Volker –Stadion bietet Platz für 11.000 Zuschauer und verkörpert in einer Oberliga Deutschlands absoluten Ausnahmewert. Schaut man auf die sportliche Vergangenheit des Tus Celle, ist diese Kapazität nicht unangemessen. Regionalliga Nord 1968-1973, 1994-2000, Oberliga Nord 1990-1994, Niedersächsischer Fußballmeister 1981 und 1990, Niedersächsischer Pokalsieger 1981. An jeder Grasnarbe, an jedem Rostfleck der Wellenbrecher, an jedem Maulwurfshügel auf den zugewachsenen Stehrängen und auf jeder Maracanã-Gedächtnis-Holzbank der Haupttribüne wird einem schnell ins Ohr geflüstert, dass der Tus Celle schon bessere Zeiten erlebte. Dazu passt auch die ungewöhnliche Professionalität des Stadionsprechers, das Rufen des Spieler-Nachnamens von Fanseite, das Winken beider Mannschaften in Richtung der Tribünen kurz vor Kick Off. Wer Geschichte hat, darf und sollte die Rahmengestaltung trotz sportlicher Misere mit breiter Brust gestalten. Für diese Atmosphäre in grellem Flutlicht bei untergehender Sonne sagen wir schon jetzt Danke! Den Gipfel dieses Genusses überboten nur noch die Celler Ultras, eine ca. 20 personenstarke Gruppe, die den Monty Pyhton-Hit „Always look on the pride side“ und den „A-Team“-Theme in Dauerschleife sangen bzw. summten. Bei so viel Kontroverse weiß der beste Polizist nicht wohin mit seiner Reiterstaffel. Dass wir neben diesem grandiosen Umfeldes nicht nur leckeres Celler Pils und eine der besten Bratwürste der DFB-Peripherie geboten bekamen, wurde uns bereits in der 6. Minute klar. Ein Auftakt nach Maß. Als es am Ende 3:2 für die Hausherren stand, waren sogar unsere neutralen Nerven strapaziert. Elfmeter, Rudelbildungen, Platzverweis, Security auf dem Spielfeld. Ja, meine Damen und Herren. Selbst ein tibetischer Mönch hätte schnell verstanden, dass es hier um die wedelnde Laterne des Abstiegs geht.

Fairplay: Note 6

Als Vertreter des harten, aber gesunden Fairplays müssen wir hier jedoch einen Spieler benennen, der den Fußballplatz anscheinend als „geregelte Bahn“ seiner Aggressionen definiert hat. Celles Yalcin Ozan provozierte und teilte aus, als gäbe es kein Morgen mehr. Furchenkorrespondent M. Kedra fasste es schon während des Spiels richtig zusammen: „Es gibt eben geile Drecksäcke. Die Keanes, die Cantonas. Sie teilen körperlich aus, stecken aber auch ein und dann geht es weiter. Und dann gibt es die Gattusos, die van Bommels. Die teilen nicht nur aus und fallen bei jeder sich bietenden Möglichkeit. Nein, diese Art von Fußballer provozieren mit Mundwerk und Gesten anstatt mit Füßen – und das ab der ersten Spielminute.“ Bestände der Fußball im Allgemeinen ausschließlich aus Spielern wie Yalcin Ozan, wüsste kein Schiri mehr, was falsch und was richtig, wüsste kein Gegenspieler, ob er Körperkontakt sucht oder nicht, wüsste kein Fan mehr, ob es noch das Eintrittsgeld wert ist. Eine Folge seiner shakespearschen Darstellungen war u.a. ein Platzverweis gegen Bückeburg. Celle hin, Tradition und Stadionromantik her. Spieler dieser Gattung verdienen leider nur das eine Prädikat: Abstieg.

IMG_2395

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s