60! Umarmen wir alle Roger Milla!

Viele sehen es noch heute vor sich: Torwart Rene Hinguita vertändelt gegen Milla in unnachahmlicher Manier 25 Meter vor dem Tor den Ball. „Das kann man mit ihm nicht machen! Es sieht so aus als würde er schon lachen“, schallte es aus der ZDF-Kommentatorenbox.
Das alles spielte sich im Achtelfinale 1990 zwischen Kolumbien, angeführt von Carlos Valderrama, und den krassen Außenseitern aus Kamerun ab. An der Anzeigetafel erleuchtete: „106. Min. Milla, 108. Min. Milla.“ Das Spiel endete 1:2 und besiegelte den größten Erfolg einer afrikanischen Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft:

Milla hatte seine europäische Fußballzeit nach den Stationen AS Monaco, SEC Bastia, AS Saint-Étienne und HSC Montpellier eigentlich längst hinter sich gelassen. Der 1990 bereits 38 jährige Milla (eigentlich Miller, wahrscheinlich wegen eines Rechtschreibfehlers eines Standesbeamten) wurde über Nacht zum Held eines ganzen Kontinentes und verkörperte durch seine humorvolle und immer positive Denkweise ein Selbstbewusstsein, das beinahe England im Viertelfinale in die Knie gezwungen hätte. Die 2-3 Niederlage ist das das einzig überlieferte Dokument seit den Kreuzzügen, in dem ein Engländer gleich zwei Elfmeter im Netz unterbrachte. (Lineker 83. + 105. Minute).
In der Gruppenphase lochte Milla bereits doppelt gegen Rumänien. Nach seinen Toren gingen wohl die bekanntesten Bilder Millas um die Welt, die bis heute auf T-Shirts, Postern und Graffitis auf der ganzen Welt zu finden sind: Milla rannte zur Eckfahne und tanzte mit ihr den traditionellen Makossa-Tanz. (Nicht wie Reporter Jörg Dahlmann, nebenbei Tanzprofessor, von einem typischen „Lambada“ sprach. Das wäre in etwa so, als hätte damals Marco van Basten nach einem Treffer einen Schuhplattler getanzt. Aber das nur nebenbei.)
Nicht dass Milla dort schon zu den älteren Jahrgängen gehörte, schoss er als 42. Jähriger bei der WM 1994 in den USA ein Tor und wurde bis heute zum ältesten Torschützen in der Geschichte der Fußballweltmeisterschaft.

Nach seinem Rückzug vom aktiven Fußball ist Roger Milla Sportberater des Kameruner Präsidenten Paul Biya und WM-Botschafter seines Landes. Dies ist daher nicht unwichtig zu nennen, da Biya 1990 noch intervenieren musste, Milla für die WM überhaupt mitzunehmen. Milla wohnt abwechselnd in Kamerun und Montpellier. Darüber hinaus ist er Athletenbotschafter der Entwicklungshilfeorganisation Right to Play.
Wenn er sich eines Tages von dieser Erde verabschiedet, wird man sich vor allem an seine immer offene, freundliche und vor allem ehrliche Art erinnern. Er zählt zu jenen Menschen, die es zu jeder Zeit schaffen, den Bewohnern eines Landes Mut und Hoffnung zu vermitteln – und zwar durch die Leidenschaft einer großen Gemeinsamkeit: den Sport. Genau das ist und wird er immer bleiben, ein wahrer Sportsmann. Alles Gute zum 60. Geburtstag, Roger!

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