Theo gegen den Rest der Welt!

Es ist wohl das Tempo, das zum Nachdenken aufruft. Nicht der notwendige, durchdachte, analytisch vorbereitete Schnitt quer durch die Untiefen von Ultrasektionen und gewaltbereiter Idiotie. Die ganze Szenerie hat was von Road Movie, von Geschwindigkeit, von Dreck und Schweiß, von Hektik und Planlosigkeit. Wie in Peter F. Brinkmanns Filmklassiker „Theo gegen den Rest der Welt“ scheint unser gegenwärtiger Fußballjurist Theo in einer ähnlichen Jagd zu stecken: irgendwelche unbekannten Vollasis klauen den im Schongang fahrenden DFB-Truck mitten in der sportlichen Hochsaison. Ziel: unbekannt! Armer Theo…

…was tut ein Politiker in deiner Lage jetzt? Der arme, ahnungslose Theo springt in sein neues, mit noch neueren Phrasenwaffen getuntes Bondmobil und nimmt die Verfolgung auf. „Nochmal überholt mich keiner!“, sagt er sich und ruft via Funkverkehr seinen Schattenfahrern aus, dass diese Idioten und alle anderen in Zukunft sitzen, statt stehen werden. In der Hektik vergisst er dieses Mal ganz die Idee von neuen Gefängnissen für Stadionverbotsinhaftierte in Guantanamo-Manier: erst einsperren, dann verhören. Vergeltungs-Theo muss was tun. Die Presse, die Vereine, der DFB… die Familien – alle fordern und schimpfen und skandieren. Armer Theo…

 

…macht es so, wie es ein gut ausgebildeter Populist während hektischen Fahrten macht: inhaltlose Konsequenzen herbeiführen. Deutschland muss jetzt wissen: die Schonfrist ist vorbei! So wie richtig gut ausgebildete Politiker gewaltbeinhaltende Videospiele verbieten wollen, wenn irgendwo ein Jugendlicher die Nerven verloren hat, ist auch hier die generelle Lösung, meine lieben Genossen und Genossinnen, dass zunächst gehandelt werden muss und dann gedacht werden sollte! „Wenn nicht…, dann…!“ droht Papa Theo und erhöht die Drehzahl. Verdammt, jetzt hat schon der Spiegel geschrieben und heute Morgen noch irgend so ein saublöder Steuerarsch wegen Schirikonten in Lichtenstein angerufen. Es wird eng mit dem Sommermärchen-Image. Armer Theo…

…muss sich dann auch noch während der Verfolgung mit anderen Funkern rumschlagen, die ernsthaft behaupten, die Idee mit den Sitzplätzen würde zu einer Eskalation führen. Mehr noch: zu einer Verbrüderung aller Ultras, die unweigerlich in einer Katastrophe enden würde. Sitzplatzschalen würden in Feuern aufgehen, übermüdete Castorpolizisten könnten den Dienst quittieren, Spieleabbrüche, Ligastopp, Saisonausfall! Theo wird plötzlich blass und fährt auf einen Rastplatz. Vielleicht sollte man sich mit anderen Fans treffen? Vielleicht sollte man sich mit intelligenten Fanbeauftragten unterhalten? Vielleicht ist der einzelne LKW doch nicht so wichtig? Armer Theo…

…welchen Weg du auch gehen wirst. Wir verstehen deine Sorgen um den Erhalt von friedlicher Stadionatmosphäre. Wir verstehen sehr wohl, dass es gewaltbereite Fans gibt, die den Fußball benutzen und Strafe verdienen. Wir verstehen, dass viel und dringend gehandelt werden muss und teilen dies mit dir solidarisch. Doch lass dir vom Kollektiv eines sagen: in der Kurve STEHT man gerne.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s