Elected to be a „10“

Wenn in der Sibelius-Halle die Sinfonia Lathi unter der Leitung von Osmo Vänskä die zarten Klänge klassischer Musik in die sensiblen Trommelfelle des finnischen Publikums spielt, legt sich eine epische Kraft in die Wellen des angrenzenden Vesijärvi-Sees.

Wer im Winter nach Lathi kommt, kann sich in dem wohl bedeutendsten Wintersportort nicht nur auf der Piste vom grauen Alltagsleben ablenken. In jeder Bar, in jedem Restaurant herrscht großes Treiben. Viele Gespräche handeln zu dieser Jahreszeit von den beiden großen Söhnen dieser Stadt: Janne Ahonen und Toni Nieminen.

Ja, in Lahti wurden in den Siebzigern wahrlich große Sportler geboren. Doch abseits der mächtigen Salpausselkä-Schanze entdeckte zu jener Zeit ein kleiner Junge beim Stadtverein Lahden Reipas mit 6 Jahren eine andere Leidenschaft: Fußball. Sein Vorname: Jari Olavi. Sein Nachname: Litmanen.

1971 konnte noch keiner ahnen, dass dieser Knirps nach der Jahrtausendwende zum besten Spieler Finnlands der letzten fünfzig Jahre gewählt wird. Auch konnte keiner ahnen, dass er Jahre später zum Fußballer des Jahres der Niederlande auserkoren würde – und dies bei einem Club, der Anfang der 90er als nahezu unschlagbar galt: Ajax Amsterdam.

Nach 20 Jahren schließt sich nun der Kreis. Jari Olavi kann es nicht lassen. Wer ihn nicht kennt, hat was verpasst. Wer ihn kennen lernen will, muss sich beeilen. Finnlands Fussball-Legende vollzieht die letzten Atemzüge in einer einzigartigen Fussballerkarriere. Im Alter von 40 Jahren stellt er sich der letzten Show.

Im Gegensatz zur finnischen Dampfsauna bleibt er unermüdlich: Wo der skandinavische Fussballstern hoch oben im Norden der doch so besonnenen aber nicht weniger ballbegeisterten Elch-Nation im Jahr 1991 bei HJK Helsinki aufging, scheint er im Jahr 2011, 20 Jahre später, seinen letzten Höhepunkt zu finden. Mit 40 Jahren im Profifußball-Geschäft gehört er zu dieser einmaligen Liste von Spielern, die es einfach nicht lassen können. Doch Litmanen sucht die Bühne. Europas Bühne, wie diese in den großen Zeiten bei Ajax in den 90er Jahren. In dieser Zeit gewann der niederländische Traditionsklub Titel nach belieben. Auch dank Litmanen, der als Spielmacher 91 Tore in 159 Spielen erzielte! Ihm ist die zweite „goldene Generation Ajax“, nach den 70er Jahren mit den Cruyffs, den Neeskens oder den Haans zu verdanken.
Nun mit HJK? Scheint dieser Gedanke den Fußball-Experten noch so absurd, die wahre Qualität Litmanens zeigt sich dieser Tage mehr im Hintergrund der Mannschaft: Wenn Litmanen das Feld betritt, steigt Finnlands ganzer Fußballstolz in einem einzigen Moment in grenzenlose Euphorie. Für Spieler wie Pukki, dessen Wirkung als „Sternschnuppe“ sich noch zeigen wird, gilt Suomis‘ Fussball-Held als Identifikationsfigur, Mentor, schlichtweg als Idol. In diesen Momenten kann die Sinfonia Lathi noch soviel und so einfühlsam spielen – Die Aura einen der letzten großen Zehner unserer Zeit übertönt sie um Längen. Europe elected: The Last Man Standing.
Eben einer, der es nicht lassen kann. Einer dieser Maldinis (41). Dieser Steins (50). Dieser Ciro Autieros (60+)…

Mit Tribut und Respekt vor dem Alter zurück aus der Sommerpause: eure Furche!

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