„Die Letzten werden die Ersten sein…“

Es gibt sie, die Rebellen. Die Gascoinges, die Wuttkes, die Gattusos, die Legats. Jeder auf seine Weise. Es gibt sie, die Exoten. Die Rivaldos, die Anelkas, die Lincolns, die Quaresmas. Jeder auf seine Weise. Es gibt sie, die Mörser. Die de Jongs, die Borowkas, die Pearce, die Rahners. Jeder auf seine Weise.
Man könnte die Liste der Fußballerschubladen endlos weiter aufziehen – die Weicheier, die Intellektuellen, die Treuen, die Künstler, die Kapitäne, die ewigen Talente u.s.w. – doch irgendwie hat man bei jedem Namen und bei jeder noch so unterschiedlichen Schublade ein kurzes, aber warmes Gefühl einer gemeinsamen Sache. Ein Aufflackern, ein unausgesprochenes, aber durch Leidenschaft verbindendes Element.

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Der Arbeitskollege J. S. wies bei der neuesten Demba Ba-Offerte jedoch auf eine mögliche, gesonderte Form der Fußballevolution hin. Demnach geht ein Spieler gezielt Vereine ab, nicht um sich durch Qualität, also Stärke durchzusetzen, sondern um sich durch pure Anwesenheit einen Namen in breiter Öffentlichkeit zu machen. Bei vielen „Experten“ unter uns kommt es automatisch dazu, dass „…es en Guter sein muss! Sonst hätten die Magpies ihn wohl kaum verpflichtet…“. Und wenn der Kicker schreibt: „Der 26-Jährige hatte für West Ham eine starke Halbserie mit sieben Toren in zwölf Premier-League-Spielen hingelegt. Den Abstieg konnte das jedoch nicht verhindern.“ reicht dies schon aus für ein deutschlandweites, positives Urteil.
Kein Mensch redet mehr davon, dass er bei Stoke den Fintesstest nicht bestand, kein Mensch redet mehr vom Söldner Ba, der während des offiziellen Trainings bei der TSG (ohne deren Wissen) mit seinem Berater „irgendwo in Frankreich“ mit unbekannten Vereinen verhandelte. Ein Spieler, der es darauf anlegt, dass sein Arbeitgeber ihn wegen Fehlverhalten auf die Tribüne setzen muss – folgliche eine Vertragsauflösung forciert wurde und Ba das erreichte, was er wollte: weg! Der betroffene Verein steht da mit leeren Händen. Warum schließt man noch Verträge?!
Die Fifa schaute tatenlos zu – in einer Meldung vom 06.01.11 zitierte der Kicker das Reglement des Verbandes: „“Folgen einer Vertragsauflösung ohne triftigen Grund“: „Im Falle eines Vertragsbruchs kann einem Spieler zusätzlich zur Verpflichtung eine Entschädigung zu zahlen auch eine sportliche Sanktion auferlegt werden. Diese besteht aus einer viermonatigen Spielsperre für offizielle Spiele. In besonders schweren Fällen beträgt die Sperre sechs Monate. Diese Sanktionen treten mit Beginn der darauffolgenden Spielzeit für den neuen Verein in Kraft.“
Doch nichts passierte. Was jedoch folgte war die Empörung Bas: „Ich fordere meinen Klub auf, ehrlich zu sein und zu dem grünen Licht, das mir gegeben wurde, zu stehen […] Mein Name wird seit Tagen durch den Schmutz gezogen. Ich leide darunter!“

Wie die Evolution der Fußballwelt sich so entwickelt hat: Ba wird nicht gesperrt, ganz im Gegenteil. Der arbreitgebende Verein verliert an Macht und Zuständigkeit, das Spieler-„Opfer“ spricht mit allen und niemanden, schießt 7 Tore bei den Hammers und darf sich als neuer Torjäger von Newcastle United in der Saison 2011/2012 feiern. Wer weiß, vielleicht schafft er es mit einer 3/4 Saison und 12 Toren ja mal nach ganz oben zu Herrn Abramowitsch…

Na dann, Fußballbounty ahoi! Schublade auf, Schublade zu – dann doch lieber die Gascoignes und die Borowkas. So hält sich wenigstens die Leidenschaft zwischen Profis und Fans im Gleichgewicht.

 

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