Allesfahrer

Sie sagt mir, ich sei das Normalste, das Sie je erlebt habe. Sagt sie mir mit einem Tee in der Hand. Der Zeiger springt auf 10Uhr. Ich müsste eigentlich längst los. Sie steht auf und geht zum Fenster. Reihenhäuser mit Mehrgenerationenhaushalten und Vorwerk-Verträgen. Ein Hobby sei generell ja eine Macke, meint sie. Aber mein Hobby sei ja eben kein Hobby mehr. Ihr Tee ist so gut wie leer. Das höre ich am Geräusch. Sie schlürft verzweifelt und tut so als nehme sie tiefe Schlücke. Ingwertee. Also nicht dieser Fertigtee aus Beuteln, nein, nein. Nur heißes Wasser mit kleinen Stücken, nur nicht zu groß geschnitten, wegen des Ziehens, der Wirkung, was weiß ich. “Gut für das Immunsystem!”, sagt sie. “Für was auch sonst!?”, denke ich. Ich müsste eigentlich längst los. Da draußen wäre ich ja anscheinend ganz lebendig, sagt sie. Was auch immer sie mit “da draußen” meint. Aber bei ihr sei ich ganz normal, zu normal, viel zu normal. So wie ihre Haare.

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Sie geht zum Kühlschrank und brabbelt irgendwas vor sich her. Irgendwas mit Butter und Fett und Gesundheit. “Licht im Kühlschrank geht auch nicht mehr!”, sagt sie. Sehe ich, weiß ich. Ich muss jetzt los. Wenn ich jetzt gehen würde, könne ich ruhig erstmal wegbleiben – wenn mir das Andere jetzt so wichtig sei. Zumindest wichtiger als dieses Gespräch gerade, die Beziehung und so. “Wichtiger als Ingwer und Butter also.”, denke ich. Sie fragt wie es nun weiterginge und ob es weiterginge und wenn ja, was genau ich als Weitergehen „definieren“ würde. Ich hasse dieses Wort. Definieren. Sie macht den Kühlschrank wieder zu. Sonst ist der Stromverbrauch zu hoch, ich weiß. Ich bin also normal. „Dann will ich mal.“ sage ich. Sie weint, als ich ehrlich zu ihr werde. Keine Umarmung. Mitleid wäre jetzt eine Lüge. Also verabschiede ich mich. Mehr nicht. Der Bus kommt. Ich bin also normal. Aber nur jetzt gerade. Ist gleich wieder vorbei. Drei Punkte!

hrp

Hier drüben aua!

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An dieser Stelle erklärt Mehmet Scholl noch einmal den Unterschied zwischen Fußball und Aerobic : “Einmal gegen Arsenal London, da hat der Jens Jeremies deren Franzosen Vieira umgetreten – aber übel! -, und als der wieder aufstand, hat der Jerry zu ihm gesagt: ‘Siehst du die Mittellinie? Kommst du drüber, macht es aua! Hier drüben aua, da drüben gut!'”

11mm startet!

Donnerstag ist es endlich wieder soweit – die Kollegen des 11mm – Fussballfilmfestivals öffnen wieder die Türen des Babylon-Kinos in Berlin. Wir stellen euch bis dahin ein paar Filme via Trailer vor und können nur sagen: Hingehen und genießen!
Nachdem “Messi – Der Film” eröffnen wird, könnt ihr euch im Kino 2 um 19:30Uhr an folgendem Schmankerl erfreuen: https://www.youtube.com/watch?v=YPXSbvl0vU8

Der komplette Zeitplan: http://www.11-mm.de/index.php/de/festival-2015/zeitplan

Gestatten, Lügenpresse!

Furchenautor Rothenpieler aka  Der Edelreservist war mal wieder für das abseits-Magazin tätig und genoss auf der letzten Seite der aktuellen Ausgabe Narrenfreiheit. Verfasst in harten Zeiten, die alles andere als vorbei sind, eben nur nicht mehr bei Jauch auf der Tagesordnung stehen. Daher: lesenswert!

“Eine Heftseite ist wirklich wenig für diese Zeiten, liebe Leute. Übrigens sollte man als Autor auch die Ich-Form vermeiden. Zu persönlich und so. „Eigentlich aber auch total egal!“, dachte ich mir, da ja eh alles Lügen sind. Eigentlich sollte ich mich in die Berge zurückziehen und einen zähdicken Buchschinken abseits jeder Zivilisation schreiben um diesen Wahnsinn adäquat verarbeiten zu können. Mmh, ich frage mich gerade ob jemals ein Journalist gestreikt hat. Piloten, Lokführer, klar, kein Ding. Aber Journalisten? Es geht mir nämlich nicht gut derzeit. Ich schlafe schlecht und weine häufig. Nach dem Aufwachen ist mir mulmig, ja gar schlecht. Das volle Programm. (Mitleidsbekundungen werden gern entgegen genommen!) Liest, hört oder schaut man dann die ersten Nachrichten am Morgen, ist endgültig der letzte Appetit auf „lecker Frühstück“ vergangen: NSU-Prozesse hier, Pegida dort und Marine Le Pen fordert die Todesstrafe. Täglich kotzt das Murmeltier.

Gerne würde ich mir ein Schild basteln mit Parolen wie „Ein Journalist geht um in Europa!“ oder „Der Journalismus ist tot, es lebe der Journalismus!“, auf die Straße gehen und für die Freiheit der Presse demonstrieren. Geht aber leider nicht. Keine Zeit, denn Zeit ist Geld. Und wir haben gerade keine Zeit, weil wir neben Artikeln über Boko Haram, IS und den ganzen Scheiß auch noch über Pegida und die beknackte Angst vor einer „Islamisierung des Abendlandes“ berichten müssen. Indes macht es wahnsinnig viel Freude über Menschen wie Lutz Bachmann, den Führer – Pardon, Organisator von Pegida, zu recherchieren um dann herauszufinden, dass der nette Herr selbst einmal Flüchtling war und einen Vorstrafenregister besitzt, der so gerade auf eine Toilettenrolle passt. Sie können mir glauben, liebe Leserinnen und Leser, dass sich ein Text über die FIFA dagegen nicht einmal wie Arbeit anfühlt.

Nein, streiken – das darf, das kann ich nicht. Wäre ja noch schöner! Nachher stellt sich noch heraus, dass es „Die Medien“ gar nicht gibt, sich die taz und die FAZ inhaltlich voneinander unterscheiden und wir vielleicht keine Lügner, sondern die netten Nachbarn mit Spießergrill sind. Ich darf sogar einen fußballlosen Artikel in einem Fußballmagazin schreiben, und das ganz ohne Zensur! Ist das zu fassen!? Artikel 5 sei Dank! Übrigens ja: Wir sind alle gleich! Keiner von uns Autoren war je auf einer Journalistenschule oder hatte vor der ersten Text-Veröffentlichung mit Journalismus zu tun, nein. Ist ja auch kein Beruf, nur eine Art lebenslanges Praktikum ohne Gratiskaffee. Wir sind natürlich alle Autodidakten und dachten uns irgendwann einmal im Chemie-Unterricht, dass Journalismus vielleicht auch etwas mit Wahrheit und moralischer Verantwortung zu tun haben sollte, könnte, müsste.

Wissen Sie, seitdem auch dem letzten Schreiberling klar gemacht wurde, dass Printmedien aufgrund fehlender Absätze in naher Zukunft eh aussterben werden, macht das Schreiben umso mehr Spaß. Ich bekenne mich in diesem Zuge übrigens klar zur „Lügenpresse“. Muss ich ja. Denn was in mancher Tageszeitung steht, stammt teils auch aus meiner Feder. Entschuldigen Sie dies bitte vielmals, Herr Bachmann. Ich mache mir deshalb große Sorgen, nicht mehr zum „Volk“ zu gehören. Schließlich sind Journalisten die wahren Geschichtenerzähler und konstruieren Märchen nur des Geldes wegen. Ja, so einer bin ich dann wohl, ich finde nur gerade den Schlüssel meiner S-Klasse nicht.

Also muss ich dann doch wieder in die Tastatur hämmern, wissen wir doch seit Sokrates, dass es durchaus Sinn macht, Gedanken nicht nur auf dem Marktplatz zu verbreiten, sondern auch aufzuschreiben. Gut, Pegida weiß das vielleicht nicht. Pegida denkt bei Griechenland mitsamt Sokrates auch nicht an die Säulen der Demokratie, sondern an die „Schuldenfalle Europa“, die schlechte Pita von gestern oder einfach nur an „Socrates äh Socratis, den Kicker vom BVB halt.“

Ja, zurzeit ist es nicht einfach nur über Fußball zu schreiben, da es automatisch und unausweichlich zu Kontroversen führt. Pegidas Blind- bzw. Spaziergänger, bejubeln in ein paar Wochen wieder die Tore von Migranten und tragen deren Namen auf dem Trikot und im Amateurbereich ist jeder „Schwatte“ herzlich willkommen, der den Ball mehr als zehn Mal hochalten kann. Man ist extrem verwirrt, wie Fußball-Deutschland für Pegida einmal aussehen soll. Flüchtlinge müssen prinzipiell also raus aus Deutschland, wenn er oder sie aber gut kicken, laufen, schwimmen kann, wird noch einmal ein Auge zugedrückt oder wie oder was? Solch großartige Visionen machen sich in den Augen unserer Verbündeten bestimmt richtig gut. Oder ist dann Marine Le Pen unsere Verbündete? Mir wird schon wieder schlecht. Und soll sich bloß kein Fußballfan dieser Frage entziehen, indem „das eine ja Politik und das andere nur der Fußball“ sei. Politik und Sport wurden nämlich noch nie getrennt. Ungelogen!”

hrp

(Der Artikel erschien in der 14. Ausgabe des abseits° Magazins auf der “Letzten Seite”, in deren Kolumne Autoren “Frei nach Schnauze” schreiben)

Fast ein Freundschaftsspiel

1048447231-imago18969306h-5hkNOIxh1OXeJXefANSCHNALLEN! Wir schalten kurz rüber zum FC Walsede, wo sich am 17. und 18. Februar die Ereignisse – sagen wir mal – ein ganz klein bisschen überschlugen. Ein Freundschaftsspiel stand an im Kreis Rotenburg bei Bremen. Zweite Kreisklasse empfing dritte Kreisklasse. Ein bisschen kicken, anschließend zusammen Bierchen trinken und gut ist – NICHT! Zwei Artikel wie Funksprüche aus der Hölle:

17. Februar: http://www.kreiszeitung.de/sport/lokalsport/kreis-rotenburg/walsede-gegen-jeddingen-freundschaftsspiel-wird-nach-vier-platzverweisen-abgebrochen-4742039.html

18. Februar: http://www.kreiszeitung.de/sport/lokalsport/kreis-rotenburg/jeddingen-zieht-nach-turbulentem-freundschaftsspiel-konsequenzen-spieler-4744952.html

(Herzlich gelacht, Lukas Stermann! Danke.)

 

“Nordkurve” auf Arte

“In kühlen Bildern und mit einem exzellent aufspielenden Darstellerensemble zeigt Regisseurin Virginie Sauveur das Porträt einer Stadt im Norden Frankreichs, die für den Fußball lebt und der jungen Generation außer der alles verbindenden Fangemeinschaft nichts zu bieten hat.”
Ab 20:15Uhr zeigt Arte heute alle drei Teile der Miniserie hintereinander. Krimi, Drama und Milieustudie in einem – absolut sehenswert!

–> http://www.arte.tv/de/nordkurve-die-3-folgen/7905944,CmC=7906454.html

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Marens Tivoli-Renaissance

20150207_102034Maren geht seit 15 Jahren zum Tivoli. Seit 2009 zum „Neuen“. Sie sagt, sie habe in dieser Zeit so gut wie alles miterlebt, was eine gescholtene Fußball-Seele so miterleben kann. Das 2:1 im Jahrhundertspiel am 4. Februar 2004 gegen die Bayern. Die DFB-Pokalfinalteilnahme und das Europapokaljahr im selbigen. Der Wiederaufstieg in die Bundesliga nach 36 Jahren zur Saison 2006/2007. Der Abstieg nach nur einem Jahr in Liga 2. Der Abstieg aus dem bezahlten Fußball im Jahr 2012. Der „Fast-Abstieg“ als Tabellenzwölfter in der Saison 2013/2014 aus der Regionalliga West-Südwest.

Ja, Maren, da ist schon wirklich viel passiert in nur sieben Jahren. „Achterbahnfahrt“ ist gar kein Ausdruck dafür. Doch nun ist Samstag, der 7. Februar 2015. Die Sonne scheint. Nicht nur in Aachen sagt man „Kaiserwetter“. Doch hier passt es eben am besten. Zuerst sind wir nur zu viert. Dann kommen aus vielen kleinen Straßen und Gassen die Menschen auf den gemeinsamen Weg der Krefelder Straße. Maren huscht ein Lächeln übers Gesicht. Ich sage nichts. Verstehe ihren Blick zu deuten. Was hier passiert ist selbsterklärend. Eine ganze Stadt erwacht aus dem Fußballkoma, das seit Anfang dieser Saison endgültig nach sieben Spielzeiten Tristesse zu verschwinden scheint.20150207_132515 „Der TSV, der TSV, der TSV ist wieder da“ skandieren eine Handvoll schwarz-gelber Schalträger, die aus einer der Seitenstraßen dieser mittlerweile unüberschaubar großen Gruppe an Menschen bilden. Wie ein Sog werden sie zusammen gezogen. Schnell bekommt man Probleme in der Viererkonstellation zusammen zu bleiben. Völlig egal – hier geschieht gerade etwas lange nicht Dagewesenes. Der Tivoli wird wiederbelebt, der Mythos erwacht. Im Stadion angekommen wirkt alles etwas unkoordiniert. Die Anstehschlangen reichen bis zur Hauptverkehrsstraße.

Die Ordner und „Bodychecker“ sind der anströmenden Menschenmassen sichtlich überfordert. Am Würstchenstand sind interessanterweise sämtliche Preisschilder abgeklebt und mit neuen Aufschriften versehen. Oche, ich gönne es dir! Gerne zahle ich die bundesligakonformen 3 Euro für ne Brat und 3,50 fürs Bierchen 0,4. Wir gehen zu unseren Plätzen. Wir sitzen. Ok, wirklich nur der einzige Makel an diesem Tag. Die eingestaubten Sitzschalen auf der Gegengeraden deuten auf das Millionengrab Tivoli hin. Doch Schluss mit dem Quacksalber und Negativgeplänkel, heute ist Kaiserwetter! Heute steht der ewige West-Klassiker auf dem Programm: Oche empfängt Essen. Tivoli gegen Hafenstraße.20150207_131144 Frank Mill, „Ente“ Lippens und Helmut Rahn. Der Boss versteht sich. Erik Meijer, Willi Landgraf und Rainer Plaßhenrich. Meine Fresse, ist das Was? Geht mehr? Für Maren wohl kaum an diesem Tag. Aachen siegt in einem durchschnittlichem Spiel mit 1:0. Will ich den Jungs da unten aber auch nicht übelnehmen. Vor 30.313 Zuschauern haben wohl die Wenigsten von ihnen gespielt. Aber wen interessiert bitte das Spiel, geschweige denn der Verlauf, taktisches Verschieben, Umschaltspiel oder Gegenpressing? Ehrenrunde der Mannschaft ist Ehrensache.

Wir verschwinden nach kurzen Ovationen ebenfalls aus dem Stadion und Schlängeln uns in der Menschenschar durch die Stadt. Eines hat der Rück- mit dem Hinweg gemeinsam. Die Leute strahlen, Maren strahlt. Sie sagt nicht viel. Kein Typ für überschwängliche Emotionen. Trotzdem meine ich, pures Glück aus ihr heraussprießen zu sehen. Nur halt so innerlich. Als schreie ihr Herz mit aller Kraft: „Der TSV, der TSV, der TSV ist wieder da“.

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(Alemannia Aachen vs. Rot-Weiß Essen 1:0 (Behrens, 39. Min.); Sa. 07.02.2015, 14:00, 20. Spieltag, Regionalliga West)

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Fangen wir dieses Mal unten an. Ganz unten. „Der VfB sichtbar bemüht“ resümierten die Kanäle im Kollektiv. Jeder Kreisliga-Kicker weiß allerdings, dass die Bescheinigung des „Bemühtsein“ eben auch heißt: „Sie können es halt einfach nicht besser.“ 52% gewonnene Zweikämpfe, gut und schön. 100 Fehlpässe bei 270 Pässen insgesamt verweisen und beweisen schlichtweg Platz 18. Man stelle sich nur eine Relegation gegen Karlsruhe vor. Wer den Film „Ausnahmezustand“ kennt, weiß in etwa „…was das den Steuerzahler kosten würde!“. Zzzzzz. Wo wir gerade von südlichen Apokalypsen reden. Mein Gott, SC Freiburg. Ihr „bemüht“ euch ja wirklich immer und erntet seit Jahren richtigerweise Respekt und Anerkennung. Gegen den BVB kommt man jedoch um eine Diagnose nahe der Intensivstation nicht drum herum. Dortmund hingegen nach Wochen des Grauens flüssig, druckvoll und vor allem organisiert. Begriffe, die gegen Augsburg noch so fehl am Platz erschienen wie Horror-Flanken von Neven Subotic. Zum nächsten Heimendspiel kommen die Mainzer, die nicht so recht wissen, was da eigentlich gerade mit ihnen passiert. Mit nur einem Sieg in den letzten zehn Spielen fährt man eben nicht nach Europa, sondern ratzfatz nach Aalen. Die „Alte Dame“ überraschte dabei nicht nur die mitgereisten Anhänger mit konzentriertem Abwehrverhalten. Ja, meine Damen und Herren, von Hertha BSC ist die Rede! Solide in der Defensive, zweikampfstark im Mittelfeld und effektiv im Angriff. Und: es wird wieder gelacht. So richtig gelacht. Pal Dardei vorne weg. Eigentlich fehlt ihm nur noch ein strammgeiler Schnäuzer.

Stichwort „Europa“ ist plötzlich Stichwort „Werder“. Unglaublich, was dieses Viktor-Lutscher-Gespann aus dieser Truppe rausholt. Die letzten zwei Minuten gab es in Düsenjet-Lautstärke stehende Ovationen: „Der SVW ist wieder da!“ Ja man, das ist er. Dir gefällt das. Uns irgendwie auch. Deswegen ziehen wir vor Bremen einfach nur den Hut und ersparen uns „unflätige“ Kommentare über Roger Schmidt. Bleiben wir noch kurz im Norden. Hannover liegt in Niedersachsen. Ja, richtig, irgendwo da in der Mitte eben. Der HSV punktet maximal und das zu einem extrem wichtigen Zeitpunkt. Bayern auswärts und Gladbach daheim sind nicht gerade Sparringspartner. Das allerdings ist der momentane Nickname für Hoffenheim. Drei Spiele, drei Niederlagen – ein Rückrundenstart wie der Start der Challenger. Wolfsburg hingegen weiterhin mit Vollgasveranstaltungen. André Schürrle manchte indes, sagen wir mal, nicht die schlechteste aller Figuren. De Bruyne und er werden als Billy The Kid-Duett jedenfalls noch häufiger netzen, soviel steht fest. Jungs eben, die „einfach nur kicken wollen“. Dann wären da noch Köln und Paderborn. Stimmt, sie waren einfach nur „da“. Deswegen sind sie auch hier einfach nur kurz „da“. Möge Hennes VIII. uns diese verachtende Ignoranz verzeihen. Lieber noch kurz innen Pott. Unter Keller meinten die Knappen immer gerne man müsse gegen Gladbach selbst das Spiel machen. Lucien Favre fand das stets sehr belustigend. Di Matteo drehte den Spieß rum, rotierte, spielte defensiv, irgendwie unansehnlich und – erfolgreich! Ein Spiel für beinharte Taktikfetischisten und jene, die es werden wollen. Gehört eben auch dazu.

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2. und 3. Liga
Drei Punkte trennen den Zweiten vom Sechsten. Die Zwote bleibt Hitchcock. Gewinner dieses Spieltags sind ganz klar die Betze-Buben (Durchschnittsalter 23), die gegenüber den Braunschweigern einfach „reifer und abgeklärter“ waren. Ingolstadt gewinnt einfach immer weiter, während Red Bull im Schacht von Aue von ungeahnten David-Mentalitäten niedergerungen wird. In Hamburg muss man sich mit einem Remis in Sandhausen zufrieden geben. Wirklich viel Außergewöhnliches gibt´s nicht wirklich zu vermelden. In keinem Spiel schoss eine Mannschaft mehr als zwei Tore. Vielleicht aber gab es an diesem Wochenende auch Wichtigeres. Auch von uns, lieber Benjamin Köhler: Alle Kraft und gute Besserung!
Die Dritte zeigt nur ihre halbe Erotik. Ganze vier Spiele wurden abgesagt. Der Rest hatte es allerdings in sich. Ausgerechnet Rahn (das wollten wir schon immer mal wieder schreiben), ja AUSGERECHNET Johannes Rahn trifft gegen seinen Ex-Club Bielefeld beim 3:0 im Kölner Südstadion. 3:0 hieß es auch am Ende im Wedaustadion, wo Dennis Grote in sex geilen Minuten selbst zweimal lochte und eine Hütte vorbereitete. Doch kommen wir zum Derby. Im pickepackevollen Preußenstadion entscheidet Amaury Bischoff das Moped erst per Frei, dann per Strafstoß. Münster nun Spitzenreiter und schwer am Durchdrehen.

Sonstige/ International
Vorab: die Furche war live am Tivoli dabei. Bericht und Fotos dazu folgen! Deshalb von der Regionalliga in die große, weite Welt: nach 22 Elfmetern ist die Elfenbeinküste Afrika-Meister. Wie man sich da draußen wohl fühlt – siehe oben! Zapp to Spain: 4:0 für Atletico! Irre! Fulminant! Mandžukić! Ronaldo schafft nicht mal den Balljungen. Nach James und Ramos nun auch Khedira Auf Schalke nicht dabei. Manchester United trifft in der Nachspielzeit im Boleyn Ground und bleibt auf vier. Tottenham negiert Özils Treffer und siegt im North London Derby. Für Leicester hingegen wird es nach der 0:1-Pleite gegen Palace so langsam verflucht eng mit dem sogenannten „Anschlusshalten“. In Mailand kann Inter nach drei Niederlagen in Folge wieder einen Dreier einfahren – mit Shaqiri, ohne Podolski. Prognose: Köln! Früher oder später. Klose kickt in diesen Minuten und liegt mit zehn Mann gegen Genau hinten. Der Letzte Parma (9 Punkte) versucht sich am Mittwoch ein allerletztes Mal. Gegen den Drittletzten Chievo Verona (18 Punkte) wartet ein sogenanntes 9-Punkte-Spiel. In Frankreich verteidigt Lyon gegen Paris St. Germahimovic mit einem 1:1 die Tabellenführung, der Traditionsbacken FC Metz arbeitet mit Hochdruck an der Rückkehr in Liga zwei und Dimitar Berbatovs Monegassen schlagen sich in Guingamp mal wieder selbst. In der Schweiz kassieren die Grashopper im Clash of Titans gegen Basel ein sattes 2:4. Der 100-jährige Marco Streller trifft übrigens immer noch. Wir beenden die Runde hier mit dem Stadtderby aus Lissabon. 87 Minuten passierte da nämlich mal so rein gar nichts. Dann schweißt Sportings Jefferson das Ding ins kurze Eck. Hektik, Folklore, Brechstange – 93. Minute Ausgleich. Geschichten, die nur der Fußball…nein, kein Geld fürs Phrasenschwein, sorry. Ach übrigens, wer denkt, dass die Stadt Hamburg gerade schwere sportliche Zeiten durchmacht, sollte mal in Hamborn anrufen. Am Sonntag verloren der SV Hamborn 90 III mit 17:3, Westende Hamborn wurde mit 12:0 eingefettet und Hertha Hamborn ging mit 10:0 in die Knie. Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am…oh, gerade kassieren die Löwen in Unterzahl das 1:2 gegen Heidenheim. Prost!

 

Ruhe in Frieden, Udo!

Auch wir nehmen mit größtem Respekt Abschied von einem ganz Großen. Es ist schwierig in einem Nachruf zusammenzufassen, was Udo Lattek so besonders machte. Und weil ihm der Tod “scheiß egal” war (EXPRESS 2011), gibt es von unserer Seite ein 10 Jahre altes FAZ-Interview (http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/udo-lattek-im-interview-ich-teile-immer-noch-gern-aus-1214543-p2.html) “Aus dem Bauch heraus handeln kannst du nur, wenn du viel weißt, gut vorbereitet bist und alle Facetten durchgearbeitet hast. Die Mischung aus einem gesicherten Wissen und dem richtigen Gefühl hat es bei mir ausgemacht. Ich bin manchmal in Spielersitzungen gegangen und wußte noch gar nicht, wer am Samstag spielen sollte. Dann habe ich mir die Gesichter angeschaut und gesagt: “Du spielst”, wenn einer mich gerade angeguckt hat, und: “Du spielst nicht”, wenn einer sich verkrochen hat.”

Ruhe in Frieden, Udo!

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4:1! Die Bayern wie unter Erich Ribbeck. Hätte Loddar der Mannschaft gut getan? Vom größten Tiefpunkt seit Samy Kuffours Attentat an Oli Kahn ist die Rede. Gerüchten zufolge zersprang sogar das Glas in Rummenigges Uhren. In allen! Doch Hilfe naht – der Westen hat seine „uneingeschränkte Solidarität“ beteuert und schickt umgehend blau-weiße Bückstücke in die bayrische Landeshauptstadt. Kaum eine andere Gurkentruppe ließ sich dort in den letzten Jahren so oft so dermaßen hart von hinten nehmen wie die Erben Kuzorras. In das bereits völlig überfüllte Gelsenkirchener Lazarett gesellt sich nach dem 1:0-Arbeitssieg gegen Hannover nun auch noch Klaas-Jan Huntelaar, der sich kurz vor Spielende eine schwere Gehirnamputation zuzog. Realistischer Tipp: 9:2. Die „Wölfe“ hingegen strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. Trainer Hecking spricht gar von einem Traditionsverein. Der nächste Gegner heißt Eintracht Frankfurt, über die sich soviel voraussagen lässt wie…äh…über Nils Petersen. Ja, was macht der denn?! Schweißt der Junge einen lupenreinen Hattrick beisammen als gäbs bald kein Dreisamstadion mehr. Um diese Urgewalt zu stoppen bleibt Lucien Favre als Endlösung eigentlich nur die Reaktivierung von Joachim Stadler. Apropos Urgewalt. Was ist das eigentlich für ein Fußball, den dieser Raúl Bobadilla da spielt? Ein Körper wie Shrek und ein Laufstil wie Jens Jeremies – der FC Augsburg klopft mit seinem derbsten Sturmpunk völlig verdient an Europas Pforten. Nun geht´s tuff, tuff in den Kohlenpott.

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Dort soll Kloppos „Wagenburg“ (kicker) wieder zum Fort Knox des Ruhrgebiets werden: „Wenn ich zu großen Schritten nicht in der Lage bin, muss ich die kleinen machen.” So viel Philosophie und so wenig Punkte. Ein Sieg daheim ist daher trotzdem Pflicht, müssen seine „Jungs“ danach schließlich in die Höhle des Nils Petersen. Aber es geht immer noch schlimmer. Viel schlimmer. In Stuttgart heißt der gefährlichste Stürmer Georg Niedermeier. Nicht. Nie zuvor hat der Kommentatoren-Ausruf „Symptomatisch!“ das unfassbare Leid einer Mannschaft besser umschrieben. Zu steigern ist das nur noch durch einen „Offenbarungseid“, dessen Bedeutung im Fußballlexikon unter H wie HSV näher erläutert wird. Der Begriff „Stümper“ wurde indes entfernt. Die Würde des Heiko Westermann ist unantastbar. Beenden wir den Wahnsinn mit den schönen Toren des Lebens. Pünktlich zur 250. Sendung von „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ legt dieser Teufelskerl di Santo Dinger ins Netz wie früher nur Klaus Fischer. An der Weser scheint es nach duttschen Durchhalteparolen wirklich so etwas wie einen Plan zu geben. Viktor Skribnik schmunzelt jedenfalls. Schmunzelt wie ein Schelm. Und wenn ein Schelm anfängt zu schmunzeln, bedeutet es für die Gegner meist böse Haue. #Terence Hill #Nobody

(2. und 3. Liga steigen dann nächste Woche wieder mit ein, ebenso wie der Rest der Welt)

Journalistischer Offenbarungseid

“Sportschau”, du kannst uns mal. Kritik immer wichtig und ok, aber SEID IHR EIGENTLICH NOCH GANZ DICHT?! Eine “Dazwischen-Doku” im RTL-Style mit “unfassbarem” V-Mann Material, unterlegt mit Hans Zimmers “Batman”-Soundtrack. Ganz wichtig: dunkle Filter aufs Bild legen, eine XY-ungelöst-Stimme drunter legen und Innenminister Jäger damit “konfrontieren”. Und Gerhard Delling mitten drin im Kuckucksnest. Ein User schreibt: “Wallraff ist vor Neid erblasst wegen dieser journalistischen Meisterleistung!” Unterschreiben wir. Ein journalistischer Offenbarungseid.

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Rückrundenauftaktwahnsinn

Das wollten wir schon immer mal schreiben: “Hattrick von Nils Petersen!” Und Mainz hat wohl zu viel Crystal Meth-Tatorte geschaut. By the way: “Hunter” auch voll drauf, drunter, runter. Niedermeier hingegen klärt aus drei Metern in letzter Minute – einfach nur weltklasse! Wie einst der HSV! Total irrer Rückrundenstart, Freunde der Sonne! Den “Shortcut” dazu gibts dann heiß und wie immer fettig am Montag!

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Kreisliga-Trikots in Ghana

Eine Route von fast 5.000 Kilometern Luftlinie haben zwei Trikot-Sätze von Grün-Schwarz Cappenberg zurückgelegt auf dem Weg nach Busunu, einem Dorf im Norden des westafrikanischen Staates Ghana. Der mit 2.500 bis 3.000 Einwohnern fast ähnlich kleine Ort wie Cappenberg unterhält zwei Schulen, die jeweils durch einen staatlichen und einen kirchlichen Träger betrieben werden, und ist Heimat von vielen fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen. Schon mehrfach haben die Grün-Schwarzen dem „Ghana Aktionskreis“ der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes nicht mehr benötigte, gut erhaltene Fußballteam-Kleidung überlassen. Zwischen der Cappenberger Gemeinde und der katholischen Kirchengemeinde St. Peter Canisius in Busunu besteht schon seit 16 Jahren eine Partnerschaft.

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Diesmal begab sich die Lieferung im Herbst auf die lange Reise von Cappenberg nach Busunu. Dafür stellte GSCler Michael Schröer zunächst mit Platzwart Martin Wollenweber die Kluften-Pakete zusammen, die dann an den langjährigen Cappenberger Ghana-Freund Gerd Sennekamp überreicht wurden. Im November besuchte Busunus Pater Lazarus Zeledeme Annyereh die Stadt Selm, wo er unter anderem mit Mitgliedern des Aktionskreises wie Gerd Sennekamp und Alfons Rinschede in die Selmer Stadtverwaltung und zur Besichtigung der Stadtwerke und einer Abwasseranlage eingeladen war. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert seit dem Jahr 2007 in Busunu fünf Projekte mit dem Schwerpunkt regenerative Energien.

Neue Energie setzte sicher auch Pater Lazarus im Dorf zwischen den großen ghanaischen Städten Damongo und Tamale frei, als er nach seinem Besuch in Selm auch zwei Trikotsätze im Reisegepäck mit nach Busunu brachte. Zwei Mannschaften des Ortes mit Jugendlichen und jungen Männern erhielten diesmal die Lieferung des Cappenberger Fußballclubs. In den Vorjahren hatten die Textilspenden vor allem Kinder erreicht. Einen Wunsch allerdings konnte der GSC bislang leider noch nicht erfüllen: Die afrikanischen Fußballfreunde benötigen noch Tornetze. Vielleicht hilft hier für die nächste Lieferung auch ein Nachbarverein des GSC. Meldungen dazu gerne auch direkt an Gerd Sennekamp unter Tel. 02306/50033.

(via http://www.gsc-online.info)

Sätze der Bedeutungslosigkeit #5

1. “Ich habe die Weihnachtsfeiertage in London verbracht und habe tatsächlich auch jemanden in Glasgow besucht, das ist korrekt.” (Felix Magath, Globetrotter)
2. “Ohne Qualitätsspieler gewinnt man keine Titel.” (Roberto Mancini, Quantitätstrainer)
3. “Fünf gegen zwei” – di Santo ist dabei!” (kicker online like a Lyrikboss)
4. “Ich sage immer, dass man für einen Europapokalplatz als Verein pro Saison insgesamt 100 Millionen Euro Umsatz benötigt. Bei uns sind es momentan 80 Millionen – es fehlen also etwa 20.” (Martin Kind, Mathematikprofessor)
5. “Lukas twittert mehr, als er spielt.” (Lothar Matthäus, Spin-Doctor, Raumausstatter, Weltmeister)

Je suis 5!

Horst Seehofer sagt Ausländern nur „Willkommen“, die bereit sind, die deutsche Sprache zu lernen und beklatscht bald wieder Rafinha-Flanken. PEGIDA-Blindgänger, Pardon – Spaziergänger, bejubeln in ein paar Wochen wieder die Tore von Migranten.

In diesen Stunden fällt es schwer über Fußball zu schreiben, entschuldigt bitte. Uns bleibt nur jedem von euch einen klaren Verstand zu wünschen und ein Bewusstsein darüber, dass uneingeschränkte Demokratie den Sport in all seiner Vielfalt überhaupt erst möglich macht. JE SUIS CHARLIE!

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Tivoli reloaded!

Sportlich läuft es in Aachen wieder. Gut und schön. Doch abseits dessen bereitet es Freude, nach einer langen Periode voll braungetränkter Artikel eine positive Stimmung zu vernehmen. Vielleicht ist “Aufbruchstimmung” (noch) zu hoch gegriffen, doch wenn Spiele der vierten Liga einen Monat vor Kick Off knapp 16.000 verkaufte Tickets verzeichnen, gilt es den Daumen zu heben. 07.02.15, Tivoli: Alemannia vs. RWE. Mehr geht ja gar nicht.

http://www.reviersport.de/293996—aachen-rwe-regionalliga-zuschauerrekord-gebrochen.html

Blatter hat einen Herausforderer

Blatter hat plötzlich einen Gegner. Jener sagt ganz komische Sachen wie: “Die Schlagzeilen müssen dem Fußball, diesem schönen Sport gelten, nicht der Fifa.” oder “Das Spiel der Welt verdient ein Weltklasse Führungsorgan, ein Vorbild in Sachen Ethik, Transparenz und guter Führung.”
Wir sind kurz irritiert, lesen zwischen den Zeilen und stellen fest, dass es vielleicht spannend werden könnte.

–> http://www.nzz.ch/sport/fussball/ali-bin-al-hussein-will-das-fifa-praesidium-1.18455357

4. Geburtstag

Der 5. Januar ist für uns nicht irgendein Tag. Heute feiert die Furche ihren 4. Geburtstag! Wir danken allen treuen Abonnenten, all den anderen Bloggern und Unterstützern für so viel wunderbare Autarkie und wünschen euch allen auf diesem Wege ein astreines Jahr 2015! Wenn sich die Winterpause dem Ende neigt, sind wir auch wieder präsenter, frischer, früher am Ball!
Eure Furche

P.S. – Livestream Klose vs. Sampdoria (20:45): http://firstrowge.eu/…/3103…/1/watch-lazio-vs-sampdoria.html

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Hopppics: FC Groningen vs. PSV Eindhoven 1:1

ATTENTION PLEASE!

Es folgen Bilder aus Groningen. Bilder eines Gebäudes, in dem Fußball gespielt wird. Trotz intensiver Suche nach Bildhaftem sind es nicht viele. Der „Euroborg“-Komplex ist von außen betrachtet eine Art Pentagon für Fußballbanausen. Selbst aus hundert Meter Nähe ist es schwer auszumachen wo das heilige Grün liegt. Das liegt daran, dass es im gleichen „Haus“ zudem noch 6.000 m² Büroräume, 180 Appartements, 5.000 m² Supermarkt, 1.500 m² Gastronomie, 2.000 m² Kasino, 10 Kinosäalen, 8.500 m² College für 1300 Schüler sowie eine Parkgarage mit 1000 Einstellplätzen gibt. Vorsicht also. Es folgen Bilder aus Groningen. Einem Ort, der so perfekt ist, dass er als All-Inklusive-Kurzurlaub im Reisekatalog zu finden sein müsste. 100% Sitzplätze natürlich auch für all jene, die lieber stehen. 24€. Keine Ermäßigung inklusive.

1987: Soccermaster

Die Floppy Disk liegt in dreifacher Ausgabe in einer Plastikbox. Ende des Jahres wird aus dem Retro-Trio ein Quartett werden. Sorgfältig von Papierhüllen ummantelt, penibel archiviert. Staubfrei versteht sich, weit entfernt von Kellerregalen oder Dachböden. Feuchtigkeit oder Hitze sind der Tod jeder Diskettenfamilie. Noch wird die Familie größer, noch gibt es über zehn „nackte“ Disketten, die ihre je 664 freie Blöcke bzw. 166 KB dem jährlichen Kopierritual eines jeden Commodore 64-Fetischisten zur Verfügung stellen. Eine Opfergabe. Ein Tribut. An all die Ahnen, die nicht mehr leben, weil Mutti in irgendeinem Sommer der Neunziger die Jalousien hochzog und die grellen, heißen Sonnenstrahlen das schwarzmatte Plastik der 5,25er Disks zum Schmelzen brachten, während die “Generation Joystick” in der Schule kauerte und Kohl sich mit Gorbatschow noch in Hinterzimmern traf. Eine Überlebende aus jener Zeit ist Disc Nummer 412 mit den Spielen “Summer Games”, “Boulder Dash 1-3″ und “Soccermaster”. Allein diese drei Begriffe lösen bei C64-Ludolfs leidenschaftliche Orgasmen aus. Soccermaster aber öffnete für Fußballfans eine neue Dimension und wurde wegen seiner Geilheit und graphischen Unterwerfung zugleich einfach nur „SM“ genannt.

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Zunächst einmal ist es ein Ding. Ein echtes Ding, diese Diskette, die aussieht wie eine quadratisch, praktisch, gute Ritter-Sport für Satanisten. Pechschwarz, spindeldürr. Ein Ding, das man benutzen kann und keine Datei aus dem Internet oder ein Befehl zu einem Download ist. Das Ding schiebt man in einen Floppy, das Mutterschiff aller C64-Dinge. Erst dann kommt der Befehl: LOAD “SOCCERMASTER“ ,8,1. Es folgt eine Wartezeit von 124 Sekunden. Der Floppy röhrt dabei wie ein Uhrwerk, manchmal auch wie ein Staubsauger von Vorwerk. Je nach Tageslaune. Plötzlich eine Grafik vor rotem Hintergrund. Auf schwarzen Buchstaben wird dem Spieler der Vater dieses Fußball-Managers nähergebracht: Soccermaster written by Thorsten Wölki, 5. September 1987. Aha, es wird also noch geschrieben und nicht produced by. Von anonymen Chiffre wie „EA Sports“ (I´ts in the game!) ist noch keine Rede. Man weiß sofort, wer verantwortlich ist für den folgenden Scheiß oder Meilenstein. Romantik der Nerds.

Thorsten Wölki also, der Christoph Kolumbus der Fußball-Manager. Weitere 90 Sekunden Wartezeit folgen. In der Zwischenzeit fummelt man an zwei rot-runden Knöpfen herum und drückt einen Miniknüppel in alle Himmelsrichtungen. Standard während der Wartezeiten. Wohlwissend, dass dies keine Auswirkungen auf das Spiel nimmt. Keine Esc-Tasten oder plötzliche Windows-Fenster, die Thorsten Wölkis Namen demontieren, nein, keine Chance. Der Floppy ist nun in seinem Element. Er läd. Und läd. Kontamination ausgeschlossen. Ein Abbruch dieses Atomkraftwerks ist nur möglich durch das Trennen von sämtlichen Stromquellen. Man weiß nur, dass sich irgendwann ein neues, noch unbekanntes Bild öffnen wird und mit diesem hat man klarzukommen. Pixelpornoklassiker wie „Swedisch Erotica“ (1986) schmiss man also nur dann an, wenn wirklich und auf absehbar lange Zeit wirklich niemand im Haus war.

Die Triebwerke des Floppys verstummen. Es folgt das Auswählen eines Vereins der 1. Bundesliga. Waldhof Mannheim, FC Homburg oder Bayer Uerdingen – die Entscheidung fällt immer wieder schwer. Wer es sich wirklich hart besorgen will, wählt den FC Homburg aus. Nicht, weil dieser Verein mit seiner damals ersten Kondom-Werbung auf einem Trikot einen bundesweiten Skandal entfachte, sondern weil dessen Kicker in Soccermaster durchweg die Stufe „schwach“ bis „sehr schwach“ zugewiesen bekommen. Es dauert also ein paar Spiele (Tage, Wochen), bis man sich ins Mittelfeld der Tabelle retten kann. Dafür gibt es auch keine Cheats oder andere Umwege. Man kann auch nicht wählen zwischen irgendwelchen Schwierigkeitsstufen. Man muss mit dem klarkommen, was Thorsten Wölki geschrieben hat. Auch der Bekanntheitsgrad von Spielernamen hilft aus heutiger Sicht nicht wirklich weiter. Kauft man den damals 25-jährigen Lothar Matthäus, kauft man einen „schwachen“ Spieler für 220.000 DM. Englands Gary Lineker hingegen ist einer der ganz wenigen, denen Wölki einen „weltklasse“-Status zuweist. Dieses Chaos ist das SM-System und macht das Spiel so einzigartig. Man stelle sich vor, Lionel Messi würde beim neuen FIFA 2015 mit Spielerstärke 40 beim FC Sandhausen auf der Bank sitzen, während Tobias Werner nicht für Augsburg, sondern für Barcelona netzt wie früher nur Müllers Gerd. Ist Chaos eigentlich eine Eigenschaft für Kultspiele? Für SM ganz sicher.

Es dauert weitere Joystick-Moves in astronomischer Anzahl, bis der erste Spieltag beginnt. Wer aber jetzt denkt, dass beim Fußball das „Runde ins Eckige“ muss, ist auf dem Holzweg. Man sieht nämlich kein Tor und auch keinen Ball. Von Spielern und Publikum kann keine Rede sein. Stattdessen wird der komplette Spieltag aufgelistet. Nichts passiert. Fast nichts. Am unteren Bildschirmrand laufen mit digitalem Hochdruckbeschleuniger die 90 Spielminuten herunter. Bis man seinen FC Homburg überhaupt auf der Liste gefunden hat, steht es bereits 0:1. Torschütze: unbekannt. Zuschauerzahl: unbekannt. Ein –und Auswechslungen: nicht möglich.

Wenn die Uhr stehenbleibt, eröffnet sich nach einer gefühlvollen Rechtsbewegung mit dem Joystick die Team-Übersicht. Matthäus ist nach der 0:4-Klatsche nun „sehr schwach“, Hans-Peter Briegel bekam die Rote Karte („R“) und Rudi Völler ist, wie meistens bei dem Spiel, verletzt („V“). Achso, einen „früheren Spielstand laden“ um den Abstieg zu vermeiden, ist zu diesem Zeitpunkt der Game-History noch nicht möglich. Der Computer muss weiterlaufen. Tag und Nacht. Im Zimmer breitet sich dieser wunderbare Zockerduft aus und man hofft, dass der Floppy nicht abstürzt – oder Mutti in einem Anflug pädagogischen Wahnsinns den Stecker zieht. Am Ende steigt man ab. Mit Homburg oder Bayern München. Darum geht es.

HRp

Kopfball Goosen!

Kulturflanke vom Allerfeinsten: Zurzeit tourt Frank Goosen mit seinem Programm “Heimat, Fußball, Rockmusik” durchs Land. Am Donnerstag, den 20.11., tut er dies im Hannoveraner “Pavillon” um 20:00Uhr zum letzten Mal. Wer in der Nähe ist, sollte den VfL-Pöttler auf gar keinen Fall verpassen!