Im totalitären Red Bull-Staat

Ein Blick in die Welt von Red Bull: Servus TV wird im Juni eingestellt, 280 MitarbeiterInnen verlieren ihren Job. „Inzwischen gilt als offiziell, dass Mateschitz einen Ausraster hatte, weil ein Betriebsrat gegründet werden sollte.“

–> http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Angst-vor-einem-Betriebsrat-Aus-fuer-Servus-TV,servustv102.html

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Gut für alle Beteiligten

Man muss diesen Club nicht toll finden. Man muss auch Christian Streich nicht toll finden. Auch muss man nicht die Grünen wählen oder den Ex-Tabak von Volker Finke rauchen (Schwarzer Krauser!). Und doch ist eines Fakt: für den Fußball in Deutschland ist der SC Freiburg vielleicht der wichtigste Fels in der Brandung. Wo Geld schon immer fehlte, Jugend so viel Vertrauen genießt und das Unkoventionelle (immer mal wieder) siegt. Es tut einfach gut das zu sehen – und zwar nicht als Vereins- sondern als Fußballfan. Von Kiel bis Burghausen: GLÜCKWUNSCH!

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(Foto via www.fudder.de)

 

Einzelkritik Toni Kroos

Furche-Einzelkritik. Heute: T. Kroos (City vs. Real 0:0)

Reals Dirigenten merkte man im Aufbau das Fehlen seiner Ersten Geige Ronaldo an. Deshalb ohne Fixpunkt, offensiv so blass wie Nosferatu an guten Tagen. Seine Laufwege hingegen wie immer clever, ohne echte Tempowechsel, ein Jogger im Central Park, etwas angeschwitzt. In der ersten Halbzeit mit Modric so präsent wie Behle 1980, das Zentrum getränkt in weiße Leere. In Hälfte zwei dann auffälliger, seine Diagos und Schnittstellenmonster sezierten Citys Abwehr in chirurgischer Perfektion. Die Ecken nun gefährlich, plötzliches Tiki-Taka nie ohne ihn. Das macht ein gutes Pferd (hier: Dressur) eben aus – auch an weniger großen Tagen so ultrakonservativ Bälle zu sichern und zu verteilen wie Goldbarren im Fort Knox. 90. Minute ausgewechselt. Keine Ovationen.

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Elf des 31. Spieltags

Noch schnell die Elf des 31. Spieltags (von 2001). Wir sind uns noch nicht so ganz sicher, welches Finale diese Weltauswahl bestreiten würde. Wir wissen nur eines ganz sicher: ohne Kartenflut käme diese Truppe nicht ein einziges Mal aus! Alex Alves z.B. aus Prinzip immer wegen wiederholter Schwalbe.

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Sätze der Bedeutungslosigkeit #15

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1. „Ich weiß von nichts und wenn es kurz bevorstehen würde, dann würde ich es wissen.“ (Jannik Vestergaard, Hellseher)
2. „Letzte Woche war Djourou auch schon Thema, da haben aber ein paar Dinge noch nicht gepasst. Er ist für Freitag ein klares Thema, aber auch da müssen wir den Donnerstag abwarten.“ (Bruno Labbadia, Theoretiker)
3. „Ich sehe schwarz!“ (Uli Stein, Frankfurter Astrophysiker)
4. „Ancelotti hat mich angerufen und gesagt: ‚Massimo, bring den Klub in die Premier League und ich komme zu dir, denn der einzige Ort, an den ich zurück will, ist England.“ (Massimo Cellino, Besitzer von Leeds United live aus einem Pub)
5. „Wenn wir wirklich ein Top-Verein werden wollen, dann müssen die Verantwortlichen auch weiter etwas machen. Bisher wurde immer in den Kader investiert. Wenn das so bleibt, kann ich mir vorstellen, dass ich bleibe.“ (Luiz Gustavo, VW-Vorstand und Weltfußballer des Jahres)

Keine Relation

Nicht nur, dass man gegen Werder Bremen so wenig gebacken bekommt und Schwalben die einzige Lösung sind, nein. Man gratuliert sich dafür auch noch und klatscht ab. Doch so erbärmlich das für einen solchen Verein auch erscheint, so ist es ja nichts Neues.
Der wirkliche Unterschied zwischen Mannschaften wie Bayern und Bremen besteht viel mehr darin, dass ein Arturo Vidal solch ein Ding ohne Konsequenzen durchziehen kann und wird, während Spieler, die freiwillig und ehrlich zugeben sich absichtlich die 5. Gelbe Karte geholt zu haben, mit 20000€ Strafe versehen werden. Und jetzt alle: „Super Bayern, super Bayern, hey hey…!“

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Elf des 29. Spieltags

Die Elf des 29. Spieltags kann sich mehr als nur sehen lassen. Pizarro und Sand im Sturm zum Beispiel ist jetzt keine soo schlechte Variante für den unausweichlichen Weltpokalsieg. Und das Deisler-Herzog-Bastürk-Schnitzel liest sich 15 Jahre später ebenfalls wie 1x Zidane.

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R.I.P. Fußball

Am 26. Februar hatten wir für die mögliche Wahl Al Chalifas „etwas vorbereitet“. Dann wurde überraschend Gianni Infantino neuer FIFA-Präsident und das Runde Leder atmete trotz vieler Fragezeichen kurz auf. Heute müssen wir das Ganze leider aktualisieren und nehmen in tiefer Trauer Abschied.

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Tacheles zum x-ten “Weckruf”

Der 2:1-Anschlusstreffer durch Harry Kane war die bezeichnende Szene des Spiels. Eine kurze, schnelle Drehung reichte dem 22-Jährigen, um dann durch einen Beinschuss ins lange Eck zu treffen. Seine beiden Gegenspieler Müller und Özil führten dabei einen Synchrontanz vor, der eher an eine königliche Eskorte erinnerte als an einen Zweikampf. Das ganze zehn Meter vor dem eigenen Tor, wo selbst auf diesem Niveau das Tribünendach nie die schlechteste Lösung ist.

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Doch hatte man sich über dieses Laissez-faire schon während des gesamten Spiels echauffieren müssen, bekam man von Thomas Müller im späteren Interview noch einen Nachtritt, indem er klarstellte: „Wir konnten den Testspielcharakter irgendwie nicht abschütteln. Wir als Mannschaft sind nicht an die 100%, auch vom Einsatz, von der Aggressivität, rangekommen. Das ist leider nichts Neues, dass wir bei Testspielen nicht ganz so gut aussehen.“ Man darf fragen, was es also braucht für die richtige Einstellung. Der größte europäische Klassiker inklusive ausverkauftem Olympiastadion scheint das nötige Adrenalin und die richtige Einstellung nicht hervorrufen zu können. Auch Testspiele waren zwischen diesen beiden Nationen seit jeher von Prestige geprägt und stellten immer weit mehr dar als ein Trainigskick. Englands 5:1-Kantersieg in München inklusive Michael Owens Drei-Tore-Gala ist bis heute ebenso Thema im Pub wie Didi Hammans „Abrissbirne für Wembley“, die vielen Inselbewohnern immer noch den Magen umdreht.

Der Irritation nicht genug. Im Aktuellen Sportstudio spricht Löw das aus, was man als Zuschauer von Minute eins an gesehen und gefühlt hatte: „Wir hatten, selbst als wir 2:0 geführt haben, eigentlich kein gutes, dynamisches Spiel. Wir hatten auch nicht immer in diesem Spiel die Kontrolle.“ Nur fünf Minuten zuvor waren Gomez und Khedira, offensichtlich vom 2:0-Vorsprung geblendet, vom Gegenteil überzeugt. Wusste zunächst Gomez, dass man „bis zum 2:0 und auch die paar Minuten danach ein richtig, richtig gutes Spiel gemacht“ hat, war sich auch Khedira sicher „bis zum 2:0 vieles richtig gemacht“ gemacht zu haben. Offenbar ist es nicht nur ein Problem der Einstellung, sondern auch eines mit dem Realitätsempfinden eines Weltmeisters.

Doch dass Fußball nicht ausschließlich Kopfsache ist, wurde gestern ebenfalls bewiesen. Der 11 Freunde-Ticker brachte das 2:2 von James Vardy auf den Punkt: „Was für eine Bude! Ausrufezeichen! Und Jogi Löw? Bringt Lukas Podolski. Jeder wie er kann.“ Was sich hier so humorvoll anhört ist leider bittere Wahrheit. Die derzeitige Personalsituation im DFB-Team ist mehr als nur bedenklich. Wer das nicht wahrhaben will, dem empfehlen wir auch weiterhin unsere Tugenden, Turniermannschaftsgene und das 7:1 gegen Brasilien zu feiern. Es ist zwei Jahre her, basta. Wachwerden, schlandsche Couch-Potatoes!

Die EM-Qualifikation wurde mit Hängen und Würgen abgeschlossen und in Spielen gegen Polen, Irland und Georgien verwies man immer wieder gerne auf die mentale Schwierigkeit mit dem Umgang „kleinerer Gegner“. Doch England ist ein anderes Kaliber wie beispielsweise Schottland, weshalb auch die „Weckruf“-Phrase gestern so deplatziert wirkte wie André Schürrles Stellungsspiel beim 2:3. Wir gehen noch weiter und posaunen, dass es bei manchen Spielern für nicht mehr reicht.

Dass Jonas Hector ein guter linker Verteidiger ist, aber eben nur ein guter. Einer, der zwar ein solides Repertoire abruft, dass bestenfalls aber gut genug für die Gruppenphase ist, da er immense Probleme mit schnellen, an der Linie klebenden Gegenspielern hat und folglich die Abstände nicht halten kann. Dass Antonio Rüdiger noch Luft nach oben in der Entwicklung hat und diese auch atmen wird. Für die EM allerdings kommt der Auftritt von Beginn an zu früh. Das weiß übrigens auch die italienische Presse, die ihn regelmäßig wegen seinen Sekundenschläfen kritisiert. Dass André Schürrle wegen fehlender Spielpraxis und Spiellaune gerade ebenso wenig hilft wie Lukas Podolski, der bei Galatasaray zwar dauerhaft spielt, aber „Gala“ eben zurzeit auch ein Club ohne Anspruch ist und mit 22 Punkten Rückstand auf Besiktas auf Platz sechs einer Mittelklasse-Liga klebt. Auch will man Sebastian Rudy nichts Böses, aber ja, lassen wir das mit Hinblick auf die Bundesliga-Tabelle.

So weiß man außer mehr als bisher nur durchschnittlichen Auftritten über die deutsche Mannschaft nur zwei Dinge ganz sicher: der jetzige Kader ist einerseits zu schwach für den EM-Titel, andererseits sollten gestandene Spieler wie Thomas Müller ihre „Leichtigkeit des Seins“ besser ganz schnell ablegen und vielleicht auch den ein oder anderen coolen Spruch erst nach getaner Arbeit bringen.

Frohe Ostern!

Drei Nachrufe

Da legt man grippebedingt auch mal eine kurze Länderspielpause ein, da spielt Wolsburgs-Cincinnati Kid mit seinem Riesenriemen rum, da erntet Johannes Geis einen Shitstorm wegen seiner Begleitung und Bayern München hängt sich wohl an Romelu Lukakus Fersen (in unseren Augen der beste Stürmer der Insel). Doch das sind alles Nebengeräusche, lästiger Spam-Lärm aus aufgedunsenen Pressemeldungen inkl. Sport1-Videos aus der Newsletter-Hölle. Das alles ist so langweilig und belanglos. Und dann gibt es da die andere Fußballwelt. Wo es Spieler noch mit Fußballspielen in die Titelzeile schaffen, weil die Wahrheit immer noch auf dem Platz liegt. Da war Johan Cruyff Missionar, Künstler und König in einer Person. Nach allem, was wir die letzten Tage so im fiebrigen Gemüt gelesen haben (und lesen mussten), finden wir folgende drei Nachrufe am anschaulichsten. Ruhe in Frieden, ewige Nummer 14!

Elf des 27. Spieltags

Die Elf der 27. Spieltags hat es vor allem taktisch wirklich in sich. Sebastian als ‚Der Libero‘, Dietmar „Didi“ Kühbauer dirigiert die Raute und Flügelflitzer Michael Preetz schlägt butterweiche Bananenflanken, die er dann selbst einköpft. Insgesamt internationale Klasse! #‎elfdesspieltags2001‬

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Eine Schande!

„Widerwärtig, schändlich, skandalös“

– treffender kann eine Überschrift nicht sein. Wir ersparen uns an dieser Stelle aus Respekt vor den Erniedrigten jede Videofrequenz. Wie man da als halbwegs klar denkender Fan nicht einschreiten kann, ist uns ein Rätsel. Und soll bloß nicht jemand dahereiern und sagen, dass es nur einige Vollmänner gewesen seien. Eine einzige Schande ist das und nicht weniger!

-> http://www.kicker.de/news/fussball/chleague/startseite/647466/artikel_widerwaertig-schaendlich-skandaloes.html

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Der Nosferatu von ´66

“ […] Auch beim Turnier von 1966 in England herrschte oft „böser Fußball“, vorgetragen diesmal von den Tretern aus Argentinien und Uruguay. Zum Sinnbild des Bösen wurde allerdings der als „Staubsauger“ vor der Abwehr agierende Engländer Nobby Stiles. Das hatte auch mit seiner Spielweise, vor allem aber mit seinem Aussehen zu tun: Vor jedem Spiel legte der kurzsichtige „Giftzwerg“ (166 cm) sein Gebiss ab, um mit spitzen Schneidezähnen seinen Gegner ‚anzulächeln‘.“

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(aus: „Geheimnis Fußball – auf den Spuren eines Phänomens“, von Christoph Bausenwein. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2006. S. 131)

 

Fallrückzieher Okazaki

– 1:0 Leicester!

In Ihrem Sinne, Gary Lineker?
– „Etwas Außergewöhnliches passiert gerade. Etwas, das sich jeder Logik wiedersetzt. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie etwas im Sport mehr gewollt, als dass Leicester City Meister wird.

wdw

Rudi Vata, Fußballgott!

Die albanische Abwehrrakete Rudi Vata lässt uns einfach keine Ruhe. Also haben wir unsere vier Praktikanten den ganzen Tag im Archiv (Keller!) eingesperrt. Und siehe da, sind wir in einem 2001er Artikel der Berliner Zeitung fündig geworden: „Nach dem Sieg in der Hinrunde gegen Hansa Rostock absolvierte er eine Ehrenrunde mit seiner Hündin Nina auf den Schultern […] das fällt sogar Rudi Völler auf!“ –> http://www.berliner-zeitung.de/der-albaner-rudi-vata-ist-ei… (Danke, Praktikant Simon!)

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Elf des 26. Spieltags

Das Warten ein Ende: Sammy Kuffour und Victor Agali in der Elf des 26. Spieltags! Auch das Gespann Kovac-Borimirov wirbelt frisch wie Mettpaste durchs Mittelfeld. Ein Traum! „Mann des Tages“ war übrigens Bernd „Brazilian“ Schneider (allein wegen seines Ohrrings).

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Lückenvolle Aufklärung

Auf Seiten der Polizei ist es völlig normal geworden, Details in Pressemitteilungen einfach zu verschweigen, u.a. dass die „Fehlleitung der Fans durch die Polizei zusammen mit dem Schließen der Drehkreuze zu einer potenziell gefährliche Situation geführt“ hat. Sicherer sind da natürlich Pfefferspray und Schlagstock – für Fans, die wegen Fehlleitung fast den Anpfiff verpassten und im Zwinger gehalten wurden.

–>  Bericht Kickerhttp://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/647186/artikel_inakzeptabel_spurs-kritisieren-dortmunder-polizei.html

–> Bericht Guardianhttp://www.theguardian.com/football/2016/mar/11/tottenham-hotspur-police-borussia-dortmund-europa-league

–> Und so wird das ganze dann in der Titelzeile abgerundet: http://www.t-online.de/sport/fussball/europa-league/id_77230928/vor-bvb-spiel-tottenham-fans-attackieren-ordner.html

Die „Hollywood-Welt“ im Wortlaut

„Von einem ehrgeizigen, geradlinigen und korrekten Trainer erwarte ich, dass er diese Lizenzauflagen auch erfüllt. […] Das ist auch eine Frage ‘wie ordentlich bin ich und wie sehr bin ich bereit mich den Gesetzgebungen in Deutschland zu beugen‘. […] Wenn es mir dann nicht gelingt innerhalb von 1 ¼ Jahr diese Dinge nachzuholen, dann ist das auch ein Trauerspiel. […] Das war mir zunächst einmal recht peinlich, weil ich sowas überhaupt nicht für möglich gehalten habe. […] Ja, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit…hat mich natürlich in meinen Grundfesten erschüttert. […] Und ich kann sowas einfach nicht ignorieren, wenn ich in diesem Job dauerhaft und seriös wirken will und entsprechend gute Jobs mir abholen will – geht nicht! […] Der SC Paderborn, dem ich ja nun seit 18 Jahren vorstehen darf […], dass ich es nicht zulasse, dass diesem Verein ein unseriöser Anstrich verpasst wird, durch Einflüsse einer mir nicht so nahen Welt – einer Hollywood-Welt – die uns Paderbornern nicht so gut zu Gesicht steht. Das lehne ich ab, das möchte ich nicht. Ich möchte, dass der SC Paderborn der Verein bleibt, der er auch vor Herrn Effenberg war. […] Penis-Affäre über Führerschein-Entzug, fehlender Trainerschein. […] Das mussten wir uns einfach zugestehen, dass diese Symbiose „Effenberg-Paderborn“ nicht gelungen ist. Wenn man es als Fehler bezeichnen will…ja, im Nachhinein ein Fehler, weil einfach die Ergebnisse, die wir uns von dieser Zusammenarbeit erwartet haben nicht gekommen sind. […] Und wenn Sie noch ergänzend wissen wollen – mich hat die „Begleitmusik“ aus München (Effes Claudia; Anm. d. R.) auch nicht ständig erfreut.“

Wilfried Finke, 03.03.2016

Kommentar zum 11FREUNDE-Artikel „Was uns wichtig ist“

Ein User verlinkte den veröffentlichten Text mit dem einleitenden Satz: „11Freunde nimmt Stellung zu Hasskommentaren“. Genau darum geht es nicht. Das Magazin muss keine Stellung beziehen. Schon gar nicht zu dem Irrsinn, dass Fußball „nur“ Fußball und eben keine Politik sei.

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Fußball war und ist nämlich genau das: Sport, Kultur und Politik. Wer das nicht wahrhaben will, sollte sich dringend ein Geschichtsbuch zulegen. Unser geliebtes Rundes Leder wurde im Kaiserreich als „undeutsche Engländerei“ diffamiert, im Nationalsozialismus als arische Stärke instrumentalisiert, war im „100-Stunden-Krieg“ Auslöser von Gefechten zwischen Honduras und El Salvador mit 1200 Toten und wird heute als Werbeträger von seinen eigenen Verbänden benutzt und weggeworfen. Immer wieder auf das friedliche Miteinander hinzuweisen gehört deshalb in jede Kurve dieser Welt, in den Mund eines jeden mündigen Fans und erst recht auf die Tastatur von Journalisten.

Wenn ein Fußballmagazin wie 11Freunde wegen eines Posts angefeindet, beschimpft, ja gar bedroht wird, weil es ein „Refugees Welcome“-Banner von Werder Bremen Fans zeigt, sollten bei allen Journalisten, Bloggern und Redakteuren die Alarmglocken läuten. Das Magazin „nimmt keine Stellung“, sondern unterschreibt „Was uns wichtig ist“ im Namen aller MitarbeiterInnen und tut damit etwas, das definitiv „wichtig“ ist: es wehrt sich.

Selbst unser kleiner Blog steht regelmäßig vor der Frage, ob man auf die in Dummheit getränkten Mails oder Kommentare antworten oder diese doch besser direkt blocken, ignorieren oder löschen sollte. Letzterer Vorgang fällt nie leicht und stellt ein Paradoxon dar, steht man schließlich mit jeder veröffentlichen Zeile hinter dem Artikel 5 unseres Grundgesetzes. Mehr noch – man glaubt an ihn. Eine Meinung zu „löschen“ greift deshalb das Gewissen an. Immer. Doch handelt es sich hierbei nicht um Meinung, sondern um Hetze und Diffamierung.

Ein Beispiel: 2015 lief auf ARTE der Dreiteiler „Nordkurve“ an. Wir verlinkten den Trailer und wiesen auf den Sendetermin hin. Neben einem Mord handelt die Serie vor allem von privaten Problemen, die sich äquivalent zu denen in Verein und Fanszene verhalten. Unter anderem thematisiert das Drama, wie ein junger Fan an seiner Homosexualität fast zu Grunde geht. Es dauerte keine zehn Minuten nach Sendeausstrahlung bis zum ersten Kommentar („Was hat diese ganze Schwuchtelscheiße mit Fußball zu tun!?“) und keine zwanzig bis zum nächsten geistfreien Hieb („Wahrscheinlich seid ihr auch schwul, sonst würdet ihr so ein Schwachsinn nicht ankündigen“). Die „persönlichen Nachrichten“ mit den Usern führten in eine Richtung, die man eigentlich vor Gericht hätte weiterführen müssen.

Nun ist unser Blog in etwa so groß wie die Betreffzeile von 11Freunde. Man kann sich also in etwa vorstellen, was ein Magazin wie dieses (80.000er Auflage, 400.000 Abonnenten auf Facebook, 130.000 Follower bei Twitter) an Hasskommentaren und Drohungen aushalten muss. Daher gebührt es dem seit 2000 erscheinenden Blatt Respekt auszusprechen. Denn mit dem Artikel ist man im Hause Köster auch der Gewissheit entgegengetreten dem digitalen Mob eine weitere Breitseite anzubieten. Doch sagte man sich: Sollen sie doch. Sollen sie weiterhin versuchen unsere Zeilen und Bilder an den Pranger/ Galgen zu bringen. Egal.

11Freunde hat Haltung gezeigt und nur das zählt. Die Redaktion ist (endlich) eingesprungen für Fußball, Kultur, Politik – und für Menschen, die an die „universelle Sprache“ dieses Sports glauben.

hrp

P.S.: „NACHTRAG: Um 16:59 Uhr haben wir die Kommentare unter diesem Artikel abgeschaltet, weil es keine Diskussion zum Thema gab, sondern nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Beleidungen, Beschimpfungen und Drohungen. Danke an alle Leser, die versucht haben, dagegen zu halten und uns auch in unserer Meinung bestärkt haben.“ (11Freunde)

Sätze der Bedeutungslosigkeit #14

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1. „Ich hätte Huszti vielleicht nicht aufstellen dürfen, weil er die ganze Zeit krank war und Antibiotika bekommen hat.“ (könnte stimmen, Armin Veh)
2. „Der Vorteil ist, dass wir schon seit Jahren um unser Leben kämpfen.“ (Viktor Skribnik aka. John Connor)
3. „Bei den vielen Sitzungen der vergangenen Monate waren die Fragen zur WM 2006 nur ein Randthema.“ (den Ernst der Lage verstanden: Wolfgang Niersbach)
4. „Es ist der andere Fuß als im Herbst.“ (Bruno Labbadia, Arzt von Albin Ekdal)
5. „Im Unterbewusstsein ist es eine kleine Kopfsache.“ (Lasse Sobiech, Psychoanalytiker)

Die große FIFA-Story

Vielleicht hat ja der ein oder die andere von euch weder Sky noch Bock auf Bayern. Mit „Die große FIFA-Story“ bietet ARTE  eine Alternative an: Dienstag, 23. Februar um 20:15

Wiederholungen:
Do, 03.03. um 8:55 Uhr
Mo, 14.03. um 8:55 Uhr
Mi, 30.03. um 8:55 Uhr