Der Freund vom Kaiser

FOCUS, Dienstag, 09. Februar, 00.44 Uhr: “Im Skandal um die Vergabe der WM 2006 gibt es eine neue Entwicklung. Einem Medienbericht zufolge (???, Anm. d. Red.) hat der ehemalige Vizepräsident des WM-Organisationskommitees, Fedor Radmann, eine Zahlungsaufforderung des DFB bekommen. Der Freund von Franz Beckenbauer soll innerhalb von 20 Tagen 6,7 Millionen Euro an den Fußballbund überweisen.”

WIKIPEDIA, Dienstag, 09. Februar, 4:58 Uhr: “Ab 1979 arbeitete Radmann für Adidas in der Konzernabteilung Internationale Beziehungen […] Im Januar 2001 wurde er Vizepräsident des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Nach Kritik wegen eines möglichen Interessenkonflikts löste Radmann 2003 seinen Beratervertrag mit der Kirch-Gruppe auf und ließ den mit Adidas ruhen. Im Juni 2003 trat er dann von seinem Posten als Vizepräsident des Organisationskomitees zurück und wurde Berater des Präsidiums für Kunst und Kultur sowie Marketing und Tourismus. […] Radmann lebt mit Hauptwohnsitz in der Schweiz.”

FURCHE, Dienstag, 09. Februar, 5:01 Uhr: 6,7 Millionen Euro? Adidas? Kultur(veranstaltung)? Organisationskomitee? Schweiz? Ja gut, äh…”

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And Justice For All?

Was kann man sagen über Rainer Koch? Irgendwie so rein gar nichts, außer dass er Jurist ist und Richter war. Vielleicht ist es genau das, was eine Chance bietet, jedoch auch nicht mehr und nicht weniger. Denn so sehr die Augen und Ohren (gerne) offen sind für interne Verfahren, so deutlich dürfen auch seine Verantwortlichkeiten hinterfragt werden. Über zehn Jahre Kontrollausschuss UEFA und zwanzig Jahre DFB sind alles andere als ein Revolutionsnachweis. Denn Haus und Hof kennen ist das Eine, es gewissenlos anzünden das Andere. Doch klar ist auch: ehemalige Fußballer in Führungsfunktionen gab und gibt es beim DFB zuhauf. Vielleicht braucht es einen Paragraphenstreber ohne Ladentheke und Handschlagverträge. Vielleicht kann Koch das bieten. Vielleicht findet er ja zufällig 6,8 Millionen. Oder sogar Sklaven in Katar. Höchste Zeit wird es allemal.

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Nur der HSV!

04. FEBRUAR
“Er hat einfach über das Ziel hinausgeschossen.”
“Das passiert einfach mal.”
“Wir werden jetzt keinen am Galgen aufhängen.”
“Ivo hat sich bereits in der Kabine bei Michael entschuldigt. Das ist eine Grundvoraussetzung.”
“Ich rede morgen mit den beiden Spielern.”

05. FEBRUAR
“Labbadia wirft Ilicevic aus dem Kader.”

Tatort: Doppelpass

Ziel für dieses Wochenende muss sein, sich Samstagabend nach dem Dreier der eigenen Truppe so dermaßen ins Fußballjenseits zu ballern, dass man den sonntäglichen Warsteiner-Bitburger-Kia-Hasseröder-Volkswagen-Doppelpass auf Sport1 verschläft. Zu Gast: Til Schweiger. Dann lieber ausschlafen und um 17:30 Handball schauen, wo man irgendwie den Eindruck hat, dass die Beteiligten noch nicht den Verstand verloren haben.

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OOOOH!

Pöbelalarm 7:48Uhr. Livestream. Immer noch. Der Laptop röhrt so laut und verboten wie ein gottverdammtes Atomkraftwerk. NEWCASTLE JETS VS. PERTH GLORY. 1:1 nach 38 Minuten. Nur Diego Castro sagt einem was. Gijon und Getafe, Dauerbrenner, nie verletzt! Die ham 20 Grad übrigens. Ein müder Sommerkick also, ihr F*****! Ne Stimmung wie auf ner Beerdigung, niemand singt, weil….OOOOOH 1:2! Und wer macht es??? Castro, of course! Und das ist noch nicht einmal verdiiiiiient…meine Meinung. Man könnte nämlich….OOOOOH Platzverweis Nigel Boogaard! Ein Name wie Winnetou Koslowski! Fußball, du bist ein Teufelskerl! OOOOOH 1:3! Torschütze Daniel Mullen vom chinesischen Erstligisten Dalian Aerbin. Zudem 13facher U20-Nationalspieler. Abwehr. 185cm. HOHES BEIN!!!! 1:4.

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Endlich wieder Steffen Simon!

3625790257ENDLICH! HSV gegen Bayern, das ist Lasogga gegen Lewandowski 2016. Das war van der Vaart gegen Demichelis 2006, Ivanauskas gegen Helmer 1996, von Heesen gegen Pflügler 1986, Hidien gegen Rummenigge 1976 und Seeler gegen Müller 1966. Und wer könnte all die Anekdoten jener Klassiker, Gigantenduelle, Titanenkämpfe etc. pp besser erzählen als…? Gestern noch erhoben sich die Fankurven dieses Landes um den Untergang der Subjektivität/ Abgang Marcel Reifs zu feiern wie den Weltmeistertitel auf Crack, heute schon begrüßt sie Steffen Simon (“Die Iraner, das sind Südländer, da ist nicht alles perfekt organisiert!”) mit infantiler Fußballgeilheit und dem Phrasenpotpourri aus 21 Jahren ‘Doppelpass’. An dieser Stelle sind auch all jene zu begrüßen, die uns das „Sky-Abo“ empfehlen. Tzzzzzz. Warum macht man es nicht einfach wie auf der Insel? Warum nicht zwei Moderatoren? Warum stehen Scholl und Obdenhövel unten anstatt oben am Mikrofon zu sitzen? Das alte, klassische Modell: ein Ahnungsloser lässt sich von jemand mit Ahnung die Fußlümmelei erklären. Ein emotionaler Smalltalk, ein Schwätzchen unter Fußballliebhabern, nicht mehr, nicht weniger. Wir würden einfach nur Zeugen eines Fußballspiels sein, Zuschauer ohne Fremdschamattacke und Unterhaltungsaversion. ENDLICH!

Mentale Stammplatzgarantie

Was Pep damit meint bzw. Kalle verneint, kann uns Deutschen nur ein Rätsel sein. Im Gegensatz zu den Franzosen hat die “Mentalitätsgeschichte” in deutschen Universitäten nämlich bisher keine wissenschaftlichen Vertreter gefunden. Schließlich haben wir die Tugenden und so! Oder, Rudi Assauer?
– “Das Wort mental gab es in meiner aktiven Zeit als Fußballer gar nicht. Es gab nur eine Zahnpasta, die so hieß.”

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Scherz du Arschloch!

Von nem Umzug (Mindestlohn 8,50€/ Tonne) mit Maurerklase 0,5l auffem Weg nach Hause. Das Smartphone vibriert. Eilmeldung: “Krawalle in Köln. Polizei löst Pegida-Demonstration auf.” Auf der Couch angekommen, erstmal gucken was da wieder los is am Rhein. Liveticker, Livestream, nee, nix. Wildes Gezappe. Dann doch plötzlich mittendrin statt nur dabei: zwei Gruppen verfeindeter Männergruppen unterschiedlicher Herkunft liefern sich Faustschläge und Beschimpfungen. Der Kommentator erkennt darin den in der Szene bekannten (tippe auf Hells Angels) Matthias Scherz, den stadtbekannten Türsteher Andrij Woronin sowie Kevin Russell, Sänger der Band “Böhse Onkelz” (hier getarnt als “Jörg Neun”). Die Handlanger Chrissovalantis Anagnostou (bestimmt Grieche!) und “Ali” Albertz (bestimmt Syrer!) sollen ebenfalls in den Ausschreitungen zu erkennen sein. “Das Volk” schreit laut und treffsicher: “Scherz du Arschloch! Scherz du Arschloch!”. Das gefällt mir. Vielleicht weil ich dumm bin.

Hier geht´s zum Livestream–>http://video.sport1.de/video/rote-karten-fliegende-faeuste-rheinisches-derby-eskaliert__0_rhbzeyqa#.VpFo6UHHLZM.facebook

 

Vorsatz für 2016?

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‘Traditionalisten aller Länder, vereinigt…’ sorry nein, das hat der alte Marx nicht verdient. Doch betrachten wir rückblickend das Fußballjahr 2015, so ist das geliebte runde Leder nur noch mit einer Vereinigung aller Fankurven -und kulturen zu retten. Mit einer Revolution, einem Manifest vielleicht, das Mindestgehälter festlegt und ein Verbot von Vermarktung jeder Art ausspricht. Das klingt nach Utopia, mag sein. Doch andererseits gibt es bisher keine kollektive Antwort auf den Ausnahmezustand, in den sich der Fußball im Jahr 2015 hineinmanövriert hat.

Wir echauffieren uns über steigende Ticketpreise und bezahlen sie trotzdem. Wir heulen Flutlichtmast und 15:30 nach, kaufen aber Sky-Abos wie Toilettenpapier. Wir wollen von Gazprom, VW und Red Bull eigentlich nichts wissen, tolerieren sie aber aus Angst vor Wettbewerbsunfähigkeit. Und wenn uns der Protest doch einmal von der Couch holt und laut wird, gibt es ja immer noch Oberwachtmeister Dimpfelmoser aka. Rainer Wendt, der Nackstscanner „absolut richtig und vernünftig“ findet, „Stehplätze abschaffen“ und „Zäune erhöhen“ will und meint, dass man „die sogenannten Fanbetreuer […] von Zeit zu Zeit daran erinnern [sollte], auf welcher Seite sie stehen“, da sie „in zunehmenden Maße als Verharmloser“ auftreten. Wer diesen Themen gegenüber resistent ist, zieht sich eben 35 Minuten die Leiden des Wolfgang Niersbach oder die zukünftigen Fernsehgelder der Premier League rein.

Und selbst das bekommen wir Fußballnarren natürlich nur oberflächlich mit. Was inzwischen hinter den Kulissen abläuft, lässt sich nur erahnen, liest man in und zwischen den Zeilen, die Yves Eigenrauch dem “Kicker” entgegnete: „Im Fußball war und ist es leider auch so, dass man sich gegenseitig versucht, über den Tisch zu ziehen, und dass sich Spieler und Vorstandsleute profilieren wollen. Der Unterschied zu damals ist nur, dass das mittlerweile mit einer extremen Professionalität betrieben wird.“
In einer E-Mail monierte vor wenigen Tagen ein User, dass der Fußball „immer einen Weg gefunden“ habe und wir zu sehr „typisch traditionalistische Schwarzmalerei“ betreiben würden. Ehrlich gesagt fällt uns zum Komapatient Fußball im Augenblick kein Szenario ein, was schlimmer sein könnte.

In Katar sterben täglich Menschen auf Baustellen, nur damit wir uns wieder Helene Fischer in Autokorsos geben können. FIFA und UEFA kommen der Cosa Nostra gleich und der DFB, selbst einst mit erhobenen Fingern auf andere zeigend, repräsentiert mit seinem Kaiser keinen Verband, sondern die „Farm der Tiere“ nach George Orwell. Und wer es sich nicht hart, sondern eher romantisch besorgen will, kann sich ja Ralf Rangnick im Interview geben. Sprich, wir können gar nicht anders als flächendeckend das Hackebeil zu schwingen und diesem Katastrophenzustand bestenfalls mit Zitaten von Kabarettisten begegnen: „Es kann passieren, dass der Sinn des Fußballs in ein paar Jahren komplett darauf reduziert wird, Gelder aus Asien einzusammeln. Wenn dann die englische Liga um zwei Uhr nachts angepfiffen wird, weil das besser in die Planung des chinesischen Fernsehen passt, dann ist vielleicht der Punkt erreicht, an dem man sich mal für die rumänische Liga interessieren sollte.“* Vielleicht sollte Dieter Nuhr mehr über Fußball reden anstatt über…egal. Dem Fußballgott sei Dank sind jetzt endlich Hallenturniere. Da macht man wenigstens keinen Hehl daraus, dass es eigentlich gar nicht um Fußball geht. Es gibt nichts schön zu reden.

Grätscht gut ins neue Jahr!

Eure Furche

(*Hohenloher Zeitung, 31.12.2015; S. 25)

Sätze der Bedeutungslosigkeit #13

  1. “Das waren super Jungs, mit einem echt tollen Charakter. Da verliert man plötzlich nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde.” (Moritz Stoppelkamp, Überlebender)
  2. „Immer, wenn ich spiele, schaffe ich es, einige Spiele auf dem Platz zu stehen, doch dann verletze ich mich unglücklicherweise jedes Mal wieder.“ (Medhi Benatia, Analytiker)
  3. „Zu sagen, dies wäre ein guter Tag für die FIFA, ein guter Tag für den Fußball, wäre völlig falsch”. (S. Blatter, inzwischen auf Meth)
  4. „Ich habe noch einen Vertrag bis 2019 und ich bin glücklich hier. Alles andere regeln mein Papa und mein Berater.“ (in einer offenen Beziehung: Granit Xhaka)
  5. „Im September 1972 und im Mai 1976 wurde er Torschütze des Monats. Zudem ist Uli Hoeneß seit 1985 erfolgreicher Wurstwarenunternehmer. Zudem ist es Uli Hoeneß zu verdanken, dass wir 2001 keinen Bundestrainer bekommen hatten (haben; Anm. d. R.), der ein Drogenproblem hatte.“ (Jörn Christoph Ehlers, Verantwortlicher der Petition „Uli Hoeneß soll wieder Präsident beim FC Bayern werden“)

Europapokalflucht Teil 1

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd da sitzt man dann. Berlin-Schönefeld. Drei Grad. Drei Uhr. Man wartet auf eine Fluggesellschaft, die behauptet, sie könne einen in drei Stunden sicher nach Athen bringen. Für 21€. Man fragt sich, wo diese verfluchten Eulen sind, von denen alle immer reden. Nach bestandener Drogenkontrolle in einer H&M Umkleidekabine mit aufgezogenem Vorhang und Nacktscanner, wartet man mit kochendem Dosenbierwasser (4,50€) auf grauen, metallischen, extra nicht gepolsterten Sitzen. Abflug in drei Stunden. Ein junger Zwitter schlendert nervös mit seinem/ihrem Trolley vorbei und knickt bei jedem dritten Schritt in lila Pumps von einer Fliesenfuge in die andere. Zwei Erasmus-Studentinnen schießen ein paar Spiegelreflex-Selfies. Sie strahlen, schauspielern ein letztes Mal beste Freundschaft und glauben fest daran, etwas total Tolles erlebt zu haben. Es ist warm. Trockene Luft, welche Achseln und Stirn ins Schwitzen bringen, ohne dass man auch nur den Finger bewegt. An der Decke hängen Flachbildfernseher an umgedrehten Periscopen, die jedoch kein Land in Sicht, sondern Beate Zschäpe auf n-tv zeigen. Schnitt. „Holyfield tippt auf Klitschko“. Beitrag ohne Ton. Schnitt. „Frau stirbt bei Teufelsaustreibung“. Beitrag ohne Ton. Schnitt. „VW gibt Entwarnung“. Beitrag in Splitscreen ohne Ton. Linke Bildhälfte: Beate Künast. Rechte Bildhälfte der TV-Tagestipp: Dirty Dancing. Ich sage mir, dass 21€ ein durchaus fairer Preis sind, um aus Vietnam rauszukommen. Um 6:20Uhr öffnet das Gate. Eine Flughafen-Angestellte mit der Stimme von Roseanne sagt „Tschüss“, als wir an ihr vorbeigehen. Ich antworte: „Ja, Glück Auf!“. Sie: „Nee, Tschüss.“ Auf n-tv klettert die Afd im Osten auf 16%. Abflug. Drei Punkte. Oh Herr, Hauptsache drei Punkte. Und Walter Faber als Sitznachbar.

Bayern und die ARD

Es ist ja nicht so, dass man die ARD deshalb nicht mögen muss, weil sie sich zum hundertsten Mal für eine Live-Übertragung eines Bayern-Spiels entschieden hat. Das tut zwar weh, ist aber inzwischen Redaktionsroutine und gehört ins feste Repertoire des öffentlich-rechtlichen Irrsinns. Man könnte es gar nachvollziehen, wenn man Bayern gegen Darmstadt einer Partie wie Aue gegen Heidenheim vorzieht. Quote eben. Doch wenn am gleichen Tag ein Pokal-Klassiker zwischen Gladbach und Werder stattfindet und dieser eben nicht gezeigt wird, ist der Biss in die Fernbedienung so normal wie ein Bartels-Kommentar über die “individuelle Klasse” des Rekordmeisters. Denn wann können Bremer einmal ihre Mannschaft live im Ersten oder Zweiten sehen? Im Achtelfinale am Bökelberg wäre keine so schlechte Chance, sollte man meinen. Aber das ist alles egal inzwischen – und hat ein Verein mit derartiger Pokalhistorie wie Bremen einfach nicht verdient.

Und keine Bange, ARD: um die Quote kümmern sich schon die paar Gladbacher in ganz Deutschland.

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Tipps: stressfrei Fußball gucken

TIPPS: So können Sie als Fußballfan mit Risiko zum Herzinfarkt die Spiele von zu Hause aus gesund und munter genießen:

• Stress abbauen: Stehen Sie während des Spiels auf und gewinnen Sie dadurch räumlichen und emotionalen Abstand zum Fernsehgerät. Werfen Sie den Grill (im Wohnzimmer) für die Halbzeitpause an oder holen Sie Getränke aus dem Keller. (nur Nordhäuser Doppelkorn!)
• schauen Sie ein Spiel von Bayern München
• Ein mitreißender Spielkommentar heizt die Stimmung zusätzlich an. Stellen Sie deshalb zeitweise den Ton ab und masturbieren Sie bei Tiki-Taka um zu entspannen.
• Besonders in Zeiten großer Fußballereignisse sollten Medikamente (Cannabis) gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen regelmäßig eingenommen werden.
• Nehmen Sie sich zu Herzen, was viele Fans nur schwer akzeptieren können: Es ist nur ein Bayern-Spiel!
• Nutzen Sie die Modefan-Technik: Zeichnen Sie das Spiel auf, während Sie einer anderen Beschäftigung nachgehen. Hat Ihre Mannschaft gewonnen, können Sie danach in Ruhe genießen, hat sie verloren, löschen Sie kurzerhand die Aufnahme.
• schauen Sie ein Spiel von Bayern München

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Groundhopping B.A.

Die Furche musste kurz ins Trainingslager, ist aber jetzt wieder für euch da wie Flieges Jürgen. Falls wer Interesse beim Thema Groundhopping verspürt und des Lesens mächtig ist, kann uns gerne eine Mail (schottischefurche@yahoo.de) zukommen lassen. Sobald Trifon und Terry was durchgegeben haben in Sachen Spiel-Note, darf es rein rechtlich auch zu euch in die Kurve. (Sanktion der Fifa) Insgesamt ist es uns nämlich immer ” […] wichtig, in dieser Ausnahmesituation neue Beziehungsgeflechte aufzubauen!” (Robin Dutt, Küchenpsychologe)

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Die ARD-Spottschau!

Es reicht einfach nicht mehr aus, dass die Sportschau die Bayern inzwischen im letzten Beitrag manifestiert hat. Es muss eine Geschichte erzählt werden, eine Geschichte des Übermenschen. Es scheint inzwischen unmöglich, ein 4:0 schlichtweg sportlich zu kommentieren. Herausstechen muss vor allem die “Angst”, die jeder Gegner schon “ab der ersten Sekunde” hat, weshalb ein Fehlpass in Sekunde drei natürlich “symptomatisch” erscheint. Zornigers völlig sachliche Einschätzung in der PK vor dem Spiel in München, wird von der Sportschau als letzte Worte zwischen Mut und Angst aufgenommen. Vielleicht sollten sich alle Trainer in Zukunft vorab dafür entschuldigen, wenn sie den Wunsch nach einem Punktgewinn bei den Bayern äußern. Nein, es reicht einfach nicht aus, den Fußball der Bayern als weltklasse zu beurteilen. Das Ganze wirkt eben erst dann stärker und viel unterhaltender, wenn man den Gegner wie einen Kreisligisten darstellt und sich über dessen Hilflosigkeit lustig macht. Lasst es uns wissen, liebe ARD, sollte Steffen Simon irgendwann einmal neutral, d.h. den Unterschied zwischen Ironie und Respektlosigkeit verstehend, ein Spiel kommentieren. Bis dahin ziehen wir Infos und Spielzusammenfassungen besser aus eurem Teletext. Der schreit einen wenigstens nicht wie ein Zirkusdompteur an und der VfB Stuttgart behält sogar seine angemessene Würde.

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Schorsch Aigner deckt auf!

Wir können nur für uns sprechen und, dir lieber Schorsch, guten Gewissens zurufen: Wir verzeihen dir! Du wolltest nur das Beste für unser Land! Und es ist so beruhigend zu hören, dass der Franz (Lichtgestalt) der einzige ist, “der wirklich nichts, aber auch gar nichts damit zu hat”.

—> http://www.daserste.de/unterhaltung/comedy-satire/comedy-satire/videos/das-fifa-maerchen-fragen-an-schorsch-aigner-der-mann-der-franz-beckenbauer-war-100.html

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Zuschauerzahlen im Pott um 1930

Aus der Rubrik: muss man nicht wissen, muss man aber wissen! Zumindest, dass Köln-Sülz 07 heute 1. FC Köln heißt, Oliver Bierhoff und Jens Lehmann jeweils acht Jahre bei Schwarz-Weiß Essen gegen die Murmel traten und der VfR Mannheim Deutscher Meister 1949 war, muss man wissen.

(aus: Gehrmann, Siegfried. Fußball, Vereine, Politik: zur Sportgeschichte des Reviers 1900 – 1940. Reimar Hobbing GmbH Verlag, Essen 1988. S. 112)

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Hoppen ist (auch) Frauensache!

Wer denkt, dass Groundhopping “Männersache” sei, lacht wahrscheinlich auch Frauen aus, die kein Abseits erklären können – von der Couch aus, in Jogginghose und mit Sky-Abo.

(aus: Abenteuer Groundhopping. Wenn Fußballfans Stadien sammeln. Heinisch, Jörg. Agon Sportverlag. Kassel 2000. S. 153.)

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Von Gras und Ground

“In diesem Zusammenhang ist die unter Groundhoppern oft verwendete Metapher des „Grashüpfers“ nennenswert. Dabei sind die begriffliche Nähe zum „Stadionhüpfer“ und die inhaltliche Verbindung von Gras und Rasen (Spielfeld) weniger relevant. Vielmehr zielt der Vergleich auf die Eigenschaften einer Heuschrecke ab, die von einem Grashalm zum nächstgelegenen springt und im Folgenden eine Spur der Nahrungsaufnahme sichtbar wird. Hinzu kommt, dass Gras- und Stadionhüpfer eine Agenda der Einmaligkeit verbindet: das Abnagen des Grashalms ist gleichzusetzen mit dem Besuch eines Stadions, da die Benutzung beider Objekte zum unmittelbaren Verlust ihrer Attraktivität führt.”

Na dann, MAHLZEIT!

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Sätze der Bedeutungslosigkeit #12 Spezial

aus aktuellem Anlass:
1. “Unsere Innenverteidiger haben dieses Spiel [5x Lewandowski) nicht vergessen!” (D. Hecking)
2. “Die Bayern sind in Form, wir sind auch in Form!” (K. Allofs)
3. “Wir haben Qualität, das weiß Bayern München, das weiß Pep Guardiola.” (D. Hecking)
4. “Wir haben mehrmals bewiesen, dass wir mithalten können. Da sind keine Welten zwischen den Klubs.” (D.Hecking)
5. “Ich bin selbstbewusst zu sagen: Ja, lass sie kommen!” (D. Hecking)

Sportstudio: Alles außer Fußball

1qaq1Bei aller Sachlichkeit: dass das ‘aktuelle Sportstudio’ inzwischen nicht auf RTL läuft, ist mit gesundem Rezipientenverstand nicht mehr nachzuvollziehen. Man ist sich nicht ganz sicher, ob sich die Moderatoren und Moderatorinnen überhaupt noch ernsthaft auf die Studiogäste vorbereiten. Denn hinterher weiß man genauso viel wie vorher, der Gast hat in einem pseudolockeren Smalltalk achtzig Prozent Fragen beantwortet, zu denen er oder sie eigentlich gar nichts sagen kann, die 3D-Analyse des Abendspiels gleicht einem digitalen Reißbrett alkoholisierter Sportstudenten und die despektierlichen Fragen der rasenden Reporter in den Stadionkatakomben lösen ganze Salven von Fremdschamattacken auf der Wohnzimmercouch aus.

Und wenn man kurz durchatmet, weil Sven Voss trotz George Clooney-Grinsen wirklich, wirklich, wirklich keine News, Gerüchte oder Erdbeben erhaschen konnte, kommt Boris Büchler (“Wat woll’n se?!”) um die Ecke gegrätscht und tritt noch einmal in Richter Alexander Hold-Manier nach. Danach geht es zurück ins Studio zu Katrin Müller-Hohenstein und dem Ablesen oberflächlicher und totaaal witziger Twitter-Fragen, bevor dann endlich sinnlos auf die Torwand (wer nicht klatscht, wird erschossen) geballert werden kann. So ging es schlussendlich wieder einmal um alles im “Tatort” für Fußballgeschädigte – nur nicht um Fußball.

[P.S.: Noch eine abschließende Frage, Herr Gruschwitz: darf man die Trikots (maximal Größe XS – M), die den Zuschauern vor Sendebeginn übergestülpt werden, eigentlich hinterher, quasi als Schadenersatz für blutige Ohren, mit nach Hause nehmen?]