WM 2018: Stagnation des Kreativen

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„Wie man in Frankreich so sagt – eine Renaissance“ frohlockte Béla Réthy. Das war die WM wahrlich nicht. Aus fußballerischer Sicht hat das Turnier die Stagnation des Kreativen bestätigt, die schon bei der EM 2016 nur schwer zu ertragen war. Werbung für das „Spiel“ Fußball fand nur selten statt, Partien zwischen Belgien und Japan blieben die Ausnahme, Dramaturgie und Spannung fingen viel auf, was eigentlich die Off-Taste verdient gehabt hätte.

Das Finale hat dann noch einmal jenen Fußball bestätigt, der von Beginn an aufstieß und von chronischer Theatralik begleitet wurde. Schauspielerei und Arroganz mag man an Neymar festgemacht haben, wurden aber ebenso bei vielen anderen Darstellern mehr zu Tugend als Mittel zum Zweck. Das nervt nicht bloß in einer Spielsituation, sondern holt auch jene Zuschauer aus ihren Löchern, die sich den Fußball „von früher“ herbeisehnen. Schwalben wie die von Griezmann führen dann leider dazu, dass die Glückwünsche an diese großartige Fußballnation Frankreich eher bescheiden ausfallen.

„So ist Fußball“ heißt es dann gerne. „Die waren halt cleverer“ wird gerne hinzugefügt. Was zu diesen Mätzchen eigentlich gesagt werden sollte, fasste Béla Réthy in einem seiner wenigen Glücksmomente zusammen, als er Matuidis Gänsemarsch bei dessen Auswechslung als „peinlich“ kommentierte. Mit welcher Art Fußball ein Team Weltmeister wird, steht natürlich nicht zur Debatte. Was Rehhagels Griechen 2004 in Portugal bis zu ihrem Titel in Sachen Fußball anboten, tat den Augen auch nicht gerade gut. Fairplay musste deshalb trotzdem nicht an vierter oder fünfter Stelle stehen.

Der Videobeweis hat neue Freunde gefunden, aber auch Kritiker bestätigt. Mitverantwortlich ist dafür die weiterhin katastrophale Auslegung von Handspielen. Urs Meier manifestierte: „Entscheidend ist zuallererst, ob die Hand zum Ball geht oder der Ball zur Hand.“ Wie es nach dieser Auslegung bei Perišić‘ Handspiel zu einer „klaren Entscheidung“ kommen kann, ist rätselhaft und vor allem – entscheidend. Warum Pogbas mögliche Abseitsposition beim 1:0 nicht hinterfragt wird, obwohl er in die Situation aktiv eingreift und Mandžukić von hinten schiebt, ist ebenfalls nicht nachvollziehen. Die Liste positiver wie negativer Videobeweis-Auslegungen bleibt konstant lang. Fest steht nur, dass die Verantwortlichen der Bundesliga ihre Kladde nun voll mit Notizen haben müssten, was im Ligabetrieb besser laufen sollte. Und überhaupt deutscher Fußball: ach, egal.

Kommt alle gut raus aus der WM. Wir müssen Montag schließlich alle arbeiten.

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Eine Frage des Respekts

Wenn selbst ein gestandener Innenverteidiger das letzte überzeugende Spiel der Nationalmannschaft auf Herbst 2017 datiert, dann sagt das mehr aus, als Spieler-Noten aus drei Vorrunden-Partien zusammen. Dass Mats Hummels dies kurz nach Spielende eines vorangegangenen Offenbarungseides auf sachlich-nüchterne Weise und nicht in leidenschaftlicher Janusz-Gora-Manier vermittelte, zeugte davon, dass soeben keine überraschende Schande passiert, sondern das Ende eines schleichenden Prozesses zu sehen war.

Die Masse an Kritik, die auf das DFB-Team niederprasselte, war aufgrund des kollektiven Versagens in nahezu allen spielerischen wie mentalen Bereichen hingegen weniger überraschend und zudem berechtigt. Die Tonart aber, die von teils bekannten Einzelpersonen, einigen Medien und auf sozialen Plattformen angeschlagen wird, zeigt auf schauerliche Weise den gasförmigen Aggregatzustand keiner zivilen, sondern empathielosen Diskussionskultur. Darauf verwies auch Oliver Kahn, als er nach den schwachen Leistungen der Nationalelf im ZDF klarstellte: „Kritik sollte sich niemals gegen den Menschen richten.“

Genau das aber ist vor und während der WM auf einem Level geschehen, das in der Nachkriegseschichte des deutschen Fußballs seinesgleichen sucht. Dabei gab es genug sportliche Täler in Marianengraben-Tiefe, was im Zeitalter hilfloser Rumpelfüßler ab 1998 seinen Höhepunkt fand. Die damalige Kritik bezog sich jedoch primär auf den neandertalischen Libero-Fußball aus der Stube Erich Ribbecks oder den jahrelangen Winterschlaf in puncto Jugendarbeit. Carsten Ramelow und Co. wurden indes nie auf ihre nationale Identität geprüft, sondern schlimmstenfalls ob ihrer zeitweiligen Kreisklasse belächelt.

Gegen Davor Sûker und später dann Sergio Conceição sah Fußball-Deutschland ein: das eigene Personal hatte schlichtweg nicht mehr drauf. Und unrühmliche Vorfälle wurden zwar scharf kritisiert, führten aber nicht zu öffentlichen Diffamierungen oder gar Bedrohungen. Man stelle sich einmal vor, nicht Lukas Podolski hätte Michael Ballack 2009 während eines Länderspiels geohrfeigt, sondern Ilkay Gündogan. Man stelle sich einmal vor, nicht Stefan Effenberg hätte den eigenen Fans bei der WM in den USA den Mittelfinger gezeigt, sondern Mesut Özil. Ein Land am Rande des Nervenzusammenbruchs wäre das.

Die Verkommenheit, nämlich nicht auf sportliche Leistungen, sondern auf die Würde von Individuen zu zielen, ist längst nicht mehr nur bei hirnverbrannten Sauerkrautlern auszumachen. Umso mehr heißt es gerade jetzt den Mund gegen persönliche Attacken aufzumachen – auf der Arbeit, im Verein, auf der Straße, in Kommentaren, Leserbriefen oder via Flaschenpost darf diese abartige Masche keine Salonfähigkeit erfahren. Warum das so wichtig ist, zeigt eben nicht nur die haarsträubende Debatte um Özil und Gündogan.

Auch Joachim Löw wird nach dem WM-Aus in einer Form angegangen, die maßlos daneben ist. Ralf Mittmann titelt im Südkurier „Jogi Löw lebt im Gestern.“ Werner Kohlhoffs Leitartikel in der Saarbrücker Zeitung weiß via Titelzeile „was Angela Merkel besser gemacht hat als Löw“. Der General-Anzeiger hat Löw auf frischer Tat bei seiner „Flucht in den Urlaub“ ertappt. Was auf Facebook und Co. derweil passiert, bleibt hier aus FSK- und IQ-Gründen unerwähnt. Und als ob die tägliche Bild-Hetze nicht schon genug ist, schießt die FAZ den Vogel komplett ab, spricht Löw direkt mitsamt Kader an und verkündet, Zeuge einer „öffentlichen Leichenschau“ gewesen zu sein. Das meint das Blatt natürlich nicht selbst, sondern übersetzt nur das, was public viewing im amerikanischen Englisch tatsächlich bedeutet. Der totale Wahnsinn.

Joachim Löw wurde auch von unserer Feder in der Vergangenheit wie auch jetzt kritisiert. Jahrelange Platzhirsch-Hierarchie, fehlendes Leistungsprinzip oder verspätete Spielerwechsel standen dabei fortlaufend im Fokus. Der Erfolg gab Löw jedoch über Jahre recht. Der Weltmeister-Titel trug vor allem seine taktische Handschrift, die Bilanz von 108 Siegen in 165 Spielen ist zweifellos eine herausragende und macht ihn zu einen der ganz Großen seiner Gattung. Kritisiert werden darf und sollte trotzdem, so funktioniert Sport im Allgemeinen eben auch, doch macht bekanntlich der Ton die Musik – darin ist Löw übrigens ebenfalls vorbildhaft, indem er durchweg eine gesunde Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lockerheit findet.

Kritik sollte sich niemals gegen den Menschen richten, sagt Kahn. Ein richtiger und wichtiger Satz, der zu Besonnenheit und Respekt aufruft und an erster Stelle stehen sollte.

Sampaoli raus!1!11!!!

HOLA, PERROS CACHONDOS!

Wenn Argentinien gleich achtkantig aus der Vorrunde fliegt, lege ich mir, der große Fernando Furche, der nicht-nominierte Stürmerstar aus Córdoba, ein zweites Kilo Angus auf den Grill und lasse es mir gut geh’n. Leid tut mir nur mein Kumpel Paulo Dybala, einer der geilsten Kicker überhaupt und überragender Mann bei Juventus, der jetzt plötzlich die Kohlen aus dem Feuer holen soll. Ja Leute, der Gute schoss in 33 Ligaspielen 22 Tore und hat trotzdem bei diesem tätowierten Pseudo-Mini-me nie die Chance auf einen Stammplatz erhalten. Weil er anscheinend nicht ins System passt! „Es wird für Dybala schwierig sein, sich an unseren Stil zu gewöhnen“, hatte Sampaoli vor seiner endgültigen Nominierung für die WM posaunt. Welchen Stil meint dieser hilflose Seitenlinienkokser? Messi anspielen und sonst niemand? Freistöße für Messi rausschinden? Pff! Hätte Sampaoli das zu mir, dem großen Fernando Furche gesagt, wäre ich in Russland jeden Abend auf Partymeilen verschwunden und zwar so richtig. Mein Stil!

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Und überhaupt: dass ich schon nicht mit nach Russland durfte ist sicher ein Skandal, aber hey – Mauro Icardi? Meine Frau fragte mich jetzt, ob Sampaoli überhaupt einen Fernseher hat. Jedes Kind saß hier letzte Saison vor der Glotze, wenn Inter spielte. Inter! Da macht einer 29 Buden, holt sich die Torjägerkanone und darf nicht einmal mit zur WM fahren! Sampaoli, der ist ja wahnsinnig, komm schaff‘ den weg! Neulich noch mit meinem alten Buddy Hernan Crespo geplaudert. Der meinte: „Auf mich wirkt das so, dass Icardi keiner von Messis Freunden ist. Die Albiceleste besteht aus einem magischen Zirkel. Und da Icardi nicht zu diesem elitären Zirkel gehört, wird er auch nicht mit zur WM fahren.“

Leute, Leute, ich werd‘ nicht mehr. Wie kann ich den nur zu Hause lassen?! Man kann doch gar nicht zu viele Stürmer haben! Schaut euch zum Beispiel Deutschland an. Die würden sich über Icardi gerade mehr freuen als damals über Sean Dundee! Notfalls läuft man halt wie früher im 2-3-5-System auf, auch Schottische Furche genannt: Agüero – Higuain – Pavon – Icardi – Dybala. Bei dem Sturm würde sogar ich mich, der große Fernando Furche, brav und ohne Knurren auf die Bank fläzen. Sampaoli raus!1!11!!!

Saludos aus Córdoba,

Euer Fernando

Buffon im Tor, Duce im Wohnzimmer

Kramer gegen Kramer

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„Also Müller erstmal raus, also nicht, weil er schlecht gespielt hat.“ 

Es ist doch recht schleierhaft, warum ein noch aktiver Bundesligaspieler als WM-Experte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftritt. Allein dieser aktive Status führt unweigerlich dazu, dass eigentlich notwendige Kritik zu Taktik oder Leistung nicht ausgesprochen wird, ja gar nicht werden kann. Denn so platt es klingt: dafür sind Experten da. Es geht darum, per Analyse offensichtliche wie weniger offensichtliche Probleme und Stärken sichtbar zu machen. In welcher Qualität dies geschieht oder nicht, ist sicher ein anderes Thema.

Christoph Kramer war bis vor Kurzem noch im Kader der Nationalelf. Mit 27 Jahren kann sich das mit einer guten Saison bei Borussia Mönchengladbach durchaus wiederholen. Da ist es nur logisch, dass Kramer nach dem Abpfiff des ersten Gruppenspiels weniger die katastrophale deutsche Leistung, sondern vielmehr die starke mexikanische in den Vordergrund stellte. An Kritik im Detail ist folglich erst recht nicht zu denken.
Natürlich geht es nicht um die Person Christoph Kramer, wenn auch das Stillschweigen von Seiten Borussia Mönchengladbachs zu dieser TV-Rolle doch sehr überrascht. Es geht um die Frage, warum das ZDF so eine Lösung präferiert – und damit um die Qualität kritischer Berichterstattung. Geht es möglicherweise eben darum, sich gar nicht allzu kritisch äußern zu wollen? Es gibt ausreichend personelle Alternativen, die nicht mehr im „Geschäft“ sind und diesen Posten sachlich wie kritisch besetzen könnten – und nicht Mario Basler heißen. Dann käme es auch mit Oliver Kahn zu einem Dialog auf Augenhöhe und somit zu einer Konstellation, die im englischen Fernsehen zum Beispiel seit Jahren Gang und Gäbe ist, wo Lineker, Shearer, Ferdinand, Carragher und Co. eine Art Debattierclub halten. Eine adäquate Form der Diskussion also, die bei dieser WM im deutschen Fernsehen nicht stattfindet.

Kommentare gelöscht, weil…

Kommentare zu löschen gehört sicher nicht zu unseren liebsten Hobbys. Doch kommt es bei bestimmten Debatten (wie der um Baslers „toten Frosch“) zu Ausrufen, denen wir dann doch das Licht „ausknipsen“ (Marek Mintál). Natürlich können wir nicht so derart transparent daherkommen wie der DFB, doch möchten wir versuchen die Zensur von Kommentaren so zu handhaben, dass Artikel 5 des GG hier weiterhin und uneingeschränkt gilt.

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Unsere Begründungen zum Löschen von Kommentar

a) Das Osmanische Reich existierte nur bis 1922, lieber Steven Hübner. Wahrscheinlich (hoffentlich) ist auch Ihnen schon einmal beim Aufschlagen des Diercke Weltatlas in der Grundschule aufgefallen, dass die Metropole am Bosporus nicht mehr Konstantinopel, sondern inzwischen Istanbul heißt. Wenn Sie also der Meinung sind, dass wir Bock auf einen herrschenden Sultan haben, müssen wir Sie aus Aktualitätsgründen leider enttäuschen. Vielmehr dünkt uns, dass Sie dem Begriff „Reich“ vielleicht näherstehen als wir. Bei diesem Vorhaben wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Mit sportlichen Grüßen, Die Schottische Furche

b) Lieber Daniel Herbers, die Liebe zum Fußball fällt uns seither nicht mehr schwer, als wir das erste Mal Harry Koch am Elfmeterpunkt bestaunen durften. Da war der Drops sozusagen gelutscht. Solche Momente sollten Sie als Fan des SV Meppen ja bestens kennen, sodass Sie den Vorwurf der nicht vorhandenen Liebe zum Fußball doch sicher auch als persönliche Beleidigung empfinden würden. Zum Abschluss noch eine Frage unter „Deutschen Jungs“, wie es auf Ihrem Profilbild in altdeutscher Schrift zu lesen ist: Meinen Sie mit Ihrem anderen Schriftzug „Kategorie C“ jetzt die Naziband oder die Nazigruppe, der Sie angehören?

Über eine Antwort in Kommentar-Form würden wir uns sehr freuen, Die Schottische Furche

c) Lieber Tom Grieser, der Anilingus stellt eine orale Sexualpraktik dar, bei welcher der Anus, meist inklusive Dammregion, mit Lippen und Zunge stimuliert wird, und kann sowohl oberflächlich als auch durch Penetration des Anus mit der Zunge erfolgen. Die Analregion ist mit zahlreichen Nervenenden besetzt und gehört zu den erogenen Zonen vieler Menschen. Noch nie probiert? Da tun Sie uns leid. Ist der Wahnsinn!

Beste Grüße, die Sexperten der Schottischen Furche

Unsäglich und unerträglich

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Wir haben beschlossen die WM selbst nicht weiter zu kommentieren, da von unserer Seite aus über einen langen Zeitraum zu den Turnieren in Russland und Katar ausreichend Meinung geäußert wurde.
Womit wir aber kaum rechnen konnten ist, dass sich die wirkliche Grausamkeit dieser Weltmeisterschaft weniger in politischen Feldern, sondern in der Berichterstattung deutscher Medien ausdrückt. Allein das Thema Özil wird in einer derart ekelhaften wie inkompetenten Weise geführt, die man vor vier Jahren noch für unmöglich gehalten hätte. Die Tatsache, dass man einem Mann wie Mario Basler für seine unsäglichen Kommentare immer wieder das Mikrofon hinhält, offenbart die Erbärmlichkeit und die Gier nach Dreizeilern deutscher Medien im Allgemeinen.
Dass so ein Mann, von dessen dreißig Länderspielen nur eines Pflichtspielcharakter besaß (30 Minuten bei der WM 1994 gegen Bolivien), einem Weltmeister und 91-fachen Nationalspieler (23 Tore, 40 Torvorlagen) die Körperhaltung eines „toten Frosches“ bescheinigt und obendrein vorwirft in Brasilien „nichts zum WM-Titel beigetragen“ zu haben, ist schlichtweg ein Skandal. Wenn eines Deutschland gerade nicht braucht, dann sind das Stammtisch-Proleten wie Mario Basler. Es ist unerträglich zu sehen, wie solche (nämlich unverdienten) Ex-Nationalspieler den Mob gegen das eigene Team ohne auch nur einen Hauch von Respekt aufwiegeln. Wer sich auf solchen Mist auch noch alkoholgeschwängert zuprostet, hat weder Fußball, noch die WM verdient.

Populistische Doppelmoralisten

Der Aufschrei ist groß: Ilkay Gündogan und Mesut Özil posieren an der Seite von Recep Erdogan. Das ist für manch selbsternannten Demokratieverfechter zu viel. Die Pfeile deutscher Parteien ließen nicht lange auf sich warten und prasseln dabei mit einer populistischen Homogenität auf Özil und Gündogan ein, die nicht bloß beschämend ist, sondern auch viel über den peinlichen Zustand politischer Diskussionskultur in Deutschland aussagt.
AfD-Vize Alice Weidel hetzt, dass Özil und Gündoğan „am besten gleich ihr Glück in der türkischen Nationalmannschaft suchen“ sollten – eine Partei, die im Fall Deniz Yücel noch mit Erdogan paktierte, ist also plötzlich schwer empört. FDP-Politiker Oliver Luksic verlangt gar den Rücktritt beider Spieler, während Wolfgang Bosbach von der CDU beide daran erinnert, dass nicht Erdogan, sondern Steinmeier ihr Präsident sei. Den Adler aber schießt DFB-Präsident Reinhard Grindel ab, der harsch kritisierte, dass der DFB für Werte stünde, die „von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden“. Jener DFB, der in Chinas U20 gegen deutsche Regionalligisten „eine prima Sache“ sah und sich beim Thema Menschenrechte in Katar und Russland in Hinterzimmern versteckt, statt Alarm zu schlagen.
Erdoğans Wahlkampfmethoden sind zu Recht zu kritisieren, doch darf dabei nicht die Meinungsfreiheit eigener Staatsbürger attackiert werden. Das sollte auch für Spieler der Nationalelf gelten – auch und vor allem dann, wenn sie einmal nicht in Imagevideos des DFB auftreten.

Betreff: Fortuna-Fahne in der Euro League

Wir möchten uns an dieser Stelle kurz zu einem Beitrag äußern, den wir während des Champions-League-Spiels Arsenal gegen Atlético auf Facebook veröffentlichten und nach Spielschluss wieder löschten. Dieser Beitrag zeigte ein Bild, auf dem im Fanblock der Colchoneros eine Fahne von Fortuna Düsseldorf zu sehen war. Kurz nach Spielende bekamen wir einige Nachrichten von euch, welche uns sehr sachlich auf die Zusammenhänge diverser Fan-Gruppierungen beider Clubs aufmerksam machten. Vordergründig betraf dies das freundschaftliche Verhältnis zwischen den „Bushwhackers“ aus Düsseldorf und „Frente Atlético“ – beide bekannt für ihre neonazistische Haltung. Vor allem Letztere rückten 2014 in die Öffentlichkeit, als Frente-Mitglieder wegen der Ermordung eines linken Ultra-Fans von Deportivo La Coruña verurteilt wurden. Die Solidarisierung der „Bushwhackers“ ließ damals nicht lange auf sich warten: Im Fortuna-Block hingen sie eine Banner auf, welches die Freilassung ihrer madrilenischen „Kameraden“ forderte – nur eine von zahlreichen Aktionen.

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Wir möchten an dieser Stelle vor allem denjenigen danken, die aufmerksam solche Strömungen wahrnehmen und uns diese dann auch mitteilen. Auch wir können nur auf unser inneres Archiv zurückgreifen, wo in der hintersten Ecke vielleicht der Name des nordkoreanischen Spielers wartet, der bei der WM 1966 den Siegtreffer gegen Italien erzielte. Oder was sich genau im Fußballkrieg zwischen zwischen Honduras und El Salvador im Jahr 1969 abspielte. Ja, das wissen wir. Doch alles können wir nicht wissen – zum Beispiel sämtliche Koexistenzen rechter Volldeppen weltweit. Daher – uns eingeschlossen – nicht alle Bilder auf der Couch mit 0,5 Liter durchwinken, sondern sie weitsichtig wie besonnen hinterfragen. Nazis raus aus den Stadien – so und nicht anders.

Eure Furche

 

Hopppics: SF Lotte vs. Chemnitzer FC 3:1

3. Liga, 24.03.18, 14 Uhr, 31. Spieltag, Frimo Stadion: 2312 Zuschauer (Kapazität: 10.059 Plätze)

Acker, Autobahn, Acker, auch nette Leute. Unbedingt vorher bei Heidi’s Bratpfanne vorbeischauen. Ordentlich gezapftes Veltins, astreine Currywurst Pommes, top aufgelegte Besitzerin mit der nötigen Lockerheit für Fußballfans. Ein Spiel wie ein SAW-Teil mit Kellergespenst. Gästefans nach Fehlentscheidungen komplett durchgedreht, erst nah am Platzssturm, dann weit vom Klassenerhalt. Highlight Stadionsprecher: „Liebe Leute, es ist doch nur ein Spiel!“ Noch besser war nur sein Einstieg vor der Partie: „Unsere Mannschaft spielt dann gegen den TuS Erndtebrück im Fauxpas-Halbfinale des Westfalenpokals“. Nur so Dinger. Weitermachen.

„Leute, wie kaputt kann man eigentlich sein?“

Hopppics: Slavia Prag vs. Sigma Olmütz

Hopppics: Olympia Prag vs. FK Trinec 0:0

Hopppics: Dukla Prag vs. Vysonica Jihlava 1:3

Vom Grenzgänger zur Statue

Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon wird 40 Jahre alt

Als 1997 ein junger Lulatsch mit schwarzen, gegelten Haaren plötzlich das Tor der stolzen italienischen Fußballnation hüten sollte, trauten viele Menschen vor den TV-Geräten ihren Augen nicht. Warum nur trug dieser schmächtige Kerl kurze Hose und kurzes Trikot? Abgesehen davon, dass Torwarte seit über hundert Jahren lange Kleider trugen, fand das Spiel obendrein Ende Oktober statt – in Moskau. Auf dem russischen Rübenacker mit einem Hauch von Schneelawine lief die 33. Spielminute, als Italiens etatmäßiger Torwart Gianluca Pagliuca schmerzverzerrt vom Platz hinkte. Für ihn kam: Gianluigi Buffon. Erst zwanzig Jahre später sollte „Gigi“ diesen Platz wieder räumen – als einer der Größten in der Geschichte des Fußballs.

Zwischen Jahrhunderttalent und Tölpel

Dabei hatte Buffon in seinen Anfangsjahren als Profi besonders abseits des Platzes Startschwierigkeiten, was vor allem an den Versuchen einer prolligen Außendarstellung zu beobachten war. Bei „Gigi“ ging dieser Versuch jedoch ordentlich daneben, als er darauf pochte, die Trikotnummer 88 auf seinem Rücken zu tragen. „Weil sie vier Eier hat“, wie er damals meinte. Und die bräuchte man schließlich im Fußball. Dass die 88 als rechtsradikales Schlüsselsymbol gilt und für „Heil Hitler“ steht, wusste er nach eigener Aussage nicht und setzte dem ganzen Skandal noch eine Krone auf: „Das können doch echt nur Nazis wissen!“ 2001 musste Buffon 6300 Euro zahlen, weil er sich in Parma mit einem gefälschten Abiturzeugnis zum Jura-Studium eingeschrieben hatte. So war der junge Gigi, irgendwo zwischen Jahrhunderttalent und Tölpel.

Doch im Gegensatz zu anderen Skandalnudeln der Branche überragte sein sportliches Können alles und Juventus Turin ließ sich diese Qualität im gleichen Jahr 53 Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: Zehn Jahre später überwies Bayern München 30 Millionen Euro für Manuel Neuer an Schalke 04. Bis heute wurde nie wieder eine höhere Summe für einen Torwart bezahlt, als die für Buffon. Nach 220 Spielen für den AC Parma, sollten bis heute 638 für Juventus folgen, die ihm alle nur erdenklichen Gewinne und Preise einbrachten. Fünf Mal wurde er zum Welttorhüter gekürt, vier nationale Pokalsiege und acht italienische Meistertitel reihen sich neben dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2006 ein. Nur den „Henkelpott“ der Champions League konnte er trotz dreimaliger Finalteilnahme nie in seinen Händen halten. Doch es waren nicht bloß Titel, die Buffon zur heutigen Galionsfigur aufstiegen ließen, sondern immer auch seine Gesten des Anstands.

In kurzer Hose auf weißem Marmor

Besonders in Augenblicken des Sieges verkörpert Buffon stets den professionellen Sportsmann par excellence. Immer fair und respektvoll gegenüber dem Gegner, Selbstkritik gepaart mit Optimismus, ehrgeizig und doch realistisch: neben den Erfolgen werden sich Fußballfans weltweit eben an diese Eigenschaften seiner Karriere erinnern. Daran, wie das italienische Publikum beim entscheidenden Qualifikationsspiel während der schwedischen Hymne zum gellenden Pfeifkonzert ausholte und Buffon sich gestikulierend und demonstrativ klatschend dagegenstellte. Daran, wie er Juventus nach dem Manipulationsskandal 2006 die Treue hielt und den schweren Weg des Zwangsabstiegs in Liga zwei mitging. Daran, wie er nach über 170 Länderspielen und verpasster WM-Qualifikation auf dem Spielfeld Wasserfälle weinte wie ein trauriger Junge. Und an den vierfachen Vater, der das Familienleben aus der an Boulevardblättern nicht armen italienischen Presselandschaft heraushielt.

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Mit nun vierzig Jahren neigt sich Buffons sportliche Karriere dem Ende, bei Juventus verfolgt er die Spiele vermehrt von der Ersatzbank aus. Eine Karriere, die als pubertärer Grenzgänger begann und als bedeutende Persönlichkeit des Sports enden wird. Für eine Statue sollte es jedenfalls reichen. Schließlich erblickte Buffon in Carrara, der Stadt des berühmten weißen Marmors, aus dem Michelangelo einst seinen David erschuf, das Licht der Welt. Keine schlechten Voraussetzungen für ewiges Dasein – natürlich in kurzer Hose und kurzem Trikot.

Heiko Rothenpieler

 

Rekordausländer, der

Zielscheibe von Ultras

Hopppics: Wormatia Worms vs. SV Elversberg 1:0

Hopppics: Grays Athletic vs. Potters Bar Town 1:3

Non League Div One, Isthmian North (8. Liga), 11.10.17, 5. Spieltag

Wer Operationssäle mag, wird das neue Stadion von Aveley lieben. In diesen sterilen Neubau eines ortsansässigen Mäzen muss Grays Athletic für eine Saison umziehen, da deren eigentliche Spielstätte grundsaniert wird. Was soll man über das Stadion erzählen? Es gibt nichts zu erzählen. Während die Fußballer einlaufen, gymnastiken Mittvierzige unter Diskolicht im Vereinsheim, auf mehreren Flachbildschirmen läuft Werbung im Loop-Modus und Toiletten so „sauber und auf Hochglanz, dass sogar die Jungfrau Maria sich freuen würde hier einzufliegen und ihren Haufen zu setzen“. Richtig Horrorshow eben. Aber seht selbst:

Hopppics: Arminia Hannover vs. BV Cloppenburg 1:2

Holland raus, Skibbe weiter und so…

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Während wir Ebenezer Ofori vom VfB und Daniel Opare vom FCA bei einer Vuvuzela-Schlacht auf grünem Geläuf in Uganda anfeuern (siehe 4K-Bild), klären wir für euch alle offenen Fragen und Gruppen mit nackten Tatsachen:

GRUPPE A: Nachdem die Türkei und Österreich bereits mit weißen Fahnen vom Reisebüro wieder auf die heimische Couch unterwegs sind, wird heute Niederlande aus purer Solidarität in Weißrussland nach zwei Treffern von Daley Blind nur 1:1 spielen. Gleichzeitig wird Schweden über Luxemburg hinwegfegen und Frankreich glanzlos aber solide in Bulgarien den Dreier einfahren. Robben, Sneijder und Dost treten danach aus der Elftal zurück, Dick Advocaat bleibt und baut um Rafael van der Vaart ein neues Team auf. Weil der Drops dann in Gruppe A gelutscht ist, treten die Niederländer im letzten Spiel am Dienstag gegen Schweden mit einer Rumpftruppe an und verlieren in der Amsterdam-Arena wie 1978 beim Abschiedsspiel von Johan Cruyff mit 0:8. (Google: Die Schande von Amsterdam)

GRUPPE B: Das ist einfach. Haris Seferovic bombt die Schweiz als Primus zu Putin, Portugal wird Zweiter und trifft in der K.O.-Runde auf Italien. Ciro Immobile mit einem Dreierpack im Hinspiel und Cristiano Ronaldo mit Knie-Verletzung und Tränen-Drama im Rückspiel beenden alle Träume des amtierenden Europameisters.

GRUPPE C: Antonio Rukavina entscheidet das letzte Spiel seiner Serben gegen Georgien mit einem Sololauf und grüßt von Platz eins. In einer Form häuslicher Gewalt treffen sich Wales und Irland in cardiff’schen Wohnzimmer zum Shootout um Silber. Schwer zu sagen, ganz ehrlich, da müssen Sie den Trainer fragen. Klar ist: „Das wird europäische Weltklasse!“ (Felix Magath)

GRUPPE D wie Deutschland.

GRUPPE E: Wo Polen gerade Spitzenreiter ist. Dies wird sich aber ändern, weil Montenegro am Sonntag in Warschau mit 1:0 gewinnt und Dänemark mit einem 3:0-Sturmlauf (3x Niklas Bendtner) gegen Rumänien mit dem besseren Torverhältnis direkt zur WM fährt. Polen clasht sich dann mit Nordirland und muss wegen eines 30-Meter-Hammers von Will Griggs nach einem torlosen Hinspiel die Flugtickets stornieren.

GRUPPE F: Auch hier alles klar. England bereits weiter, Schottland verliert morgen in Slowenien Platz zwei, kommt aber mit zwei gebraveharten Siegen gegen überhebliche Kroaten in der K.O.-Runde weiter. Muss man kein Experte für sein, bettet man drauf.

GRUPPE G: Spanien und das unvereinigte Katalonien haben schon gebucht. Italien knapp dahinter, aber eben dahinter. Den Rest regelt Immobile (siehe Gruppe B). Wirklich toll ist, dass Liechtenstein im letzten Match gegen Mazedonien sein zweites Tor in der Quali schießt und glorreich den ersten Punkt einfährt. Glückwunsch schonmal!

GRUPPE H: Lukaku und Co. im Schongang und 35 Buden irgendwo längst da draußen. Gelangweilt treffen sie dabei heute auf umherlaufende Boys aus Bosnien-Herzegowina und drücken Edin und Sead auf Platz drei. Warum? Weil Skibbes Michael mit seinen Griechen natürlich gegen Zypern und Gibraltar gewinnt und dann bei der WM Gruppengegner von Deutschland wird. Geschichten, die nur der Fußball schreiiiii aaah!

GRUPPE I: Island wird Kosovo einfach überlaufen, da brennt nichts mehr an in Walhalla. Auf Augenhöhe treffen sich am Montag noch Ukraine und Kroatien. Kroatien ergaunert sich ein 1:1, kommt aufgrund des besseren Torverhältnisses weiter, trifft dann aber auf Schottland. (siehe Gruppe F) Davor Šuker weitet danach seine korrupten Ämter aus und übernimmt fortan als Spielertrainer.

Argentinische Leere

3:27 Uhr, ARGENTINIEN vs. PERU. La Bombonera, das berühmteste Stadion der Welt, 49.000 Zuschauer. Zweikämpfe an der Eckfahne erkennt man nicht, weil sich die Zuschauer wie anfahrende Skispringer nach vorne und damit vor die Kamera legen. Und da passiert es schon wieder: Otamendi gegen Guerrero. Das ist wie bei zwei Knastbrüdern, die jeden Freigang nutzen, um dem anderen einen Schraubenzieher in die Rippen zu rammen. Ángel Di María hingegen fällt und fällt und weint, steht wieder auf, fällt wieder und ja, dann läuft er kurz, fällt dann aber wieder. Draußen rumpelstilzt Argentiniens Trainer Luis Sampaoli aka Mini-Me auf alles, was gegen seine wild umherlaufenden Untertanen gepfiffen wird. Messi hier, Messi da, Messi überall. Verliert er den Ball, ist das argentinische Spiel tot, nichts hat sich geändert. Wo ist nur Javier Pinola, wenn man ihn braucht?!

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Drei richtig gute Torchancen für La albiceleste, die aber mit den Skills von Kreisliga-Tretern gekonnt verstolpert werden. Draußen verharren währenddessen übrigens Paolo Dybala und Mauro Icardi in einer Art Winterschlaf, für Mini-Me einfach zu gut für diese Gurkentruppe, könnte ja auch zu gut ausgehen in der Quali zur Weltmeisterschaaaaaaaaaaaaaargh Chile macht das 2:1 gegen Ecuador. Argentinien nun komplett ohne Steak, meine Damen und Herren, Otamendi tritt da gerne nochmal nach. Bei Mascerano hat man das Gefühl, ihm sei inzwischen einfach alles egal. Spielt gerade seinen hundertsten Alibi-Pass und zelebriert eine Art Fußball-Nihilismus nach seinem Rücktritt vom Rücktritt. Jefferson Farfan hingegen läuft und läuft und läuft und beschäftigt drei Verteidiger wie überforderte Erzieher in der Ausbildung. Jetzt Messi beim Freistoß, es läuft die Nachspielzeit, mach’s noch einmal, Junge! Von wegen, nicht einmal darauf ist Verlass. Es ist nur noch grausam mit dieser Truppe, Fußball zum Abgewöhnen, Fußball für Masochisten. 0:0, Argentinien ist raus aus den Top Five und den Qualiplätzen. Noch ein letzten Spiel, eine letzte Chance, der Druck steigt ins Unermessliche. Und mit Druck kann das argentinische Team umgehen. Nicht. Selten ein Team gesehen, dass so dermaßen fix und fertig mit den Nerven ist. Gute Nacht, Albträume inklusive.

 

Was, nur ein Prozent?!

Neulich im Bus, zwei Typen, dem Fußball offenbar sehr zugeneigt. A: „Das muss man sich mal geben. Da spendet der Hummels ein Prozent seines Gehalts und lässt sich dafür auch noch feiern. Für ein Prozent! Lächerlich.“ B:“ Hauptsache Image polieren und das Gewissen besänftigen!“ Ich musste daran denken, wie Michael Schumacher einst zehn Millionen Dollar für die Tsunami-Opfer in Südostasien spendete und dafür mit derselben Art von Typen zu kämpfen hatte. Franz Müntefering schoss dabei den Vogel ab und vermischte Regierungspolitik mit fehlender Empathie gegenüber den Opfern: „Ich mag das nicht, dass einer 7,5 Millionen Euro gibt, der zwischendurch dann keine Steuern zahlt.“

Weil ein Prozent einfach zu wenig klingt, weil zehn Millionen Dollar in Relation gesetzt werden. Fakt ist doch, dass es sich bei „Common Goal“ um ein erstrebenswertes und möglicherweise zukunfstweisendes Projekt handelt, an dem noch viel zu wenig Fußballprofis teilnehmen. Wer das negativ beäugt, kann sich gerne einmal daran versuchen Geld zu akquirieren, was 1% von Chiellinis Gehalt entspricht. Für die gute Sache natürlich.

Zur Meldung –> http://t1p.de/qhlk

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Jeff, ich heiße Jeff!

Lautern wollte einen Lautrer, Lautern soll einen bekommen. Im Netz wird gratuliert und gejubelt, im Netz ist aber auch von einer „Notlösung“ die Rede, von einem Mann, den man eher aufgrund seiner Verbundenheit zum FCK als denn seiner Fähigkeiten als Trainer holt. Halt, Stopp! Strasser ist seit 2010 Trainer bei Fola Esch, wurde dort mehrmals Meister und erwarb währenddessen seine Trainer-Lizenz an der Hennes-Weisweiler-Akademie. Als vier Furchen während einer Hopping-Tour 2014 bei Fola zu Gast waren und sich vor Ort umhörten, war dem dortigen Stadionvolk schon damals klar, dass es ihn „irgendwann zurück zum Betze“ treiben werde. Als wir ihn nach Spielschluss persönlich trafen und auf die Lage in Lautern (die Zeit nach Marco Kurz, Krassimir Balakow und Oliver Schäfer), als auch auf einen möglichen Trainerposten in der Pfalz ansprachen , meinter Jeff: „Ich habe ja noch gute Kontakte zum FCK, vor allem zu meinem Freund Ratinho, der ja vor Ort ist. Es ist gerade alles sehr undurchsichtig dort, vielleicht später irgendwann.“ Dann lachte er, wie er immer lacht, ein Umarmung hier, ein Foto da, Prost. Als wir am anderen Tag zum FC Metz und damit zu einer weiteren Station Jeffs aufbrachen, dachten wir nach über diese Zeit, als am Betze noch Youri Djorkaeff und David Ginola aufliefen und der FCK in der Nachspielzeit das Leder zweimal über die Linie drückte – obwohl Marian Hristov….naja…“bis der den Ball unter Kontrolle hat!!!“

Den Knall nicht gehört

Von Didi und Sasa und dem VfB

Auch Verlieren will gelernt sein

Hopppics: 1860 München vs. Ingolstadt II 0:0

Hopppics: Kroatien vs. Kosovo (abgebr.)

Evolution des Fußballs

„Die Auslosung“ – gelesen von Lukas Schlüter

Videobeweis für alle!

Arm und Reich gehen auch im Fußball immer weiter auseinander. Während im Profifußball mit Hilfe des Videobeweises gekonnt falsche Spieler vom Platz gestellt werden, müssen Kreisliga-Kicker ihre Torlinien noch von Hand ziehen. Das muss aufhören!
Mit unserer neuen Rubrik bieten wir dem DFB an, sich nicht noch weiter von der Basis zu entfernen und für eine digitale Komplettausstattung für jeden Verein zu sorgen! Mit Hilfe dieser Überwachung könnten zudem Spiele der Kreisliga direkt ins Internet übertragen werden. (Jahres-Abo 89,99€) Ohne den Videobeweis kann schließlich kein Fußballspiel mehr fair über die Bühne gehen! Dieser Ungerechtigkeit muss Einhalt geboten werden.
Wie schlecht es dem Fußball abseits des Grindelismus geht, wollen wir hiermit dokumentieren. Deshalb: Schickt uns aussagekräftige Bilder, warum euer Verein und euer Team dringend den Videobeweis benötigen. (gilt auch für Vereinsheime, Kabinenpartys etc. pp.)

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(Bild: Der SC Ingelfingen kurz vor dem alles entscheidenden Gegentor. Abstieg!) #VideobeweisFürAlle

Ich, Fußballgott, gehe in ein hundertjähriges Sabbatical!

Ich, Fußballgott, sage mich los vom Sündenfall, zum Teufel mit den Verbandsunholden und Schreibtischtätern! Dem Herr Gott sei Dank weiß ich, Fußballgott, von der Alien-Saga und den weißen Hyperschlafkapseln in meinem Raumschiff. Wenn das nicht funktioniert, rufe ich, Fußballgott, halt den alten H.G. Wells im Jenseits an und frage ihn nach seiner verdammten Zeitmaschine. Hauptsache weg! Vielleicht lande ich, der Fußballgott, ja auf einem Planeten mit nicht-feindseligen Organismen. An einem Ort, wo der Homo ludens, nicht der Homo faber regiert. Vielleicht ja auf dem Planet der Affen, wo sie Fußball wahrscheinlich noch auf selbstgebaute Holztore und ohne Videobeweis spielen, in der Halbzeit werden Bananen statt Red Bull gereicht. Ich, Fußballgott, habe es über den Grindel gesagt wie es schon einer eurer letzten Geistigen, Erich Kästner, wusste: „Alles, was gigantische Formen annimmt, kann imponieren – auch die Dummheit.“ Ich, Fußballgott, gab euch die Kurven, und was machtet ihr? Ihr machtet Geraden draus! Ich, Fußballgott, gab euch das Feuer, und was machtet ihr draus? Stadionverbote! Ich, Fußballgott, gab euch den aufrechten Gang, und was machtet ihr draus? Sitzplätze! Ihr seid ja wahnsinnig, euch muss man einsperren, da lag der Kinski damals richtig. Ich, Fußballgott, sage Ade von meinem runden, unschuldigen Kindlein, was man da tritt und streichelt zugleich, damit es rollt, im Netze einschlägt und Spiegel der Gesellschaft ist. Arme Gesellschaft! Mir, Fußballgott, ergeht es in diesen Stunden wie einst dem guten Laios, der seinem Ödipus das Leben schenkte und als Dank dafür vom eigenen Sohn gerichtet wurde. Ich, Fußballgott, bin wieder Absoluter Beginner und draußen wie Mutter Natur, peace!

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Pistorius, kein Fußballgott!

„Ich frage mich, woher der teilweise verbreitete Irrglaube stammt, dass Pyrotechnik zum Fußball gehört. […] Es gibt nur eine Antwort: lebenslange Stadionverbote“, sagte der CDU, Pardon, SPD-Politiker. Man müsse einen Weg „maximaler Abschreckung“ gehen und „auch über personalisierte Tickets nachdenken oder über Stadien ohne Stehplätze“. Insider ließen durchsickern, dass Pistorius auch einen totalen Krieg als mögliche Endlösung in Betracht ziehe.

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Foto: Boris Pistorius in seiner größten Rolle als Inspektor Luigi „Lutschi“ Mackeroni im Film „Kondom des Grauens“.

Nur noch so eine Doku

Hey Arte, bisher habt ihr uns mit eurem ARTE Re:-Format wirklich entzückt. Wir sahen hilflose Fischer in Grimsby, leidenschaftliche SchäferInnen mitten in Paris und großartige Studenten-Rentner-WGs im niederländischen Deventer. Doch jetzt präsentiert ihr uns nicht nur einen Spielbericht à la Brisant vom Kick zwischen SV Babelsberg 03 und FC Energie Cottbus, sondern auch den „authentischen“ Ultra Rene und die infantile Linda („Ja, die Hitlergrüße waren auch zur Provokation gegen die Rufe, die wir bekommen haben.) Das tut doch sehr weh und ist so gar nicht Art. Einzig amüsiert uns die endgültige Bestätigung, dass den Verein aus dem „Stadion der Freundschaft“ Deeskalation wirklich so sehr interessiert, dass er noch nicht einmal „der Einladung zur Vorbesprechung“ bezüglich Sicherheit nachkommt.

–> http://sites.arte.tv/re/de/video/re-fussball-radikal

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