Hopppics: Babelsberg 03 vs. TSG Neustrelitz

Regionalliga Nordost, 22.08.2014, 4. Spieltag

Coming Hopp: Regionalliga Nordost

Match: SV Babelsberg 03 vs. TSG Neustrelitz
Date: Freitag, 22.08.2014, 19Uhr
Ground: Karl-Liebknecht-Stadion (“KarLi”), 10.786 Plätze

Endlich. Ja, endlich geht´s für die Furche nach Babelsberg! Da wo Sepp Herberger, da wo Motor Babelsberg, da wo Tretschok & Chałaśkiewicz…da wo die Flutlichtmasten einklappbar sind. Fotos und Bericht folgen. Hey Ho, Let’s Go!

Karli

(Foto: Andre Stiebitz)

Der traurige Torero

von Benjamin Quaderer

Still liegt der Gardasee an den Ufern, blau leuchtend, flankiert von den Alpen. Die Sonne legt ihre Strahlen auf die Dächer des verschlafenen Örtchens Riva del Garda. Katzen streifen gemächlich durch leere Gassen, aus den Wohnungen hört man Besteck auf Porzellan aufkommen. Die Glocke des Kirchturms schlägt zwölf. Die Glocke des Kirchturms schlägt für Mario Gómez.

gallery1_bGerade hat Halbspanier Gómez sein letztes Interview im Trikot des FC Bayern München gegeben. Im Trainingslager. Vor Palmen. Mit nostalgischem Blick. Die Locken des Interviewers haben im Sonnenlicht golden geleuchtet. Mario ist stark geblieben. Er hat mit fester Stimme gesprochen. Nur selten ist sie brüchig geworden. Nur ein einziges Mal. „Es ist immer schwierig, den besten Verein der Welt zu verlassen.“ Immer? Hat er das auch gesagt, als er den SV Unlingen verlassen hat, bei seinem Abschied vom FV Bad Saulgau? Waren das die Worte, die er benutze, als er dem SSV Ulm oder dem VfB Stuttgart den Rücken kehrte?

Jetzt steht Gómez, den seine Fans liebevoll „Torero“ nennen, im dritten Stock des 5-Sterne Hotels Lido Palace und blickt auf den Gardasee. Der FC Bayern hat es komplett gemietet. Der offene Koffer liegt auf dem Bett der Junior Suite. Was erwartet ihn in Florenz? Ebenfalls Kingsize Bett und 42 Zoll Satellitenfernseher? Sanitäranlagen aus Corian, tiefe europäische Badewannen? „Ich liebe den Fußball an sich. Ich wollte einfach mehr spielen“, gibt sich Gomez bescheiden. Tränen sind Stierkämpfern fremd. Es ist die Melancholie, die ihnen gehört.

Sätze der Bedeutungslosigkeit (#3)

1. “Ich weiß, dass wir dieses Jahr eine sehr schwere Saison haben werden.” (Ivica Olić aus dem Nähkästchen)
2. “Der Linksaußen ist variabel einsetzbar.” (Bruno Hübner + y = x²)
3. “An mir muss man erst mal vorbeikommen.” (Deal, Sami Allagui!)
4. “Das 7:0 war eine Überraschung, aber es waren schöne Tore.” (Louis Van Gaal, Konjunktionalbiest)
5. “Wir akzeptieren hier Menschen, Mangelhaftigkeiten und alles.” (Herzlich Willkommen, Luis Suárez)

Dirigent und Virtuose

Es geht weiter. Die Bundesliga bittet in knapp einem Monat zum 52. Tanz. Trotzdem möchten wir noch einmal an einen bestimmten Tag der WM erinnern. Am 7. Juli verstarb die argentinische Legende Alfredo di Stéfano im Alter von 88 Jahren an einem Herzinfarkt. Man sitzt dann als Blogger vor einem Dilemma. Auf der einen Seite eine der großartigsten Spielerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und dessen Tod, auf der anderen Seite das Web, das Schlandige, die sekündlichen Beiträge über Eistonnen und Beißattacken. Wir entschieden uns am 7. Juli gegen einen Beitrag über den Begründer des „Weißen Balletts“ und waren uns einig, dass ein Nachruf ein adäquaterer Zeitpunkt für den Mann sei, der in 565 Spielen 466 Tore schoss und mit dem “Major” Ferenc Puskás an seiner Seite acht spanische Meisterschaften für Real Madrid gewann. Ein perfektes Duo,eine Symbiose aus Technik, Schnelligkeit und Torinstinkt.
Der Dirigent und Virtuose di Stéfano wusste jedoch stets um die Bedeutung des Kollektivs: „Der Fußball hat mir alles gegeben. Ich habe ihn immer als Mannschaftsspiel verstanden und deutlich gemacht, dass ich nicht vergöttert werden will.”

So wird er immer in Erinnerung bleiben. Di Stéfano, Teamgeistler auf der einen, Ästhet auf der anderen Seite. Es gilt Abschied zu nehmen von einem, der als Erster und lange vor Cruyff und Maradona wusste: “Fußball ist eine Kunst – genau wie die Malerei.”

Gönnt euch 27 Minuten Genialität:

Keine Bange FAZ, taz & Co.!

2,w=559,c=0.bildEs kribbelt ja schon, über diese Schwachsinnsdebatte die Finger auf die Tastatur zu legen. Doch weil es eine Schwachsinnsdebatte ist, lassen wir es einfach. Genießt die Zeit nach der Zeit. Redet wieder über etwas anderes als über Fußball. Spielt Mau-Mau, lest Bücher im Garten, legt ein Steak auf den Grill (besser kein Angus Steak), wascht wieder Autos, mäht wieder den Rasen, trefft euch mit Freunden oder hört Chopin. Entspannt euch in Thermen, besucht philosophische Foren, trainiert die WM-Pfunde des Couchlebens ab oder schaut euch Liebesschnulzen im Kino gleich 2x an. Macht irgendetwas. Denn das alles ist sinnvoller als sich (ernsthaft) mit solch plakativem Wahnnsinn zu beschäftigen. Keine Bange, FAZ, taz (übrigens das erste Mal seit Hitler wohl einer Meinung) und Co.: Bald ist wieder Ligaalltag. Khedira bleibt/ Kroos wird Kollege von Di Maria!? Bei Arsenal werden Giroud und Podolski wieder FA-Cups jagen, in München und Wolfsburg wird man Dante und Gustavo aufbauen, in Paris werden sich 5 Brasilianer mit achso verfeindeten 3 Argentiniern die Kabine teilen und ja, es ist sogar möglich, dass sich Mascerano mit einem deutschen Keeper verbündet. Wir vermuten sogar, dass Demichelis und Lahm weiterhin befreundet bleiben. Ihr müsst also leider wieder “nur” darüber schreiben, wer an welchem Tor beteiligt war und wie das Spiel ausging. Ihr tut einem fast leid. Diese sinkenden Auflagen machen einen auf Dauer wahrscheinlich ziemlich fertig.

img032Facebook fragt: “Was war heute los?”. Ok, OOOk! Seit zwei Tagen Weltmeister. 5:24Uhr. Vögel zwitschern. Wahrscheinlich Schwalben. Oder Bachstelzen namens Merte. Oder Ronaldos. Nee, Spatzen, die schießen. Ein Taxifahrer will wissen wohin die Reise geht. Mmh. Dokus über Fritz Walter und Helmut Rahn geschaut (Phönix & ZDF Info). Unglaublich geile, keine, gar keine Nazi-Dokus! Puskás wurde in Kispest („Klein-Pest“) geboren. Johan Cruyffs Vater starb 1959 an einem Herzinfarkt und Argentiniens Sergio Goycochea begann seine Laufbahn bei Defensores Unidos (Anzahl der Spiele unbekannt). “The Other Final” auf YouTube geschaut. Flensburger getrunken. Plop! Miro Klose ist 1,84m GROSS (nicht lang!), Götzes Geburtsstadt Memmingen zählt 41.551 Einwohner und Andi Brehme steht für die “Aktion 1000 Mini-Spielfelder für Kinder und Jugendliche” ein. Leider müssen wir euch sagen, ja gar gestehen, dass wir, die Furche, ja, eure besserwisserische Klolektüre² am Ende ihrer Kompetenz angelangt ist: Expertentum war gestern. Herrlich!

 

Weiterlesen

Wer Urgewalt sät!

Wir sagen “DANKE”. Ihr könnt mit Fug und Recht behaupten, für die ersten Schritte unserer WM-Helden verantwortlich zu sein.

FC Schalke 04
Sportfreunde Eisbachtalr
SCB Preußen Köln
Tennis Borussia Berlin
SG Rieschweiler
VfL Kemminghausen
TuS Haltern
FC Bayern München
FT Gern München
TSV Pattensen
1. FV Bebra
BV Rentfort
SV March
SC Ronsberg
TV Oeffingen
BV Gräfrath
Greifswalder SC
TSV Pähl
Westfalia 04 Gelsenkirchen
Jugend 07 Bergheim
Ludwigshafener SC
FV Oberaudorf
SG Blaubach-Diedelkopf

Ihr sät, was die Großen ernten.

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Wenn doch endlich Sonntag wäre

5f24_ohren_zuhaltenIch will es alles nicht mehr hören. 11 Freunde weiß „5 Gründe für den deutschen Erfolg“, Andi Brehme zieht Parallelen zu 1990, Jens Lehmann adelt Manuel Neuer, Argentinien hat seit 2006 kein einziges WM-Spiel mehr verloren, außer 2x Deutschland versteht sich (vom „Hattrick“ ist die Rede) und Karlheinz Förster weiß, dass ein Spieler allein Messi nicht ausschalten kann. Ich will es nicht mehr hören. Wenn doch endlich Sonntag wäre. Ob Di Maria nun doch spielt? So wunderbar überragend wie im gesamten Turnier also? Es ist mir egal. Ich möchte raus an die frische Luft, möchte spazieren gehen und den blauen Himmel betrachten, möchte mich an Briefmarkensammlungen erinnern, möchte an Schnitzeljagden auf Kindergeburtstagen denken, möchte wieder Weltmeister werden. Bixente Lizarazu sagt dem “Kicker”, dass Deutschland im Gegensatz zu Argentinien ein Team hätte. Weiß ich doch. Heißt aber nichts. Ich will es nicht mehr hören. Wenn doch endlich Sonntag wäre. Sonntag, ein wunderbarer Tag. Keine Geschäfte offen, keine Verpflichtungen, nicht einmal Rasenmähen. Eine wunderbare Zeit. Wimbledon war, Tour de France ist, die WM gipfelt und beim HSV ist alles beim Alten. Wenn doch nur endlich Sonntag wäre.

I Love Hooligans

Heute, 23:50 auf ARTE: “I Love Hooligans” (13min) – Jan-Dirk Bouw ist Filmemacher aus den Niederlanden und derzeit mit seinem Kurzfilm auf Festivals international erfolgreich. In “I Love Hooligans” erzählt er die Geschichte eines homosexuellen Hooligans, der in einem ausweglosen Konflikt gefangen ist: keiner seiner Freunde darf von seiner sexuellen Orientierung wissen. Jan-Dirk Bouw hat für seine Geschichte lange im niederländischen Hooligan-Milieu recherchiert, um einen Protagonisten zu finden, der über sein Geheimnis sprechen wollte. Um diesen dann anonym zu halten, wählte er die Form des Animationsfilms, den er gemeinsam mit belgischen Künstlern herstellte. Einen Ausschnitt findet ihr hier: http://www.arte.tv/guide/de/053359-000/i-love-hooligans

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Wir Dilettanten!

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(Foto: dpa, gh)

8:58Uhr. Wir sind alle Dilettanten. Das schrieb die Süddeutsche Zeitung. Wir, das sind sie, Herr Kahn und Herr Scholl, das sind sie, Herr Strunz, Herr Breitner, Herr Brehme, das sind Sie, Herr Gott, wir, das bist du, das bin ich. Wir, die Dilettanten dachten, dass bei Xavi und Iniesta das Alter eine, aber nicht DIE Rolle spielt. Wir Dilettanten dachten, dass die Niederlande nach dem 5:1 über Spanien DER WM-Favorit ist. Wir Dilettanten dachten auch, dass Chile, Uruguay und Kolumbien für DIE Überraschung bei der WM sorgen könnten. Wir Dilettanten dachten, dass Neymars Verletzung DAS Kollektivbewusstsein in der Seleção auslösen könnte. Wir Dilettanten. Wir, das bist du, das bin ich. Wir fragten Per Merstesacker nach 120 Minuten um die Beschaffenheit unserer instabilen Abwehr. Wir dachten zu wissen, dass Costa Rica DER Außenseiter ist, Italien nach dem typisch azzurrischen Auftaktsieg mal wieder eine Rolle spielt und Finke, Deschamps und Lamouchi die Sache, IHRE Sache endlich im Griff haben. Diese WM ist eine Schandtat für uns alle. Wir, die tippen, analysieren, reflektieren und ernsthaft denken, dass Fußball etwas mit Rationalität zu tun hat. Wir, die sich über kahnsche Floskeln aufregen, öffentlich-rechtliche Verzerrung wittern und Schlaaand auf reflexive Art verweigern, wir dachten, dass Deutschland mit dem Finale 12,3% zu tun haben wird. Ein Hoch auf den Fußball, ein Hoch im Titelsong, ein Hoch für alle Daidalosse und Sisyphosse dieser Welt, die zwar dachten, aber nie glaubten. Wir Dilettanten. Wir Dilettanten. Wir Dilettanten haben jetzt den Salat. Aufzuwachen und Dilettant zu sein, ist unbezahlbar.

Ja, aber ich denke, dass.

facepalm_picard2„Ich weiß ja eigentlich, dass der Philipp auf rechts spielen muss, aber ich weiß auch, dass ich nichts weiß und kein Trainer bin, aber wenn das der Fall ist und deshalb ja keiner außer dem Jogi etwas versteht, verstehe ich nicht warum nicht die Kosequenz sein könnte, dass der Samy nicht auch dort spielen könnte wo der Philipp spielt, spielen doch beide mit dem Basti die gleiche Position im Mittelfeld, aber die anderen sagen alle dass nur der Philipp nach außen soll, damit wir über außen sicherer stehen, aber die anderen sagen auch alle, dass der Basti und der Samy nicht miteinander spielen können, aber weil der Samy gut auf den Pogba aufpassen kann, soll der im Mittelfeld spielen und das hieße ja wieder, dass der Philipp ins Mittelfeld zurück müsste, aber das geht ja nicht, weil ja alle das Gegenteil wollen und der Jogi dann ganz den Überblick verlieren würde und alle sagen, dass er das ja schon längst getan hat, also den Überblick….verlieren, den ich, der weiß dass er nichts weiß und nie wusste, schon längst verloren hat, aber genau deshalb weiß und ja, jetzt hab ichs, der Basti also Außenverteidiger spielen kann, und weil der ja gut mit dem Thomas kann, auch menschlich, und der Mesut doch gegen Ghana ganz gut auf links war, weil der ja auch einen linken Fuß hat, aber auf rechts spielt, damit er nach innen ziehen kann, kann er jetzt ja wieder auf links spielen und der Thomas dafür auf rechts ausweichen und die Räume suchen, die der Mesut nicht findet und der Miro kann zurück in den Sturm und dann kommen von links und rechts Flanken und der Basti und der Thomas auf einer Seite, der Philipp, der Jogi, der Samy, der Miro, ja auch die BILD wären glücklich und alle könnten sagen, dass ein Spiel bei 0 beginnt, der Ball rund ist und Fußball immer noch über Tugenden entschieden wird und alles andere Wurscht ist und der Basti eigentlich ja gar nicht auf rechts spielen kann und ich eigentlich gar nichts weiß.”

Kann bitte endlich irgendwer das Spiel anpfeifen!? Danke.

Eistonne. Aber ganz schnell.

26432_largeEistonne. Drei Tage. Alles egal und deshalb auch gut so. Viel Kritik. Zu viel Kritik. Außenverteidiger zu schlecht. Mertesacker zu langsam. Ja warum denn auch nicht!? Höwedes Innenverteidiger. Mustafi Innenverteidiger. Von Haus aus. Und dann sogar gut. Richtig gut. Eistonne. Mit dem Kopf zu erst. Jogi zu erst. Danach Lahm vielleicht Außenverteidiger. Dann muss auch Merte nicht aussem Zentrum raus. Is mir völlig Wurscht. Wir sind jetzt unter den letzten Acht. Und nur das zählt. Huffington Post schreibt übers „Verzetteln“ gegen Algerien (keine Karnevalstruppe): „Von dem Favoritenstatus war nichts, rein gar nichts zu sehen.“ Aha. So Favorit wie Spanien. So Favorit wie Frankreich gegen Nigeria (keine Karnevalstruppe). So Favorit wie Holland und Brasilien (ohne Neymar kein Karneval). So geil Favorit wie Italien. Nur der Deutsche ist DER Favorit. Klar. Eistonne. Schnell. Mecker, Mecker, Geklecker. Liegt dem Deutschen eben. Alles schlecht reden? Sehr gerne. Huffington Post weiß: Scheunentorartige Löcher im Mittelfeld. Stotternde Offensive. Khedira und Schweinsteiger “können nicht zusammen.” (Der Autor Marcel Bohnensteffen schreibt übrigens über Fußball) Erschreckend ideenlos. Wat wollense?! Wollense se ne erfolgreiche WM oder somma wieder ausscheiden und ham schön gespielt?! Freitag weiter, weiter, immer weiter. Mathieu Debuchy übrigens auch einer dieser schlechten Außenverteidiger. Die (Frankreichs Karnevalstruppe) dürfen aber. Wir offenbar nicht. Wir dürfen eben keine Turniermannschaft mehr sein. Durften wir früher nur zu gerne. Heute nicht erlaubt. Der Deutsche ist nämlich nun Ästhet. Eistonne. Aber ganz schnell.

 

Wir sind dann mal weg

Wir sind dann mal weg. Auch wir haben in der Bezirksliga eine “lange Saison hinter uns” (neudeutsches Sprichwort) und werden unsere Platzierung im Niemandsland der Tabelle auf der Bergkirchweih in Erlangen ausgiebig analysaufen. Bis Montag hört ihr also nichts von uns. Gar nichts! Nichts über das Remis im Auftaktspiel, nichts über Hollands Debakel gegen Spanien, nichts über Gerrards verschossenen Elfer. Unser WM-Studio steht und wird dann ab Montag grandios besetzt und beseelt (siehe Abb.1 unten, Kühlschrank; Kader WM-Finale 2002 – hintere Reihe stehend: Hamann, Klose, Bode, Metzelder, Linke; untere Reihe sitzend: Jeremies, Ramelow, Schneider, Frings, Kahn, Neuville).

Alles wird gut!

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6x Fußball auf ZDF kultur

222Wir wissen ja nicht so ganz genau, was uns da heute Abend alles erwartet. Gute Dokus über “Dritte Halbzeiten” sind ja bekanntlich mehr als rar. Was wir aber sagen können ist, dass uns “66/67″ auch beim dritten Hinschauen nicht enttäuscht hat. Ja, es läuft tatsächlich mehr im Fernsehen als “Aktenzeichen XY…ungelöst” mit Rudi Cerne.

Klose 1:0

Kaputte Straßen. Joghurt 0,99€. Überall kaputte Straßen. Wahrscheinlich ist die Stadt verarmt. Alkohol. Apotheken mit netten Damen, Milfs. Politik hier, mal da. Der Netto wurde umgebaut. Schmelzer im Aufgebot. Angebot. Raus. Lachs 3,59€. Nachhaltige Fischerei. Für die WM in Brasilien gibt es nun Angebote, also diese Angebote eben. Wie von Mike Krüger und Hagebaumarkt. Bewegung in der Ukraine-Krise. Stefan Kießling. Zu Hause bleibt sich´s am besten mit OBI. Heckauswurf-Rasentraktor „Mastercut 155-92“: 1599 Euro. Am nächsten Morgen legte ich mich wieder eine Weile ins Bett. In der Küche fand ich ein paar leere Flaschen, die ich zu Geld machte. Dann onanierte ich langsam und genussvoll, schlief ein. Über 15.000 sind dabei – stellen sie jetzt ihr WM-Team auf. Alkohol. Kicker. Irgendwas mit Herberger. Wieder am Schreibtisch. Nein, doch auf der Couch. Plötzlich. Die “Sesamstraße” erhält Preis für Programm mit dem größten Einfluss auf die Entwicklung des Kinderfernsehens in den vergangenen 50 Jahren. Fujuma völlig unterschätzt. SKANDAL! Alkohol. 06.Juni. Temperatur 7,4 °C. Südwind 4,0 km/h (1 bft). Luftdruck auf NN 1.018,2 hPa. 06. Juni 1961: In Stuttgart unterschreiben die Ministerpräsidenten der Länder den Staatsvertrag zur Gründung des ZDF. Müller-Hohenstein 4 Jahre alt. Alkohol. Alkohol. Raphael Wolf wird 26 Jahre alt. Werder Bremen. Werden Bremen II. Beim HSV angefangen. Dann abgeschoben. Wie auch sonst. Haben vor in nächster Zeit vorm Hof ca. 650m2 (8cm dick) zu asphaltieren zu einen Preis von 85€/t (ca. 7m² Fläche/t)! Was habt ihr bezahlt bzw. ist es ein günstiges Angebot?? Kaputte Stadt. Spanien wird Weltmeister. Toni Kroos kein Karma. Gianna Michaels. Riesen Brüste. Auch Geburtstag. (* 6. Juni 1983 in Seattle, Washington) Riesen Brüste. Echt. Echt. Die sechs oder sieben Blocks bis zu meiner Pension ging ich immer zu Fuß. Die Bäume entlang der Straße sahen alle gleich aus: klein, verkrüppelt, halb erfroren, ohne Blätter. Ich mochte sie. Ich ging meinen Weg unter kalten Mond. Dann eine Weggabelung. Dann Stefan Kießling. OBI Geschlossen. Grill 9,99€. Wurst aus. Straßenlaternen so nah. Der Marder so da. Stadtdschungel und Puplic Viewing. Ich bin wieder hier, in meinem Revier. Klose 1:0

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Wigan Athletic – Blackpool FC 0:2

Championship, 45. Spieltag

26.04.2014, 15:00 Uhr
DW Stadium, Wigan
Zuschauerzahl: 19,137

Text und Bild: Marian Thiel

cEs war mal wieder Zeit, die Universitätsroutine mit unterklassigem Fußball zu verdrängen. Hatte ich doch in letzter Zeit eine verhältnismäßig ruhige Kugel am Schreibtisch geschoben. Ganz im Gegensatz zu meinen Mitbewohnern und eigentlich allen anderen hier in Preston, die derbe im Prüfungsstress steckten. So ging es an diesem sonnigen Samstag auf eigene Faust ins schöne Wigan. Ist es deprimierend, sich alleine ein Wigan-Spiel anzugucken? Ich bin mir nicht sicher. Vom Spiel erwartete ich jedoch alles andere als eine ruhige Kugel. Für Wigan, trainiert von ManCity-Legende Uwe Rösler, ging es schließlich darum, in die Play-offs einzuziehen.

Angekommen am Bahnhof Preston erwartete ich eigentlich eine orangefarbene Invasion aus dem benachbarten Blackpool. Die Fans der Seasiders, aka Tangerines aka Donkey Lashers (abwertender Name, den Preston-Fans gebrauchen) haben in Preston nicht den allerbesten Ruf, wurden in der Vergangenheit doch regelmäßig diverse Einrichtungen während des Fan-Durchzugs neu angestrichen. Begrüßt wurde ich am Bahnhof jedoch nur von vier Halbstarken, bewaffnet mit orangefarbene Flaggen und Jogginghosen. „Donkeys!“ dachte ich. Fast beängstigend.

Vom Bahnhof Wigan ging es dann zügig zum DW Stadium. Als gutgläubiger Mensch vertraute ich dem Ticketverkäufer bei der Platzwahl. Fünf Minuten später fand ich mich auf der Kinder- und Rentnertribüne wieder. Besten Dank. Steht es wirklich so schlimm ums Studententum? Da half nur eins: Pie holen. Kenner der Szene werden sicherlich gleich erkannt haben, dass es sich wieder mal um einen Holland’s Pie handelt, wie er auch in Burnley serviert wird. Bedeutet: Allererste Güteklasse. Gratulation an Wigan für diese Delikatesse.

aVon Beginn an machten die Auswärtsfans ordentlich Stimmung. Mit dem ersten Gesang wurde direkt meine frische Liebe Preston North End verunglimpft, interessanterweise mit dem gleichen Lied, mit dem die Seestädter sonst in Preston geschmäht werden. Die Welt ist klein und Lancashire offensichtlich noch kleiner. Ich konnte den Schmähgesang verkraften, denn wenigstens kam so Stimmung auf. Anders die Wigan-Anhänger, die sich gepflegt zurückhielten (hatten mit hoher Wahrscheinlichkeit alle gerade einen dieser göttlichen Pies im Gaumen). Es dauerte dann doch 15 Minuten, bis ich erahnen konnte, wo der harte Kern der Latics-Fans saß. Doch auch diese Truppe konnte nicht verhindern, dass es sich über 90 Minuten wie ein Blackpool-Heimspiel anfühlte.

Das Spielgeschehen plätscherte in der ersten Hälfte lustlos vor sich hin. Ein Kick im Mittelfeld. Keine echten Torchancen. Eben Fußball wie wir ihn lieben und brauchen um hinterher anzuklagen, warum man sich das eigentlich immer und immer wieder antut.

Da war es nur logisch, dass ein elendig dreckiger Elfmeter herhalten musste. Kann man geben, muss man aber blabla. Das Fazit eines Blackpool-Fans während der Rückreise: „Der ist über seine eigenen Beine gestolpert.“ Daher wohl eher fragwürdig die Entscheidung. Doch es juckte eh niemanden, denn den durchaus gut gesetzten Elfer parierte Matthew Gilks in beeindruckender Manier mit einer Hand. 0:0. Es ist schwer ein 0:0 zu bewerten. Soll ja Menschen geben, die immer wieder ein „0:0 der besseren Sorte“ proklamieren. Gerade fällt mir auf, dass ich für die Charakterbeschreibung der ersten Spielhälfte einfach nur die Shift-Taste gedrückt lassen muss: =:=

In der Halbzeit ging es unterhaltsamer zu Werke. Zuerst entzückte das Wigan-Maskottchen, welches von Weitem gewisse Ähnlichkeit mit H.P. Baxxter hat. Feinbritischer Humor stieg empor, als das Publikum die Jugendspieler aus der Nachbarschaft bei ihrer Ehrenrunde auslachte, als diese vom Rasensprenger erfasst wurden.

bIn der zweiten Hälfte präsentierten sich die Mannschaften wie ausgewechselt. Gab es vielleicht Pies zum Pausentee? Wigan spielte druckvoller und erarbeitete sich mehr und mehr Chancen. Mitten in die Druckphase der Gastgeber erzielten die Gäste jedoch den glücklichen Führungstreffer nach mustergültigem Konter. War zuvor schon jede Ecke wie ein Tor bejubelt worden, gab es jetzt auf der Gästetribüne gar kein Halten mehr. Und was macht man wenn man glücklich ist? Genau, menschenunwürdige Schmählieder gegen Preston singen. Ich liebe dieses Land. Wigan blieb spielbestimmend. Die Blau-Weißen reagierten mit weiteren Angriffen, die jedoch allesamt erfolglos blieben. Blackpool hingegen eiskalt. Nur 10 Minuten nach der Führung erhöhten sie in gleicher Manier zum 0:2. Wieder stand Wigan hoch, wieder setzte es den tödlichen Konter. Nach dem Treffer schien auch das Heimteam eingesehen zu haben, dass der Drops gelutscht war. So gab es nach 95 Minuten die Wiedergeburt der Tangerines zu feiern.

Die Rückfahrt entschädigte mich dann auch noch für die unspektakuläre Anreise. Neben den Schaffnern war ich wohl der Einzige im Zug, der weder Orange trug, noch sieges(be)trunken war. So war ich wenigstens in der geistigen Lage, den Herren Knüppel in der Polizeikontrolle plausibel zu erklären, dass ich nur in Preston wohne und überzeugter Pazifist bin, der doch eigentlich nur zwei Dinge mag: Fußball und Pies.

Zurück in die Zukunft…

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S. 2+3: We are the champions
S. 4: Der goldene Schuss
S. 5: LORD ist Extra!
S. 6+7: Angst? Warum sich Matthäus vor dem Elfer drückte
S. 8: Die WM – Das größte Fest des Fernsehens
S. 9: BOSCH: Das Schleifwunder mit dem neuen Dreh
S. 10+11: Buchwald – Die Nacht, in der ich Maradona besiegte
S. 12+13: Schade, Steiner kam sechs Jahre zu spät
S. 14: Wenn dein Körper durstig ist – GATORATE!
S. 15: Illgner arbeitslos – und das im Finale
S. 16+17: Kohler – im Kopfballspiel unbesiegt
S. 18+19: Netzer: Warum wir den Titel verdient haben
S. 20+22: Mannschaften, Spiele, Tore, Sünder
S. 23: Der neue SEAT Ibiza 1,2i Kat!
S. 24+25: Lattek: Franz, der Doppelweltmeister
S. 26+27: Arbeitsnachweis aller eingesetzten WM-Spieler
S. 28+29: Elektrisches Faltschiebedach inklusive: Der Mazda 121
S. 30+31: Die WM-Zeugnisse
S. 32: Verrückte WM – 23mal war das Tor zu klein
S. 33: Get a taste of it. Chesterfield.
——————
S. 45: Das neue ARAL Supertronic
S. 46: Briefe an die Redaktion: “Welche Hausfrau stellt bei Ihnen die Reporter-Hitparade zusammen? Heribert Faßbender und Dieter Kürten auf den vorderen Plätzen – kaum zu glauben! Sicher, sie können plaudern. Aber vom Fußball haben sie keine Ahnung!” (Heiko Boeden, Karlsruhe)
S. 47: Rudi Völler präsentiert Rudi Völler
S. 50: Beckenbauer: Taktik, Tore und Amore
S. 52+53: Kopf hoch, Steffi!
S. 54+55: Boris: “Ich glaub wieder an mich!”
S. 57: Geschmack neu entdecken. CAMEL!
S. 61: Schach-Weltrangliste
S. 72: Wenn sie abbauen, baut ISOSTAR sie wieder auf!

Löw nominiert frech weiter

Willkommen im Team: Nico Rosberg (Mannschaftssportler), Martin Kaymer (gg. Franz beim Golfen verloren) und Pascal Wehrlein (Ex-DTM) sorgen bei der Pressekonferenz für Furore. Darunter erfahren wir in der illustren Runde die wirklich wichtigen Dinge für die WM: Wieviel Punkte hat Oliver Bierhoff in Flensburg? Wer sammelt Panini-Bildchen? Kann Nico Rosberg überhaupt das Halbfinale sehen, wenn er selbst ein Rennen fährt? Bekommt Jogi Löw von MERCEDES BENZ (Furche liebt Product Placement) nun endlich ein Moped mit Tempomat? Stimmt es, dass Martin Kaymer in seiner Jugend wirklich Stürmer war? Achso, und Samy Khedira ist gut bei der Mannschaft angekommen. Wir vermuten, dass er wohl auf ist. Warum besaufen wir uns nicht einfach alle mit ERDINGER Weißbier und wachen rechtzeitig zur WM wieder auf!? Wäre für alle Beteiligten das Beste. Vermuten wir.

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Kuchen-Eklat bei Man City

1901168_767975099909111_2960484353050509948_nDer personifizierte Mittelfeldmotor Yaya Toure bekam zu seinem 31. Geburtstag nur einen Kuchen seitens des Vereins, jedoch ohne persönliche Glückwünsche der Klub-Eigentümer. Dazu sein Berater Dimitri Seluk: “Aber als Roberto Carlos Geburtstag hatte, bekam er vom Präsidenten Anschi Machatschkalas einen Bugatti.”

Völlig zu Recht sagen wir! Mit seinem erst kürzlich Anfang April verlängerten Vertrag bis 2017, mit wöchentlicher Aufwandsentschädigung von 260.000 Euro, muss Yaya fast 6 (!) Wochen sparen, um sich einen “Bugatti Veyron” leisten zu können (Listenpreis: ca. 1,5 Mio Euro). Der wäre doch wohl mindestens mal drin gewesen zum 31. Geburtstag!

Yaya, wir fühlen mit dir!

Hopppics: 4 Tage, 4 Länder, 5 Stadien

Do., 01.05., 17:00 – Racing vs. Jeunesse Esch 1:2 (1. Liga Luxemburg)
Do., 01.05., 19:30 – Fola Esch vs. Hamm 3:0 (1. Liga Luxemburg)
Fr., 02.05., 20:00 – FC Metz vs. Tours 1:1 (2. Liga Frankreich)
Sa., 03.05., 20:00 – KV Mechelen vs. Cercle 2:0(1. Liga Belgien)
So., 04.05., 14:30 – EVV Echt vs. Lienden 0:1 (3. Liga Niederlande)
 

Mein Sportidol

Als ich vier war, bekam er seinen ersten Profivertrag. Da war er sechzehn. Siebzehn Jahre später, im Sommer 2006, verabschiedete er sich von der großen Bühne des Fußballs. Heute ist er Vater von vier Söhnen. Jeder von ihnen spielt in der Jugend von Real Madrid. Bei den Königlichen. Den Besten ihres Alters. Ob Sie eines Tages einmal in die Fußstapfen ihres großen Vaters treten? Unmöglich. Einfach unmöglich! Sie werden so hilflos sein. So überfordert. So allein mit sich und ihrem Talent. Bekannt, lediglich durch ihren berühmten Nachnamen. Sie werden noch so viel Tore schießen, noch so viele Titel holen – sie werden immer nur die Söhne „von“ sein.

Bestenfalls wird es ihnen ergehen wie Lionel Messi. Dem Argentinier. Dem vierfachen Weltfußballer, dem vierfachen Champions League Gewinner. Heute Superstar. Und morgen? Morgen wird er wieder einer jener Söhne Argentiniens sein, die es nie aus dem Schatten Maradonas heraus schafften. Ihm mangelt es nämlich an Mythos, an Ecken und Kanten, mangelt es an eigenem Profil und Che Guevara-Tattoos. Nicht einmal eine „Hand Gottes“ kann er vorweisen. Als Messi mit einem 60m-Sololauf Maradonas „Jahrhundert-Tor“ der WM 1986 gegen stümperhafte Engländer nahezu exakt kopierte, entschied sich die Welt zu urteilen: Ein tolles, gigantisches, unfassbares Tor, das aber letzten Endes doch wieder nur „wie das von Maradona“ aussah. Vergleiche tun weh. Vergleiche werden den vier Jungs noch wehtun. Wenn sie eines Tages als Erwachsene zum Trainingsgelände schlendern und bei jedem Fehlpass von Hinz und Kunz daran erinnert werden, dem Druck des großen Namen nicht standhalten zu können, den Erwartungen nicht zu entsprechen. Daher wird auch Messi immer nur Messi bleiben. Die Halbgottposition in Buenos Aires ist längst vergeben. Für immer.

Als ich zwölf wurde, bekam einer seiner Tricks einen eigenen Namen. Im gleichen Jahr holte er mit Juventus Turin den „Scudetto“ (italienischer Meistertitel) und wurde zum „besten ausländischen Spieler“ in Italien gewählt. Sein Trick beschäftigte mich sehr. Er war einfach und doch genial. Zwei Ballkontakte mit der Fußsohle plus 180 Grad Körperdrehung, mit hohem Tempo raus aus der Bedrängnis. Voilà! Das war alles. Als ich den Trick das erste Mal sah, erinnerte er mich mitsamt Spielsituation an eine Keilerei in einem Asterix-Comic. Ein Gallier, in der Mitte stehend, umzingelt von wilden Horden oder viel zu vielen Römern. Als der Staub sich nach dem blinden Anrennen der Gegner legt, steht nur noch einer. Einer mit Zaubertrank in seinen Adern. Rückblickend glaube ich, dass ich in jeder sich bietenden Situation auf dem Fußball- bzw. Bolzplatz den Trick versuchte anzuwenden. Ja, ich suchte regelrecht undurchsichtige Spielsituationen mit möglichst vielen Gegnern auf engem Raum. Jene Spielsituation, die den Trick überhaupt erst möglich machte. Einer gegen alle. Der kleine, flinke Gallier befreit sich. Durch einen einzigen Trick, den sonst keiner kann. Gibt es für ein fußballbegeistertes Kind etwas Geileres?

Ein Jahr später veränderte der 21. Juni 1998 die Fußballwelt. Während der Weltmeisterschaft in Frankreich schlugen deutsche Hooligans bei Straßenschlachten in Lens den Polizisten Daniel Nivel fast zu Tode. Wieder einmal stand die zivilisierte Welt vor der Frage, ob und wie ein Sportereignis inmitten solcher Bilder überhaupt weitergehen könne. In Frankreich herrschte Schockstarre. Fünfzig Jahre hatte man auf eine WM im eigenen Land warten müssen. An jenem Nachmittag schlug große Euphorie mit einem Male in blankes Entsetzen um. Aus Sicht der Veranstalter konnte dem Hass nur mit Sport geantwortet werden. Das stolze Frankreich schrie nach Genesung, schrie nach einer Antwort ihrer Mannschaft, ihrer Équipe Tricolore. Der Traum vom Titel im eigenen Land avancierte zu einem Trotzmechanismus, der an Kollektivbewusstsein und Patriotismus dynamischer kaum hätte sein können. Zwanzig Tage später köpft mein Idol im Finale gegen Brasilien vor 80.000 Zuschauern in Paris das 1 und 2 zu 0. Rivaldo, Bebeto, Ronaldo. Namen von Superstars. Der beste Angriff der Welt? Pfff. Launische Diven mit Tagesformcharakter! Nichts für mich. Frankreich gewann schließlich mit 3:0. Am Ende des Jahres gab es nur einen Namen, der als Weltfußballer in Frage kam. Daniel Nivel hingegen taumelte an diesem glorreichen 12. Juli zwischen Leben und Tod. Erst sechs Wochen später wachte er aus dem Koma auf. Als Weltmeister.

Drei Jahre später kostete er Real Madrid 73,5 Millionen Euro. Nie zuvor hatte ein Club eine derartige Summe für einen einzigen Spieler aufgebracht. Sein Trick gehörte längst zum Repertoire eines jeden Mittelklassekickers. Die einstige Haarbracht war längst einer imposanten Glatze gewichen. Direkt im ersten Jahr mit ihm gewann Real Madrid die Champions League im Glasgower Hampden Park. Nicht, dass dies für mich nur eine logische Konsequenz war, nein. Mich wunderte nicht einmal, dass er das vorentscheidende 2:0 schoss – natürlich per Seitfallzieher aus zwanzig Metern in den linken Winkel. Ich dachte nur beim Anblick dieses, ohne Frage weiteren Künstlerstücks, wieso er den Ball nicht hätte auf diese Weise im Tor unterbringen sollen. Es war ja schließlich er und nicht irgendein daher gelaufener Nobody, der sein Glückstreffer dem Zufall zu verdanken hatte. Was soll ein 73,5 Millionen-Euro-Mann schon mit einer Flanke anfangen. Richtig. Genau das. Achso, der Gegner im Finale hieß übrigens Bayer Leverkusen und Carsten Ramelow war sein Gegenspieler. Belanglosigkeiten gehören eben an den Schluss.

2006 ist das Jahr der Informatik. Kalkulation und Programmierung negieren Überraschungsmoment und Affekt. Bereits vor der WM war klar, dass er nach dem Turnier seine Karriere beenden würde. Die Équipe Tricolore hatte kein Buchmacher auf dem Zettel. Zu hoch war der Altersdurchschnitt, zu mittelalterlich der Spielstil, zu alt der Kapitän. Das war er. Inzwischen 36 Jahre alt. Er wurde Spieler des Turniers und beendete seine Laufbahn. So in etwa hört sich wohl das Karriereende eines Sterblichen an. Eines Spielers, der nur teuer ist und außer Fußball nichts zu bieten hat. Er aber beschloss in der 7. Minute im Berliner Olympiastadion am 9. Juli, dass ein Elfmeter nicht einfach nur ins Netz gehört. Er zelebrierte einen „Panenka“, der von der Unterlatte hinter die Torlinie sprang. Wer sonst hätte Genie und Wahnsinn so eng zusammen treiben können, wenn nicht er. Sein Abgang hätte groß werden können. Gerade jetzt, wo die auserkorenen neuen „Stars“, allen voran Ronaldinho, wie unerfahrene Pubertäre aufspielten, ausgestattet mit Technik und sonst nichts. Viertelfinale, acht Tage zuvor: Ronaldinho, Kaka, Ronaldo gegen ihn. Er alleine wie Asterix. Brasilien schied das erste Mal seit 1990 vor dem Finale aus. Gerade jetzt, wo die modernen Viererketten aufflammten und dem „10er“, dem edelsten aller Fußlümmler seit Pelé, der Untergang prophezeit wurde. Zeit für die Gunst der Stunde, gegen Jugendstil und bunte Fußballschuhe.

Er aber entschied sich anders. 110. Minute. Kopfstoß gegen Materazzi, Italiens Verteidiger. Mit der Wucht einer Abrissbirne. Platzverweis. Karriereende. Im italienischen Fernsehen gab Materazzi später zu, er habe auf das Angebot, ihm sein Trikot zu geben, wörtlich erwidert: „Preferisco la puttana di tua sorella“ (zu deutsch etwa: „Ich bevorzuge deine Schwester, die Nutte!“). Jeder, der jemals im Vereinsfußball aktiv war, wusste, dass dies nun wirklich keinen Ausraster legitimierte. Weiß doch jeder, dass bei Verbalattacken und Provokationen meistens die eigene Familie herhalten muss. Wer diese rhetorischen Entgleisungen seiner Gegenspieler nicht verträgt, steht beim eigenen Trainer nicht gerade hoch im Kurs. Auch hier gilt die Phrase, dass Fußball im Kopf entschieden wird. Ihm war´s egal. Ihm durfte es egal sein. Majestätsbeleidigungen führen seit Pontius Pilatus eben zu körperlichem Leid. Materazzi sank zu Boden wie ein weinendes Kind, während er schuldgeständig die Kapitänsbinde weitergab. Rein sportliche Leistungen erschaffen eben noch lange keine Statue. Diese folgte ein paar Tage später. Der „Zidane“-Trick fällt mir übrigens heute so schwer wie Brot schmieren. Danke, Zizou.

hrp

Sätze der Bedeutungslosigkeit (#2)

1. „Es gibt einen Vertrag und da steht drin 2015.“ (C. Heidel, Visionär)
2. „Unter dem Strich zählt, was herausgekommen ist.“ (S. Lewandowski, Mathematiker)
3. „Hoffenheim verfolgt eine klare Philosophie.“ (P. Schwegler, platonisch verliebt)
4. „Ich bin kein Wappenküsser!“ (A. Breitenreiter, Exot)
5. „Für mich gilt sein Wort, dass dies seine letzte Amtszeit ist.“ (W. Niersbach, Blatters schlimmstes Gewissen)