Sätze der Bedeutungslosigkeit #4

1. “Podolski ist immer für einen Treffer gut.” (Arsene Wenger mit neuen Erkenntnissen)
2. “Ich bin echt froh, dass ich weder Vater noch Mutter von den Benders bin.” (Jürgen Klopp, Jugendamt)
3. “Jetzt zählen nur noch nackte Ergebnisse.” (noch im Bademantel: Thomas Eichin)
4. “Da geht mir echt die Hutschnur hoch!” (Markus Gisdol, Hassprediger)
5. “Es ist besser, 0:3 hinten zu liegen und 3:3 zu spielen als 3:0 zu führen und 3:3 zu spielen.” (Armin Veh, Marktplatzphilosoph)

Hopppics: RW Erfurt vs. FC Groningen

Abschiedsspiel Steigerwaldstadion, 08.10.2014

Nein, Jens, ich will das nicht mehr!

von Heiko Rothenpieler (völlig neutral)

„Schiri ey maaan, der 5er hat ja mehr Leben als Jens Keller!“ hallte es am Sonntag in der Bezirksliga 4 Westfalen über den Platz. Nuhnetals Trainer Arno Deimel tobte am Spielfeldrand wie das HB-Männchen in seinen besten Zeiten. Auch die spitze Nase und das schwarz-gelbe Outfit ließen die beiden nur schwer auseinander halten. Arno ging es wohl sehr schlecht da draußen. 1:3-Rückstand. 81. Minute. Hilflos, allein, machtlos. Nur sieben Punkte aus acht Spielen. Ich stand in der Nähe und verstand HB-Arno, ihn und seinen genialen Geistesritt in den Metapherkeller.

Heute wurde Keller entlassen. Mein auf lautlos gestelltes Smartphone kämpfte mit 47 WhatsApp-Nachrichten in 13 Chats. Akku leer. Ich antwortete in kleinen Sätzen, versuchte in Kürze episch zu antworten. Schrieb Sätze wie „Ein Volk atmet auf“ oder „Das Leiden hat ein Ende“ bis zu internen Glückseligkeiten wie „Max Meyer darf nun durchspielen“ oder „Roman ‘Bolt’ Neustädter bekommt es nun schwer haha“. Zwischen neun und zehn Uhr telefonierte ich durchgehend. Danach kommentierte ich like HB-Arno das ein oder andere von Freunden oder ehemaligen Keepern: „Hoffenheim ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Du weißt doch selbst wie das ist mit deinen Vorderleuten. Rückt man sie in jedem neuen Spiel zurecht wie Schachfiguren, geraten sie in ausweglose Situationen. Verletzte hin, Verletzte her. Es hat schon viel früher begonnen. Erinnere mich an Höger als rechter Verteidiger beim Pokal-Aus in Dresden. Erinnere mich an eine klar offensive Marschroute in Gladbach mit einer C-Elf und Boateng als Zehner: „Wir hatten einen Plan, der nicht aufgegangen ist.“ (Höwedes) Erinnere mich an Ayhan als rechter Verteidiger in Hannover, der zentral, aber auch nur zentral einer der besten Fußballer auf Schalke ist. Das reicht aber Keller nicht als Einsicht – gegen Maribor musste Ayhan wieder rechts ran. Erinnere mich an Neustädter, der gerade wegen seiner fehlenden Schnelligkeit jemand flottes neben sich braucht. Keller stellt ihm Matip zur Seite. Welch Wunder endet das mit Gelb-Rot. Die Liste an taktischen Fehlern ist so lang wie seine ganze Trainerzeit. Und soll mir bloß keiner mit dem Derbysieg kommen. Auch da weißt du bestens, dass dies über Emotionen geht und eigene Gesetze beinhaltet. Hannover, Hoffenheim, Frankfurt, Ligaalltag – darum geht es leider Gottes eben auch! Spätestens das Auftreten gegen Saloniki hätte als letzte beispielhafte Phase das Ende des Trainers bedeuten müssen.” 

Nun ist es 13Uhr und ich habe beschlossen einen Strich unter dem Ganzen zu ziehen. Ich reg mich nicht mehr auf. Nein, Jens, ich will das nicht mehr! 21 Monate habe ich das getan und mich jedes Mal gefragt, warum keiner außer dem Trainer selbst vor laufender Kamera seine Monate Auf Schalke derart penibel zählt. Das hat jetzt ein Ende. Ich wollte dem Mann nie etwas Böses, schon gar nicht wegen seines traurigen Blickes, was – wie ich finde – in die unterste Schublade gehört und an denunzierender Kritik kaum zu überbieten ist. Für einen Jugendtrainer, der mit Kölner SpoHo-Kladde die Kabine betritt, wird es für Keller immer reichen. Für mehr aber auch leider nicht. Das weiß auch HB-Arno.

hrp

Coming Hopp: Rot-Weiß Erfurt vs. FC Groningen

DATE: Freitag, 06.10.2014, 19:30Uhr
GROUND: Steigerwaldstadion (17.500 Plätze)
Das Steigerwaldstadion ist mit 77 Jahren eines unserer ältesten Wohnzimmer. Ab 2015 unterzieht sich der Ground jedoch gleich mehreren “Schönheitsoperation” und wird zu einer modernen Multifunktionsarena. Muss jeder selbst wissen, ob nicht doch eigentlich der Charakter zählt.
Zum Abschieds-Techtelmechtel kommt jedenfalls – wie schon im UEFA Cup 1991 – der niederländische Erstligist aus Groningen. Die Furche wird knipsen und Historisches festhalten…und auch ein bisschen weinen.

Steigerwaldstadion-Roof

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Hätte mir vor der Saison jemand gesagt, dass….blabla. Party on in Partyboring, that´s it! So hieß die Stadt nämlich früher. Ganz spezielles Kackbier gab´s da obendrein. („Paderborner – wie das Land, so das Bier“) Das war gestern. Bayern war gestern. Dortmund war gestern. Schalke war…naja, so wie immer. Heute ist Paderborn. Heute ist Stoppelkamp, Kanonier und Scharfschütze in einem. Das goldene Buch der Stadt herbei, aber sofort: Moritz Stoppelkamp, 2012 verstoßen aus Hannover. 2014 Proklamierer der Tabellenführung. Der BVB kann den Arsenal-Schalter nicht umlegen. Leider gerade kein Phrasenschwein hier. Schreibs an, ja?! Okazaki und Ginter drücken gegen Klopp die Halt-Stopp!-Taste. In Stuttgart und Bremen haste eben Scheiße am Fuß. Und haste Scheiße am Fuß, haste zum Beispiel rote Karten. Boateng und Draxler verlieren Nerven und mögliche drei Punkte gegen sackstark eingestellte Frankfurter. Selbstbeherrschung ist eben der erste Schritt zur Beherrschung anderer. Muss, ja KANN ein Draxler noch nicht wissen. Auch in Wolfsburg gibt’s die Arschkarte. Donati beschließt das Kappen der Reißleine in Minute 7, Bayer bumsvoll nach Minute 90. In Hamburg ziehen elf wackere Matrosen den Anker ein. Doch was passiert wenn Raffi wieder mitmischt?! Meuterei auf der Holtby? So schlecht, so gut, so Shortcut.

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In Liga zwo ist der FCK so wie letztes Jahr. Und das Jahr zuvor. Und das Jahr zuvor. Den Sechspunktedreier vor Augen, am Ende nur Geeier und außer Spesen nichts gewesen. Pedders Jungs hingegen wie aus einem Stahlguss. Terodde und Co zerlegen den FSV in alle Elementarteilchen. (Kein Phrasenschwein, ha!) St. Pauli weiter auf Knien durch den Ligaalltag. 0:3 im Auer Schacht. Gegen Braunschweig nun schon mächtig unter Druck. Union gegen allen Trend, gegen DFL, gegen RB Leipzig , gegen einfach alles, was aus Mordor kriecht. 2:1 am Ende. Poltergeist Polter mit Doppelpack zum Punktepolster. Am Ende zwischen Platz 1 und 8 nur zwei Punkte. Da biste ruckzuck wieder irgendwo. Das dachte sich auch Liga 3 und zockte am Freitag in allen drei Spielen drei Mal ein 1:1 aus dem Ärmel. Früher war wirklich alles besser. Vor allem Flutlichtspiele. Chemnitz Tabellenführer weil Dynamo patzt und Preußen Münster kratzt nach dem 3:1 über Großaspach wieder an den Aufstiegsrängen. In der Regionalliga Nord holt die HSV-Reserve den 27. Punkt im neunten Spiel. Emails bezüglich Einschätzung über Doppeltorschützen Nils Brüning werden gerne entgegen genommen. Auch über Elvis Isufaj wüssten wir gerne mehr. Dem King gelang beim Spiel seines SV Hemelingen gegen den Geestemünder TV glorreiche sieben Buden. Meld dich bei uns, Elvis!

Fast wie in echt. Fast.

Schon etwas älter aber immer wieder gut. Fernsehen ist eben wie eine Art geistige Neutronenbombe: Das Gehirn wird weggestrahlt, aber der Kopf bleibt stehen. Also schnell einschalten auf Bengalos, Grillwerbung, monumentale Grafiken und gefälligen Poprock. Wunderbar!

Say Cheeese!

8791474-tom-and-jerry-cheese-mouse“[...] Obwohl der Mannschaftsarzt Hangeland zuvor ein Genesungs-Programm verordnet hatte, schickte Magath lieber einen Zeugwart los, um ein großes Stück Käse zu besorgen. Dieses sollte sich der der Fulham-Akteur den ganzen Nachmittag auf seinen verletzten Oberschenkel halten. [...] Vor allem nach Niederlagen war mit Magath nur wenig zu spaßen. Nach einer Pleite in der Liga bestellte er den gesamten Kader zum Gespräch in sein Büro. Dabei starrte er die Spieler jedoch nur minutenlang an, um zu sehen, wer anfängt zu blinzeln. Das sei bei ihm ein Zeichen der Schwäche gewesen, berichteten die Spieler. Zudem seien drei Trainingseinheiten am Tag nach einer Niederlage an der Tagesordnung gewesen. Die Spieler, so sagten sie, seien am Rande der totalen Erschöpfung gewesen. Als zwei Talente einmal zu spät zum Training erschienen, verdonnerte Magath sie zu solch einer hohen Geldstrafe, dass ein Mitspieler für sie finanziell in die Bresche springen musste.”

(Laut Magath alles frei erfunden. Oder eben falsch übersetzt. So habe er dem Spieler lediglich die gute, alte Quark-Behandlung empfohlen. Alles Käse eben. Und deshalb so herzhaft stinkend gut.)

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Die drei Musketiere. Die drei von der Tankstelle. Drei Engel für Charlie. Die drei Fragezeichen. Drei Caballeros. Dreigroschenoper. 3Sat. Dreitagebart. Flotter Dreier. Drei zu null für Paderborn in Hamburg. Führen Sie die Reihe fort. Unmöglich. Orgasmus auf der einen, die Gicht auf der anderen Seite. Ist Beiersdorfer noch zu halten? Mainz, Hannover, Freiburg, Gladbach. Vier Städte. Einfach nur vier Städte. Der BVB macht schnell alles klar, wird am Ende jedoch fickerig. Sind Ginter und Immobile noch zu halten? Eintracht Frankfurt zu Gast bei Malanda, diesem Teufelskerl. Wir vermuten, dass Voodoo im Spiel ist. Dazu aber nach dem dritten Mal dann mehr. Schalke leidet erst und fightet dann. Ohne Huntelaar, Boateng, Farfan, Uchida, Kolasinac. Ja, nicht nur die Bayern habens schwer. „VfB ist zu lieb, zu grün und ohne Leader“, schreibt der Kicker. Nach zwei Spieltagen also wieder alles beim Alten im Ländle. Wen hamma noch? Achja, Rudis Pillenkicker. Bellarabi, Calhanoglu, Kießling und Co ziehen weiter schneller als ihr Schatten. Überholspurfußball. Wie auf Droge. Trainer Schmidt fühlt sich bereits „wie zu Hause“. Woher das wohl kommt?

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4:0 Virenrundumschlag an der Alten Försterei. Der Club formatiert die Festplatte. Mattuschka formatiert 9 Jahre Union. Zurück zur DOS-Version. Zurück nach Cottbus. 4 Spiele, 6 Buden – Simon Terodde ballert Bochum an die Spitze und ne Laube im Schrebergarten. Aue wird von Düsseldorf zerlegt. Ist Falko Götz noch zu halten? Trainerstelle in Vietnam vakant, Baby! Lauterns Angstgegner Aalen mit Glück in letzter Minute zum 2:2. Ganz neutral gesehen: „Ein Witz von einem Elfer!“. Schiri Benjamin Brand kommt aus Gerolzhofen, 150km entfernt von Aalen. Heimschiri, ganz klar!
In Liga drei bisher kaum Überraschungen. Ok, Stuttgarter Kickers auf drei, Chemnitz auf eins, Großaspach auf acht, ääh…Stuttgart II Schlusslicht. Ist der Autor noch zu halten? Auf der Alm das Spiel des Spieltags. Nach Rückstand noch 4:2. Rote Karte wegen Tätlichkeit hier, Dreierpack Müller dort. Wie heißt es doch so schön: Niedergerungen. Bis auf das 3:3 im Derby zwischen Großaspach und Stuttgart ansonsten viel Heimatfilm statt Thriller. Viel „leistungsgerechtes Remis am Ende“. Ein bisschen Frieden schadet zurzeit nicht. Denkt sich wohl auch die TSG Wölfersheim II. 4 Spieltage, 2:42 Tore. Yes, we can´t!

Hopppics: Babelsberg 03 vs. TSG Neustrelitz

Regionalliga Nordost, 22.08.2014, 4. Spieltag

Coming Hopp: Regionalliga Nordost

Match: SV Babelsberg 03 vs. TSG Neustrelitz
Date: Freitag, 22.08.2014, 19Uhr
Ground: Karl-Liebknecht-Stadion (“KarLi”), 10.786 Plätze

Endlich. Ja, endlich geht´s für die Furche nach Babelsberg! Da wo Sepp Herberger, da wo Motor Babelsberg, da wo Tretschok & Chałaśkiewicz…da wo die Flutlichtmasten einklappbar sind. Fotos und Bericht folgen. Hey Ho, Let’s Go!

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(Foto: Andre Stiebitz)

Der traurige Torero

von Benjamin Quaderer

Still liegt der Gardasee an den Ufern, blau leuchtend, flankiert von den Alpen. Die Sonne legt ihre Strahlen auf die Dächer des verschlafenen Örtchens Riva del Garda. Katzen streifen gemächlich durch leere Gassen, aus den Wohnungen hört man Besteck auf Porzellan aufkommen. Die Glocke des Kirchturms schlägt zwölf. Die Glocke des Kirchturms schlägt für Mario Gómez.

gallery1_bGerade hat Halbspanier Gómez sein letztes Interview im Trikot des FC Bayern München gegeben. Im Trainingslager. Vor Palmen. Mit nostalgischem Blick. Die Locken des Interviewers haben im Sonnenlicht golden geleuchtet. Mario ist stark geblieben. Er hat mit fester Stimme gesprochen. Nur selten ist sie brüchig geworden. Nur ein einziges Mal. „Es ist immer schwierig, den besten Verein der Welt zu verlassen.“ Immer? Hat er das auch gesagt, als er den SV Unlingen verlassen hat, bei seinem Abschied vom FV Bad Saulgau? Waren das die Worte, die er benutze, als er dem SSV Ulm oder dem VfB Stuttgart den Rücken kehrte?

Jetzt steht Gómez, den seine Fans liebevoll „Torero“ nennen, im dritten Stock des 5-Sterne Hotels Lido Palace und blickt auf den Gardasee. Der FC Bayern hat es komplett gemietet. Der offene Koffer liegt auf dem Bett der Junior Suite. Was erwartet ihn in Florenz? Ebenfalls Kingsize Bett und 42 Zoll Satellitenfernseher? Sanitäranlagen aus Corian, tiefe europäische Badewannen? „Ich liebe den Fußball an sich. Ich wollte einfach mehr spielen“, gibt sich Gomez bescheiden. Tränen sind Stierkämpfern fremd. Es ist die Melancholie, die ihnen gehört.

Sätze der Bedeutungslosigkeit (#3)

1. “Ich weiß, dass wir dieses Jahr eine sehr schwere Saison haben werden.” (Ivica Olić aus dem Nähkästchen)
2. “Der Linksaußen ist variabel einsetzbar.” (Bruno Hübner + y = x²)
3. “An mir muss man erst mal vorbeikommen.” (Deal, Sami Allagui!)
4. “Das 7:0 war eine Überraschung, aber es waren schöne Tore.” (Louis Van Gaal, Konjunktionalbiest)
5. “Wir akzeptieren hier Menschen, Mangelhaftigkeiten und alles.” (Herzlich Willkommen, Luis Suárez)

Dirigent und Virtuose

Es geht weiter. Die Bundesliga bittet in knapp einem Monat zum 52. Tanz. Trotzdem möchten wir noch einmal an einen bestimmten Tag der WM erinnern. Am 7. Juli verstarb die argentinische Legende Alfredo di Stéfano im Alter von 88 Jahren an einem Herzinfarkt. Man sitzt dann als Blogger vor einem Dilemma. Auf der einen Seite eine der großartigsten Spielerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und dessen Tod, auf der anderen Seite das Web, das Schlandige, die sekündlichen Beiträge über Eistonnen und Beißattacken. Wir entschieden uns am 7. Juli gegen einen Beitrag über den Begründer des „Weißen Balletts“ und waren uns einig, dass ein Nachruf ein adäquaterer Zeitpunkt für den Mann sei, der in 565 Spielen 466 Tore schoss und mit dem “Major” Ferenc Puskás an seiner Seite acht spanische Meisterschaften für Real Madrid gewann. Ein perfektes Duo,eine Symbiose aus Technik, Schnelligkeit und Torinstinkt.
Der Dirigent und Virtuose di Stéfano wusste jedoch stets um die Bedeutung des Kollektivs: „Der Fußball hat mir alles gegeben. Ich habe ihn immer als Mannschaftsspiel verstanden und deutlich gemacht, dass ich nicht vergöttert werden will.”

So wird er immer in Erinnerung bleiben. Di Stéfano, Teamgeistler auf der einen, Ästhet auf der anderen Seite. Es gilt Abschied zu nehmen von einem, der als Erster und lange vor Cruyff und Maradona wusste: “Fußball ist eine Kunst – genau wie die Malerei.”

Gönnt euch 27 Minuten Genialität:

Keine Bange FAZ, taz & Co.!

2,w=559,c=0.bildEs kribbelt ja schon, über diese Schwachsinnsdebatte die Finger auf die Tastatur zu legen. Doch weil es eine Schwachsinnsdebatte ist, lassen wir es einfach. Genießt die Zeit nach der Zeit. Redet wieder über etwas anderes als über Fußball. Spielt Mau-Mau, lest Bücher im Garten, legt ein Steak auf den Grill (besser kein Angus Steak), wascht wieder Autos, mäht wieder den Rasen, trefft euch mit Freunden oder hört Chopin. Entspannt euch in Thermen, besucht philosophische Foren, trainiert die WM-Pfunde des Couchlebens ab oder schaut euch Liebesschnulzen im Kino gleich 2x an. Macht irgendetwas. Denn das alles ist sinnvoller als sich (ernsthaft) mit solch plakativem Wahnnsinn zu beschäftigen. Keine Bange, FAZ, taz (übrigens das erste Mal seit Hitler wohl einer Meinung) und Co.: Bald ist wieder Ligaalltag. Khedira bleibt/ Kroos wird Kollege von Di Maria!? Bei Arsenal werden Giroud und Podolski wieder FA-Cups jagen, in München und Wolfsburg wird man Dante und Gustavo aufbauen, in Paris werden sich 5 Brasilianer mit achso verfeindeten 3 Argentiniern die Kabine teilen und ja, es ist sogar möglich, dass sich Mascerano mit einem deutschen Keeper verbündet. Wir vermuten sogar, dass Demichelis und Lahm weiterhin befreundet bleiben. Ihr müsst also leider wieder “nur” darüber schreiben, wer an welchem Tor beteiligt war und wie das Spiel ausging. Ihr tut einem fast leid. Diese sinkenden Auflagen machen einen auf Dauer wahrscheinlich ziemlich fertig.

img032Facebook fragt: “Was war heute los?”. Ok, OOOk! Seit zwei Tagen Weltmeister. 5:24Uhr. Vögel zwitschern. Wahrscheinlich Schwalben. Oder Bachstelzen namens Merte. Oder Ronaldos. Nee, Spatzen, die schießen. Ein Taxifahrer will wissen wohin die Reise geht. Mmh. Dokus über Fritz Walter und Helmut Rahn geschaut (Phönix & ZDF Info). Unglaublich geile, keine, gar keine Nazi-Dokus! Puskás wurde in Kispest („Klein-Pest“) geboren. Johan Cruyffs Vater starb 1959 an einem Herzinfarkt und Argentiniens Sergio Goycochea begann seine Laufbahn bei Defensores Unidos (Anzahl der Spiele unbekannt). “The Other Final” auf YouTube geschaut. Flensburger getrunken. Plop! Miro Klose ist 1,84m GROSS (nicht lang!), Götzes Geburtsstadt Memmingen zählt 41.551 Einwohner und Andi Brehme steht für die “Aktion 1000 Mini-Spielfelder für Kinder und Jugendliche” ein. Leider müssen wir euch sagen, ja gar gestehen, dass wir, die Furche, ja, eure besserwisserische Klolektüre² am Ende ihrer Kompetenz angelangt ist: Expertentum war gestern. Herrlich!

 

Weiterlesen

Wer Urgewalt sät!

Wir sagen “DANKE”. Ihr könnt mit Fug und Recht behaupten, für die ersten Schritte unserer WM-Helden verantwortlich zu sein.

FC Schalke 04
Sportfreunde Eisbachtalr
SCB Preußen Köln
Tennis Borussia Berlin
SG Rieschweiler
VfL Kemminghausen
TuS Haltern
FC Bayern München
FT Gern München
TSV Pattensen
1. FV Bebra
BV Rentfort
SV March
SC Ronsberg
TV Oeffingen
BV Gräfrath
Greifswalder SC
TSV Pähl
Westfalia 04 Gelsenkirchen
Jugend 07 Bergheim
Ludwigshafener SC
FV Oberaudorf
SG Blaubach-Diedelkopf

Ihr sät, was die Großen ernten.

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Wenn doch endlich Sonntag wäre

5f24_ohren_zuhaltenIch will es alles nicht mehr hören. 11 Freunde weiß „5 Gründe für den deutschen Erfolg“, Andi Brehme zieht Parallelen zu 1990, Jens Lehmann adelt Manuel Neuer, Argentinien hat seit 2006 kein einziges WM-Spiel mehr verloren, außer 2x Deutschland versteht sich (vom „Hattrick“ ist die Rede) und Karlheinz Förster weiß, dass ein Spieler allein Messi nicht ausschalten kann. Ich will es nicht mehr hören. Wenn doch endlich Sonntag wäre. Ob Di Maria nun doch spielt? So wunderbar überragend wie im gesamten Turnier also? Es ist mir egal. Ich möchte raus an die frische Luft, möchte spazieren gehen und den blauen Himmel betrachten, möchte mich an Briefmarkensammlungen erinnern, möchte an Schnitzeljagden auf Kindergeburtstagen denken, möchte wieder Weltmeister werden. Bixente Lizarazu sagt dem “Kicker”, dass Deutschland im Gegensatz zu Argentinien ein Team hätte. Weiß ich doch. Heißt aber nichts. Ich will es nicht mehr hören. Wenn doch endlich Sonntag wäre. Sonntag, ein wunderbarer Tag. Keine Geschäfte offen, keine Verpflichtungen, nicht einmal Rasenmähen. Eine wunderbare Zeit. Wimbledon war, Tour de France ist, die WM gipfelt und beim HSV ist alles beim Alten. Wenn doch nur endlich Sonntag wäre.

I Love Hooligans

Heute, 23:50 auf ARTE: “I Love Hooligans” (13min) – Jan-Dirk Bouw ist Filmemacher aus den Niederlanden und derzeit mit seinem Kurzfilm auf Festivals international erfolgreich. In “I Love Hooligans” erzählt er die Geschichte eines homosexuellen Hooligans, der in einem ausweglosen Konflikt gefangen ist: keiner seiner Freunde darf von seiner sexuellen Orientierung wissen. Jan-Dirk Bouw hat für seine Geschichte lange im niederländischen Hooligan-Milieu recherchiert, um einen Protagonisten zu finden, der über sein Geheimnis sprechen wollte. Um diesen dann anonym zu halten, wählte er die Form des Animationsfilms, den er gemeinsam mit belgischen Künstlern herstellte. Einen Ausschnitt findet ihr hier: http://www.arte.tv/guide/de/053359-000/i-love-hooligans

ILoveHooligansweb

 

Wir Dilettanten!

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(Foto: dpa, gh)

8:58Uhr. Wir sind alle Dilettanten. Das schrieb die Süddeutsche Zeitung. Wir, das sind sie, Herr Kahn und Herr Scholl, das sind sie, Herr Strunz, Herr Breitner, Herr Brehme, das sind Sie, Herr Gott, wir, das bist du, das bin ich. Wir, die Dilettanten dachten, dass bei Xavi und Iniesta das Alter eine, aber nicht DIE Rolle spielt. Wir Dilettanten dachten, dass die Niederlande nach dem 5:1 über Spanien DER WM-Favorit ist. Wir Dilettanten dachten auch, dass Chile, Uruguay und Kolumbien für DIE Überraschung bei der WM sorgen könnten. Wir Dilettanten dachten, dass Neymars Verletzung DAS Kollektivbewusstsein in der Seleção auslösen könnte. Wir Dilettanten. Wir, das bist du, das bin ich. Wir fragten Per Merstesacker nach 120 Minuten um die Beschaffenheit unserer instabilen Abwehr. Wir dachten zu wissen, dass Costa Rica DER Außenseiter ist, Italien nach dem typisch azzurrischen Auftaktsieg mal wieder eine Rolle spielt und Finke, Deschamps und Lamouchi die Sache, IHRE Sache endlich im Griff haben. Diese WM ist eine Schandtat für uns alle. Wir, die tippen, analysieren, reflektieren und ernsthaft denken, dass Fußball etwas mit Rationalität zu tun hat. Wir, die sich über kahnsche Floskeln aufregen, öffentlich-rechtliche Verzerrung wittern und Schlaaand auf reflexive Art verweigern, wir dachten, dass Deutschland mit dem Finale 12,3% zu tun haben wird. Ein Hoch auf den Fußball, ein Hoch im Titelsong, ein Hoch für alle Daidalosse und Sisyphosse dieser Welt, die zwar dachten, aber nie glaubten. Wir Dilettanten. Wir Dilettanten. Wir Dilettanten haben jetzt den Salat. Aufzuwachen und Dilettant zu sein, ist unbezahlbar.

Ja, aber ich denke, dass.

facepalm_picard2„Ich weiß ja eigentlich, dass der Philipp auf rechts spielen muss, aber ich weiß auch, dass ich nichts weiß und kein Trainer bin, aber wenn das der Fall ist und deshalb ja keiner außer dem Jogi etwas versteht, verstehe ich nicht warum nicht die Kosequenz sein könnte, dass der Samy nicht auch dort spielen könnte wo der Philipp spielt, spielen doch beide mit dem Basti die gleiche Position im Mittelfeld, aber die anderen sagen alle dass nur der Philipp nach außen soll, damit wir über außen sicherer stehen, aber die anderen sagen auch alle, dass der Basti und der Samy nicht miteinander spielen können, aber weil der Samy gut auf den Pogba aufpassen kann, soll der im Mittelfeld spielen und das hieße ja wieder, dass der Philipp ins Mittelfeld zurück müsste, aber das geht ja nicht, weil ja alle das Gegenteil wollen und der Jogi dann ganz den Überblick verlieren würde und alle sagen, dass er das ja schon längst getan hat, also den Überblick….verlieren, den ich, der weiß dass er nichts weiß und nie wusste, schon längst verloren hat, aber genau deshalb weiß und ja, jetzt hab ichs, der Basti also Außenverteidiger spielen kann, und weil der ja gut mit dem Thomas kann, auch menschlich, und der Mesut doch gegen Ghana ganz gut auf links war, weil der ja auch einen linken Fuß hat, aber auf rechts spielt, damit er nach innen ziehen kann, kann er jetzt ja wieder auf links spielen und der Thomas dafür auf rechts ausweichen und die Räume suchen, die der Mesut nicht findet und der Miro kann zurück in den Sturm und dann kommen von links und rechts Flanken und der Basti und der Thomas auf einer Seite, der Philipp, der Jogi, der Samy, der Miro, ja auch die BILD wären glücklich und alle könnten sagen, dass ein Spiel bei 0 beginnt, der Ball rund ist und Fußball immer noch über Tugenden entschieden wird und alles andere Wurscht ist und der Basti eigentlich ja gar nicht auf rechts spielen kann und ich eigentlich gar nichts weiß.”

Kann bitte endlich irgendwer das Spiel anpfeifen!? Danke.

Eistonne. Aber ganz schnell.

26432_largeEistonne. Drei Tage. Alles egal und deshalb auch gut so. Viel Kritik. Zu viel Kritik. Außenverteidiger zu schlecht. Mertesacker zu langsam. Ja warum denn auch nicht!? Höwedes Innenverteidiger. Mustafi Innenverteidiger. Von Haus aus. Und dann sogar gut. Richtig gut. Eistonne. Mit dem Kopf zu erst. Jogi zu erst. Danach Lahm vielleicht Außenverteidiger. Dann muss auch Merte nicht aussem Zentrum raus. Is mir völlig Wurscht. Wir sind jetzt unter den letzten Acht. Und nur das zählt. Huffington Post schreibt übers „Verzetteln“ gegen Algerien (keine Karnevalstruppe): „Von dem Favoritenstatus war nichts, rein gar nichts zu sehen.“ Aha. So Favorit wie Spanien. So Favorit wie Frankreich gegen Nigeria (keine Karnevalstruppe). So Favorit wie Holland und Brasilien (ohne Neymar kein Karneval). So geil Favorit wie Italien. Nur der Deutsche ist DER Favorit. Klar. Eistonne. Schnell. Mecker, Mecker, Geklecker. Liegt dem Deutschen eben. Alles schlecht reden? Sehr gerne. Huffington Post weiß: Scheunentorartige Löcher im Mittelfeld. Stotternde Offensive. Khedira und Schweinsteiger “können nicht zusammen.” (Der Autor Marcel Bohnensteffen schreibt übrigens über Fußball) Erschreckend ideenlos. Wat wollense?! Wollense se ne erfolgreiche WM oder somma wieder ausscheiden und ham schön gespielt?! Freitag weiter, weiter, immer weiter. Mathieu Debuchy übrigens auch einer dieser schlechten Außenverteidiger. Die (Frankreichs Karnevalstruppe) dürfen aber. Wir offenbar nicht. Wir dürfen eben keine Turniermannschaft mehr sein. Durften wir früher nur zu gerne. Heute nicht erlaubt. Der Deutsche ist nämlich nun Ästhet. Eistonne. Aber ganz schnell.

 

Wir sind dann mal weg

Wir sind dann mal weg. Auch wir haben in der Bezirksliga eine “lange Saison hinter uns” (neudeutsches Sprichwort) und werden unsere Platzierung im Niemandsland der Tabelle auf der Bergkirchweih in Erlangen ausgiebig analysaufen. Bis Montag hört ihr also nichts von uns. Gar nichts! Nichts über das Remis im Auftaktspiel, nichts über Hollands Debakel gegen Spanien, nichts über Gerrards verschossenen Elfer. Unser WM-Studio steht und wird dann ab Montag grandios besetzt und beseelt (siehe Abb.1 unten, Kühlschrank; Kader WM-Finale 2002 – hintere Reihe stehend: Hamann, Klose, Bode, Metzelder, Linke; untere Reihe sitzend: Jeremies, Ramelow, Schneider, Frings, Kahn, Neuville).

Alles wird gut!

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6x Fußball auf ZDF kultur

222Wir wissen ja nicht so ganz genau, was uns da heute Abend alles erwartet. Gute Dokus über “Dritte Halbzeiten” sind ja bekanntlich mehr als rar. Was wir aber sagen können ist, dass uns “66/67″ auch beim dritten Hinschauen nicht enttäuscht hat. Ja, es läuft tatsächlich mehr im Fernsehen als “Aktenzeichen XY…ungelöst” mit Rudi Cerne.

Klose 1:0

Kaputte Straßen. Joghurt 0,99€. Überall kaputte Straßen. Wahrscheinlich ist die Stadt verarmt. Alkohol. Apotheken mit netten Damen, Milfs. Politik hier, mal da. Der Netto wurde umgebaut. Schmelzer im Aufgebot. Angebot. Raus. Lachs 3,59€. Nachhaltige Fischerei. Für die WM in Brasilien gibt es nun Angebote, also diese Angebote eben. Wie von Mike Krüger und Hagebaumarkt. Bewegung in der Ukraine-Krise. Stefan Kießling. Zu Hause bleibt sich´s am besten mit OBI. Heckauswurf-Rasentraktor „Mastercut 155-92“: 1599 Euro. Am nächsten Morgen legte ich mich wieder eine Weile ins Bett. In der Küche fand ich ein paar leere Flaschen, die ich zu Geld machte. Dann onanierte ich langsam und genussvoll, schlief ein. Über 15.000 sind dabei – stellen sie jetzt ihr WM-Team auf. Alkohol. Kicker. Irgendwas mit Herberger. Wieder am Schreibtisch. Nein, doch auf der Couch. Plötzlich. Die “Sesamstraße” erhält Preis für Programm mit dem größten Einfluss auf die Entwicklung des Kinderfernsehens in den vergangenen 50 Jahren. Fujuma völlig unterschätzt. SKANDAL! Alkohol. 06.Juni. Temperatur 7,4 °C. Südwind 4,0 km/h (1 bft). Luftdruck auf NN 1.018,2 hPa. 06. Juni 1961: In Stuttgart unterschreiben die Ministerpräsidenten der Länder den Staatsvertrag zur Gründung des ZDF. Müller-Hohenstein 4 Jahre alt. Alkohol. Alkohol. Raphael Wolf wird 26 Jahre alt. Werder Bremen. Werden Bremen II. Beim HSV angefangen. Dann abgeschoben. Wie auch sonst. Haben vor in nächster Zeit vorm Hof ca. 650m2 (8cm dick) zu asphaltieren zu einen Preis von 85€/t (ca. 7m² Fläche/t)! Was habt ihr bezahlt bzw. ist es ein günstiges Angebot?? Kaputte Stadt. Spanien wird Weltmeister. Toni Kroos kein Karma. Gianna Michaels. Riesen Brüste. Auch Geburtstag. (* 6. Juni 1983 in Seattle, Washington) Riesen Brüste. Echt. Echt. Die sechs oder sieben Blocks bis zu meiner Pension ging ich immer zu Fuß. Die Bäume entlang der Straße sahen alle gleich aus: klein, verkrüppelt, halb erfroren, ohne Blätter. Ich mochte sie. Ich ging meinen Weg unter kalten Mond. Dann eine Weggabelung. Dann Stefan Kießling. OBI Geschlossen. Grill 9,99€. Wurst aus. Straßenlaternen so nah. Der Marder so da. Stadtdschungel und Puplic Viewing. Ich bin wieder hier, in meinem Revier. Klose 1:0

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Wigan Athletic – Blackpool FC 0:2

Championship, 45. Spieltag

26.04.2014, 15:00 Uhr
DW Stadium, Wigan
Zuschauerzahl: 19,137

Text und Bild: Marian Thiel

cEs war mal wieder Zeit, die Universitätsroutine mit unterklassigem Fußball zu verdrängen. Hatte ich doch in letzter Zeit eine verhältnismäßig ruhige Kugel am Schreibtisch geschoben. Ganz im Gegensatz zu meinen Mitbewohnern und eigentlich allen anderen hier in Preston, die derbe im Prüfungsstress steckten. So ging es an diesem sonnigen Samstag auf eigene Faust ins schöne Wigan. Ist es deprimierend, sich alleine ein Wigan-Spiel anzugucken? Ich bin mir nicht sicher. Vom Spiel erwartete ich jedoch alles andere als eine ruhige Kugel. Für Wigan, trainiert von ManCity-Legende Uwe Rösler, ging es schließlich darum, in die Play-offs einzuziehen.

Angekommen am Bahnhof Preston erwartete ich eigentlich eine orangefarbene Invasion aus dem benachbarten Blackpool. Die Fans der Seasiders, aka Tangerines aka Donkey Lashers (abwertender Name, den Preston-Fans gebrauchen) haben in Preston nicht den allerbesten Ruf, wurden in der Vergangenheit doch regelmäßig diverse Einrichtungen während des Fan-Durchzugs neu angestrichen. Begrüßt wurde ich am Bahnhof jedoch nur von vier Halbstarken, bewaffnet mit orangefarbene Flaggen und Jogginghosen. „Donkeys!“ dachte ich. Fast beängstigend.

Vom Bahnhof Wigan ging es dann zügig zum DW Stadium. Als gutgläubiger Mensch vertraute ich dem Ticketverkäufer bei der Platzwahl. Fünf Minuten später fand ich mich auf der Kinder- und Rentnertribüne wieder. Besten Dank. Steht es wirklich so schlimm ums Studententum? Da half nur eins: Pie holen. Kenner der Szene werden sicherlich gleich erkannt haben, dass es sich wieder mal um einen Holland’s Pie handelt, wie er auch in Burnley serviert wird. Bedeutet: Allererste Güteklasse. Gratulation an Wigan für diese Delikatesse.

aVon Beginn an machten die Auswärtsfans ordentlich Stimmung. Mit dem ersten Gesang wurde direkt meine frische Liebe Preston North End verunglimpft, interessanterweise mit dem gleichen Lied, mit dem die Seestädter sonst in Preston geschmäht werden. Die Welt ist klein und Lancashire offensichtlich noch kleiner. Ich konnte den Schmähgesang verkraften, denn wenigstens kam so Stimmung auf. Anders die Wigan-Anhänger, die sich gepflegt zurückhielten (hatten mit hoher Wahrscheinlichkeit alle gerade einen dieser göttlichen Pies im Gaumen). Es dauerte dann doch 15 Minuten, bis ich erahnen konnte, wo der harte Kern der Latics-Fans saß. Doch auch diese Truppe konnte nicht verhindern, dass es sich über 90 Minuten wie ein Blackpool-Heimspiel anfühlte.

Das Spielgeschehen plätscherte in der ersten Hälfte lustlos vor sich hin. Ein Kick im Mittelfeld. Keine echten Torchancen. Eben Fußball wie wir ihn lieben und brauchen um hinterher anzuklagen, warum man sich das eigentlich immer und immer wieder antut.

Da war es nur logisch, dass ein elendig dreckiger Elfmeter herhalten musste. Kann man geben, muss man aber blabla. Das Fazit eines Blackpool-Fans während der Rückreise: „Der ist über seine eigenen Beine gestolpert.“ Daher wohl eher fragwürdig die Entscheidung. Doch es juckte eh niemanden, denn den durchaus gut gesetzten Elfer parierte Matthew Gilks in beeindruckender Manier mit einer Hand. 0:0. Es ist schwer ein 0:0 zu bewerten. Soll ja Menschen geben, die immer wieder ein „0:0 der besseren Sorte“ proklamieren. Gerade fällt mir auf, dass ich für die Charakterbeschreibung der ersten Spielhälfte einfach nur die Shift-Taste gedrückt lassen muss: =:=

In der Halbzeit ging es unterhaltsamer zu Werke. Zuerst entzückte das Wigan-Maskottchen, welches von Weitem gewisse Ähnlichkeit mit H.P. Baxxter hat. Feinbritischer Humor stieg empor, als das Publikum die Jugendspieler aus der Nachbarschaft bei ihrer Ehrenrunde auslachte, als diese vom Rasensprenger erfasst wurden.

bIn der zweiten Hälfte präsentierten sich die Mannschaften wie ausgewechselt. Gab es vielleicht Pies zum Pausentee? Wigan spielte druckvoller und erarbeitete sich mehr und mehr Chancen. Mitten in die Druckphase der Gastgeber erzielten die Gäste jedoch den glücklichen Führungstreffer nach mustergültigem Konter. War zuvor schon jede Ecke wie ein Tor bejubelt worden, gab es jetzt auf der Gästetribüne gar kein Halten mehr. Und was macht man wenn man glücklich ist? Genau, menschenunwürdige Schmählieder gegen Preston singen. Ich liebe dieses Land. Wigan blieb spielbestimmend. Die Blau-Weißen reagierten mit weiteren Angriffen, die jedoch allesamt erfolglos blieben. Blackpool hingegen eiskalt. Nur 10 Minuten nach der Führung erhöhten sie in gleicher Manier zum 0:2. Wieder stand Wigan hoch, wieder setzte es den tödlichen Konter. Nach dem Treffer schien auch das Heimteam eingesehen zu haben, dass der Drops gelutscht war. So gab es nach 95 Minuten die Wiedergeburt der Tangerines zu feiern.

Die Rückfahrt entschädigte mich dann auch noch für die unspektakuläre Anreise. Neben den Schaffnern war ich wohl der Einzige im Zug, der weder Orange trug, noch sieges(be)trunken war. So war ich wenigstens in der geistigen Lage, den Herren Knüppel in der Polizeikontrolle plausibel zu erklären, dass ich nur in Preston wohne und überzeugter Pazifist bin, der doch eigentlich nur zwei Dinge mag: Fußball und Pies.

Zurück in die Zukunft…

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S. 2+3: We are the champions
S. 4: Der goldene Schuss
S. 5: LORD ist Extra!
S. 6+7: Angst? Warum sich Matthäus vor dem Elfer drückte
S. 8: Die WM – Das größte Fest des Fernsehens
S. 9: BOSCH: Das Schleifwunder mit dem neuen Dreh
S. 10+11: Buchwald – Die Nacht, in der ich Maradona besiegte
S. 12+13: Schade, Steiner kam sechs Jahre zu spät
S. 14: Wenn dein Körper durstig ist – GATORATE!
S. 15: Illgner arbeitslos – und das im Finale
S. 16+17: Kohler – im Kopfballspiel unbesiegt
S. 18+19: Netzer: Warum wir den Titel verdient haben
S. 20+22: Mannschaften, Spiele, Tore, Sünder
S. 23: Der neue SEAT Ibiza 1,2i Kat!
S. 24+25: Lattek: Franz, der Doppelweltmeister
S. 26+27: Arbeitsnachweis aller eingesetzten WM-Spieler
S. 28+29: Elektrisches Faltschiebedach inklusive: Der Mazda 121
S. 30+31: Die WM-Zeugnisse
S. 32: Verrückte WM – 23mal war das Tor zu klein
S. 33: Get a taste of it. Chesterfield.
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S. 45: Das neue ARAL Supertronic
S. 46: Briefe an die Redaktion: “Welche Hausfrau stellt bei Ihnen die Reporter-Hitparade zusammen? Heribert Faßbender und Dieter Kürten auf den vorderen Plätzen – kaum zu glauben! Sicher, sie können plaudern. Aber vom Fußball haben sie keine Ahnung!” (Heiko Boeden, Karlsruhe)
S. 47: Rudi Völler präsentiert Rudi Völler
S. 50: Beckenbauer: Taktik, Tore und Amore
S. 52+53: Kopf hoch, Steffi!
S. 54+55: Boris: “Ich glaub wieder an mich!”
S. 57: Geschmack neu entdecken. CAMEL!
S. 61: Schach-Weltrangliste
S. 72: Wenn sie abbauen, baut ISOSTAR sie wieder auf!